Flop Café: Aus Aleppo in den Wedding

Hummus, Falafel und Halloumi im Flop Café.
Hum­mus, Fala­fel und Hallo­u­mi im Flop Café. (©Enno Lenze)

Syri­sche Spe­zia­li­tä­ten von Fala­fel, Hallo­u­mi und Hum­mus bis zum haus­ge­mach­ten Eis­tee. Im Flop Café in der Ota­wi­stra­ße gibt es Lecke­res für jeden Geschmack. Als klei­nes Fami­li­en­un­ter­neh­men behaup­tet es sich seit 2015 in der eher ruhi­gen Wohn­ge­gend – dank der reich­hal­ti­gen Aus­wahl an vege­ta­ri­schen und vega­nen Gerich­ten ist im Flop Café für jeden etwas dabei. 

Das Flop-Café: Kiez trifft syrische Feinkost

Flop Café innen

Es ist gar nicht so leicht, einen gast­li­chen Ort an der etwas unwirt­li­chen Ota­wi­stra­ße zu fin­den. Aber die Zei­ten, als die Hälf­te der Läden leer­stand, dürf­ten inzwi­schen wohl vor­bei sein. Und 2015 hat an Stel­le eines Nagel­stu­di­os das fei­ne Flop Café eröff­net. Fein – vor allem in Bezug auf den guten Kaf­fee, den Kuchen und vor allem: die her­vor­ra­gen­den syri­schen Spezialitäten.

Was, wann, wo im Wedding? (10. Woche)

was wann wo

Im Wed­ding reicht es manch­mal, sich ein paar Minu­ten auf die Stra­ße zu stel­len – ganz gro­ßes Kino. Es gibt aber auch kul­tu­rel­le Ereig­nis­se, die eben­falls unse­re Auf­merk­sam­keit ver­die­nen. Des­halb gibt es bei uns ab sofort einen Kurz­über­blick über Ver­an­stal­tun­gen, die im Wed­ding und in Gesund­brun­nen statt­fin­den. Dies­mal: Kai­se­rin Sis­si, eine Ver­nis­sa­ge und Theater 

Das Flop-Café: Angenehmes Ambiente trifft arabische Spezialitäten

12006437_460967244112145_1633366064683876461_oMan könn­te sagen, dass die Ota­wi­stra­ße auf ihren weni­gen hun­dert Metern zwi­schen der Togo­stra­ße und der Mül­ler­stra­ße beson­ders viel Flä­che für fri­sche Ideen und klei­ne Läden bie­tet. Man könn­te auch sagen, der Inha­ber der auf der Lüde­ritz­stra­ße resi­die­ren­den Flop Bar hat dies erkannt und genau des­we­gen in der Ota­wi­stra­ße ein gemüt­li­ches Café mit gutem Kaf­fee und selbst gemach­ten, ara­bi­schen Spe­zia­li­tä­ten eröff­net. Der Name: Flop Café. Wir haben uns mit den Betrei­bern über Fairtra­de-Kaf­fee, Kiez und natür­lich Mamas syri­sche Haus­re­zep­te unterhalten.

Afrikanische Flüchtlinge im Afrikanischen Viertel 

Seit Jah­ren ster­ben aber­tau­sen­de afri­ka­ni­sche Flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer. Nur die wenigs­ten errei­chen euro­päi­sches Fest­land. Wie­der­holt haben Spit­zen­po­li­ti­ker ihr Ent­set­zen zum Aus­druck gebracht – geän­dert hat sich an der Asyl­bü­ro­kra­tie wie an den Zustän­den in Afri­ka bis­her wenig. Eini­ge der trau­ma­ti­sier­ten Über­le­ben­den sind im Paul-Ger­hardt-Stift in Ber­lin-Wed­ding ange­kom­men und wer­den dort betreut, aus­ge­rech­net vis-a-vis des „Afri­ka­ni­schen Vier­tels“. Was mögen sie den­ken, wenn sie die mög­li­cher­wei­se ver­trau­ten Namen der Stra­ßen sehen?

Die Straßennamen im Afrikanischen Viertel sind in Berlin einmaligUnd was bedeu­ten die Stra­ßen­na­men für uns? Für die meis­ten ist das Afri­ka­ni­sche Vier­tel wie das Hol­län­di­sche oder das Eng­li­sche Vier­tel ein­fach nur eine Kiez­be­zeich­nung. Ein Trug­schluss: Zwi­schen 1899 und 1958 wur­den dem Vier­tel immer wie­der neue Stra­ßen mit Afri­ka­be­zug hin­zu­ge­fügt. Etwa 30 Stra­ßen­na­men spie­geln in ihrer Benen­nung ganz unter­schied­li­che Blick­win­kel auf Afri­ka wider. Wur­den anfangs noch kolo­nia­le Groß­machts­fan­ta­sien im Stra­ßen­bild ver­ewigt, benann­te man zuletzt die Gha­na­stra­ße als Refe­renz an die sich von der Kolo­ni­al­herr­schaft befrei­en­den afri­ka­ni­schen Staa­ten. Seit Mai 2012 infor­miert eine dop­pel­sei­ti­ge Info­ta­fel der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) Ber­lin-Mit­te am U‑Bahnhof Reh­ber­ge (Ecke Ota­wi­stra­ße) über die­sen ein­ma­li­gen kolo­ni­al­his­to­ri­schen Gedenk­ort in Deutsch­land. Die Tafel mit Tex­ten der BVV und der orga­ni­sier­ten afri­ka­ni­schen Com­mu­ni­ty wur­de von der Ber­li­ner SPD ange­regt und fügt sich in ein Gesamt­kon­zept für einen „Lern- und Erin­ne­rungs­ort Afri­ka­ni­sches Vier­tel“ ein.

Die Info-Stele am Beginn der Otawistraße
Eine Ste­le infor­miert an der Ota­wi-/Mül­ler­stra­ße

Die Tafel erin­nert an Ver­gan­ge­nes und ent­hält zugleich einen Auf­trag für Gegen­wart, denn hin­ter dem Schre­cken der deut­schen Dik­ta­tu­ren des 20. Jahr­hun­derts gerät die Epo­che des deut­schen Kolo­nia­lis­mus all­zu leicht in Ver­ges­sen­heit. Wäh­rend es zur SED- oder Nazi-Herr­schaft zahl­rei­che Erin­ne­rungs­or­te in Ber­lin gibt, fehlt ein sol­cher für die Kolo­ni­al­zeit völ­lig. Unter Ein­be­zie­hung von Künst­lern, Schu­len und vor allem Ver­tre­tern der hier hei­mi­schen afri­ka­ni­schen Com­mu­ni­ty wer­den nun unter­schied­lichs­te Facet­ten der Kolo­ni­al­zeit ins Bewusst­sein gerückt. Auch immer mehr tou­ris­ti­sche Füh­run­gen wid­men sich dem The­ma und zeich­nen im Afri­ka­ni­schen Vier­tel die deut­sche Geschich­te in Afri­ka nach.

100 Jah­re nach der Kolo­ni­al­zeit ist es höchs­te Zeit, sich auch öffent­lich der deut­schen Ver­ant­wor­tung zu stel­len. Immer wie­der gibt es For­de­run­gen nach Umbe­nen­nung eini­ger nach kolo­nia­len „Hel­den“ benann­ter Stra­ßen. Die Kom­mu­nal­po­li­tik wird hier zusam­men mit den Anwoh­nern Lösun­gen fin­den müs­sen. Klar ist dabei: Lang­fris­tig ist der Wider­spruch unauf­lös­bar, poli­tisch gegen Ras­sis­mus zu kämp­fen und gleich­zei­tig Ras­sis­ten im Stadt­bild zu ehren.

Doch der his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung lässt sich nicht ledig­lich mit dem Aus­tau­schen von Stra­ßen­schil­dern nach­kom­men. Viel­mehr geht es um ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis dafür, dass sich unse­re Urgroß­vä­ter unter Ein­satz bar­ba­ri­scher Mit­tel scham­los an der afri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung berei­chert und ras­sis­ti­sches Gedan­ken­gut aus­ge­lebt haben. Der ent­ste­hen­de Lern- und Erin­ne­rungs­ort Afri­ka­ni­sches Vier­tel mit sei­ner Info­ta­fel ist ein klei­ner Bau­stein dazu, das Bewusst­sein für die­se his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung zu schär­fen, die nicht zuletzt auch dar­in liegt, den afri­ka­ni­schen Flücht­lin­gen an Euro­pas Gren­zen mit gebo­te­ner Hil­fe und Mit­mensch­lich­keit zu begegnen.

Gast­bei­trag von Dr. Mat­thi­as Dahlke
zuerst erschie­nen in den “Noti­zen” Paul Ger­hardt Stift

Paul-Ger­hardt Stift, Mül­ler­str. 56–58

Abschied von der Müllerhalle

Abrissbagger entsorgen die Müllerhalle
Abriss­bag­ger ent­sor­gen die Müllerhalle

Die Wed­din­ger Mül­ler­hal­le atmet ihre letz­ten Züge. Die 62 Jah­re alte tra­di­tio­nel­le Markt­hal­le des Wed­din­ger Nor­dens wird der­zeit abge­ris­sen. Vie­le Geschäfts­leu­te aus der Hal­le haben in der Umge­bung neue Läden gemie­tet – wie zum Bei­spiel Moni’s Fisch­ka­jü­te in der Mül­ler­stra­ße 114 oder “Alles für das Tier” in der Otawistraße.

In der Ber­li­ner Zei­tung wur­de noch ein­mal die beson­de­re Atmo­sphä­re die­ses dunk­len Ortes an der Mül­ler­stra­ße gewür­digt; auch die letz­ten Geschäfts­leu­te äußern sich noch einmal:

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/ein-kleines-stueck-berlin-wedding-abschied-aus-der-muellerhalle,10809148,15241146.html

Mül­ler­hal­le ade, will­kom­men Kaufland!

Sogar die Süd­deut­sche Zei­tung wid­met die­ser Insti­tu­ti­on eine melan­cho­li­sche Foto­se­rie.

Im Okto­ber 2012 beginnt der Bau des zwei­stö­cki­gen Neu­baus, in den Kauf­land als Anker­mie­ter und eini­ge klei­ne­re Läden als Bei­ga­be ein­zie­hen sol­len. Schon im Sep­tem­ber 2013 könn­te die Eröff­nung des neu­en Ein­kaufs­zen­trums an der Stel­le der alten Markt­hal­le gefei­ert werden.

Info-Stele Afrikanisches Viertel: Die zwei Seiten der Medaille

Infostele Afrikanisches ViertelNach jah­re­lan­ger Dis­kus­si­on um den Umgang mit dem post­ko­lo­nia­len Erbe des Afri­ka­ni­schen Vier­tels in Ber­lin-Wed­ding wur­de im Juni 2012 am U‑Bahnhof Reh­ber­ge eine Infor­ma­ti­ons- und Gedenk­ste­le auf­ge­stellt. Die Tafel trägt einen Text der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) Ber­lin-Mit­te auf der Vor­der- und einen Text von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen auf der Rück­sei­te. In die­sen Tex­ten wird aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven auf die Geschich­te des Afri­ka­ni­schen Vier­tels, des deut­schen Kolo­nia­lis­mus in Afri­ka und des afri­ka­ni­schen Wider­stands ein­ge­gan­gen. Eigent­lich soll­ten die Tex­te gleich­ran­gig auf der Tafel zu sehen sein. Da durch die unglück­li­che Plat­zie­rung nun eine Vor­der- und Rück­sei­te – und damit eine Hier­ar­chie – ent­stan­den ist, reg­te sich Pro­test unter eini­gen Teil­neh­men­den. Einen gemein­sa­men Kon­sens-Text hat man jeden­falls nicht zustandebekommen.

Die Ste­le ist der ers­te Schritt auf dem Weg der Umge­stal­tung des größ­ten deut­schen Kolo­ni­al­vier­tels zum post­ko­lo­nia­len Lern- und Gedenk­ort, des­sen Rea­li­sie­rung der Bezirk Ber­lin-Mit­te 2011 beschlos­sen hat.

Neben Bezirks­bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Hanke (SPD) und Kul­tur­stadt­rä­tin Sabi­ne Weiß­ler (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) waren auch Ver­tre­ter des Afri­ka-Rates Ber­lin-Bran­den­burg, des Ber­li­ner Ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Rat­schla­ges (BER), der Initia­ti­ve Schwar­ze Men­schen in Deutsch­land (ISD) und Afri­cA­ve­nir dabei.

You­tube-Video der Ent­hül­lung der Info-Stele

Stand­ort der Info-Ste­le an der Müllerstraße/Ecke Ota­wi­stra­ße am Zugang des U‑Bahnhofs Reh­ber­ge (U 6)

Die  unge­wöhn­li­chen Stra­ßen­na­men des Afri­ka­ni­schen Viertels