Bun­ter Wed­ding: Farb­beu­tel flie­gen auf neue Fas­sa­den. Leben­di­ger Wed­ding: Ob Drosch­ken­pfer­de, ein Design­markt oder Honig­bie­nen, alles ist bei uns in Bewe­gung. Glanz­vol­ler Wed­ding: Die Ber­li­na­le, der neue Zep­pe­lin­platz oder ein Kul­tur­fes­ti­val, unser Stadt­teil braucht sich nicht zu ver­ste­cken. Schließ­lich scheint der Rat­haus­vor­platz, der wei­ter­hin kei­nen Namen haben wird, noch vor dem BER fer­tig zu werden. 

Im Janu­ar fand das Gezer­re um das Fort­be­stehen des Café Leo ein Ende: das fes­te Gebäu­de am Nord­west­rand des Leo­pold­plat­zes wur­de ein­ge­weiht. Nun hat die­ser zen­tra­le Ort ein gas­tro­no­mi­sches Grund­an­ge­bot, das nicht beson­ders teu­er ist und kei­nen Alko­hol beinhal­tet. Ganz in der Nähe, in der See­stra­ße, wur­de in die­sem Win­ter eine Not­un­ter­kunft ein­ge­weiht, und wir haben dazu eine Repor­ta­ge gebracht. 

Der Gen­tri­fi­zie­rungs­kri­ti­ker und Ex-Staats­se­kre­tär Andrej Holm trat am Tag sei­nes Rück­tritts im Wed­din­ger Pro­jekt­raum ExRo­ta­print auf und stell­te sich den Fra­gen der Jour­na­lis­ten und Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer. Wir waren eben­falls dabei und haben dar­über berich­tet.

Im Febru­ar zeig­te sich der Wed­ding spen­da­bel und trat sei­nen Anteil am Mau­er­park an den Bezirk Pan­kow ab. Gern gesche­hen! Wir haben ja auch unse­re eige­nen Parks: Aber ob das Trau­er­spiel um das Park­ca­fé Reh­ber­ge bald ein Ende hat, frag­ten wir uns eben­falls in die­sem Monat. Wild­schwein­alarm: Ein Kei­ler ter­ro­ri­sier­te in den Reh­ber­gen eine Grup­pe Spa­zier­gän­ger und bezahl­te mit sei­nem Leben – ein Poli­zist erschoss das Wild­schwein am Kurt-Schumacher-Platz.

Der neue Bezirks­bür­ger­meis­ter von Mit­te Ste­phan von Das­sel gab uns ein Inter­view. Einer sei­ner Kern­sät­ze: “Bür­ger­be­tei­li­gung fängt für mich mit Infor­ma­ti­on an. Das ist für mich noch wich­ti­ger als die Fra­ge, ob die Bür­ger und Bür­ge­rin­nen immer mit allem ein­ver­stan­den sein müs­sen, was die Poli­tik entscheidet.”

Ein wenig Gla­mour kam bei der Ber­li­na­le wie­der in den Wed­ding, denn das City Kino war erneut Bestand­teil der Film­fest­spie­le. Mehr Glanz bekam in die­sem Jahr auch das Gesund­brun­nen Cen­ter, das 20 Jah­re alt wur­de und den Ver­lust von real kom­pen­sier­te. Ein biss­chen älter ist der ältes­te U‑Bahn-Tun­nel Ber­lins, den nur die wenigs­ten ken­nen und der jetzt wie­der zugäng­lich ist.

Im März nahm das Baum­haus sei­nen regu­lä­ren Betrieb auf. Was es damit auf sich hat (nein, es gibt kei­nen rich­ti­gen Baum), haben wir für euch auf­ge­schrie­ben. Eine alte Bekann­te kam im März wie­der, die WG Bar. Klas­sen­fahrt­fee­ling! Eine Trä­ne für eine Insti­tu­ti­on: Für immer vor­bei ist die Ära der Video­the­ken. Mit den bei­den Video-World-Filia­len war 2017 end­gül­tig Schluss. Auch der Cast­le Pub ver­ließ uns – in Rich­tung Nord­bahn­hof und bleibt damit immer noch ganz in der Nähe.

Anhän­ger des Wed­ding: damit sind kei­ne Fans, son­dern Anhän­ger­fahr­zeu­ge aller Art gemeint. Wir sind der gleich­na­mi­gen Serie in unse­rer Face­book­grup­pe im April ein­mal nach­ge­gan­gen und stell­ten sogar die Fra­ge: Ist das Kunst? Defi­ni­tiv Kunst war das Rosa-Parks-Haus, das der Wed­din­ger Künst­ler Ryan Men­do­za in den Sol­di­ner Kiez hol­te und das wegen sei­ner poli­ti­schen Aus­sa­ge für Furo­re sorg­te. Inzwi­schen ist es wie­der abge­baut und zurück in den USA. Eine ver­pass­te Gelegenheit.

Der Mai beglück­te den Mit­tel­strei­fen der Mül­ler­stra­ße wie­der mit schö­nen Fotos auf Groß­pla­kat­wän­den. Das wun­der­ba­re Urban Gar­de­ning-Pro­jekt Him­mel­beet muss­te in die­ser Zeit aber um sei­ne Zukunft fürch­ten, ist doch auf sei­nem Gelän­de ein Neu­bau geplant. Erst soll­te der Gar­ten aufs Dach umzie­hen, doch eine neue Lösung wird erst im Jahr 2019 not­wen­dig sein. Bis dahin hat das Him­mel­beet noch eine Schon­frist. Rund geht es auch vor dem Gleim­tun­nel: der neue Kreis­ver­kehr auf Wed­din­ger Sei­te ermög­licht die Zufahrt zu den neu­en Wohnbauten.

Im Juni freu­ten wir uns über zwei neue Trink­was­ser­brun­nen im Wed­ding. Die dann im Win­ter als Aschen­be­cher miss­braucht wur­den, wie wir Wed­din­ger lei­der fest­stel­len muss­ten. Eben­falls neu: ein Floh­markt am Pan­keufer, der wun­der­bar ent­spannt gut zum Wed­ding passt. Pas­sen die von einer geheim tagen­den Jury gewähl­ten Stra­ßen­na­men zum Afri­ka­ni­schen Vier­tel? Dass die bis­he­ri­gen drei Stra­ßen­na­men auf den Schrott­hau­fen der Geschich­te gehö­ren, ist inzwi­schen mehr­heit­lich aner­kannt, doch muss man den Namen eines Men­schen­schläch­ters durch den Namen einer Skla­ven­händ­le­rin erset­zen? Das Ver­fah­ren gehört also noch mal auf den Prüf­stand.

Ist der Wed­ding 2017 sau­be­rer gewor­den? Nein. Schützt uns das vor Miet­stei­ge­run­gen. Nein. Des­we­gen nann­ten wir das Pro­blem beim Namen: Wed­ding, du alte Drecksau. 

Nicht nur im Juli sind die Wed­din­ger Bie­nen flei­ßig: Über­all summt es, ganz ent­ge­gen dem welt­wei­ten Trend. Was hat uns den Som­mer über und auch am 3. Advent erfreut? Ganz klar, der Wed­ding­markt. Und sogar auf der Brun­nen­stra­ße hat ein Street Food Markt ein ganz unge­wohn­tes gas­tro­no­mi­sches Ange­bot geschaf­fen. Mit dabei war auch die Schnee­eu­le, eine Braue­rei von Wed­din­ger Betrei­bern, die Ber­lin sei­ne ori­gi­nal Ber­li­ner Wei­ße zurück­ge­ge­ben hat.

Gro­ße Auf­re­gung im August um Drosch­ken­pfer­de in Ber­lin – ver­bie­ten oder nicht? Den im Wed­ding unter­ge­brach­ten Pfer­den geht es jeden­falls mehr oder weni­ger gut in ihrem Stall, stell­ten unse­re Leser fest, nach­dem wir dar­über berich­tet haben.

2 Tage Kul­tur im Wed­ding, an vie­len Orten, aus dem Wed­ding her­aus orga­ni­siert: zum zwei­ten Mal fand im Sep­tem­ber2 Tage Wed­ding” statt und zeig­te dem Rest der Welt, was kul­tu­rell bei uns so mög­lich ist. Tegel offen­hal­ten oder nicht, die­se von der FDP Ber­lin in Form eines Volks­ent­scheids gestell­te Fra­ge pola­ri­sier­te auch uns im Wed­ding. Jeden­falls haben wir gewählt, und auch einen neu­en Bun­des­tag. Wer bei uns vor­ne lag, haben wir hier ein­mal zusam­men­ge­stellt. Wäre der Wed­ding Deutsch­land, hät­ten wir wohl eine lin­ke Mehrheitsregierung.

Der Okto­ber star­te­te mit der vier­ten Aus­ga­be von Per Anhal­ter durch die Bar­la­xis. Unfall­frei über eine brei­te Stra­ße kom­men? Ein Zebra­strei­fen macht’s mög­lich. Unser Plä­doy­er für einen sol­chen auf der Use­do­mer Stra­ße war jeden­falls am Ende von Erfolg gekrönt. Und auch der Zep­pe­lin­platz ist end­lich umge­stal­tet! Erst der Spiel­platz, dann die Wege, jetzt auch eine Flä­che zum Gerä­te­tur­nen, die nachts stil­voll illu­mi­niert ist. Direkt dane­ben begann das Semes­ter an der Beuth Hoch­schu­le, deren Stu­den­ten uns einen Bei­trag mit Tipps  (nicht nur) für Erst­se­mes­ter gelie­fert haben. Zum Glück ist auch im Bezirks­haus­halt wie­der Geld da. Wir haben ein­mal auf­ge­lis­tet, wofür es aus­ge­ge­ben wer­den soll. Unser guter alten namen­lo­ser Platz vor dem Rat­haus, der Schil­ler­bi­blio­thek und dem Job-Cen­ter nähert sich der Fer­tig­stel­lung, aber er wird auch wei­ter­hin nicht Eli­se- und- Otto-Ham­pel-Platz hei­ßen. Viel­leicht fin­det sich aber eine ande­re Lösung mit einem Stück der Lim­bur­ger Stra­ße, das umbe­nannt wer­den könnte. 

Der Wed­ding wird schick, ein teu­res Café am Leo­pold­platz beweist es, und teu­er: gleich um die Ecke hat ein Appar­te­ment­haus für wohl­ha­ben­de Stu­den­ten eröff­net. Der Wed­ding mach­te eine kla­re Ansa­ge und ver­schan­del­te die Fas­sa­de mit roten Farb­beu­teln. Nur ein letz­tes Auf­be­geh­ren? Die Wed­din­ger sind wider­stän­dig. Im Novem­ber ging die Haus­ge­mein­schaft Ams­ter­da­mer Ecke Mal­plaquet­stra­ße mit ihrem Plan an die Öffent­lich­keit: Sie wol­len den Ver­kauf ihres Miets­hau­ses ver­hin­dern. Der ist zwar zwi­schen­zeit­lich erfolgt, aber jetzt kann noch der Bezirk hel­fen, denn er hat im Milieu­schutz­ge­biet ein Vor­kaufs­recht. Brei­te Soli­da­ri­tät mit die­ser Haus­ge­mein­schaft: in den Fens­tern im Kiez hän­gen Her­zen, die die Sym­pa­thie gegen das Pro­fit­den­ken von Haus­ei­gen­tü­mern zeigen.

Gegen den Ver­fall der Sit­ten und für die Ein­hal­tung von Regeln auf dem Leo­pold­platz arbei­tet seit Herbst ein Platz­dienst, den wir im Dezem­ber einen Tag lang beglei­tet haben. Wir vom Wed­ding­wei­ser haben uns ein neu­es Design gegönnt und pla­nen, uns inhalt­lich stär­ker zu posi­tio­nie­ren. Wir dan­ken unse­ren Lese­rin­nen und Lesern für ihre Treue sowie die kri­ti­sche Beglei­tung und hof­fen auf Unter­stüt­zung. Die­se ist wich­ti­ger denn je: Denn auch im Jahr 2018 wer­den uns im Wed­ding die The­men nicht ausgehen.

Cafés und Restaurants

Das gas­tro­no­mi­sche Ange­bot im Wed­ding ist im Jahr 2017 eher grö­ßer gewor­den. Sogar am eher trost­lo­sen Net­tel­beck­platz ist mit dem Mira­ge Bis­trot ein ziem­lich ambi­tio­nier­tes Künst­ler­ca­fé gestar­tet. Im Kar­stadt-Gebäu­de ist mit Leo Leo eine Fusi­on aus ori­en­ta­li­scher Tra­di­ti­on mit Bur­ger-Kul­tur ent­stan­den. Eine Ecke wei­ter am Stand­ort des ehe­ma­li­gen Näh­ma­schi­nen­ge­schäfts wagt The Visit einen neu­en Stan­dard im Wed­ding zu set­zen, vor allem was das Preis­ni­veau angeht. Ori­gi­nell und ziem­lich ame­ri­ka­nisch ist Lino’s Bar­be­cue, wo auf texa­ni­sche Art gegrillt wird.

Auch an der Gericht­stra­ße gibt es jetzt ambi­tio­nier­te Bur­ger bei Lou­is Alfons.

Zeit ist Geld, sagt man, doch Ber­lins ers­tes Anti-Café eröff­ne­te im Wed­ding. Im be’k­ech wird nicht nach Ver­brauch, son­dern nach Zeit abge­rech­net. Und auch sonst ist es ein wun­der­ba­res Café.

Wovon muss­ten wir Abschied neh­men? Herr Bie­lig oder bes­ser gesagt Frau Bie­lig hat den Sol­di­ner Kiez ver­las­sen. Und das Café Hubert, das über­ra­schend zum Jah­res­an­fang nicht mehr öff­ne­te, ist ein paar Häu­ser wei­ter­ge­zo­gen an den Stand­ort der “Drei Lüg­ner” und wird jetzt gemein­sam mit dem Besit­zer des Pan­ca­ke-Foodtruck Fei­ner Herr als Fei­ner Hubert betrie­ben.  Eben­falls an Pan­ca­kes erin­nern die Crê­pes und Galet­tes des Mal­ör, die die bis­lang eher als gas­tro­no­mi­sche Wüs­te emp­fun­de­ne Bel­ler­mann­stra­ße unge­mein bereichern.

Mehr Wedding wagen

Mehr Nach­rich­ten aus dem Kiez und Gas­tro-Arti­kel fin­det ihr fast täg­lich auf dem Wed­ding­wei­ser. Damit das so bleibt und wir noch mehr schö­ne Sei­ten des Wed­ding zei­gen kön­nen, dan­ken wir euch für eure Unter­stüt­zung. Ihr könnt dies auch per Soli-Abo oder per Ein­mal­zah­lung tun. Da geht es schon ab 2 Euro los.

weddingweiserredaktion

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