Schlagworte: Künstler

Pläne zur Weiterentwicklung der Wiesenburg werden weiter entwickelt

Die Wiesenburg
Die Wiesenburg

Vier Architekturbüros hatten sich bis zum 28. April Zeit genommen, um Ideen zum Umbau der Wiesenburg zu entwickeln. Nun wurden die vier Entwürfe einer Jury präsentiert. “Es gibt keinen eindeutigen Siegerentwurf”, befand die Jury. Es darf vermutet werden, hinter den Kulissen wird weiterhin um die richtige zukünftige Bebauung des 12 500 Quadratmeter großen Geländes gerungen. Die Beteiligten wollen: Weiterlesen

Die eigentümliche Rettung der Wiesenburg

Foto: Die Wiesenburg
Foto: Die Wiesenburg

Heather Allan lebt und arbeitet auf dem Gelände der Wiesenburg. Die renommierte britische Bildhauerin organisiert gerade in Kooperation mit der Humboldthain-Grundschule ein Skulpturenprojekt mit 12-jährigen Mädchen und Jungen. Sie sucht noch eine alte Trompete, weil ihre neuesten Figuren alle Instrumente tragen. Heather Allan ist eine der Bewohnerinnen eines urbanen Paradieses, das vor gut zwei Wochen noch als akut gefährdet galt. Und es in seiner heutigen Anmutung auch immer noch ist. Weiterlesen

Lari und die Pausenmusik – unverstelltes „Liedermaching aus‘m Wedding“

Mit Gesang, E-Gitarre und Beatboxklängen ist die Band auf Berlins Bühnen seit diesem Frühjahr unterwegs. Wir haben sie getroffen.

Der Blick durch das Publikum beim Kleinkunstabend in der St. Christophoruskirche ruht irgendwann auf drei jungen Männern, einer davon mit Schirmmütze, nach vorne gebeugt, konzentriert am Zuhören. Dann sind sie an der Reihe: Lari und die Pausenmusik gehen auf die Bühne, als musikalischer Abschluss eines längeren Abends, mit dem Spenden für Flüchtlinge gesammelt werden. Im Publikum Weiterlesen

Gerichtshöfe: Kunst kommt an Nikolaus in die Tüte!

“MoKuzuMimi” (C) Kunst in den Gerichtshöfen

Am 6. Dezember ab 18:00 Uhr und damit zu Nikolaus laden 22 Künstler in die dritte Etage der Gerichtshöfe 12/13 zu ihrem MoKuzuMimi ein. Die Kunst wird hier nicht in Schuhe gesteckt, sondern in transparenten Tüten an die Wände gehängt. Schon zum zehnten Mal gibt es in diesem Jahr im Wedding die Gelegenheit, originelle Geschenke auf ungewöhnliche Weise zu erwerben… Weiterlesen

Open-Air-Galerie entlang der Müllerstraße

Wer sich gefreut hat, dass nun die bunten Wahlplakate aus dem Straßenbild verschwinden, könnte bald an der Müllerstraße enttäuscht werden. Doch statt Werbung gibt es Kunst zu sehen. Unter dem Motto „Mein Wedding“ eröffnet an der Müllerstraße eine temporäre Open-air-Galerie in Form von sechzehn 3,60 x 2,90 Meter großen Plakatwänden. Weiterlesen

“Mabellevie”: Neues Leben für alte Möbel

„Ich wollte in den Wedding, weil ich mag, dass sich vieles hier noch echt und unangetastet anfühlt“, sagt Elisa Brückner. Genau so sollen auch die Möbelstücke sein, die sie künstlerisch bearbeitet: Gegenstände zum Anfassen, Darüber-Streichen und Benutzen.

Umgearbeitete Möbel Quelle: Mabellevie
Umgearbeitete Möbel, Quelle: Mabellevie
Mabellvie Möbel 2
Nur auf den ersten Blick alt (Quelle: Mabellevie)

Jedes alte Möbelstück hat mehrere Schichten und erzählt damit auch Geschichten, manchmal sogar mehreren Jahrhunderten. Mit „Mabellevie“ greift die 28jährige Malerin Elisa Brückner die von Hand gearbeitete Form eines Möbelstücks auf. Das Alter oder der Wert der Möbelstücke ist für sie dabei gar nicht entscheidend – auch wenn die meisten Stücke älter als 80 Jahre alt sind. „Mir kommt es vielmehr darauf an, wie viel Inspiration mir das Objekt geben kann“, sagt die Künstlerin, die in Osnabrück und Dresden studiert hat. „Da können dann schon einmal auf alten Truhen wilde Möwen in luftigem Blau fliegen“, erklärt Elisa Brückner. „Oder Papiermosaike aus Japanpapier zaubern farbige, sinnliche Fläche auf Tische und Stühle.“ Sogar Fotos vom Trödelmarkt werden auf manchen Möbeln angebracht. Elisa Brückner arbeitet in kleinen Serien, die sich einzelnen Farben oder Bearbeitungstechniken widmen.

Alte Möbel, neu interpretiert (Quelle: Mabellevie)
Alte Möbel, neu interpretiert (Quelle: Mabellevie)

Die Künstlerin arbeitet seit 2011 gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Josephine Brückner, die sich als Kunstwissenschaftlerin ums Marketing von Mabellevie kümmert. Ihr Traum ist es, irgendwann einen Laden mit integriertem Atelier zu  führen und dort die Möbel zu präsentieren, sowie einen Raum für fantasievolle Veranstaltungen und andere Dinge des schönen Lebens zu schaffen.„Sie hat mir den Wedding näher gebracht, wo sie schön seit einiger Zeit wohnt“, erzählt die Malerin, die den Stadtteil in einem kreativen Aufbruch sieht: „Wirklich Schönes und Einzigartiges kann nur da verwirklicht werden, wo es noch den Freiraum dafür gibt.“ Die Menschen im Wedding seien noch nicht so gesättigt wie in anderen Stadtteilen, glaubt sie.

Ihr Atelier befand bis vor kurzem sich gemeinsam mit dem Studio eines Fotografen in der Drontheimer Straße, wo die wiederbelebten Objekte in einem lichtdurchfluteten, großzügigen Raum ausgestellt werden. Im November 2012 waren die „Mabellevie“-Werke Teil einer gemeinsamen Verkaufsaktion namens „Die Geschichtenverkäufer“ in eben diesem Hinterhofatelier. Kleidungsstücke und Einrichtungsgegenstände im Zusammenspiel mit den aufgearbeiteten Möbeln erzeugten eine stimmungsvolle, vorweihnachtliche Veranstaltung. Doch auch beim Kunst- und Kulturmarkt „Weddingmarkt“, der seit August 2012 regelmäßig stattfindet, erfreuen sich die Kunst-Möbel immer wieder großer Begeisterung. Besucher des Cafés „Gilmore’s“ am U-Bahnhof Rehberge können die „Mabellevie“-Stücke ebenfalls in Augenschein nehmen – die Inhaberin Sandra Fabian hat mit ihnen einen ganzen Raum gestaltet.

Logo_ManufakturenWie der französische Name des Labels andeutet, hat die gebürtige Berlinerin Elisa Brückner eine besondere Affinität zu Frankreich, dem „savoir vivre“ und dem Schönheitsempfinden unseres westlichen Nachbarlandes. Das sieht man den aufgearbeiteten, wiederbelebten und ausgesprochen sinnlichen Möbeln auch an: ihr wahrer Wert tritt durch Elisa Brückners Arbeit umso deutlicher hervor. “Mabellevie” gibt den alten Möbeln die Chance auf ein neues Leben.

Ab dem 5. September zieht Mabellevie in einen eigenen Laden in der Togostraße 6 (nahe Seestraße). Viele Monate hat Elisa Brückner dafür im Afrikanischen Viertel gewerkelt und saniert. Dies wird gefeiert am Freitag, den 5. September ab 18.30 Uhr, ab 20 Uhr gibt es dann Live-Musik.

Beitrag aktualisiert am 1. September 2014

Quelle: Mabellevie
Quelle: Mabellevie

Atelier und Showroom

http://mabellevie.de/
Togostr. 6
13351 Berlin

Öffnungszeiten (gültig ab dem 6.9.2014)
Di – Fr: 11.00 – 18.30 Uhr
Sa: 11.00 – 15.30 Uhr

Termine nach Vereinbarung unter 0163 76 30 229

Website mit Blog und vielen Fotos

Werkkunstgalerie: Kunst zeigen!

Jochen G. Schimmelpenninck wagt im etwas kleinbürgerlichen Nordwesten des Wedding einen Spagat. Mit seiner “Werkkunstgalerie” in der Otawistraße und mit ungewöhnlichen Ideen trägt er dazu bei, die Gegend kulturell zu beleben. 

Jochen G. Schimmelpenninck
Jochen G. Schimmelpenninck

Der 64-jährige ist nach Berlin zurückgekehrt, wo er nach seinem Kunststudium in München schon einmal gewohnt hat – bis 1976. Nach einer Zwischenstation in Paris verbrachte er zwanzig Jahre als Maler in der Nähe von Rom. “Dort habe ich fast den Kontakt mit Deutschland verloren”, sagt Schimmelpenninck, “irgendwann kennt dich keiner mehr.” Doch 1994 ereilte den Künstler der Ruf an die Akademie für Gestaltung in Köln, wo er bis 2011 angehende Produktdesigner unterrichtete. Schimmelpenninck hat sein Berufsleben der Kunst gewidmet, und da war es nur folgerichtig, dass er vor zwei Jahren wieder nach Berlin zurückkehrte: “Viele Galerien sind im Laufe der letzten Jahre aus der früheren Kunstmetropole Köln in Richtung Berlin abgewandert”, erklärt der Galerist. Und da er der rheinischen Metropole Köln und insbesondere dem Karneval nichts abgewinnen konnte, fiel ihm die Entscheidung nicht schwer.

Das Ladenlokal in der Otawistraße, die bislang nicht gerade als Kunststandort bekannt war, erwies sich für Schimmelpenninck als Glücksfall. Zwischenzeitlich hat er das freigewordene benachbarte Lokal der Gewerkschaft ver.di übernommen und wohnt heute darin. “Damit liege ich ganz im Trend”, sagt der Maler und Galerist schmunzelnd, “die Parterrewohnungen erleben nämlich gerade ein Comeback als seniorengerechte Wohnungen!”

Jochen G. Schimmelpenninck stellt in seiner Galerie Werke anderer Künstler aus – doch was den Galeristen auszeichnet, ist die Offenheit neuen Ideen gegenüber. Zum Beispiel geschah es, dass ihn ein arabischer Nachbar ansprach, der eine Unterstellmöglichkeit für seine wertvollen Musikinstrumente suchte. Daraus entstand das Projekt, dass die Musikschule Zeriab die Räumlichkeiten der Galerie nutzen kann – und dafür bei Vernissagen arabische Musik gespielt wird.

Und schon verändert sich der ganze Kiez

Die Otawistraße und ihr Grünstreifen
Die Otawistraße und ihr Grünstreifen

Die vernachlässigte Grünanlage auf der gegenüberliegenden Straßenseite forderte den Künstler Schimmelpenninck ebenfalls heraus: “Warum sollte man dort nicht eine Skulpturenmeile anlegen?” fragt sich der Galerist, der so etwas schon in Bayern realisiert hat. Die Otawistraße ist zwar nicht gerade der erste Ort im Wedding, der einem dafür einfallen würde. Aber schließlich steht am Beginn dieses Grünstreifens auch die Informationstafel über die Geschichte des Afrikanischen Viertels – ganz so kulturlos ist die Straße also schon heute nicht mehr.

Schon durch die Galerie verändert die Straße, die bislang von leer stehenden und verrammelten Läden geprägt war, ihr Gesicht. Auch um die Ecke, in der Lüderitzstraße 76, tut sich was: das “Werkkunststudio” ist als Außenstelle der Galerie ein Arbeitsraum. “Hier wird das gemacht, was Dreck macht”, sagt Jochen Schimmelpenninck. Derzeit arbeitet dort ein junger Siebdrucker. Und das leerstehende Lokal direkt daneben wird auch noch wiederbelebt: der Galerist hat über seine Kontakte zu den arabischen Musikern angeregt, dass dort in Kürze ein syrisches Café entsteht.

In diesem Viertel “Kunst zeigen”, so der Beiname der Galerie – das ist schon ein kleines Wagnis. Jochen G. Schimmelpenninck geht es gerne ein. Manchmal reicht eben ein Mensch, um einen Kiez um eine Perspektive zu bereichern und dadurch zu verändern.

Werkkunstgalerie – Kunst zeigen

Otawistr. 9

13351 Berlin

U Rehberge
Öffnungszeiten:
regulär Di. Mi. Do.: 16 – 19,  So. 14 – 18 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung 0173 40 57 212

Die aktuellen Ausstellungen und Öffnungszeiten auf der Website

7.2. – 10.3.13: Kurt Mühlenhaupt , Malerei – Skulptur – Keramik, aus der Sammlung H. Schulz

Leopoldplatz: Trends aus Kunsthandwerk und Design

Weddinger Kunst- und Kulturmarkt am 26. August

Beim Kulturmarkt schien anfangs die Sonne
Beim Kulturmarkt schien anfangs die Sonne

Dem Aufruf zur Teilnahme am 1. Weddinger Kunst- und Kulturmarkt sind über 70 Kreative gefolgt. Der Markt fand von 11 bis 19 Uhr auf dem Leopoldplatz statt. Das Spektrum des Marktes zeigte alle Trends heutiger Kunstfertigkeit. Dabei kamen viele Designer und Künstler nicht nur aus dem Wedding , sondern aus ganz Berlin.

In der entspannten Atmosphäre des Marktes war es für Besucher ein Leichtes, mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen. Gesprächsstoff lieferten die vielen schönen Dinge, die unter den einheitlich gestalteten Marktständen anzuschauen waren. Denn zahlreiche Kreative verzaubern mit handgefertigten Schmuckstücken, die kleine Geschichten erzählen. Wieder andere laden Alltagsgegenstände mit neuen Bedeutungen auf –  wie zum Beispiel lustig schauende Kuschelkissen in Erdbeerform, die mit den Betrachtern “kommunizieren”. Natürlich wird es auf dem Kunstmarkt ebenso ausdrucksstarke Malerei geben wie auch Fotografien, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen.
Eberhard Elfert im Gespräch mit einer Künstlerin
Eberhard Elfert im Gespräch mit einer Künstlerin

Die Modemacher, die auf dem Markt vertreten waren, bewiesen vor allem, dass phantasievolle, avantgardistische Kleidung auch im Alltag tragbar ist. Gegen den „Verlust der Kindheit“ schaffen junge Modemacher wieder ihre eigene kindgerechte Mode. Dass aus Materialien, die bereits ausgedient haben, wieder kunstfertige neue Kleider und Accessoires entstehen, beweist, dass manch ein Designer Wert auf nachhaltigen Umgang mit Ressourcen legt. Verschiedene der anwesenden Kunsthandwerker verwandeln alltägliche Papierprodukte in wahre Schmuckstücke. Sogar Verpackungsmüll von Weddinger Straßenrändern erhält ein zweites Leben. Eberhard Elfert und Sabrina Pützer vom Veranstaltungsteam des Kunst- und Kulturmarkts beschreiben die Gemeinsamkeit der Aussteller so: “Ihnen allen ist es wichtig, Unikate zu fertigen, aber auch klassische oder bereits vergessene Handwerke wieder zu entdecken”. Dadurch lässt sich eine Einheit von Idee, Entwurf und Produktion wiederherzustellen.

Intensiver Kontakt zwischen Besuchern und Künstlern

Bunte Textilien von der "Montagehalle"
Bunte Textilien von der “Montagehalle”

Für diejenigen, die mehr über die teilnehmenden Künstler und Designer erfahren wollen, standen die Marktbetreiber bereitwillig Rede und Antwort. Hinter der Präsentation der schönen Dinge auf dem Leopoldplatz steht auch der Wunsch zur Vernetzung der regionalen Kulturwirtschaft.

Wer Neugier und ein wenig Zeit mitbrachte, um sich auf interessante und bezaubernde Künstler und kunstvolle Welten einzulassen, kam auf seine Kosten. Die Organisatoren des Marktes sind jetzt erst recht überzeugt: “So wie  in anderen Teilen der Stadt anspruchsvolle Veranstaltungen zum städtischen Leben dazu gehören, soll es nun auch im Wedding einen regelmäßigen Kunst- und Kulturmarkt geben. Der Leopoldplatz mit seiner historischen Schinkelkirche lädt gerade dazu ein.”

Website der Initiatoren mit Übersicht aller Teilnehmer

Ältere Beiträge:

Kunst-und Kulturmarkt

Der Leo als Ort der Kultur

ExRotaprint: Strahlkraft für Kunst und Gewerbe im Wedding

Das Projekt ExRotaprint steht für eine behutsame Entwicklung des Kiezes an der Reinickendorfer Straße in Berlin-Wedding. Denn die Gesellschafter der gemeinnützigen ExRotaprint-GmbH profitieren nicht von den Einnahmen des Geländes und können bei Verkauf ihrer Gesellschaftsanteile keinen Mehrwert realisieren. Dadurch kann langfristig stabil zu selbst geschaffenen Konditionen gearbeitet werden. Dass sie gerade hier bleiben und alles langfristig gestalten können, darin liegt für die Initiatoren der wirkliche Profit.

Klaus Kirsten – den Namen dieses Architekten dürften nur die wenigsten kennen. Die von ihm gebauten Häuser sind kaum bekannt, sein Lebensweg ist schwer zu rekonstruieren.  Hingegen sind die Erweiterungs- und Ergänzungsbauten der Fabrik “Rotaprint” in Berlin-Wedding, die er als junger Architekt in den Fünfzigerjahren realisierte, umso bemerkenswerter. “Gerade die Architektur dieser Gebäude hat uns dazu inspiriert, uns hier dauerhaft zu engagieren”, sagt Daniela Brahm, Gesellschafterin der “Ex-Rotaprint”- gGmbH und zusammen mit Les Schliesser und Anna Schuster Mit-Initiatorin von ExRotaprint. Man sieht ihr auch nach zehn Jahren noch die Begeisterung für diesen einzigartigen Gebäudekomplex im Wedding an. Die Künstlerin hat ihr Atelier in einem der beiden Gebäudeteile aus den Fünfzigerjahren. “Der Eckbau an der Gottschedstraße und dieses Gebäude sind wie ungleiche Zwillinge”, findet Daniela Brahm. Das repräsentative Quergebäude hingegen, das durch seine riesige, rechteckige Glasfront beeindruckt, bietet sich für die Einbindung in die Öffentlichkeit geradezu an: “Hier könnten wir uns perspektivisch eine Art Kongresszentrum vorstellen”, sagt Daniela Brahm mit einem Augenzwinkern. Das geht bei diesem Modell nicht kurzfristig – es ist klar, dass die Sanierung der erhaltenen Fabrikgebäude nur langfristig vonstatten gehen kann: “Hier soll etwas Dauerhaftes passieren. Die Leute, die sich hier engagieren, wollen in Berlin etwas aufbauen, was funktioniert.”

Die einzigartige Architektur der früheren Fabrik für Druckoffsetmaschinen, die zwar noch Bauten aus der Vorkriegszeit umfasst, aber keine Fertigungshallen mehr, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Auch Außenstehende vermag diese Architektur für das gesamte Projekt zu begeistern. Das Umfeld, ein sozial schwacher Kiez, erfordert zudem Rücksicht – anders als es Immobilienspekulanten für gewöhnlich tun: “Wir wollen den Standort hier nicht überrollen und ihm etwas Fremdes überstülpen”; erklärt Brahm. “Daher haben wir hier zu je einem Drittel eine Nutzung durch soziale Träger, Gewerbe und Kulturwirtschaft. Fast die gesamten 10 000 Quadratmeter sind vermietet.” Das Kleingewerbe – immer noch typisch für den Ortsteil – soll so einbezogen und eben nicht verdrängt werden. Daniela Brahm weiß, wovon sie spricht: sie hat “ihren” Verdrängungsprozess ab 1990 in Berlin-Mitte erlebt: “Da ist es mir später fremd geworden”, sagt sie, “als Künstler haben wir uns durch unsere Vorarbeit selbst hinausgetrieben.” Die so genannte Gentrifizierung droht dem Gebiet rund um die Reinickendorfer Straße zwar nicht im gleichen Maße wie die historische Innenstadt, aber man kann man schon von der obersten Etage des Fabrikgebäudes sehen, dass Luxus-Dachgeschosse entstanden sind, erzählt Daniela Brahm.  Die Künstlerin kennt diesen Teil des Wedding seit über einem Jahrzehnt und ist sich bewusst, dass das von ihr mitverantwortete Projekt auch eine Strahlkraft für den Kiez besitzt: “Man macht letztlich immer mit bei der Aufwertung eines Viertels – aber dieser Kiez kann das gut gebrauchen!”

Wie kam es zum Grundstückskauf?

Damit das Gelände nicht der Immobilienspekulation anheimfallen konnte, war viel Geschick erforderlich: dass es im September 2007 gelungen ist, die Fabrik durch die “ExRotaprint gGmbH” zu übernehmen, war ein Signal des Aufbruchs. Einige der damaligen Mieter der Rotaprint-Fabrik gingen gemeinsam vor, um zu verhindern, dass das Areal vom Berliner Liegenschaftsfonds an einen Investor verkauft wird, Damit wollten sie der Perspektivlosigkeit der Rotaprint-Fabrik etwas entgegensetzen. Die Rechtsform einer nicht-gewinnorientierten gemeinnützigen GmbH war der Kompromiss, auf den sich die damaligen Akteure nach langen Diskussionen einigten. Zwei Stiftungen, deren Zielsetzung es ist, sich gegen die Spekulation mit Grund und Boden zu richten und Alternativen zu fördern, halfen beim Kauf des Grundstücks. Mit den Stiftungen hat die ExRotaprint gGmbH einen 99-jährigen Erbbaupachtvertrag geschlossen und ist somit alleinverantwortliche Betreiberin des Geländes. Statt sich für den Grundstückskauf zu verschulden, können die Mieteinnahmen und Kredite nun für die dringend benötigte, behutsame Gebäudesanierung verwendet werden. Darin liegt der entscheidende Vorteil für ExRotaprint.”Es ist ja so, dass die Bauten der Fünfzigerjahre nur aus Beton, Glas und Stahl bestehen und dadurch sehr energieintensiv sind”, erklärt Brahm die heutige bauliche Situation einiger Gebäudeteile.”

Schon beim Tag des Offenen Denkmals 2007, als die Architektur der Nachkriegsmoderne im Mittelpunkt stand, fanden sich erstmals zahlreiche Besucher zu den von Daniela Brahm und dem Architekten Bernhard Hummel geführten Besichtigungstouren in der Fabrik ein. Auch in den folgenden Jahren fanden viele Interessierte den Weg auf das Rotaprint-Gelände. “Die Architektur gibt uns die Energie für dieses Projekt, und deswegen haben wir’s gewagt” – für Daniela Brahm ist es das, was das Projekt ExRotaprint so attraktiv macht.

Zu vermieten sind dauerhaft ein Projektraum und Gästewohnungen. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Kantine, die die Mieter und die Nachbarschaft mit Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen versorgt. Sie bietet gutes Essen für Alle zu fairen Preisen. Das Team der Kantine kann für das Catering von Veranstaltung in und außer Haus gebucht werden.

ExRotaprint

Gottschedstr. 4/Reinickendorfer Str.

U Nauener Platz

Beitrag auf panke.info

“ManuFactory”: Die Porzellan-Werkstatt im Wedding

Die Werkstatt in der Lüderitzstr. 13
Die Werkstatt in der Lüderitzstr. 13

Uta Koloczek bietet im unscheinbaren Afrikanischen Viertel etwas ganz Besonderes an: eine Werkstatt für Künstler, Designer oder Privatleute, die einmal gerne selbst mit dem Werkstoff Porzellan arbeiten möchten.

Eine Gussform für Porzellan
Eine Gussform für Porzellan

Schräg gegenüber einer Töpferei in der Lüderitzstraße hat die 32-jährige Keramik-Designerin eine auf Porzellan spezialisierte Werkstatt eingerichtet. “Porzellan hat andere Eigenschaften als Ton und ist nicht einfach zu bearbeiten”, sagt Uta Koloczek. Porzellan besteht aus weißem Kaolin-Gestein und ist weniger porös als Tonerde. Es wird flüssig in Gipsformen gegossen, die man bis zu 70 Mal wiederverwenden kann., “Ein Töpfer fährt seinen Ofen nicht auf die Temperatur von 1300 Grad Celsius hoch, die für das Brennen von Porzellan erforderlich ist”, erklärt die gebürtige Thüringerin, die in Halle an der Burg Giebichenstein und in den USA studiert hat. Im Hobbybereich ist die komplizierte Porzellanherstellung daher eine Seltenheit, und auch Künstler, die mit dem Material einmal experimentieren wollen, stehen bei den bekannten Porzellan-Manufakturen oft vor verschlossenen Türen. Hier setzt Uta Koloczeks Geschäftsidee an, ihre spezialisierte Werkstatt für Kurse zu öffnen und Künstlern auch einen Arbeitsplatz in ihren Räumen für eine Tagesmiete von 20 Euro anzubieten. Sie empfindet ihre Werkstatt für Keramik als Schnittstelle, die es in dieser Form in Berlin kein zweites Mal gibt. Gleich nebenan befindet sich eine Manufaktur für Lederwaren, deren Betreiberin in vielerlei Hinsicht auf eine ähnliche Art arbeitet und ihre Waren verkauft wie Uta Koloczek.


Ironisch-verspielte Porzellan-Chihuahuas
Ironisch-verspielte Porzellan-Chihuahuas

“Die Arbeit mit Porzellan ist im Wesentlichen eine sehr handwerklich-technische”, sagt die Werkstattbetreiberin, die seit 2010 im Weddinger Sprengelkiez lebt. Doch sie ist eben auch Designerin und vertreibt ihre eigenen Kollektionen. “Porzellan-Figurinen kennt man aus Omas Vitrine, aber nur wenige haben eine Neuinterpretation gewagt”, beschreibt Uta Koloczek ihre Herangehensweise. Herausgekommen sind originelle Vierbeiner wie Möpse und Chihuahuas, die in ihrer Grundform in der Thüringer Manufaktur Reichenbachgegossen werden. Dabei müssen die Füße und der Schwanz einzeln an den Körper angebracht werden, weshalb Uta Koloczek diese Arbeit ausgelagert hat. “Ich arbeite mit einer großen Bandbreite an Mustern”, erzählt die Designerin, “das geht von kitschig-ironisch bis schick. Es sollen Wohnaccessoires sein, die Spaß machen sollen.”

Uta Koloczek und ihr Erfolgsprodukt
Uta Koloczek und ihr Erfolgsprodukt

Mit Humor hat sie die Hunde und auch Totenkopfäffchen entworfen und verziert. Auch wenn sie weiß, dass es nur wenige Menschen im Wedding geben dürfte, die sich solche Figurinen leisten können – über die Mitarbeit bei der renommierten Porzellanfabrik Goebel ist es ihr aber immerhin gelungen, dass einige der Porzellanhunde auch schon bei Karstadt am Leopoldplatz verkauft wurden.

ManuFactory Kurse + Werkstatt

Uta Koloczek

Lüderitzstr. 13

Mail: utakoloczek@gmx.de 
Tel.: 0178-3725521