Voodoo55: Alles ist doch besser als Leerstand

Als die Videothek im Erdgeschoss des schmucklosen Nachkriegsbaus Müllerstraße 55 ihre Pforten schloss, stand einfach nur ein weiterer Laden leer. Das 70er-Jahre-Gebäude gegenüber der neuen Müllerhalle ist eins von der Sorte, die es im Wedding häufig gibt. Doch schon bald nach der Schließung kehrte überraschend neues Leben ein: Diesmal aber kein Casino, kein Pflegedienst und auch kein Geschäft … Ein Künstler und ein Musiker haben die ehemalige Videothek zu einem Kunstraum gemacht. Die Zwischennutzung geht bis zum Sommer.

Temporary Room: Raum auf Zeit für Kunst aus aller Welt

Foto: Temporary Room

Wir berichteten vor einigen Wochen schon über Angela Klöcks Hutladen, wo im hinteren Teil der Werkstatt der „Temporary Room“ von Christopher Gerberding und Lukas Bury, immer mehr Gestalt angenommen hat. Mitte Januar wurde die Galerie mit dem aus Peking stammenden Künstler Liu Guangli, unter dem Motto „ET IN ARCADIA IN EGO“ feierlich eröffnet. Wegbegleiter, ehemalige Professoren, Freunde, Familieangehörige und Kunstinteressierte ließen sich dieses Ereignis nicht entgehen und kamen dafür in den Wedding.

Weddingmelder-Wochenschau (49/16)

Arabischer TeeIm schönsten aller Berliner Stadtteile ist mal wieder allerhand los. Selbst der erste zarte Schnee der Saison war mit von der Partie. Was uns sonst noch so in dieser Woche schlitternd und frierend vor die Weddinger Haustür getrieben hat? Das gibt’s natürlich wieder in der dieswöchigen Weddingmelder-Wochenschau. Übrigens: Den warmen Tee zum Herz- und Händewärmen bekommt ihr hier an jeder Ecke.

„L’Escargot“: Feines Essen, das sein Geld wert ist

L'escargot RestaurantEin italienischer Koch, der spürbar Lust an seinem Beruf hat, freundliches Personal, viele Stammgäste nicht nur aus dem Brüsseler Kiez – das macht das L’Escargot in der Brüsseler Straße schon seit vielen Jahren aus. Das mediterran geprägte Essen mit seinen großen Portionen kommt bei den meisten Gästen gut an. Die Preise sind für Weddinger Verhältnisse recht stolz, aber für die gebotene Qualität und Frische kann sich das L’escargot durchaus mit vergleichbaren Restaurants in besseren Lagen messen.

ABGERISSEN: Stattbad Wedding: in Kunst schwimmen

Die Umkleide wird zum SitzungssaalLudwig Hoffmann entwarf das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße nahe am Nettelbeckplatz. Vom einstigen Glanz blieb nach Kriegszerstörungen wenig; 2001 wurde das sanierungsbedürftige Bad stillgelegt. Doch der Dornröschenschlaf ist vorbei: statt Chlor und Wasser gibt es nun an diesem exponierten Standort Kunst.

Ein leeres Schwimmbecken ist schon ein sonderbarer Anblick. Was man sonst nur tastend mit den Zehen oder tauchend erahnen kann, ist hier freigelegt: eine große abschüssige Fläche, die an einer hohen Wand endet. Die Einstiege am Beckenrand sind nun die Leitern, über die man den Boden des Beckens erreicht, auf dem sich nun alles abspielt. Wer denkt bei Sofas und Liegestühlen auf dem Grund eines Schwimmbads nicht sofort an Octopussy’s Garden … ?

Kein Wunder, ist das im Jahr 2001 stillgelegte Stadtbad Wedding seit 2009 beliebte Location für – im Wortsinn – schräge Partys. Doch auch Künstler entdecken den ungewöhnlichen Ort zunehmend als Rahmen für ihre Projekte. Bei Tag sorgen die großen Fensterflächen des Raumes für eine großartige Lichtsituation in der Halle, was zusammen mit der Großzügigkeit des Raums eine ideale Präsentation bildender Kunst ermöglicht. „Wir hatten schon einige internationale Kunstkritiker hier. Die waren alle sehr angetan“, sagt Jochen Küpper von der Firma KD, der in seiner Funktion als kultureller Organisator durch das Gebäude führte.
Die Eintrittskarten bitte!

Unter dem Namen Stattbad Wedding versuchen er und seine Mitstreiter schon seit 2009 erfolgreich, das ausgediente Hallenbad als Kulturstandort zu etablieren. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Kino – Ideen und Visionen sind zuhauf vorhanden und zum Teil auch schon erfolgreich umgesetzt worden. Auf der großen Terrasse könnte sich ein Café ansiedeln, dahinter könnte möglicherweise ein Grundstück angekauft werden, das als Spielplatz oder Skulpturenpark bespielt werden könnte. „Kunst an der Wand haben wir hier ja schon. Auch eine Form von Street Art, allerdings nicht ganz die, die wir hier gerne hätten“, mein Küpper und deutet von der Terrasse aus auf die Graffiti an der Außenwand.

Der Chlorgeruch ist verschwunden, doch ansonsten verströmt das Gebäude noch überall den abgerissenen Charme eines ausgedienten öffentlichen Hallenbades. Hinweisschilder, Schließfächer, das Kassenhäuschen und nichts als Fliesen überall … Auf die Bemerkung einer Besucherin, ob dieser Zustand nicht gerade das Spannende an der Sache sei, meint Küpper: „Wir möchten schon vieles lassen, wie es ist. Das Ziel ist aber ein höherwertiger Standard.“ Von der geplanten Sanierung und dem Umbau werden wohl auch die schiefen Böden der Becken betroffen sein, die bisher leider nicht so viele Nutzungsmöglichkeiten erlauben, wie sie den Gestaltern dieser Räume vorschweben. Man darf gespannt sein, welche Wandlungen dem alten Bad noch bevorstehen.

Autorin: Jutta Schierholz

Nach Plänen von Ludwig

An der Straße befand sich ein drei- bis viergeschossiges Vorderhaus, das in roten Ziegeln ausgeführt und mit Sandsteinschmuck versehen war. In diesem Gebäude befanden sich die Kassenhalle und die Bäderabteilung mit 77 Wannen- und Brausebädern. Das Vorderhaus wurde im II. Weltkrieg zerstört und 1966 durch einen Neubau ersetzt, in dem sich heute Café, Verwaltung und ein Solarent-Bräunungsstudio befinden. Die rückwärtig gelegenen Trakte enthalten zwei räumlich getrennte Schwimmbecken. Becken I, ursprünglich nur für Männer gedacht, mißt 25 m x 10 m, Becken II, ursprünglich für Frauen, hat die Maße 19,80 m x 8,50 m (Quelle: www.luise-berlin.de)

Stattbad Wedding - SchwimmbeckenMehr zum Thema:

Nach Schließung und Abriss des Stadtbades im Jahr 2016