Wir kriegen die Krise: So war 2018

Foto: Hen­sel

Teil 2 unse­res Jah­res­rück­blicks: Der Irr­sinn in die­ser Stadt geht auch am Wed­ding nicht spur­los vor­bei. Ob Zwei­te-Rei­he-Par­ker, gesperr­te Tram­stre­cken oder Die­sel­ver­bot, oft geht nichts mehr im Stra­ßen­ver­kehr. Doch zum Glück gibt es genug ande­re Grün­de, mit sich und dem Wed­ding im Rei­nen zu sein. 

Weddinger Rumsteher

Sie feh­len in den Super­märk­ten, sie sind ein opti­sches Ärger­nis und auch sonst ärgern wir uns über auf den Geh­we­gen her­um­ste­hen­de Ein­kaufs­wa­gen. Lei­der haben wir uns im Wed­ding an die­ses Bild gewöhnt. 

Und auch an die Leih­rä­der, die in Mas­sen auf dem Geh­weg her­um­ste­hen und den Weg ver­sper­ren! Wun­der­sa­mer­wei­se gelang­ten vie­le der bun­ten Draht­esel, für die man eigent­lich eine Kre­dit­kar­te braucht, in den Wed­ding und wur­den dort von Jugend­li­chen zum Crui­sen benutzt. Dass das nicht mit rech­ten Din­gen zuge­hen konn­te, haben wir im Mai registriert.

Nichts bewegt sich

Und sonst auf den Stra­ßen? Nur Zwei­te-Rei­he-Par­ker und Irre. Die BVG sanier­te den gan­zen Som­mer hin­durch die Tram­glei­se auf der See­stra­ße und sorg­te damit für viel Ver­druss. Doch auch die U‑Bahn und der Bus­be­trieb waren (und sind) nicht dazu ange­tan, die Ber­li­ner bequem und zuver­läs­sig durch die Stadt zu brin­gen – lei­der. Das Auto ist auch kei­ne Alter­na­ti­ve – vor allem, wenn es sich um Die­sel han­delt: Der Kap­weg dürf­te von den schad­stoff­be­ding­ten Stre­cken­sper­run­gen schon im nächs­ten Jahr betrof­fen sein. Und für den zuneh­men­den Rad­ver­kehr wird sowie­so zu wenig getan, wie in ganz Berlin. 

Wohin mit dem Garten?

Eine Erfolgs­ge­schich­te wie kei­ne zwei­te ist der Gemein­schafts­gar­ten Him­mel­beet im Wed­ding. Nun ver­liert er aber 2020 sei­nen ange­stamm­ten Platz und soll für ein eben­so wich­ti­ges sozia­les Pro­jekt namens Safe Hub wei­chen. Ein Aus­weich­quar­tier für das Him­mel­beet ist noch immer nicht gefun­den. Die gan­ze Sai­son hin­durch hat Him­mel­beet-Gärt­ner Andaras Hahn für uns mit­ge­pflanzt und mit­ge­gos­sen und fragt sich jetzt: Was wird aus die­sem Para­dies?

Ansprüche an die Kitas und Schulen

Ein wich­ti­ges The­ma für vie­le Fami­li­en sind Betreu­ung und Bil­dung, auch und gera­de im Wed­ding. Zwei Bei­trä­ge rund um die Kita-Qua­li­tät (Auf­for­de­rung zur Selbst­ver­ant­wor­tung ver­sus berech­tig­te Erwar­tun­gen an den Staat) pola­ri­sier­ten den Wed­ding im Früh­jahr. Mit wel­chen Grund­schu­len die Wed­din­ger zufrie­den sind, ergab die Aus­wer­tung unse­rer Leser-Umfra­ge zum Schuljahresbeginn.

Freiluftausstellung “Mein Wedding 5” auf der Müllerstraße

Abschied nehmen und Zeit für Neues

Wohin aus­ge­hen? Die­se Fra­ge beschäf­tig­te uns wie in jedem Jahr, und die The­men gehen uns auch nicht aus. Die ori­gi­nel­le Kugel­bahn lud 2018 zu ihrem letz­ten Jahr ein, auch wenn sie eine Gna­den­frist bis nächs­ten März bekom­men hat. Abschied neh­men hieß es schon „Bei Ernst“. Bar­be­trei­ber Bakri aus der Flop Bar, der viel für das Afri­ka­ni­sche Vier­tel getan hat, wur­de 2018 über­ra­schend aus dem Leben geris­sen. Das von ihm auf­ge­bau­te Flop Café gibt es aber noch und bleibt ein Ort für her­vor­ra­gen­des syri­sches Essen. Das Fre­de­ricks, zuletzt ohne Was­ser und Strom, hat ein neu­es Zuhau­se gefun­den. Aus dem Prin­zin­ger wur­de das Gedeih & Ver­derb. Kunst genie­ßen – auf Zeit – konn­ten wir im Voodoo55 an der Mül­ler­stra­ße, und Design beim tra­di­tio­nel­len Wed­ding­markt im Som­mer und zwei Mal im Advent. 

Vie­le Demos präg­ten das abge­lau­fe­ne Jahr. Gegen Mie­ten­wahn­sinn, Kita­kri­se, rechts­ex­tre­me Umtrie­be, sinn­los umge­brach­te Rad­ler. Auch wir vom Wed­ding­wei­ser könn­ten ab und zu die Kri­se krie­gen. Gut, dass wir im bun­ten Wed­ding dem tris­ten All­tag viel ent­ge­gen­zu­set­zen haben. 

Aktiv sein im Wedding

Ob Tan­go im Tan­go­loft, Tan­zen mit Geflüch­te­ten, Musik beim Panke­Par­cours, Kul­tur­ex­pe­di­tio­nen von Unver­blümt, Kino in der Reh­ber­ge, Jog­gen beim Gute­nacht­lauf: Dass es uns im Wed­ding garan­tiert nicht lang­wei­lig wird, steht schon jetzt fest. Wir freu­en uns über Unter­stüt­zung für den Wed­ding­wei­ser, der im Jahr 2018 über 800.000 Mal ange­klickt wur­de, denn wir glau­ben, dass ein span­nen­der Stadt­teil wie der Wed­ding ein loka­les Medi­um braucht. Das sah die Aus­wahl­kom­mis­si­on des Deut­schen Nach­bar­schafts­prei­ses eben­so und nomi­nier­te uns für den­sel­ben – den beka­men wir zwar nicht, aber dafür 590 Unter­stüt­zer­stim­mer für den Publikumspreis. 

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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