GESCHLOSSEN: „Herr Bielig“ oder Wenn ich durchhalte, wird es klappen

Regina Bielig vor ihrem Laden.

Das Café „Herr Bielig – Der Laden“ ist ein bunter Stilmix aus Restaurant und Tante-Emma-Laden mit dem Charme eines Trödels und der Spontanität einer Eisdiele. Statt WLAN gibt es hier wechselnde Lebensweisheiten an der Wand, Kuchen aus Omas Zeiten, Tagesgerichte oder Kaffee zum Mitnehmen. Vor kurzem feierte das Café seinen ersten Geburtstag im Soldiner Kiez. Besitzerin Regina Bielig zieht Bilanz.

Phönicia: Falafel statt Döner

Um im Wedding einen guten Falafel zu bekommen, sollte man manchmal auch längere Wege in Kauf nehmen. Seit ein paar Jahren gibt es in der Seestraße Spezialitäten aus Nahost. Inzwischen ist der kleine Laden in libanesischer Hand und bezieht sich namenstechnisch auf die Phönizier, die bekanntlich im heutigen Libanon ihren Siedlungsschwerpunkt hatten. Anders als bei den meisten Falafelläden kann man vor dem Phönicia im Sommer auch schön sitzen.

GESCHLOSSEN: JÄÄ-ÄÄR: Baltische Perle

Jää-äär Brunnenstraße innen Der Winter nimmt Einzug in Berlin. Bereits um 16 Uhr umhüllt eine feucht-dunstige Dunkelheit die Stadt und weckt die Sehnsucht nach Strickpullis und Lagerfeuern, dampfenden Getränken in kühlen Fingern und leckerem Kuchen für den Winterspeck. Gerade im kargen Brunnenviertel gibt es wenige Orte, die diese Gelüste stillen können, doch jetzt eben doch: In der Brunnenstraße 56 eröffnete das Jää-äär. In einem YouTube-Video wurden bereits Versuche unternommen, diesen merkwürdigen Namen auszusprechen („Yeaaaahhh“?): https://www.youtube.com/watch?v=XZC55FrRG-Q.

 

Schiller-Oase: Auf ein Schwätzchen im Park

Gastronomie kennt der Schillerpark erst seit wenigen Jahren – und doch kommt es einem vor, als ob es die „Schiller-Oase“ schon immer gegeben hätte. In der Nordostecke des hundertjährigen Parks, gegenüber der Weltkulturerbe-Siedlung und in der Nachbarschaft einer Kleingartenanlage ist das Jugendstil-Toilettenhäuschen in ein Mini-Restaurant umfunktioniert worden. Masoud Nayeb ist so etwas wie die gute Seele der einzigen Gaststätte weit und breit. Der Endvierziger hat Wurzeln in Norditalien und im Iran – eine Mischung, die gut in den multikulturellen Wedding passt. Gemeinsam mit seinem Sohn Mahiar, einem gelernten Koch, überzeugt er immer mehr Kunden durch selbst zubereitete Gerichte mit frischen Zutaten. Jetzt im Winter sind besonders die Suppen, aber auch die Mailänder Apfeltaschen mit Vanilleeis der Renner.

„Naveena Path“: Tamilisch für Anfänger

Foto: L.Tilly

Das Naveena Path liegt an der Tegeler Straße im Sprengelkiez, den man gewissermaßen als den Prenzlauer Berg des Wedding bezeichnen kann: Eine relativ abgeschlossene, sanierte Wohnungsstruktur mit vielen Altbauten, dazu Kindergärten und Gebrauchtwagen, Bio- Cafés, verkehrsberuhigte Zonen und Einbahnstraßen, engagierte Anwohner (neuerdings wohnt hier auch Peer Steinbrück). Man kennt sich, wir kennen das, all das ist ein bisschen beneidenswert.

„PANKE“ und „Quinoa“: Neues Leben im Hinterhof

Foto: PANKE e.V.
Foto: PANKE e.V.

Versteckt im fünften Hinterhof der Gerichtstr. 23 findet der hartnäckige Entdecker die „geheimen“ Räumlichkeiten von Panke e.V. Vor zwei Jahren öffnete das Kulturzentrum und ist seitdem eine Oase für Künstler, Musiker und Feierlustige im Wedding. Der Weddingweiser möchte mehr darüber erfahren und wagt sich in die geheimnisvoll in grünes Platinenlicht gehüllten Räume. Justas, Erika und Claudia, die Gründer von Panke e.V. und dem dazugehörigen neuen Bistro, Quinoa, erzählen von ihren Ideen…

WW: Justas, Erika, ihr seid aus Litauen, ja? Wieso seid ihr in den Wedding gezogen, und wie seid ihr dazu gekommen, Panke e.V. zu gründen?

Justas: Wir sind nach unserem Bachelorabschluss nach Berlin gekommen, um Deutsch zu lernen und hier unsere Master zu machen… und dann haben wir diese Räume gefunden!! Sie standen über 60 Jahre lang leer und waren einfach perfekt. Wir mussten aber über ein Jahr lang renovieren, bevor wir öffnen konnten.
Erika: Es war wirklich ein Unfall oder so. Wir fanden die Räume hier und hatten einfach so viele Ideen. Zuerst dachten wir einfach, dies sei die perfekte Umgebung für Musik und Kunst. Dann wollten wir auch noch ein nettes, gemütliches Café, denn solche Orte sind selten im Wedding. Wir wollten einfach einen Platz für alle möglichen Gelegenheiten.
WW: Wenn ihr diese Ideen mit Panke e.V. heute vergleicht, seht ihr eure Visionen von damals verwirklicht?
Erika: Wir haben definitiv Platz für alle möglichen Unternehmungen, wie Konzerte, regelmäßige Parties, Ausstellungen, Installationen, Workshops, Performances und so weiter, ja…

Justas: Ja, und wir wollten ein schönes, gemütliches Café und Platz für Künstler, und genau das haben wir auch geschafft.

WW: War es schwierig, Panke e.V. im Wedding zu eröffnen? Wie seid ihr mit der ganzen deutschen Bürokratie klargekommen?
Erika: Oh, das war gar nicht so schlimm… Wir haben eigentlich gar nicht versucht, über die ganzen Vorschriften zu disktieren, weil wor es gar nicht konnten – wir haben einfach das gemacht, was uns gesagt wurde. Somit sind wir wahrscheinlich Berlins sicherster Club… (lacht)
WW: Ihr seid nun schon seit drei Jahren hier. Was hat sich in dieser Zeit im Wedding verändert?
Justas: Ich sage dir jetzt was, das du nirgendwo anders lesen oder hören wirst: Es gibt hier eigentlich kein Gentrifizierungsproblem! Es hat sich gar nicht so sehr verändert. Ja, es kommen immer mehr Leute in den Wedding, aber viele Touristen sind hier immer noch nicht. Es sind immer noch die gleichen Leute…
WW: Was wisst ihr eigentlich über die anderen Parteien hier in der Gerichtstr. 23? Hier gibt es ja ganz viele verschiedene Gruppen, habt ihr mit denen auch etwas zu tun?
Erika: Ja, da gibt es zum Beispiel Tangoloft, und die Galerie… Oh, und drüben soll im dritten Stock bald ein Club aufmachen. Wir sind Nachbarn, also treffen wir uns natürlich immer wieder mal, und man hilft einander, hängt Plakate auf und so weiter… Es ist immer toll, wenn jemand was Neues im Wedding machen will, also helfen wir uns gegenseitig.

Photo: PANKE e.V.
Photo: PANKE e.V.

WW: Claudia, “Quinoa” ist das neue Familienmitglied von Panke. Ein vegetarisches Bistro im Wedding, wie klappt das denn?
Claudia: Oh, wir haben das Bistro gerade vor einem Monat gestartet, und bis jetzt läuft es gut. Ein veganes oder vegetarisches Restaurant ist immer eine Herausforderung, aber es ist auch spannend. Wir haben sogar schon ein paar Leute, die regelmäßig hierher kommen. Im Wedding gibt es nicht so viele Optionen für Vegetarier und Veganer, also füllen wir hier eine Lücke.
WW: Wie kommst du dazu, ein vegetarisches Bistro im Wedding zu führen?
Claudia: Ich komme aus Italien, und bin vor ein paar Jahren nach Berlin gekommen. Ich habe hier damit angefangen, Abendessen an zufällig ausgewählten Orten zu organisieren, mit immer neuen Leuten. Ich wollte einfach Leute zusammenbringen. Dann habe ich ein Restaurant in Kreuzberg eröffnet. Ein Freund hat mich Erika und Justus vorgestellt und es hat alles geklappt – jetzt ist Quinoa mein neues Baby. Ich bin seit sechs Monaten vegan, und das verändert dich. Ich war daran gewöhnt, mit Fleisch und Fisch zu koche, also ist jetzt alles neu und aufregend für mich.
WW: Was können wir in Zukunft von Quinoa erwarten?
Claudia: Da ist zum natürlich das Bistro mit wechselnden veganen und vegetarischen Gerichten, aber dann wird es auch Veranstaltungen vie Performance-Dinners geben. Wir wollen auch gerne einen Markt hier haben, wo lokal produzierte Produkte verkauft werden können. Wir wollen die Leute und Bauern aus der Region einladen und träumen davon, einen Platz zum gegenseitigen Austausch zu schaffen.

WW: Eine letzte Frage: Was sind eure Zukunftspläne für Panke e.V.?
Erika: Wir wollen groß rauskommen! (lacht) Wir sind so gut wie fertig damit, die Räume umzugestalten – naja, ganz fertig werden wir nie werden, aber wir sind auf dem besten Weg. Jetzt können wir in neue Projekte investieren und wachsen. Dafür müssen wir mehr planen, was jetzt, wo wir Erfahrung haben, einfacher wird. Wir brauchen auch noch mehr Hilfe, denn im Moment machen wir hier alles, und das ist wahnsinnig anstrengend. Aber wir haben große Ideen und Pläne, und wir wollen Panke größer werden lassen…

Das Interview führte Daniela Hombach.
Regelmäßige Veranstaltungen:
Bass auf die Muetze – Jam session, mittwochs; 8bit Bar – jeden ersten Donnerstag; Scope Session – jeden zweiten Donnerstag; UKIYO-E Panke Cinema – jeden dritten Donnerstag; CitizenKino – jeden vierten Donnerstag; Support your local ghetto – jeden letzten Freitag im Monat; Wedding Soul – jeden dritten Samstag im Montag

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Der Weg zur PANKE als Video