Coronavirus: Der wichtigste Faktor sind wir selbst

Coronavirus Atemschutzmasken ausverkauft-Schild in der Leo-Apotheke
Foto: Hensel

Seit ein paar Wochen sind die Augen des ganzen Landes auf den Wedding gerichtet. Denn am Nordufer und an der Seestraße befindet sich das Robert-Koch-Institut. Täglich wird von dort aus die aktuelle Gefährdungslage angesichts des Coronavirus vermeldet. In der Nacht vom Sonntag auf Montag kam dann aus dem benachbarten Virchowklinikum die Meldung, dass der erste Patient, der in Berlin durch eine Routineuntersuchung positiv auf das Coronavirus getestet wurde, auf der dortigen Isolierstation untergebracht wurde.
Die Rettungsstelle der Inneren Medizin musste 24 Stunden lahmgelegt werden, die Mitarbeiter der betroffenen Schicht bleiben nun erst einmal zu Hause, ebenso wie weitere Kontaktpersonen. Auf dem Gelände des Klinikums wurde nun ein eigenes Untersuchungsgebäude für Corona-Verdachtsfälle ausgewiesen, um den restlichen Betrieb nicht zu beeinträchtigen. Worauf kommt es jetzt an?

Café Bades: Gastfreundschaft im Antonkiez

In der sonst ruhigen Antonstraße am Leo kann man von weitem seit etwas mehr als einem Jahr auf dem Bürgersteig vor dem Café Bades stets ein Grüppchen junger Leute ausmachen. Die Volkshochschule Mitte nebenan und die Wedding-Grundschule gegenüber sorgen für eine bunte Mischung. Und in der weiteren Nachbarschaft hat sich die Qualität des Espressos und Latte rumgesprochen; eine kleine italienische Fangemeinde gehört ebenfalls schon zur Bades-Community.

Geschickt kombiniert

Stettiner StraßeDie Mischung macht’s! Ebenso wenig wie eine Straße voller neureicher Protzbauten in den Wedding passt, wollen wir hier triste Aneinanderreihungen der immer gleichen Ladenketten sehen. Auch wenn der Trend eindeutig in Richtung „mehr Monotonie“ geht, leisten einige Geschäftsinhaber in unserem Stadtteil Widerstand. Indem sie originelle Konzepte miteinander kombinieren und damit etwas schaffen, was kein Weltkonzern hinbekommt: Kiezläden mit Persönlichkeit.

„Bélaplume“: Französisch designt, im Wedding bedruckt

In der Drontheimer Str. 34 befindet sich mit dem Stattlab eine große Siebdruckwerkstatt, in der verschiedenste Künstler und Designer Postkarten, Plakate oder auch Textilien bedrucken können. In Workshops kann man die Technik des Siebdrucks selbst erlernen. Auch nach der Schließung des Stadtbads Wedding, in der sich der Verein Stattlab e.V. gegründet hatte, ist das Künstlerkollektiv dem Wedding treu geblieben. Gemeinsam mit vielen anderen Künstlern arbeitet auch der 35-jährige Digitaldesigner Maxime Rabot in der Siebdruckwerkstatt – vor allem T-Shirts bilden den Grundstock seines Labels Bélaplume.

Sind unsere Spätis in Gefahr?

Nach dem Training geht das Team von Dynamo Dosenbier in den Späti. Foto: A. Keilen
Foto: A. Keilen

14.07.2019 Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft oft eine große Lücke, vor allem wenn es um die Aufgaben des Ordnungsamts geht. Man schaue nur einmal auf die in zweiter Spur parkenden Autos auf der Müllerstraße oder die Hundehaufen auf unseren Gehwegen. Die Toleranz der Berliner wird oft bis an die Grenze strapaziert. Nur bei einer Sache hört der Spaß dann wirklich auf: Wenn durch Kontrollen an Sonntagen die Ladenschließung bei Spätis durchgesetzt wird. Diese meist inhabergeführten Familienbetriebe sind die wahren sozialen Mittelpunkte der Kieze, auch im Wedding. Sie dürfen normalerweise sonntags nicht öffnen, was aber bis jetzt niemanden gestört hat.

Tradition: Möbel an der Pankstraße

Möbel Kraft Eingangsbereich zum MöbelhausIm Wedding stehen Möbel manchmal einfach auf der Straße, zum Mitnehmen, aber eher zum Entsorgen. Warum fällt Berlinern trotzdem „Möbelkauf“ ein, wenn sie an den Wedding denken? Der Grund ist das Möbelhaus in der Pankstraße, das lange als „Höffner“ firmierte und jetzt „Möbel Kraft“ heißt. Aber auch das Restaurant des Möbelhauses ist ein Anziehungspunkt an der Pankstraße.

Chibee: Einfach koreanisch

In Korea selbst sind Chicken-and-Beer-Lokale sehr beliebt, dort heißen sie Chi-maek. Man braucht aber kein Koreanisch zu können, um die Herkunft des Namens Chibee im Wedding zu verstehen. Er setzt sich nämlich aus CHIcken und BEEr zusammen, den wichtigsten Produkten des Restaurants an der Tegeler Straße, das früher einmal das Café Hubert war. Für viele Hähnchenfreunde gilt die koreanische Form der Zubereitung als eine besonders leckere.

Pro und contra Leinenpflicht

Straßenschild. Foto: Sulamith Sallmann
Straßenschild. Foto: Sulamith Sallmann

Am 1. Januar hat Berlin eine weitreichende Leinenpflicht für alle Hunde eingeführt, die in Treppenhäusern, auf belebten Straßen oder auf Märkten gilt. Auch vorher schon galt dies für Spielplätze und Parks, die mit dem grünen Schild gekennzeichnet sind. Wenn sich Hundehalter davon befreien lassen wollen, müssen sie einen Sachkundenachweis oder einen Nachweis über die Haltung des Hundes im Juli 2016 vorlegen. Davon abgesehen, dass das kaum zu kontrollieren ist, scheiden sich die Geister: Ist die Leinenpflicht, so verständlich der Wunsch nach ihr ist, eigentlich noch im Sinne einer artgerechten Hundehaltung?