Rückblick auf zehn Jahre im Wedding

Zehn Jahre Rückblick Wir schauen zehn Jahre zurück. Die Älteren werden sich noch erinnern: Noch im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends war der Wedding für Menschen außerhalb des Wedding so attraktiv wie – sagen wir – Nordkorea. Das hatte auch Vorteile. Die Weddinger konnten die schönen Ecken ihres von Auswärtigen gemiedenen Stadtteils unter sich genießen, bei niedrigen Mieten und mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Nur wenn es ans Ausgehen ging, musste man wohl oder übel auch schon einmal den Wedding verlassen, meistens jedenfalls.

Aus und vorbei – dank des ungebremsten Zuzugs neuer Berliner aus dem In- und Ausland ist auch der Wedding mit seiner zentralen Lage in den Strudel des Immobilienmarktes geraten. Erst hatten wir kein Glück (selbst hier wurden die Wohnungen knapp), dann kam auch noch Pech dazu (die Mieten und auch die Immobilienpreise stiegen). Alteingessene Bewohner der Kieze können sich die Mieten im Wedding nicht mehr leisten. Statt von einem Lottogewinn träumt man im Wedding heute von einer bezahlbaren Wohnung. Wer umziehen muss, für den heißt es: an den Stadtrand oder weg aus Berlin. Dafür sind ganz neue Nachbarn in die Kieze gezogen, die früher einen großen Bogen um den einstigen Arbeiterbezirk Wedding gemacht hätten. Ein Trostpflaster dieser Entwicklung: Für schicke Geschäfte, Cafés, Bars und Restaurants müssen sie jetzt nicht mehr in den Prenzlauer Berg fahren.

Die Trabbis kommen!

9.11.2019 Ein ungewohnter Anblick am 9. November – auf der Bösebrücke zwischen Wedding und Prenzlauer Berg gaben sich Trabbis, Wartburgs, Ladas und Barkas-Busse ein Stelldichein. Wievor 30 Jahren,  am Abend des 9. November 1989, als am Grenzübergang Bornholmer Straße die Grenzen geöffnet wurden und die Ost-Berliner in den Wedding strömten. Bei einer Parade von Ost-Autos an dieser historischen Stelle wurden jedenfalls Erinnerungen wach!

silent green Kulturquartier: Zeitlose Würde

Achteckiger Innenhof des Krematoriums

Im Wedding stand ab 1996 eine millionenschwere Investition, die modernste Feuerbestattungsanlage Europas. Sie bot unterirdisch Platz für 817 Särge. Nach nur fünf Jahren wurde sie geschlossen, die Geschichte des historisch bedeutsamen Krematoriums Wedding fand ein jähes Ende. 2013 begann ein neues Leben des Geländes als silent green Kulturquartier. Die historischen Anlagen wie die Kuppelhalle und die moderne Betonhalle unter der Erde wurden zu einem Kulturort erster Güte umgebaut. Heute ist das Gelände unter anderem Berlinale-Standort.

Kinowelten uff’n Wedding und Gesundbrunnen

Die Wiege des Kinos lag im Wintergarten des Hotel Central. Bald schossen Anfang des 20. Jh. spezielle „Kinematographen-Theater“ wie Pilze aus dem Boden, auch uff’n Wedding. 1909 schrieb Alfred Döblin vom Kintopp als dem „Theater der kleinen Leute“. Unsere Großeltern werden diese Kinos noch gekannt haben. In unseren damaligen Bezirk gab es 75 Kinos. Heute gibt es noch zwei: Das Multiplex-Kino Cineplex Alhambra und das City Kino Wedding.