Wedding kurz & knapp

Meldungen kurz & knappDer Wed­ding ist ver­kauft, bald geimpft, auf Ein­la­dung getes­tet, er spricht Fran­zö­sisch und Latein, gärt­nert sehr gern und turnt auch im Win­ter. Und wenn man jetzt noch erwähnt, dass er in schö­nen Häu­sern auch zum Lesen, aber nicht zum Fei­ern ein­lädt, dann hat man eigent­lich das Wich­tigs­te über den Wed­ding gesagt, was es in die­ser Woche über ihn zu sagen gibt. Ver­stan­den? Zur Sicher­heit kom­men die sie­ben wich­tigs­ten Mel­dun­gen der Woche jetzt noch Mal in Langform:

Schnitzeljagd-Poetry Slam kommt in den Wedding zurück

Logo Secret SlamDie Kiez­poe­ten ver­an­stal­ten eine neue Aus­ga­be ihres Wed­din­ger „Secret Slams“: Schnit­zel­jagd trifft Poe­try Slam. „Wenn ihr das Code­wort kennt, klin­gelt bei der zwei­ten von oben.“ Drei Stock­wer­ke, Wed­din­ger Hin­ter­hof, eine klei­nes Wohn­zim­mer. Die Schnitzeljäger*innen machen es sich auf Couch und Tep­pich bequem, ein Poe­try Slam­mer betritt die Minia­tur­büh­ne. Die Stim­mung ist auf­ge­regt und ent­spannt. Nach der Abstim­mung will jedes Team als ers­tes wie­der aus der Woh­nung sein, um sich auf den Weg zur nächs­ten Loca­ti­on zu machen – denn den Schnells­ten win­ken Gratis-Shots.

“Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez” – deutscher Kolonialismus in Samoa und China

Spren­gel-/Sa­moa­stra­ße

War­um gibt es im Wed­ding eine Samoa­stra­ße und einen Pekin­ger Platz? Aktu­ell wird in den Medi­en viel über deut­schen Kolo­nia­lis­mus und Ras­sis­mus debat­tiert. Daher lud das Inter­kul­tu­rel­le Gemein­we­sen­zen­trum „Spren­gel­haus“ in der Spren­gel­stra­ße 15 am 17. Juni zur Füh­rung “Spu­ren­su­che Kolo­nia­ler Spren­gel­kiez” ein. Unse­re Autorin war mit von der Partie.

Essen zum Mitnehmen im Sprengelkiez

Das Cozymazu im SprengelkiezTake-away und Lie­fer­diens­te: Was kön­nen wir tun, wenn wir unse­re Cafés und Restau­rants auch nach der Kri­se behal­ten wol­len? Ganz ein­fach: Wir kön­nen sie jetzt unter­stüt­zen und unser Essen dort abho­len. In einer Serie stel­len wir euch in jedem Kiez eini­ge Orte vor, wo ihr Essen zum Mit­neh­men abho­len oder für die Lie­fe­rung bestel­len könnt. Heu­te: Tipps für den Sprengelkiez. 

Support your local: Noch mehr Masken aus dem Kiez

Ate­lier Dani­el Kroh, Foto: S. Orsenne

Immer mehr Läden und Pri­vat­per­so­nen im Wed­ding nähen Stoff­mas­ken für Mund und Nase, damit die pro­fes­sio­nel­len Mas­ken in aus­rei­chen­der Zahl dem Pfle­ge­per­so­nal zur Ver­fü­gung ste­hen. Unser ers­ter Bericht über zwei Mode­ate­liers hat in der letz­ten Woche vie­le Wed­din­ger erreicht. Unse­re Lese­rin Eva schrieb uns eben­falls an: „Ich kon­tak­tie­re euch für aus Afgha­ni­stan stam­men­de Freun­de von mir hier, die im Spren­gel­kiez woh­nen und die Atem­schutz­mas­ken selbst nähen.“ Eine wei­te­re Wed­din­ge­rin näht eben­falls selbst  – für rein kari­ta­ti­ve Zwe­cke. Und zu guter Letzt stel­len wir euch ein Ate­lier vor, das kurz­fris­tig eben­falls auf Mas­ken­nä­hen umge­stellt hat.

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekin­ger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebau­te Wohn­vier­tel rund um die Spren­gel- und die Tege­ler Stra­ße ver­fügt neben einer weit­ge­hend intak­ten Alt­bau­sub­stanz aus der Grün­der­zeit über eine rich­ti­ge Was­ser­la­ge. Im Süd­wes­ten des Kiezes ver­läuft näm­lich der Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal. Die aus­ge­bau­te Ufer­pro­me­na­de mit ihren reprä­sen­ta­ti­ven Wohn­häu­sern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spa­zier­gän­gen und zu Café­be­su­chen ein. Wie an kei­ner ande­ren Stel­le im Wed­ding rei­hen sich hier gas­tro­no­mi­sche Betrie­be anein­an­der, sowohl tra­di­tio­nel­le Knei­pen ( Deich­graf) als auch neue­re Cafés und Restau­rants (Fünf­und­sech­zig, Cafe am Ufer). Eben­falls im Spren­gel­kiez besteht seit vie­len Jah­ren die Wed­din­ger Haus­braue­rei Eschen­bräu, wo man im Som­mer in einem schat­ti­gen Bier­gar­ten im Hin­ter­hof sit­zen kann. In den letz­ten Jah­ren wur­de durch ein Quar­tiers­ma­nage­ment viel in die vor­han­de­nen Spiel­plät­ze investiert.

Neben dem Sparr­platz und dem Pekin­ger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Spren­gel­park zu nen­nen. Auf dem 10 000 qm gro­ßen ehe­ma­li­gen Indus­trie­are­al (hier wur­den Was­ser­flug­zeu­ge gebaut) zwi­schen der Kiautschoustra­ße und der Spren­gel­stra­ße haben Land­schafts­pla­ner einen urba­nen Sport- und Spiel­park mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der klei­ne, aber fei­ne Sprengelpark

Im Spren­gel­kiez und in sei­ner unmit­tel­ba­ren Umge­bung befin­den sich wich­ti­ge öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, deren Bedeu­tung weit über den Wed­ding hin­aus­reicht. Zu nen­nen ist hier vor allem das Robert-Koch-Insti­tut am Nord­ufer. Das 1891 gegrün­de­te Insti­tut ist die zen­tra­le Über­wa­chungs- und For­schungs­ein­rich­tung der Bun­des­re­pu­blik für Infek­ti­ons­krank­hei­ten. Es befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Rudolf-Virchow-Kran­ken­haus (heu­te: Cha­ri­té Cam­pus Virchow). Die zen­tra­le Ber­li­ner Ein­wan­de­rungs­be­hör­de liegt eben­falls am Kanalufer, jedoch auf der gegen­über­lie­gen­den Moa­bi­ter Sei­te. Sie ist mit dem Torf­stra­ßen­steg an den Spren­gel­kiez ange­bun­den. Auch Beschäf­tig­te und Stu­die­ren­de der nahe gele­ge­nen Beuth-Hoch­schu­le drü­cken dem Spren­gel­kiez ihren Stem­pel auf. Daher fin­det man in die­sem Kiez mehr stu­den­ti­sches Ein­flüs­se und die pas­sen­de Infra­struk­tur als in ande­ren Vier­teln im Wedding.

Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Da das Indus­trie­ge­län­de an der Spren­gel­stra­ße erst am Ende des 19. Jahr­hun­derts auf­ge­ge­ben wur­de, konn­te sich der west­li­che Teil des Kiezes am Nord­ufer erst um 1900 her­um zu einem Wohn­ge­biet ent­wi­ckeln. Die reprä­sen­ta­ti­ve Gebäu­de­grup­pe zwi­schen Feh­mar­ner Stra­ße, Nord­ufer und Buch­stra­ße ist ein beson­ders gelun­ge­nes Bei­spiel für genos­sen­schaft­li­chen Reform­woh­nungs­bau. Vor allem die Eck­bau­ten, davon eines sogar mit einem Dop­pel­gie­bel, prä­gen das Kanalufer an die­sem Abschnitt. Auch das Eck­haus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein groß­bür­ger­li­cher Pracht­bau, wie es ihn im Wed­ding eher sel­ten gibt. Die Oster­kir­che liegt an der Samoa­stra­ße / Spren­gel­stra­ße und damit exakt in der Mit­te des Spren­gel­kiezes. Die wuch­ti­ge Back­stein­kir­che ist in die Ecke eines Blocks gebaut und ver­eint Kir­chen­schiff, Turm und Pfarr­haus in einem ein­zi­gen Gebäu­de. Das gewöl­be­lo­se Kir­chen­in­ne­re ist mit pracht­vol­len Male­rei­en ver­se­hen. Das Geschäfts­zen­trum des immer belieb­ter und damit auch teu­rer wer­den­den Spren­gel­kiezes ist neu­er­dings die Tege­ler Stra­ße mit ihren vie­len Cafés, Restau­rants und Fach­ge­schäf­ten. Aber auch in die Spren­gel­stra­ße zieht es Nacht­schwär­mer (in das gleich­na­mi­ge Musik­lo­kal) oder in die vie­len klei­nen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel Str

Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Rich­tung Mül­ler­stra­ße ist der Kiez stär­ker von sozia­len Pro­ble­men geprägt, was vor etli­chen Jah­ren auch der Grund für die Ein­rich­tung des Quar­tiers­ma­nage­ments Sparr­platz war. Der namens­ge­ben­de Platz ist eine lang­ge­zo­ge­ne Grün­an­la­ge mit Bolz- und Spiel­plät­zen. Genau in die­ser Lage ist mit dem Prime-Time-Thea­ter an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kul­tu­rel­ler Anzie­hungs­punkt von ber­lin­wei­ter Rele­vanz ent­stan­den. Des­sen Allein­stel­lungs­merk­mal ist eine fort­lau­fen­de Sei­fen­oper auf der Büh­ne namens “Gutes Wed­ding, schlech­tes Wed­ding”. Doch anders als bei dem ver­meint­li­chen TV-Vor­bild gibt es bei die­sem Thea­ter­spaß mit Wed­din­ger Ori­gi­na­len ech­tes Geläch­ter eines glän­zend unter­hal­te­nen Publi­kums. Direkt neben­an liegt die Ber­li­ner SPD-Zen­tra­le (Kurt-Schu­ma­cher-Haus) – tra­di­tio­nell eng mit dem “roten Wed­ding” ver­bun­den. Bedeu­tend für den gan­zen Orts­teil ist auch das Job­cen­ter direkt gegen­über – unter­ge­bracht in einem typi­schen Arbeits­amts­ge­bäu­de aus den 1950er Jahren.

Hanoi St.16: Fusions-Küche mit Straßenatmosphäre

Sind wir hier wirk­lich noch im Wed­ding? Wer kurz ein­mal Urlaubs­fee­ling erle­ben möch­te und sich in viet­na­me­si­scher und indo­ne­si­scher Küche wie­der­fin­det, soll­te unbe­dingt mal das Hanoi St. 16 in der Torf­stra­ße im Spren­gel­kiez auf­su­chen. Schon aus der Fer­ne wird klar, dass sich hin­ter den Türen die­ses Restau­rants kein klas­si­sches asia­ti­sches Lokal ver­steckt. Die bun­ten Lam­pi­ons und Holz­mö­bel kom­bi­niert mit Vin­ta­ge-Deko wie Retro­fern­se­her und Laut­spre­cher laden zum ein­keh­ren und ent­de­cken ein. 

Göttlich Essen und Trinken in der Tegeler Straße

Ihre Ein­stel­lung zu Genuss und Geschmack haben Chris­ti­an Moskal und sei­ne bei­den Geschäfts­part­ner nicht nur zum Mot­to Ihres Cafés erklärt, son­dern auch gleich im Namen fest­ge­hal­ten. Es geht ihnen gera­de nicht um das schnel­le Bekämp­fen von Hun­ger und Durst, son­dern um das Geschmacks­er­leb­nis dabei – „Gött­lich Essen & Trin­ken“ eben. Seit Juni 2013 ist das „Gött­lich“ nun in der Tege­ler Stra­ße 23 zu fin­den und ein fes­ter Teil der Café­land­schaft im Spren­gel­kiez geworden.