Quinoa-Schule sucht Nachmieter und Sachspenden

Im vergangenen August hat mit der bundesweit vielbeachteten privaten Quinoa-Schule ein spannendes Bildungsprojekt im Wedding eröffnet. Dabei handelt es sich um eine besondere Schule – weil alle Beteiligten eine wichtige Überzeugung teilen: Ein Migrationshintergrund ist eine Chance, kein Nachteil! Die Schule will wachsen, zieht dafür um und bittet um Unterstützung.

Quinoa: Privatschule im Brennpunktkiez eröffnet

Schulleiter Christian Schwenke im Klassenraum. Foto: Hensel
Schulleiter Christian Schwenke im Klassenraum. Foto: Hensel

Kein Tag wie jeder andere: Um 8 Uhr hat für 24 junge Weddinger der Unterricht in einer neuen und sehr besonderen Schule begonnen. Die Siebtklässler sind die ersten Schüler in der neuen Quinoa-Schule, die ihren Betrieb im zweiten Obergeschoss in der Osloer Straße 25/26 aufgenommen hat (Aktualisierung 2016: die Schule ist inzwischen umgezogen).

Die Kolumne: Qual der Schulwahl

Meine Mutter hatte es gut. Sie weiß gar nicht, wie gut sie es hatte. Wirklich. Als ich sieben Jahre alt wurde, schickte sie mich einfach so in die Schule. Die Frage, in welche Schule ich gehen würde, stellte sie sich nicht. Es gab ja auch nur eine in dem kleinen Ort am Rand von Berlin. In die wurde ich eingeschult, da machte ich später meinen ersten Abschluss. Ende der Geschichte. 30 Jahre später im Wedding könnte ich bereits jetzt Bücher über das Thema Schulwahl verfassen und die Entscheidung für eine Bildungseinrichtung fällt mir schwer. Und dabei muss ich erst in den kommenden Monaten ein Kreuzchen vor einem Schulnamen machen, der kleine Weddinger bekommt erst in einem Jahr eine Schultüte.

Medienhof Wedding: SPRINT zum Schulerfolg

Am Donnerstag, den 15. Mai um 14:30 Uhr werden Manuela Schwesig (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Jan Stöß (Berlins SPD-Chef) und Ralf Wieland (Präsident des Berliner Abgeordnetenhaus) den „Sprint“-Förderunterricht im Medienhof Wedding besuchen. Wir veröffentlichen aus diesem Anlass noch einmal einen Text zu diesem Projekt in der Prinzenallee in Berlin-Gesundbrunnen.

„das kleine atelier“: Kunst macht Spaß!

27 Quadratmeter Malen, Zeichnen und Platz für Kunst
27 Quadratmeter Malen, Zeichnen und Platz für Kunst

„Ich freue mich sehr, dass es mir gelungen ist, meine kleine Oase hier im Wedding zu halten, zu pflegen und in kleinen Schritten stabiler und auch bekannter zu machen“, sagt Karin Fröhlich. Ihre Malschule in der Oudenarder Straße feiert jetzt zweijähriges Jubiläum.

Klein ist ein Wort, das im Zusammenhang mit dem Atelier oft fällt. „Immer wenn ich von meiner Wohnung im Vorderhaus, vorbei an der Sandkiste und der kleinen Wiese zu meinem kleinen Atelier im Seitenflügel gegangen bin, haben mich die kleinen Hausbewohner gefragt: Karin, wohin gehst du? Was machst du? Was malst du?“ erzählt Karin Fröhlich. „So habe ich sie eines Tages eingeladen, zu mir ins Atelier zu kommen und alles selbst auszuprobieren.“ Das war im Jahr 2006. Im Mai 2011 eröffnete die Künstlerin dann die nur 27 Quadratmeter große Malschule „das kleine atelier“.

Karin Fröhlich (Foto: Kroth)
Karin Fröhlich (Foto: Kroth)

Karin Fröhlich hat an der Universität der Künste in Berlin studiert und versucht in ihrer Kunstschule Maltechniken weiterzugeben, die sie während des Studiums und bei einem langen Aufenthalt in Japan erlernt hat. „Was ich wecken will, ist die Neugier auf die Welt“, erzählt die gebürtige Nürnbergerin. Wichtig ist ihr auch das Genau-Hinschauen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Zuversicht, malen und zeichnen zu können. „Was ich bewahren will, sind Fantasie und Kreativität, die Linien und Farben zum Leben erwecken und Träume lebendig machen“, sagt die 53-jährige Malerin, die schon seit zwanzig Jahren im Wedding lebt. Um Unterstützer zu gewinnen, geht das kleine atelier ungewöhnliche Wege. So gibt es seit Oktober 2012 28 Patinnen und Paten, die durch den Erwerb von Materialtalern (einmalig oder regelmäßig) das kleine atelier unterstützen. Dadurch ist es möglich, dass immer neue Pinsel, gutes Papier, schöne Farben, leuchtende Buntstifte, saubere Radiergummis und viele andere große und kleine Dinge angeschafft werden können. Maximal vier Kinder können an Malkursen teilnehmen: „Die kleinen Künstler sind aus dem Wedding, aus Weißensee, aus Falkensee, aus Friedenau und Prenzlauer Berg“, berichtet Karin Fröhlich, die sich freut, dass das kleine atelier viele Menschen in den Wedding lockt.

Das kleine atelier bietet an mehreren Tagen in der Woche Malstunden in Form eines offenen Ateliers an. Eine Malstunde dauert 90 Minuten. Die Malstunden können über einen individuellen Zeitraum besucht werden. Zum offenen Atelier gehören außerdem zwei regelmäßige Ausstellungstermine im Frühling und im Herbst eines jeden Jahres.

Ab April 2013 findet einmal im Monat ein Wochenendworkshop für japanische Tuschmalerei Sumi-é für Erwachsene im kleinen atelier statt. „Diese Maltechnik habe ich vor langer Zeit in Japan kennengelernt und sie ist noch immer eine Quelle der Inspiration für mich“, sagt Karin Fröhlich.

In der Malschule, die es nunmehr seit zwei Jahren gibt, geht es um das Probieren, das Experimentieren, das Verbinden und das Finden, das Entstehen von Kunst und die Offenheit für alles, was Kunst sein kann. Das Motto der Malschule ist „Kunst macht Spaß“, die erste Zeile von Karin Fröhlichs Lieblingszitates von Henk van Os, ehemaliger Direktor des Stedelijk Museums in Amsterdam. Ist das Kunst oder nicht – diese Frage stellt das kleine atelier jedenfalls nicht.

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das kleine atelier

Oudenarder Straße 32, 13347 Berlin

Telefon: 030 462 77 12, 0160 / 608 30 08

Website Malen und Zeichnen

Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum

Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.

Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen „Schul-Umwelt-Zentrum Mitte„) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: „Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.“

Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!

 

 

 

Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.

Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.

Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.

Infos:

www.suz-mitte.de

Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.:  030-49870411, Mail: info@suz-mitte.de

Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)