Wohnen im Wedding: Die Mies van der Rohe-Häuser

Kon­trast in der Sambesistraße

Ber­lin ist bekannt für sei­ne nach dem Ers­ten Welt­krieg gebau­ten Wohn­an­la­gen. Am nord­west­li­chen Rand der Grün­der­zeit­be­bau­ung des Wed­ding, ent­lang der 1906 ange­leg­ten Afri­ka­ni­schen Stra­ße, wur­de eines der frü­he­ren Woh­nungs­bau­vor­ha­ben der Wei­ma­rer Repu­blik rea­li­siert. 1919 wur­den die schma­len Quer­stra­ßen Tanga‑, Uganda‑, Dua­la- und Sam­be­si­stra­ße von den Archi­tek­ten Mebes und Emme­rich mit nied­ri­gen Dop­pel­häu­sern bebaut.

Zusammenrücken bitte: Nachverdichtung im Wedding

Visua­li­sie­rung der Auf­sto­ckung im Kiez Schil­ler­hö­he. Foto: DAHM Archi­tek­ten + Inge­nieu­re GmbH

Die wach­sen­de Stadt belegt Bra­chen, stockt Häu­ser auf, ver­grö­ßert Gebäu­de. Die Fol­ge: es wird eng. Manch­mal wächst der Wed­ding ver­steckt im Hin­ter­hof wie in der Mül­ler­stra­ße 30. Dort hat der Bau­herr bestehen­de Häu­ser abge­ris­sen und durch ein Wohn­haus mit mehr Grund­flä­che und mehr Stock­wer­ken ersetzt.

Das Wichtigste der Woche im Wedding

Natur­are­al am Strand­bad Plöt­zen­see

Im Mai ließ eine Nach­richt den Wed­ding erschre­cken: Das Prime Time Thea­ter muss­te Insol­venz anmel­den.  Nun gibt es einen neu­en Part­ner, mit dem das Thea­ter dau­er­haft betrie­ben wer­den könn­te. Hier fin­det ihr mehr Infos. Es ist wie­der ganz schön heiß gewor­den. Nur gut, dass wir mit dem Plöt­zen­see einen veri­ta­blen See mit Bade­strand haben. Im Strand­bad tut sich sowie­so eini­ges: Vor allem das sport­li­che Ange­bot hat sich erheb­lich erweitert. 

Europacity: Wird aus Nachbarschaft Freundschaft?

Wenn der Wed­ding ein eige­ner Ort wäre, lägen das Bay­er-Gelän­de und der Park am Nord­ha­fen am Ran­de der Stadt. Doch die­se Gebie­te befin­den sich ja nicht an der Peri­phe­rie, son­dern mit­ten im Her­zen einer Mil­lio­nen­stadt. Und so rücken auch die­se Zonen in den Sog der wach­sen­den Metro­po­le. In unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des Wed­ding dre­hen sich schon die Bau­krä­ne; das gan­ze Gebiet rund um die Bra­che des Con­tai­ner­bahn­hofs Hei­de­stra­ße hat sich in eine ein­zi­ge gro­ße Bau­stel­le namens Euro­pa­ci­ty verwandelt.

Verkehrskonzept für TXL-Gelände wirkt sich auf den Wedding aus

Flugzeug TegelOb 2017 oder erst 2018 – wenn der Flug­ha­fen Tegel sei­ne Pfor­ten schließt, steht die Tegel Pro­jekt GmbH mit einem Nach­nut­zungs­kon­zept in den Start­lö­chern. Ber­lin TXL soll ein Schau­fens­ter und prak­ti­sches Expe­ri­men­tier­feld für Zukunfts­tech­no­lo­gien wer­den – doch was heißt das für den Wedding?

Ein bisschen günstig – Baustelle Wohnungsbau

An der Ecke Usedomer und Wattstraße hat der Bau eines Miethauses begonnen. Foto: Hensel
An der Ecke Use­do­mer und Watt­stra­ße hat der Bau eines Miet­hau­ses begon­nen. Foto: Hensel

In den Tages­zei­tun­gen steht: Die lan­des­ei­ge­nen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten bau­en zu wenig preis­wer­te Woh­nun­gen. Dabei wer­den gera­de die­se Unter­künf­te in Ber­lin gebraucht. In der Use­do­mer Stra­ße Ecke Watt­stra­ße ent­ste­hen der­zeit etwa 40 die­ser heiß begehr­ten Woh­nun­gen. Auf dem ehe­ma­li­gen BVG-Betriebs­hof im Brun­nen­vier­tel sind in der ver­gan­ge­nen Woche die Bag­ger gekom­men und haben damit begon­nen, den Bau­grund vorzubereiten.

Diesterweg-Gelände: Neuer Wohnbauplan bis Mitte Juni

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Das ehe­ma­li­ge Schul­ge­bäu­de des Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums im Brun­nen­vier­tel steht seit vier Jah­ren leer.

Eigent­lich soll­ten die mehr als 300 güns­ti­gen Woh­nun­gen im Brun­nen­vier­tel längst fer­tig sein. Im Gemein­schafts­gar­ten zwi­schen Put­bus­ser und Swi­ne­mün­der Stra­ße soll­ten schon die Toma­ten wach­sen, in der neu­en Kita soll­ten die Kin­der spie­len, im gro­ßen Saal Ver­an­stal­tun­gen für den Kiez statt­fin­den. Im Febru­ar 2014 stimm­ten die Bezirks­ver­ord­ne­ten von Mit­te ein­hel­lig für das auch im Kiez favo­ri­sier­te Pro­jekt des Teams ps wed­ding und gegen ein kon­kur­rie­ren­des Woh­nungs­bau­kon­zept des lan­des­ei­ge­nen Woh­nungs­un­ter­neh­mens dege­wo. Doch noch immer steht das ehe­ma­li­ge Gelän­de des Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums leer, nichts ist gebaut und ent­wi­ckelt worden.

„Der Druck ist schon voll da“ – Eine Diskussion im Sprengelkiez zum Thema Mietpolitik

Ins­be­son­de­re in zen­trums­na­hen Stadt­tei­len wie Wed­ding sind die Anwoh­ner besorgt wegen stei­gen­der Wohn­kos­ten. Unter dem Mot­to „Woh­nen muss bezahl­bar blei­ben“ lud die SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Dr. Eva Högl am Diens­tag zu einer Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung im Spren­gel­kiez ein.

Reu­e­stim­mung in der SPD

Rund 80 Per­so­nen kamen am Diens­tag­abend in den Lin­den­gar­ten am Nord­ufer, dar­un­ter vie­le Anwoh­ner aus Tier­gar­ten und Wed­ding sowie Ange­hö­ri­ge ver­schie­de­ner loka­ler Mie­ter­initia­ti­ven. Den Fra­gen der Gäs­te stell­ten sich außer Eva Högl auch Ephraim Gothe, Staats­se­kre­tär der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung, die Bezirks­ver­ord­ne­te Jani­na Kör­per sowie Sie­men Dall­mann, Anwoh­ner im Spren­gel­kiez und Vor­sit­zen­der des Ver­eins „Aktiv im Kiez“.

Gleich zu Beginn der Ver­an­stal­tung wur­de klar, dass mit Blick auf die Miet- und Wohn­po­li­tik so etwas wie Reu­e­stim­mung in der SPD herrscht. Denn das The­ma, gestand Eva Högl ein, sei lan­ge Zeit poli­tisch nicht aus­rei­chend behan­delt wor­den. Auch Ephraim Gothe zeig­te sich selbst­kri­tisch, beteu­er­te jedoch, das The­ma sei „auf der poli­ti­schen Agen­da ganz nach oben geraten“.

Ent­span­nung wird nötig sein

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Man rech­net mit star­kem Zuzug: Berlin-Wedding

Ephraim Gothe gab einen aus­führ­li­chen Über­blick über die Maß­nah­men des Ber­li­ner Senats, die auf dem Woh­nungs­markt der Stadt für mehr Ent­span­nung sor­gen sol­len. Ent­span­nung wird auch nötig sein, denn man geht davon aus, dass Ber­lin bis 2030 um rund 250.000 Ein­woh­ner wach­sen wird. Star­ker Zuzug wird vor allem für Orts­tei­le wie Pan­kow, Wed­ding und Tier­gar­ten erwartet.

Der Ber­li­ner Senat hat bereits im ver­gan­ge­nen Jahr mit den städ­ti­schen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten ein Bünd­nis für sozia­le Woh­nungs­po­li­tik geschlos­sen, das ein gan­zes Bün­del von Rege­lun­gen umfasst, um die Ent­wick­lung des Woh­nungs­markts poli­tisch stär­ker beein­flus­sen zu kön­nen. Teil der Ver­ein­ba­rung ist zum Bei­spiel eine Erhö­hung des Woh­nungs­be­stands der Gesell­schaf­ten um rund 23.000 Woh­nun­gen durch den Zukauf bestehen­der und den Bau neu­er Wohnungen.

Auch eine Neu­aus­rich­tung in der Ber­li­ner Lie­gen­schafts­po­li­tik soll dazu füh­ren, dass Grund­stü­cke aus dem Besitz der Stadt nicht wie bis­her mög­lichst gewinn­brin­gend ver­kauft wer­den, son­dern beim Ver­kauf stär­ker auf woh­nungs­po­li­ti­sche Zie­le geach­tet wird. Ein neu­es Gesetz soll zudem den spe­ku­la­ti­ven Leer­stand sowie die Zweck­ent­frem­dung von Woh­nun­gen ein­däm­men. Denn durch die Ver­mie­tung von Wohn­raum als Feri­en­woh­nung kann ein Ver­mie­ter bis zu vier­mal mehr Mie­te bekom­men. Der Ber­li­ner Bevöl­ke­rung wer­den die­se Woh­nun­gen dadurch jedoch vom Woh­nungs­markt entzogen.

Eva Högl hält vor allem die star­ken Miet­stei­ge­run­gen bei Neu­ver­mie­tun­gen für pro­ble­ma­tisch. Hier sei eine Decke­lung der Miet­erhö­hun­gen erfor­der­lich, so dass Mie­ten inner­halb von vier Jah­ren nur um maxi­mal 15% erhöht wer­den dür­fen. Bis­her sind es 20% in drei Jah­ren. Eben­so griff sie den Wunsch eini­ger Anwoh­ner nach mehr Trans­pa­renz bezüg­lich der Eigen­tums­ver­hält­nis­se von Miets­häu­sern auf.

Geziel­te Aufwertung

Am ehes­ten kon­tro­vers dis­ku­tiert wur­de über die geziel­te Auf­wer­tung sozi­al schwa­cher Wohn­ge­bie­te, da sie natür­lich im Ver­dacht steht, einer sozia­len Ver­drän­gung den Weg zu ebnen. Die Auf­wer­tung der sozia­len Struk­tur, so Gothe, sei jedoch alter­na­tiv­los, wol­le man zum Bei­spiel ver­hin­dern, dass jun­ge Fami­li­en fort­zie­hen, sobald ihre Kin­der ins schul­pflich­ti­ge Alter kom­men. Die Bezirks­ver­ord­ne­te Jani­na Kör­per, die – viel­leicht etwas leicht­fer­tig – das Reiz­wort „Gen­tri­fi­zie­rung“ in einem durch­aus affir­ma­ti­ven Sinn ver­wen­de­te, wies dar­auf hin, dass die Auf­wer­tung im engen Dia­log mit dem jewei­li­gen Quar­tiers­ma­nage­ment erfolgt, um sozia­le Ver­drän­gungs­pro­zes­se zu ver­hin­dern. Statt sozi­al Star­ke ins Vier­tel zu locken, so ein Mit­glied des Ber­li­ner Mie­ter­ver­eins, sol­le man vor allem ver­su­chen, den Men­schen vor Ort zu helfen.

Die Situa­ti­on im Sprengelkiez

Nordufer
Im Spren­gel­kiez sind kaum noch bezahl­ba­re Woh­nun­gen zu finden

Im Ver­lauf des Abends wur­de deut­lich, dass die Mit­glie­der der Mie­ter­initia­ti­ven, die Maß­nah­men des Ber­li­ner Senats zwar begrü­ßen, sich aber gleich­zei­tig auch kurz­fris­ti­ge Maß­nah­men wün­schen, um den Men­schen zu hel­fen, die bereits jetzt ihre Mie­ten nicht mehr bezah­len kön­nen. So schil­der­te Sie­men Dall­mann sei­ne Erfah­run­gen als Mie­ter­ver­tre­ter im Spren­gel­kiez, wo dies bereits bei vie­len Mie­tern der Fall sei. Für Kiez­be­woh­ner, die ihre bis­he­ri­ge Woh­nung ver­las­sen, sei es fast unmög­lich, wie­der eine bezahl­ba­re Woh­nung im Vier­tel zu fin­den. Vie­le Mie­ter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, berich­te­te eine ande­re Anwoh­ne­rin, muss­ten bereits fort­zie­hen. „Der Druck ist schon voll da“, fass­te Dall­mann die Situa­ti­on zusam­men. Er befürch­tet, dass sich beson­ders im Spren­gel­kiez die Situa­ti­on noch wei­ter ver­schär­fen wird. An die Poli­tik rich­te­te Dall­mann zudem die Bit­te, neben dem The­ma Mie­te auch die Pro­ble­ma­tik stän­dig stei­gen­der Neben­kos­ten nicht aus den Augen zu verlieren.

Ver­drän­gung sozi­al Schwa­cher aus dem Kiez?

Als Dall­mann am Ende der Ver­an­stal­tung einen erst seit drei Mona­ten im Spren­gel­kiez woh­nen­den Stu­den­ten dar­über auf­klärt, der Wed­ding sei noch vor eini­gen Jah­ren alles ande­re als ange­sagt gewe­sen, wur­de ver­mut­lich so man­chem Besu­cher wie­der bewusst, wie schnell und wie sehr sich die Situa­ti­on im Wed­ding geän­dert hat. Nach den Jah­ren sta­gnie­ren­der Ein­woh­ner­zah­len, erle­ben vor allem die bis­her als wenig attrak­tiv gel­ten­den Stadt­vier­tel eine Zeit des Umbruchs. Wenn die Poli­tik nicht kon­se­quent dage­gen steu­ert, läuft der Wed­ding Gefahr, eine mas­sen­haf­te Ver­drän­gung der sozi­al schwa­chen Bevöl­ke­rung zu erle­ben. Bleibt zu hof­fen, dass sich das Enga­ge­ment der Mie­ter­initia­ti­ven aus­zahlt, und ins­be­son­de­re auch deren Wunsch nach kurz­fris­ti­gen Maß­nah­men in der Poli­tik Gehör fin­det. Viel Zeit bleibt nicht.

Wedding war einst ein Aushängeschild der Moderne

Das Gebiet nörd­lich der See­stra­ße war im Jahr 1918 noch weit­ge­hend unbe­baut, da die Bau­tä­tig­keit durch den Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs zum Erlie­gen gekom­men war. Es war also noch viel Platz im nord­west­li­chen Wed­ding, als eini­ge gro­ße Bau­vor­ha­ben im Woh­nungs- und Ver­kehrs­bau der Wei­ma­rer Repu­blik began­nen. So kommt es, dass sich vie­le bedeu­ten­de Zeug­nis­se des “Neu­en Bau­ens” gera­de rund um die Afri­ka­ni­sche Stra­ße und am Schil­ler­park fin­den lassen.

Togostraße-Loggien
Kopf­bau in der Friedrich-Ebert-Siedlung

War im Kai­ser­reich der Woh­nungs­bau noch durch Ange­bot und Nach­fra­ge auf dem frei­en Markt geprägt, setz­te in der Wei­ma­rer Repu­blik ein Umden­ken ein. Gera­de im sozi­al­de­mo­kra­tisch regier­ten Wed­ding stand man Mit­te der 1920er Jah­re weg­wei­sen­den Woh­nungs­bau­vor­ha­ben von genos­sen­schaft­li­chen und gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten sehr offen gegen­über. Zuvor hat­te es nur weni­ge genos­sen­schaft­li­che Reform­woh­nungs­bau­ten im Wed­ding gege­ben, so zum Bei­spiel am Nordufer/Fehmarner Str. und mit dem Karl-Schra­der-Haus an der Malplaquetstr./Utrechter Stra­ße. Dabei ging es auch dar­um, von den als über­kom­men gel­ten­den Bau­wei­sen wie der Block­rand­be­bau­ung mit engen, licht­lo­sen Hin­ter­hö­fen und der für Ber­lin so typi­schen Mischung von Woh­nen und Gewer­be wegzukommen.

Bedeu­ten­de Archi­tek­ten wie Bru­no Taut, Max Taut, Lud­wig Mies van der Rohe, Jean Krä­mer, Paul Emme­rich und Paul Mebes, die sich alle­samt dem “Neu­en Bau­en” ver­schrie­ben hat­ten, rea­li­sier­ten Pro­jek­te im Wed­ding, die – trotz ähn­li­cher Aus­gangs­über­le­gun­gen – sehr unter­schied­lich aus­ge­fal­len sind. Auf­fäl­lig ist der kon­se­quen­te Ein­satz von Flach­dä­chern bei den meis­ten Pro­jek­ten – Ende der 1920er Jah­re muss das auf die Zeit­ge­nos­sen sehr modern gewirkt haben.

Die Sied­lun­gen im Einzelnen:

Offe­ne Block­rand­be­bau­ung in der Sied­lung Schillerpark

Typische Hofseite eines Wohngebäudes der Schillerpark-SiedlungDie von 1924–1930 errich­te­te Sied­lung Schil­ler­park besteht aus drei durch Quer­stra­ßen getrenn­ten Sied­lungs­tei­len mit 300 Wohnungen.

“Bru­no Taut stell­te drei­ge­schos­si­ge Blö­cke in einer offe­nen Block­rand­be­bau­ung um ruhi­ge Gar­ten­hö­fe. Die Trep­pen­häu­ser lie­gen jeweils an der Nord- bzw. an der Ost­sei­te, so dass ein Teil der Ein­gän­ge von der Stra­ße, der ande­re vom Gar­ten­hof aus zugäng­lich ist. Hier­für sind jeweils an den äuße­ren Enden der Zei­len Durch­gän­ge geschaf­fen. Die halb­of­fe­ne Bau­wei­se unter­stützt nicht nur die von Taut ange­streb­te Ver­bin­dung der Wohn- und Frei­räu­men, die Taut “Außen­wohn­raum” nennt, auch der angren­zen­den Schil­ler­park wird mit ein­be­zo­gen. Ein bis dahin in Ber­lin unge­wohn­tes Motiv war das fla­che Dach, das hier aus Kos­ten­grün­den nach hol­län­di­schem Vor­bild erst­mals im Ber­li­ner Sied­lungs­bau der 1920er Jah­re ver­wen­det wur­de.” (aus­zugs­wei­se, Quelle:Denkmaldatenbank)

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de die Sied­lung ergänzt. Gemein­sam mit fünf ande­ren Sied­lun­gen der Ber­li­ner Moder­ne erhielt die Wohn­an­la­ge im Jahr 2008 den Sta­tus als UNESCO-Welt­kul­tur­er­be.

Kon­se­quen­te Zei­len­bau­wei­se in der Friedrich-Ebert-Siedlung

Damarastr-Friedrich-Ebert-SiedlungDie 1929–31 errich­te­te Sied­lung wur­de als ers­te Ber­li­ner Wohn­an­la­ge kon­se­quent in Zei­len­bau­wei­se in Südwest/Nordostrichtung errich­tet. Jede der 1400 Woh­nun­gen hat einen Blick auf eine Grün­flä­che. Der öst­li­che Abschnitt von der Mül­ler­stra­ße bis zur Togo­stra­ße wur­de von den Archi­tek­ten Mebes und Emme­rich geplant, wäh­rend Bru­no Taut die Gebäu­de im Gebiet von der Togostr. bis zur Wind­hu­ker Str. ent­warf. Gemein­sam ist allen Wohn­häu­sern, dass sie vier Geschos­se und – damals auf­se­hen­er­re­gend – Flach­dä­cher besit­zen. Zudem besit­zen die Zei­len­bau­ten kei­nen Fas­sa­den­schmuck, son­dern wer­den allein durch leicht erhöh­te Kopf­bau­ten, Bal­ko­ne, Win­ter­gär­ten und Trep­pen­häu­ser gegliedert.

Die Gebäu­de rund um den Nach­tig­al­platz wur­den erst 1939/40 von den Archi­tek­ten Wer­ner Har­ting und Wolf­gang Wer­ner errich­tet und besit­zen weder Flach­dä­cher noch Balkone.

Kubi­sche Wohn­bau­ten Mies van der Rohe 1926/27

Wohnkuben Ludwig Mies van der Rohe Afrikanische Str.Den neben einer Eigen­heim­sied­lung lie­gen­den Gelän­de­strei­fen an der Afri­ka­ni­schen Stra­ße über­nahm die Heim­stät­ten­ge­sell­schaft Pri­mus, die den Archi­tek­ten Lud­wig Mies van der Rohe mit dem Bau von Wohn­ge­bäu­den mit 88 Woh­nun­gen beauf­trag­te. Die­ser errich­te­te gleich­zei­tig in der Stutt­gar­ter Wei­ßen­hof­sied­lung einen heu­te sehr berühm­ten Wohnblock.

“Die 1926–27 errich­te­te Wohn­an­la­ge an der Afri­ka­ni­schen Stra­ße gehört zu den früh aus­ge­führ­ten Woh­nungs­bau­vor­ha­ben der Wei­ma­rer Repu­blik. Lud­wig Mies van der Rohe ent­warf kubi­sche, block­haf­te Häu­ser mit Flach­dach, die nahe­zu aske­tisch wir­ken. Etwas zurück­ge­setzt ord­ne­te er drei gleich­ar­ti­ge Wohn­blocks an, die über gerun­de­te Bal­ko­ne schar­nier­ar­tig mit abge­win­kel­ten Sei­ten­bau­ten ver­bun­den sind.  Wäh­rend die Haupt­trak­te drei Geschos­se und einen außer­or­dent­lich hohen Dach­bo­den umfas­sen, sind die Sei­ten­flü­gel mit zwei Geschos­sen deut­lich nied­ri­ger. Ein vier­ter Bau (Ecke Tan­gastra­ße) setzt sich aus drei gestaf­fel­ten Blö­cken zusam­men. Alle Wand­flä­chen sind ver­putzt und ocker­far­ben gestri­chen, die schma­le Dach­kan­te wird aus drei Zie­gel­schich­ten gebil­det. Obwohl im sozia­len Woh­nungs­bau ange­strebt wur­de, Wohn­be­reich und Küche zu tren­nen, bil­de­te Lud­wig Mies van der Rohe geräu­mi­ge Wohn­kü­chen aus, die sich über vor­ge­la­ger­te Log­gi­en zum Hof öff­nen.”  (aus­zugs­wei­se, Quel­le: Denkmaldatenbank)

Expres­sio­nis­ti­sche “Stra­ßen­bahn­stadt” an der Müllerstraße

Der 1925–27 erbau­te Stra­ßen­bahn-Betriebs­hof, seit 1960 Bus­be­triebs­hof, an der Mül­ler­stra­ße stellt ein Haupt­werk expres­sio­nis­ti­scher Archi­tek­tur in Ber­lin dar.

“Die “Stra­ßen­bahn­stadt”, die einen gan­zen Bau­block an der Mül­ler­stra­ße, Bel­fas­ter Stra­ße, Lon­do­ner Stra­ße und an der spä­ter auf­ge­ho­be­nen Them­se­stra­ße ein­nimmt, doku­men­tiert den Aus­bau des groß­städ­ti­schen Nah­ver­kehrs nach dem Ers­ten Welt­krieg. Archi­tekt Jean Krä­mer errich­te­te für die Ber­li­ner Stra­ßen­bahn-Betriebs-GmbH ins­ge­samt fünf Betriebs­hö­fe. Im Unter­schied zur U‑Bahn-Haupt­werk­statt, die eben­falls von Wohn­häu­sern begrenzt wird, aber einen viel­schich­ti­gen Auf­bau besitzt, ent­wi­ckel­te Jean Krä­mer einen sym­me­tri­schen, städ­te­bau­lich wir­kungs­vol­len Grund­riss. Die Fahr­zeug­hal­le, die 320 Stra­ßen­bahn­wa­gen auf­neh­men konn­te, wur­de an der Rück­sei­te des Bau­blocks ange­ord­net. Die Wohn­häu­ser umschlie­ßen den Betriebs­hof und öff­nen sich zur Mül­ler­stra­ße durch eine tor­ar­tig gestaf­fel­te Bau­grup­pe. Die Wohn­an­la­ge für Beschäf­tig­te wirkt ein­heit­lich, obwohl viel­fäl­ti­ge Details zu sehen sind. Die Fas­sa­den sind rot­braun ver­putzt und mit orna­men­ta­ler Kera­mik besetzt. Die Ober­ge­schos­se wer­den durch ver­ti­ka­le Bän­der gegliedert.

Bus-Betriebshof Müllerstraße

Die scharf­kan­ti­gen, spitz vor­kra­gen­den Wand­vor­la­gen der klin­ker­ver­klei­de­ten Erd­ge­schoss­zo­ne, unter­strei­chen den expres­si­ven Cha­rak­ter. Die Wohn­trak­te an Lon­do­ner und Bel­fas­ter Stra­ße umfas­sen nur drei Stock­wer­ke, abge­se­hen vom Mit­tel­bau, der durch ein ein zusätz­li­ches Geschoss her­aus­ge­ho­ben wird. Die Hof­sei­ten wer­den durch drei­eckig vor­sprin­gen­de Trep­pen­häu­ser geglie­dert. Die Eck­ge­bäu­de an der Rück­sei­te des Bau­blocks, die an die Wagen­hal­le anschlie­ßen, stei­gern sich zu mas­si­gen, flach­ge­deck­ten Turm­häu­sern. Die turm­ar­ti­gen, 32 m hohen Kopf­bau­ten an der Ein­fahrt zum Betriebs­hof, die expres­siv gestal­tet sind, bil­den das archi­tek­to­ni­sche Mar­ken­zei­chen der “Stra­ßen­bahn­stadt”. Sie ent­hal­ten Woh­nun­gen, Betriebs- und Ver­wal­tungs­räu­me, außer­dem einen Hoch­be­häl­ter für die Was­ser­ver­sor­gung des Betriebs­hofs. Unten öff­nen sich Para­bel­bö­gen, die an die goti­sche Bau­kunst erin­nern, gemau­ert aus roten Klin­kern mit aus­strah­len­den Fugen. Die wuch­ti­gen Schluss­stei­ne lei­ten zur pris­ma­tisch gefal­te­ten Turm­wand über. Über dem sechs­ten Geschoss folgt der Was­ser­be­häl­ter, der sich durch eine vio­let­te Klin­ker­ver­klei­dung und eine gegen­läu­fi­ge Mau­er­fal­tung vom unte­ren Bereich absetzt.” (aus­zugs­wei­se, Quel­le: Denkmaldatenbank)