Verkehr: Die Ausnahme ist im Wedding die Regel

Parken ohne Nummernschild auf der Badstraße. Foto Andrei Schnell.
Zweite-Reihe-Parker in der Badstraße. Foto Andrei Schnell.

Manchmal staunt man, wie nah eine gefühlte Realität der Wirklichkeit kommt. Beispiel: Verkehr. Am Freitag (12.1.) hat die Polizei fast vier Stunden auf den Hauptstraßen im Wedding und in Gesundbrunnen Autos kontrolliert. Man vermutet schon, dass die Beamten bei einem Teil der Wagen Grund zur Beanstandung gehabt hätten – Falschparken und so. Tatsächlich waren es, man glaubt es kaum, 80 Prozent!

Weddingmelder-Wochenschau #2/18

Vineta-Grundschule. Foto: Dominique Hensel
Nachmittags „Volkslehrer“, vormittags Grundschullehrer an der Vineta-Grundschule. Foto: Andrei Schnell

Guten Morgen liebe Weddinger, wünscht der Weddingmelder. Gleich ein paar schlechte gute Morgen scheint der selbsternannte „Volkslehrer“ gehabt zu haben. (Weniger bekannt als Nikolai N.). Tagsüber lehrt er in der Vineta-Grundschule am Gesundbrunnen. Ob Rahmenlehrplan, Grundgesetz oder der „rassistische Tagesspiegel“ – über vieles verbreitet er abends die wahre Wahrheit. Also die Wahrheit, die jetzt wirklich stimmt. Dazu nutzer seinem YouTube-Kanal, bei dem fast 7.000 Wissbegierige lauschen. Endlose Monologe (geübt in jahrelangem Frontalunterrricht wie in der guten alten Zeit?) schrecken sie nicht ab. Die fast 60 Filmchen haben nun ihrerseits der Senatsverwaltung für Bildung ihre Morgen verdorben. Sie hat Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Nachzulesen bei Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Morgenpost. Wobei rbb24 sagt, wie man Verschwörungstheorien wieder los wird.  – Und sonst so …

Kutschi: Einflugschneise in den nördlichen Wedding

Dieser wichtige Verkehrsknotenpunkt liegt zwar nicht im Wedding, aber so dermaßen haarscharf an der Bezirksgrenze, dass auch viele Weddinger dort umsteigen, einkaufen oder essen gehen. Klar, dass wir vom Weddingweiser den Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf nicht ignorieren können. Seit jeher verkürzen die Berliner seinen sperrigen Namen zu Kutschi. Klingt ein bisschen schnoddrig und ein wenig lieblos. Aber es sagt bereits alles darüber, wie dieser Platz wahrgenommen wird.

SPICE: Vietnamesisch essen im Wedding

Wer gerade keine Reise nach Vietnam antreten kann, aber trotzdem voller Fernweh steckt, sollte dem Spice in der Föhrer Straße einen Besuch abstatten. Nicht nur das Essen, sondern auch das Flair wirken authentisch – wuselig, ungezwungen und gemütlich familiär. An warmen Tagen kann man sich draußen an Holztische setzten und den Trubel Weddings beobachten. Bei kühlerem Wetter sitzt du drinnen, wo es allerdings nur vier Tischchen gibt. Das bedeutet, dass man kuschelig mit anderen Besuchern zusammen speist – eben unverfälscht vietnamesisch.

Der Wedding bleibt hässlich

Fahrrad, Antwerpener Straße, kuriosParkverbotsschilder auf dem Gehweg sind ihre ersten Vorboten. Wenig später schon folgen die Abschlepper, gern von ein bis zwei mehr oder minder präsenten Polizeiuniformen flankiert, bevor es offensichtlich wird. Das bis gestern noch recht unscheinbare Wohnhaus wird eingerüstet – und verschwindet für mehrere Wochen gänzlich hinter Hämmern, Stemmen und (vielleicht bald schon geklauten) Bauaufzügen. „Gentrifidings“ ruft man eilig dort, wo von außen mal eben aufgehübscht werden soll. Dabei steht auch deswegen längst fest: von innen bleibt der Wedding hässlich. Trotz neuem Zeppelinplatz. Trotz aufgeklebter Dämmplatten. Trotz der neuen Fassaden, der neuen Balkone und der aufgemalten Klinkersteine.