Ex-Diesterweg: Eine Schule, keine Schule, eine Schule

Die alte Schule in der Putbusser Straße im Brunnenviertel soll wieder eine Schule werden. Foto: Hensel

Seit acht Jahren steht das ehemalige Schulgelände in der Putbusser Straße 12 im Brunnenviertel leer. Der markante orangefarbene Bau aus den 1970er Jahren ist seit 2011 ungenutzt und verfällt. Nach einem langen und komplizierten Prozess soll der Standort nun wieder vor allem das werden, was er einst war: eine Schule. Das haben die Bezirksverordneten auf ihrer Sitzung Ende November beschlossen.Bis 2011 war in dem Gebäudekomplex das Diesterweg-Gymnasium untergebracht. Weil der Bezirk von sinkenden Schülerzahlen ausgegangen war, wurde der Standort aber aufgegeben. Schüler und Lehrer zogen in die Böttgerstraße um. Die Hugo-Heimann-Bibliothek, die im Schulgebäude untergebracht war, wurde in die neue Schillerbibliothek am Leopoldplatz integriert. Das Hauptgebäude stand seitdem leer. Lediglich die Schulsporthalle und ein Nebengebäude wurden noch genutzt.

Lange hatte niemand Interesse an dem Grundstück. Es wurde über Zwischennutzungen diskutiert, Gutachten bescheinigten eine Asbestbelastung des Gebäudes. Im Jahr 2012 meldete sich die Initiative „ps wedding“ (Ex-Diesterweg: ps wedding will Schule plus) mit einem ungewöhnlichen Konzept. Die Projektgruppe, die zuvor bereits das ExRotaprint in der Gottschedstraße nichtkommerziell instand gesetzt hat, wollte das Gebäudeensemble sanieren, ergänzen und genossenschaftliches Wohnen zu günstigen Preisen sowie ein soziokulturelles Zentrum für die Nachbarschaft ermöglichen. Im Laufe der Verhandlungen mit Land und Bezirk wurde das bei fast allen Bezirksverordneten zunächst befürwortete Projekt um eine Kooperation mit einem städtischen Wohnungsbauunternehmen ergänzt: Zusätzlich sollte die degewo hier Mietwohnungen bauen.

Vor einem Jahr änderte der Bezirk seine Haltung. Weil inzwischen deutlich war, dass massiv Schulplätze fehlen, bekam die Liegenschaft eine neue Bedeutung. Nun ist klar: in der alten Schule soll eine Integrierte Sekundarschule entstehen. Der Bezirk hatte dabei jedoch einen Abriss des Bestandsgebäudes und einen Neubau im Sinn. Dieser Plan konnte nicht umgesetzt werden, weil das Landesdenkmalamt das ehemalige Schulzentrum Anfang des Monats unter Denkmalschutz stellte. Das freute viele Menschen in der Nachbarschaft und auch die Initiative „ps wedding“, die das Gebäude von Anfang an erhalten wollte.

Der langwierige Prozess wird mit dem Beschluss der Bezirksverordneten vom Donnerstag beendet. Der auffällige Bau im Brunnenviertel bleibt erhalten. Das Grundstück wird als Schulgelände reaktiviert. Das Bezirksamt soll „zusammen mit der Howoge und PS Wedding ein Konzept für eine gemeinsame Entwicklung erarbeiten“, heißt es in dem Beschluss.

Logo Weddinger Allgemeine ZeitungDer Text stammt aus der Weddinger Allgemeinen Zeitung, der gedruckten Zeitung für den Wedding. Foto und Text stammen von Dominique Hensel. Wir danken dem RAZ-Verlag


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