Nähcafé: Eine Verabredung mit Nadel und Faden

Beim Nähcafé. Foto: D. Hensel
Beim Nähcafé. Foto: D. Hensel

Aus der alten Bluse wird eine Tasche, der Rock wird gekürzt und der Kopfkissenbezug wird upgecycled und verbringt seine Tage zukünftig als Lunchbeutel. Was sonst vielleicht im Altkleidercontainer gelandet wäre, wird donnerstags in der Fabrik Osloer Straße beim Nähcafé einfach umgeschneidert. Das Motto des Nähcafés ist schließlich „Aus alt mach neu“. Eine Teilnehmerin erzählt von ihrer wöchentlichen Verabredung mit Nähmaschinen, Stoffen und Modedesignerin Cora Lie. | Den Beitrag gibt es auch als Hörversion.

Ein schönes neues Leben für die Konservendose

Alicja Nagorko (links) und Sabina Bronszkowska stellen in der Leckerwissen-Küche in der Grüntalter Straße neuerdings auch Lampen und andere schöne Dinge her. Foto: Gourmello
Alicja Nagorko (links) und Sabina Bronszkowska stellen in der Leckerwissen-Küche in der Grüntalter Straße neuerdings auch Lampen und andere schöne Dinge her. Foto: Gourmello

Gourmello ist nicht nur ein Caterer aus dem Soldiner Kiez. In der Grüntaler Straße gibt es auch die Leckerwissen-Kurse für Kinder – und seit neuestem macht das Team aus Verpackungen schöne Dinge. Der Beitrag über das Upcycling-Projekt in der Grüntaler Straße.

“Weddingwandler”: meet your neighbours

To rescue the whole world in an instant seems to be an idealistic illusion. A rapidly growing group of engaged Weddingers wants to start making changes in the immediate vicinity and create a new sense of ‚togetherness‘ in the Kiez.

Julian und Sophia“The failed climate summit in Copenhagen showed me: there won’t be any change from ‚above’”, says Julian Gröger. If something is meant to change, the movement has to come from the citizens – this is the idea of the transition town movement, an ecological and social initiative with many different ideas. “Our materialistic society depends on wasting finite resources”, explains the 31-year old environmental manager. You can end up pretty desperate if you’re trying to change anything by yourself, from wasting fossil resources via industrialized agriculture and the ‚throw-away-society‘ to ever rising housing costs. For Julian, it all starts with not accepting today’s situation as the climax of civilization.

You should not just change yourself, but try to get your environment involved: “In order to achieve more together, we have to meet our neighbours first”, thinks Julian. In his Kiez at Utrechter Straße this has already started with a community-supported agriculture initiative. Since last year, Julian and his wife have been trying to find like-minded people to create the transition town group in Wedding.

Julian GrögerThe “Weddingwandlers” – a play on words with the word ‚wandeln‘, which can mean ‚to change‘ as well as ‚to stroll‘ – have had several projects within the last year on the corner of Malplaquetstraße and Utrechter Straße. One of these actions was a free bike repair, for example. “What, you don’t want any money for that?”, asked mainly older people living in the Kiez. “We’re neighbours, you know”, was the usual reply of the Weddingwandlers. “To give is a quality”, says Julian, “but for some people it is not easy to accept something either”. The movement wants to create a frame for the neighbourhood – one plan is, for example, to have a cupboard at Café Tassenkuchen, where people can put stuff for exchange.
The approximately 20 active Weddingwandlers are organized into different thematic subgroups to create models and plan activities. This includes excursions, sewing workshops and the communal learning of lost knowledge. “I don’t believe that new crises mean that there’s gonna be a new era for large families”, says Julia. “It would be better if we prepared for the change by creating a social web as it existed in villages in former times. In order to survive in a future with changed basic conditions, each individual has to learn how to get along with more people again”, he believes.
Berlin is not a village, and the Weddingwandlers know that as well. So far, mainly students and academics between the age of 20 and 40 are part of the team, but the neighbourhood-approach consciously tries to attract older people and migrants as well. However, the word ’neighbourhood‘ itself highlights the limitations of the transition town movement: The idea of small-scale, strong structures can only be implemented in a local manner. To spread it to the entire Wedding would be a logistic problem. “We need some sort of communal intelligence”, says Julian. So every Kiez needs a group to foster neighbourhood community and exchange – maybe that’s how you can rescue the world…

Translation: Daniela Hombach

 

More on Wedding’s English Language Facebook-Page “Der schöne Wedding”

„Mabellevie“: Neues Leben für alte Möbel

„Ich wollte in den Wedding, weil ich mag, dass sich vieles hier noch echt und unangetastet anfühlt“, sagt Elisa Brückner. Genau so sollen auch die Möbelstücke sein, die sie künstlerisch bearbeitet: Gegenstände zum Anfassen, Darüber-Streichen und Benutzen.

Umgearbeitete Möbel Quelle: Mabellevie
Umgearbeitete Möbel, Quelle: Mabellevie
Mabellvie Möbel 2
Nur auf den ersten Blick alt (Quelle: Mabellevie)

Jedes alte Möbelstück hat mehrere Schichten und erzählt damit auch Geschichten, manchmal sogar mehreren Jahrhunderten. Mit „Mabellevie“ greift die 28jährige Malerin Elisa Brückner die von Hand gearbeitete Form eines Möbelstücks auf. Das Alter oder der Wert der Möbelstücke ist für sie dabei gar nicht entscheidend – auch wenn die meisten Stücke älter als 80 Jahre alt sind. „Mir kommt es vielmehr darauf an, wie viel Inspiration mir das Objekt geben kann“, sagt die Künstlerin, die in Osnabrück und Dresden studiert hat. „Da können dann schon einmal auf alten Truhen wilde Möwen in luftigem Blau fliegen“, erklärt Elisa Brückner. „Oder Papiermosaike aus Japanpapier zaubern farbige, sinnliche Fläche auf Tische und Stühle.“ Sogar Fotos vom Trödelmarkt werden auf manchen Möbeln angebracht. Elisa Brückner arbeitet in kleinen Serien, die sich einzelnen Farben oder Bearbeitungstechniken widmen.

Alte Möbel, neu interpretiert (Quelle: Mabellevie)
Alte Möbel, neu interpretiert (Quelle: Mabellevie)

Die Künstlerin arbeitet seit 2011 gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Josephine Brückner, die sich als Kunstwissenschaftlerin ums Marketing von Mabellevie kümmert. Ihr Traum ist es, irgendwann einen Laden mit integriertem Atelier zu  führen und dort die Möbel zu präsentieren, sowie einen Raum für fantasievolle Veranstaltungen und andere Dinge des schönen Lebens zu schaffen.„Sie hat mir den Wedding näher gebracht, wo sie schön seit einiger Zeit wohnt“, erzählt die Malerin, die den Stadtteil in einem kreativen Aufbruch sieht: „Wirklich Schönes und Einzigartiges kann nur da verwirklicht werden, wo es noch den Freiraum dafür gibt.“ Die Menschen im Wedding seien noch nicht so gesättigt wie in anderen Stadtteilen, glaubt sie.

Ihr Atelier befand bis vor kurzem sich gemeinsam mit dem Studio eines Fotografen in der Drontheimer Straße, wo die wiederbelebten Objekte in einem lichtdurchfluteten, großzügigen Raum ausgestellt werden. Im November 2012 waren die „Mabellevie“-Werke Teil einer gemeinsamen Verkaufsaktion namens „Die Geschichtenverkäufer“ in eben diesem Hinterhofatelier. Kleidungsstücke und Einrichtungsgegenstände im Zusammenspiel mit den aufgearbeiteten Möbeln erzeugten eine stimmungsvolle, vorweihnachtliche Veranstaltung. Doch auch beim Kunst- und Kulturmarkt „Weddingmarkt“, der seit August 2012 regelmäßig stattfindet, erfreuen sich die Kunst-Möbel immer wieder großer Begeisterung. Besucher des Cafés „Gilmore’s“ am U-Bahnhof Rehberge können die „Mabellevie“-Stücke ebenfalls in Augenschein nehmen – die Inhaberin Sandra Fabian hat mit ihnen einen ganzen Raum gestaltet.

Logo_ManufakturenWie der französische Name des Labels andeutet, hat die gebürtige Berlinerin Elisa Brückner eine besondere Affinität zu Frankreich, dem „savoir vivre“ und dem Schönheitsempfinden unseres westlichen Nachbarlandes. Das sieht man den aufgearbeiteten, wiederbelebten und ausgesprochen sinnlichen Möbeln auch an: ihr wahrer Wert tritt durch Elisa Brückners Arbeit umso deutlicher hervor. „Mabellevie“ gibt den alten Möbeln die Chance auf ein neues Leben.

Ab dem 5. September zieht Mabellevie in einen eigenen Laden in der Togostraße 6 (nahe Seestraße). Viele Monate hat Elisa Brückner dafür im Afrikanischen Viertel gewerkelt und saniert. Dies wird gefeiert am Freitag, den 5. September ab 18.30 Uhr, ab 20 Uhr gibt es dann Live-Musik.

Beitrag aktualisiert am 1. September 2014

Quelle: Mabellevie
Quelle: Mabellevie

Atelier und Showroom

http://mabellevie.de/
Togostr. 6
13351 Berlin

Öffnungszeiten (gültig ab dem 6.9.2014)
Di – Fr: 11.00 – 18.30 Uhr
Sa: 11.00 – 15.30 Uhr

Termine nach Vereinbarung unter 0163 76 30 229

Website mit Blog und vielen Fotos