Parkcafé Rehberge: Endet 2021 der Stillstand um den Leerstand?

Leerstand am Parkcafé Rehberge
Foto: Initia­ti­ve Park­ca­fe Rehberge

Seit 2014 steht es leer, mit­ten in einer gut besuch­ten Grün­flä­che: das Park­ca­fé Reh­ber­ge. Genau­so lan­ge wie der Leer­stand bewegt sich auch nichts mit einer neu­en Nut­zung. Die grü­ne Bezirks­stadt­rä­tin mahnt wegen hoher Sanie­rungs­kos­ten, und dass sich kein ganz­jäh­ri­ger Betrieb für einen Päch­ter rech­ne. Ein CDU-Bezirks­stadt­rat woll­te das Gebäu­de an die Box­ab­tei­lung von Her­tha BSC abtre­ten (wir berich­te­ten). Und die SPD hat ein Inter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren durch­ge­setzt – unter Betei­li­gung eines zufäl­lig aus­ge­los­ten Bür­ger­gre­mi­ums. Kommt 2021 end­lich Fahrt in die Sache?

Gastronomie: So könnt ihr im Lockdown helfen

Ema­nu­el vom “Mer­ca­ti­no”

Nun wird der Lock­down ver­län­gert, und nie­mand weiß, wann es wirk­lich wie­der los geht mit Bars, Cafés und Restau­rants. Der­weil fin­den die Gas­tro­no­men neue, krea­ti­ve Lösun­gen – aus der Not her­aus gebo­ren. Wir haben uns im Wed­ding umge­hört und umgesehen. 

K.o. fürs Parkcafé Rehberge?

Das Parkcafé an der Catcherwiese in den Rehbergen
Das Park­ca­fé an der Cat­cher­wie­se in den Reh­ber­gen. Wer hier eine Tas­se Tee möch­te, muss sie sich selbst mit­brin­gen. Foto: Hensel

Es gab eine Zeit, da hat es Kaf­fee und Kuchen an der Cat­cher­wie­se im Volks­park Reh­ber­ge gege­ben. Doch das Park­ca­fé ist nun schon seit Jah­ren geschlos­sen. Für vie­le Wed­din­ger das unver­ständ­lich und eine Nut­zung des Gebäu­des scheint nicht in Sicht zu sein. Wer­den die aktu­el­len Über­le­gun­gen des Bezirks­amts Rea­li­tät, dann wür­de das belieb­te Park­ca­fé gar nicht mehr öffnen.

Essen zum Mitnehmen im nördlichen Wedding

Die besten Quiches im nördlichen WeddingTake-away und Lie­fer­diens­te: Was kön­nen wir tun, wenn wir unse­re Cafés und Restau­rants auch nach der Kri­se behal­ten wol­len? Ganz ein­fach: Wir kön­nen sie jetzt unter­stüt­zen und unser Essen dort abho­len. In einer Serie stel­len wir euch in jedem Kiez eini­ge Orte vor, wo ihr Essen zum Mit­neh­men abho­len oder für die Lie­fe­rung bestel­len könnt. Heu­te: Tipps für das Afri­ka­ni­sche und das Eng­li­sche Vier­tel – also alles nörd­lich der Seestraße.

Deinen Weddinger Lieblingsort retten mit Helfen.Berlin

Das öffent­li­che Leben in Ber­lin ist der­zeit lahm­ge­legt. Jeden Tag ein wenig mehr, fühlt es sich bei­na­he an, auf die Aus­gangs­sper­re vor­be­rei­tet zu wer­den.  Nach lan­gem Hin und Her dür­fen Restau­rants ab heu­te nur noch zur Lie­fe­rung oder Abho­lung öff­nen. Auch Thea­ter und Muse­en sind geschlos­sen. Durch feh­len­de oder weni­ger Ein­nah­men sind des­halb vie­le Geschäfts­leu­te von der Insol­venz bedroht. Dem will die pri­va­te Initia­ti­ve “Helfen.Berlin” entgegenwirken.

 

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekin­ger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebau­te Wohn­vier­tel rund um die Spren­gel- und die Tege­ler Stra­ße ver­fügt neben einer weit­ge­hend intak­ten Alt­bau­sub­stanz aus der Grün­der­zeit über eine rich­ti­ge Was­ser­la­ge. Im Süd­wes­ten des Kiezes ver­läuft näm­lich der Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal. Die aus­ge­bau­te Ufer­pro­me­na­de mit ihren reprä­sen­ta­ti­ven Wohn­häu­sern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spa­zier­gän­gen und zu Café­be­su­chen ein. Wie an kei­ner ande­ren Stel­le im Wed­ding rei­hen sich hier gas­tro­no­mi­sche Betrie­be anein­an­der, sowohl tra­di­tio­nel­le Knei­pen ( Deich­graf) als auch neue­re Cafés und Restau­rants (Fünf­und­sech­zig, Cafe am Ufer). Eben­falls im Spren­gel­kiez besteht seit vie­len Jah­ren die Wed­din­ger Haus­braue­rei Eschen­bräu, wo man im Som­mer in einem schat­ti­gen Bier­gar­ten im Hin­ter­hof sit­zen kann. In den letz­ten Jah­ren wur­de durch ein Quar­tiers­ma­nage­ment viel in die vor­han­de­nen Spiel­plät­ze investiert.

Neben dem Sparr­platz und dem Pekin­ger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Spren­gel­park zu nen­nen. Auf dem 10 000 qm gro­ßen ehe­ma­li­gen Indus­trie­are­al (hier wur­den Was­ser­flug­zeu­ge gebaut) zwi­schen der Kiautschoustra­ße und der Spren­gel­stra­ße haben Land­schafts­pla­ner einen urba­nen Sport- und Spiel­park mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der klei­ne, aber fei­ne Sprengelpark

Im Spren­gel­kiez und in sei­ner unmit­tel­ba­ren Umge­bung befin­den sich wich­ti­ge öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, deren Bedeu­tung weit über den Wed­ding hin­aus­reicht. Zu nen­nen ist hier vor allem das Robert-Koch-Insti­tut am Nord­ufer. Das 1891 gegrün­de­te Insti­tut ist die zen­tra­le Über­wa­chungs- und For­schungs­ein­rich­tung der Bun­des­re­pu­blik für Infek­ti­ons­krank­hei­ten. Es befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Rudolf-Virchow-Kran­ken­haus (heu­te: Cha­ri­té Cam­pus Virchow). Die zen­tra­le Ber­li­ner Ein­wan­de­rungs­be­hör­de liegt eben­falls am Kanalufer, jedoch auf der gegen­über­lie­gen­den Moa­bi­ter Sei­te. Sie ist mit dem Torf­stra­ßen­steg an den Spren­gel­kiez ange­bun­den. Auch Beschäf­tig­te und Stu­die­ren­de der nahe gele­ge­nen Beuth-Hoch­schu­le drü­cken dem Spren­gel­kiez ihren Stem­pel auf. Daher fin­det man in die­sem Kiez mehr stu­den­ti­sches Ein­flüs­se und die pas­sen­de Infra­struk­tur als in ande­ren Vier­teln im Wedding.

Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Da das Indus­trie­ge­län­de an der Spren­gel­stra­ße erst am Ende des 19. Jahr­hun­derts auf­ge­ge­ben wur­de, konn­te sich der west­li­che Teil des Kiezes am Nord­ufer erst um 1900 her­um zu einem Wohn­ge­biet ent­wi­ckeln. Die reprä­sen­ta­ti­ve Gebäu­de­grup­pe zwi­schen Feh­mar­ner Stra­ße, Nord­ufer und Buch­stra­ße ist ein beson­ders gelun­ge­nes Bei­spiel für genos­sen­schaft­li­chen Reform­woh­nungs­bau. Vor allem die Eck­bau­ten, davon eines sogar mit einem Dop­pel­gie­bel, prä­gen das Kanalufer an die­sem Abschnitt. Auch das Eck­haus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein groß­bür­ger­li­cher Pracht­bau, wie es ihn im Wed­ding eher sel­ten gibt. Die Oster­kir­che liegt an der Samoa­stra­ße / Spren­gel­stra­ße und damit exakt in der Mit­te des Spren­gel­kiezes. Die wuch­ti­ge Back­stein­kir­che ist in die Ecke eines Blocks gebaut und ver­eint Kir­chen­schiff, Turm und Pfarr­haus in einem ein­zi­gen Gebäu­de. Das gewöl­be­lo­se Kir­chen­in­ne­re ist mit pracht­vol­len Male­rei­en ver­se­hen. Das Geschäfts­zen­trum des immer belieb­ter und damit auch teu­rer wer­den­den Spren­gel­kiezes ist neu­er­dings die Tege­ler Stra­ße mit ihren vie­len Cafés, Restau­rants und Fach­ge­schäf­ten. Aber auch in die Spren­gel­stra­ße zieht es Nacht­schwär­mer (in das gleich­na­mi­ge Musik­lo­kal) oder in die vie­len klei­nen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel Str

Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Rich­tung Mül­ler­stra­ße ist der Kiez stär­ker von sozia­len Pro­ble­men geprägt, was vor etli­chen Jah­ren auch der Grund für die Ein­rich­tung des Quar­tiers­ma­nage­ments Sparr­platz war. Der namens­ge­ben­de Platz ist eine lang­ge­zo­ge­ne Grün­an­la­ge mit Bolz- und Spiel­plät­zen. Genau in die­ser Lage ist mit dem Prime-Time-Thea­ter an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kul­tu­rel­ler Anzie­hungs­punkt von ber­lin­wei­ter Rele­vanz ent­stan­den. Des­sen Allein­stel­lungs­merk­mal ist eine fort­lau­fen­de Sei­fen­oper auf der Büh­ne namens “Gutes Wed­ding, schlech­tes Wed­ding”. Doch anders als bei dem ver­meint­li­chen TV-Vor­bild gibt es bei die­sem Thea­ter­spaß mit Wed­din­ger Ori­gi­na­len ech­tes Geläch­ter eines glän­zend unter­hal­te­nen Publi­kums. Direkt neben­an liegt die Ber­li­ner SPD-Zen­tra­le (Kurt-Schu­ma­cher-Haus) – tra­di­tio­nell eng mit dem “roten Wed­ding” ver­bun­den. Bedeu­tend für den gan­zen Orts­teil ist auch das Job­cen­ter direkt gegen­über – unter­ge­bracht in einem typi­schen Arbeits­amts­ge­bäu­de aus den 1950er Jahren.

Nicht nur für Gastronomen: Suppe mit Sinn

Suppenteller von oben

Die Ber­li­ner Tafel enga­giert sich gegen Armut und Ver­schwen­dung. Mit­hil­fe von Spen­den erhal­ten so rund 300 sozia­le Ein­rich­tun­gen Lebens­mit­tel. An ihrer Akti­on „Sup­pe mit Sinn“ kön­nen sich Cafés, Restau­rants und am Ende Kon­su­men­ten betei­li­gen. Im Wed­ding sind nur weni­ge Gas­tro­no­men mit von der Partie. 

“Naveena Path”: Tamilisch für Anfänger

Essen im Naveena Path Foto: L.Tilly
Foto: L.Tilly

Das Navee­na Path liegt an der Tege­ler Stra­ße im Spren­gel­kiez, den man gewis­ser­ma­ßen als den Prenz­lau­er Berg des Wed­ding bezeich­nen kann: Eine rela­tiv abge­schlos­se­ne, sanier­te Woh­nungs­struk­tur mit vie­len Alt­bau­ten, dazu Kin­der­gär­ten und Gebraucht­wa­gen, Bio- Cafés, ver­kehrs­be­ru­hig­te Zonen und Ein­bahn­stra­ßen, enga­gier­te Anwoh­ner. Man kennt sich, wir ken­nen das, all das ist ein biss­chen beneidenswert.

Sag zum Abschied leise Prost

Bier und Sup­pe, dafür stand das ResOt­to. Foto: Ramo­na Gamradt

Wir hat­ten uns irgend­wie dar­an gewöhnt: Die gas­tro­no­mi­sche Land­kar­te des Wed­ding ist über die Jah­re viel­fäl­ti­ger gewor­den. Auf ein­mal scheint das aus und vor­bei zu sein – so kommt es einem im Moment zumin­dest vor. Denn inner­halb weni­ger Wochen ist der Wed­ding schlag­ar­tig um ein paar belieb­te Namen ärmer gewor­den. Dafür gibt es vie­le per­sön­li­che Grün­de der Betrei­ber; die unüber­seh­ba­re Gen­tri­fi­zie­rung ist dabei wohl gar nicht ent­schei­dend gewe­sen. Und den­noch fällt eine gewis­se Häu­fung auf. Wir haben zusam­men­ge­fasst, wo schmerz­li­che Lücken ent­stan­den sind.