ABGERISSEN: Stattbad Wedding: in Kunst schwimmen

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Die Umkleide wird zum SitzungssaalLud­wig Hoff­mann ent­warf das Stadt­bad Wed­ding in der Gericht­stra­ße nahe am Net­tel­beck­platz. Vom eins­ti­gen Glanz blieb nach Kriegs­zer­stö­run­gen wenig; 2001 wur­de das sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Bad still­ge­legt. Doch der Dorn­rös­chen­schlaf ist vor­bei: statt Chlor und Was­ser gibt es nun an die­sem expo­nier­ten Stand­ort Kunst.

Ein lee­res Schwimm­be­cken ist schon ein son­der­ba­rer Anblick. Was man sonst nur tas­tend mit den Zehen oder tau­chend erah­nen kann, ist hier frei­ge­legt: eine gro­ße abschüs­si­ge Flä­che, die an einer hohen Wand endet. Die Ein­stie­ge am Becken­rand sind nun die Lei­tern, über die man den Boden des Beckens erreicht, auf dem sich nun alles abspielt. Wer denkt bei Sofas und Lie­ge­stüh­len auf dem Grund eines Schwimm­bads nicht sofort an Octopussy’s Garden … ?

Kein Wun­der, ist das im Jahr 2001 still­ge­leg­te Stadt­bad Wed­ding seit 2009 belieb­te Loca­ti­on für – im Wort­sinn – schrä­ge Par­tys. Doch auch Künst­ler ent­de­cken den unge­wöhn­li­chen Ort zuneh­mend als Rah­men für ihre Pro­jek­te. Bei Tag sor­gen die gro­ßen Fens­ter­flä­chen des Rau­mes für eine groß­ar­ti­ge Licht­si­tua­ti­on in der Hal­le, was zusam­men mit der Groß­zü­gig­keit des Raums eine idea­le Prä­sen­ta­ti­on bil­den­der Kunst ermög­licht. „Wir hat­ten schon eini­ge inter­na­tio­na­le Kunst­kri­ti­ker hier. Die waren alle sehr ange­tan“, sagt Jochen Küp­per von der Fir­ma KD, der in sei­ner Funk­ti­on als kul­tu­rel­ler Orga­ni­sa­tor durch das Gebäu­de führte.
Die Eintrittskarten bitte!

Unter dem Namen Statt­bad Wed­ding ver­su­chen er und sei­ne Mit­strei­ter schon seit 2009 erfolg­reich, das aus­ge­dien­te Hal­len­bad als Kul­tur­stand­ort zu eta­blie­ren. Aus­stel­lun­gen, Kon­zer­te, Lesun­gen, Kino – Ideen und Visio­nen sind zuhauf vor­han­den und zum Teil auch schon erfolg­reich umge­setzt wor­den. Auf der gro­ßen Ter­ras­se könn­te sich ein Café ansie­deln, dahin­ter könn­te mög­li­cher­wei­se ein Grund­stück ange­kauft wer­den, das als Spiel­platz oder Skulp­tu­ren­park bespielt wer­den könn­te. „Kunst an der Wand haben wir hier ja schon. Auch eine Form von Street Art, aller­dings nicht ganz die, die wir hier ger­ne hät­ten“, mein Küp­per und deu­tet von der Ter­ras­se aus auf die Graf­fi­ti an der Außenwand.

Der Chlor­ge­ruch ist ver­schwun­den, doch ansons­ten ver­strömt das Gebäu­de noch über­all den abge­ris­se­nen Charme eines aus­ge­dien­ten öffent­li­chen Hal­len­ba­des. Hin­weis­schil­der, Schließ­fä­cher, das Kas­sen­häus­chen und nichts als Flie­sen über­all … Auf die Bemer­kung einer Besu­che­rin, ob die­ser Zustand nicht gera­de das Span­nen­de an der Sache sei, meint Küp­per: „Wir möch­ten schon vie­les las­sen, wie es ist. Das Ziel ist aber ein höher­wer­ti­ger Stan­dard.“ Von der geplan­ten Sanie­rung und dem Umbau wer­den wohl auch die schie­fen Böden der Becken betrof­fen sein, die bis­her lei­der nicht so vie­le Nut­zungs­mög­lich­kei­ten erlau­ben, wie sie den Gestal­tern die­ser Räu­me vor­schwe­ben. Man darf gespannt sein, wel­che Wand­lun­gen dem alten Bad noch bevorstehen.

Autorin: Jut­ta Schierholz

Nach Plä­nen von Ludwig

An der Stra­ße befand sich ein drei- bis vier­ge­schos­si­ges Vor­der­haus, das in roten Zie­geln aus­ge­führt und mit Sand­stein­schmuck ver­se­hen war. In die­sem Gebäu­de befan­den sich die Kas­sen­hal­le und die Bäder­ab­tei­lung mit 77 Wan­nen- und Brau­se­bä­dern. Das Vor­der­haus wur­de im II. Welt­krieg zer­stört und 1966 durch einen Neu­bau ersetzt, in dem sich heu­te Café, Ver­wal­tung und ein Sola­rent-Bräu­nungs­stu­dio befin­den. Die rück­wär­tig gele­ge­nen Trak­te ent­hal­ten zwei räum­lich getrenn­te Schwimm­be­cken. Becken I, ursprüng­lich nur für Män­ner gedacht, mißt 25 m x 10 m, Becken II, ursprüng­lich für Frau­en, hat die Maße 19,80 m x 8,50 m (Quel­le: www.luise-berlin.de)

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