Das Flop-Café: Kiez trifft syrische Feinkost

Flop Café innen

Es ist gar nicht so leicht, einen gastlichen Ort an der etwas unwirtlichen Otawistraße zu finden. Aber die Zeiten, als die Hälfte der Läden leerstand, dürften inzwischen wohl vorbei sein. Und 2015 hat an Stelle eines Nagelstudios das feine Flop Café eröffnet. Fein – vor allem in Bezug auf den guten Kaffee, den Kuchen und vor allem: die hervorragenden syrischen Spezialitäten.

Was, wann, wo im Wedding? (10. Woche)

was wann wo

Im Wedding reicht es manchmal, sich ein paar Minuten auf die Straße zu stellen – ganz großes Kino. Es gibt aber auch kulturelle Ereignisse, die ebenfalls unsere Aufmerksamkeit verdienen. Deshalb gibt es bei uns ab sofort einen Kurzüberblick über Veranstaltungen, die im Wedding und in Gesundbrunnen stattfinden. Diesmal: Kaiserin Sissi, eine Vernissage und Theater

Das Flop-Café: Angenehmes Ambiente trifft arabische Spezialitäten

12006437_460967244112145_1633366064683876461_oMan könnte sagen, dass die Otawistraße auf ihren wenigen hundert Metern zwischen der Togostraße und der Müllerstraße besonders viel Fläche für frische Ideen und kleine Läden bietet. Man könnte auch sagen, der Inhaber der auf der Lüderitzstraße residierenden Flop Bar hat dies erkannt und genau deswegen in der Otawistraße ein gemütliches Café mit gutem Kaffee und selbst gemachten, arabischen Spezialitäten eröffnet. Der Name: Flop Café. Wir haben uns mit den Betreibern über Fairtrade-Kaffee, Kiez und natürlich Mamas syrische Hausrezepte unterhalten.

Afrikanische Flüchtlinge im Afrikanischen Viertel


Seit Jahren sterben abertausende afrikanische Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Nur die wenigsten erreichen europäisches Festland. Wiederholt haben Spitzenpolitiker ihr Entsetzen zum Ausdruck gebracht – geändert hat sich an der Asylbürokratie wie an den Zuständen in Afrika bisher wenig. Einige der traumatisierten Überlebenden sind im Paul-Gerhardt-Stift in Berlin-Wedding angekommen und werden dort betreut, ausgerechnet vis-a-vis des „Afrikanischen Viertels“. Was mögen sie denken, wenn sie die möglicherweise vertrauten Namen der Straßen sehen?

Die Straßennamen im Afrikanischen Viertel sind in Berlin einmaligUnd was bedeuten die Straßennamen für uns? Für die meisten ist das Afrikanische Viertel wie das Holländische oder das Englische Viertel einfach nur eine Kiezbezeichnung. Ein Trugschluss: Zwischen 1899 und 1958 wurden dem Viertel immer wieder neue Straßen mit Afrikabezug hinzugefügt. Etwa 30 Straßennamen spiegeln in ihrer Benennung ganz unterschiedliche Blickwinkel auf Afrika wider. Wurden anfangs noch koloniale Großmachtsfantasien im Straßenbild verewigt, benannte man zuletzt die Ghanastraße als Referenz an die sich von der Kolonialherrschaft befreienden afrikanischen Staaten. Seit Mai 2012 informiert eine doppelseitige Infotafel der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Berlin-Mitte am U-Bahnhof Rehberge (Ecke Otawistraße) über diesen einmaligen kolonialhistorischen Gedenkort in Deutschland. Die Tafel mit Texten der BVV und der organisierten afrikanischen Community wurde von der Berliner SPD angeregt und fügt sich in ein Gesamtkonzept für einen „Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“ ein.

Die Info-Stele am Beginn der Otawistraße
Eine Stele informiert an der Otawi-/Müllerstraße

Die Tafel erinnert an Vergangenes und enthält zugleich einen Auftrag für Gegenwart, denn hinter dem Schrecken der deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts gerät die Epoche des deutschen Kolonialismus allzu leicht in Vergessenheit. Während es zur SED- oder Nazi-Herrschaft zahlreiche Erinnerungsorte in Berlin gibt, fehlt ein solcher für die Kolonialzeit völlig. Unter Einbeziehung von Künstlern, Schulen und vor allem Vertretern der hier heimischen afrikanischen Community werden nun unterschiedlichste Facetten der Kolonialzeit ins Bewusstsein gerückt. Auch immer mehr touristische Führungen widmen sich dem Thema und zeichnen im Afrikanischen Viertel die deutsche Geschichte in Afrika nach.

100 Jahre nach der Kolonialzeit ist es höchste Zeit, sich auch öffentlich der deutschen Verantwortung zu stellen. Immer wieder gibt es Forderungen nach Umbenennung einiger nach kolonialen „Helden“ benannter Straßen. Die Kommunalpolitik wird hier zusammen mit den Anwohnern Lösungen finden müssen. Klar ist dabei: Langfristig ist der Widerspruch unauflösbar, politisch gegen Rassismus zu kämpfen und gleichzeitig Rassisten im Stadtbild zu ehren.

Doch der historischen Verantwortung lässt sich nicht lediglich mit dem Austauschen von Straßenschildern nachkommen. Vielmehr geht es um ein grundlegendes Verständnis dafür, dass sich unsere Urgroßväter unter Einsatz barbarischer Mittel schamlos an der afrikanischen Bevölkerung bereichert und rassistisches Gedankengut ausgelebt haben. Der entstehende Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel mit seiner Infotafel ist ein kleiner Baustein dazu, das Bewusstsein für diese historische Verantwortung zu schärfen, die nicht zuletzt auch darin liegt, den afrikanischen Flüchtlingen an Europas Grenzen mit gebotener Hilfe und Mitmenschlichkeit zu begegnen.

Gastbeitrag von Dr. Matthias Dahlke
zuerst erschienen in den „Notizen“ Paul Gerhardt Stift

Paul-Gerhardt Stift, Müllerstr. 56-58

Abschied von der Müllerhalle

Abrissbagger entsorgen die Müllerhalle
Abrissbagger entsorgen die Müllerhalle

Die Weddinger Müllerhalle atmet ihre letzten Züge. Die 62 Jahre alte traditionelle Markthalle des Weddinger Nordens wird derzeit abgerissen. Viele Geschäftsleute aus der Halle haben in der Umgebung neue Läden gemietet – wie zum Beispiel Moni’s Fischkajüte in der Müllerstraße 114 oder „Alles für das Tier“ in der Otawistraße.

In der Berliner Zeitung wurde noch einmal die besondere Atmosphäre dieses dunklen Ortes an der Müllerstraße gewürdigt; auch die letzten Geschäftsleute äußern sich noch einmal:

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/ein-kleines-stueck-berlin-wedding-abschied-aus-der-muellerhalle,10809148,15241146.html

Müllerhalle ade, willkommen Kaufland!

Sogar die Süddeutsche Zeitung widmet dieser Institution eine melancholische Fotoserie.

Im Oktober 2012 beginnt der Bau des zweistöckigen Neubaus, in den Kaufland als Ankermieter und einige kleinere Läden als Beigabe einziehen sollen. Schon im September 2013 könnte die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums an der Stelle der alten Markthalle gefeiert werden.

Info-Stele Afrikanisches Viertel: Die zwei Seiten der Medaille

Infostele Afrikanisches ViertelNach jahrelanger Diskussion um den Umgang mit dem postkolonialen Erbe des Afrikanischen Viertels in Berlin-Wedding wurde im Juni 2012 am U-Bahnhof Rehberge eine Informations- und Gedenkstele aufgestellt. Die Tafel trägt einen Text der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Berlin-Mitte auf der Vorder- und einen Text von Nichtregierungsorganisationen auf der Rückseite. In diesen Texten wird aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Geschichte des Afrikanischen Viertels, des deutschen Kolonialismus in Afrika und des afrikanischen Widerstands eingegangen. Eigentlich sollten die Texte gleichrangig auf der Tafel zu sehen sein. Da durch die unglückliche Platzierung nun eine Vorder- und Rückseite – und damit eine Hierarchie – entstanden ist, regte sich Protest unter einigen Teilnehmenden. Einen gemeinsamen Konsens-Text hat man jedenfalls nicht zustandebekommen.

Die Stele ist der erste Schritt auf dem Weg der Umgestaltung des größten deutschen Kolonialviertels zum postkolonialen Lern- und Gedenkort, dessen Realisierung der Bezirk Berlin-Mitte 2011 beschlossen hat.

Neben Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke (SPD) und Kulturstadträtin Sabine Weißler (Bündnis 90/Die Grünen) waren auch Vertreter des Afrika-Rates Berlin-Brandenburg, des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlages (BER), der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und AfricAvenir dabei.

Youtube-Video der Enthüllung der Info-Stele

Standort der Info-Stele an der Müllerstraße/Ecke Otawistraße am Zugang des U-Bahnhofs Rehberge (U 6)

Die  ungewöhnlichen Straßennamen des Afrikanischen Viertels