Ohne Industrie kein Wedding

In den Osram-Höfen

Als 1861 das weitgehend unbesiedelte und vor allem landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Land nördlich der Stadt Berlin eingemeindet wurde, erfolgte dies gegen den Willen der Berliner Stadtväter. Mit der Bevölkerung auf dem Wedding und am Gesundbrunnen wollten sie gar nichts zu tun haben, diese würden bald städtische Infrastruktur und Wohlfahrt brauchen. Das ließ hohe Kosten erwarten. Das war sehr kurzsichtig, denn die Gebietserweiterung verschaffte der aufblühenden Industrie neue Erweiterungsflächen außerhalb der dicht bebauten Stadt. Und so stieg das vorstädtische Gelände rund um Wedding und Gesundbrunnen zu einer dicht bebauten Stadt voller Arbeitsplätze auf.

Straßenumbenennungen: Widerspruch ist teuer!

Maji-Maji-Allee, Anna-Mungunda-Allee, Manga-Bell-Platz und Cornelius-Fredericks-Straße statt Petersallee, Nachtigalplatz und Lüderitzstraße? Lassen wir an dieser Stelle die längst abgeschlossene Diskussion über die Notwendigkeit der Umbenennungen von Straßen im Afrikanischen Viertel einmal beiseite. Das Verfahren ist inzwischen fast zum Abschluss gekommen – der vorerst letzte Akt war die Erteilung von 127 Widerspruchsbescheiden an Anwohnerinnen und Anwohner. Für die enthielt das Schreiben des Bezirksamts vom 22. Dezember eine böse Überraschung.

Silvestermüll: Ehrensache für Weddinger

Alle Jahre wieder – und noch unwitziger als die 100.000. Wiederholung von „Dinner for One“ ist der Anblick der total zugemüllten Straßen nach der Silvesternacht. Nicht nur, aber eben auch vor unserer Tür, im Wedding. An Neujahr geht man spazieren, allein schon, um zu schauen, welche Spuren die „Naturkatastrophe“ Silvester hinterlassen hat. Eine von einem Böller zerfetzte Ratte vor der Haustür war da noch das Originellste, was ich diesmal zu sehen bekam. Aber ich sah auch Weddinger Kiezbewohner, die sich mit Besen und Schubkarre bewaffnet haben und die ersten Spuren beseitigen. Und zwar die vom Feiern anderer Leute. So sehr mich dieses vereinzelte Engagement erfreut, so sehr ärgert mich die Mentalität derjenigen, die den Müll verursacht haben. Irgendjemand wird’s schon wegräumen, wie immer. Wofür bezahlt man schließlich Hundesteuern, Abfallgebühren oder andere Abgaben?