Spaziergang mit einem Staatspräsidenten

Es gibt Erleb­nis­se, die einen noch Jahr­zehn­te spä­ter bewe­gen und an die man sich bis ins Detail erin­nern kann. Mei­ne Gedan­ken gehen hier zurück ins Jahr 1979, genau­er zum 29. Okto­ber. Irgend­wie hat­te ich von Mit­schü­lern ver­nom­men, dass der dama­li­ge fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent Valé­ry Gis­card d’Estaing * nach Ber­lin kom­men wür­de. Als Ort einer geplan­ten Rede und der Abnah­me der Para­de der fran­zö­si­schen Ber­lin-Gar­ni­son war die Schul­stra­ße im Wed­ding (damals im fran­zö­si­schen Sek­tor der Vier­mäch­te­stadt Ber­lin, Anm.d.Red.) im Fern­se­hen ange­ge­ben wor­den. Genü­gend Anhalts­punk­te, um einen Aus­flug nach dem Wed­ding zu unter­neh­men. Ein wohl­mei­nen­der Onkel hat­te mir zur Kon­fir­ma­ti­on eine Kame­ra geschenkt, die hier natür­lich wie­der ein­mal zum Ein­satz kom­men soll­te. Und so setz­te ich mich in die U‑Bahn, fuhr von Kreuz­berg zum Wed­ding und hoff­te mit einem gewis­sen Ban­gen, mir irgend­wie zwi­schen den ange­nom­me­nen Absperr­git­tern und Sicher­heits­kräf­ten, dem unver­meid­li­chen Pres­se­auf­kom­men und Schau­lus­ti­gen einen Weg bah­nen zu können.

Gerade jetzt: Geschichten aus der Müllerstraße

Blick auf bunte Häuser in einer StraßeIm Spät­som­mer zog mich eine Freun­din zu den Brau­se­boys in die Kul­tur­fa­brik Moa­bit mit. Es war gar nicht mehr so warm, vor allem als es dun­kel wur­de. Die Ver­an­stal­tung fand erstaun­li­cher­wei­se noch drau­ßen auf dem Hof statt, Coro­na halt. Wäh­rend des Abends wur­de mir aber wirk­lich sehr warm ums Herz: Lus­ti­ge Geschich­ten aus dem Wed­ding, dit is meen Ding! Dar­auf­hin beschloss ich, mir ein Buch von den Brau­se­boys für den vor­aus­sicht­lich beson­ders lan­gen, ein­sa­men, durch Coro­na gepräg­ten Win­ter zu beschaf­fen, um die Aben­de etwas unter­halt­sa­mer zu gestal­ten. Mei­ne Ent­schei­dung fiel auf „Geschich­ten aus der Müllerstraße“.

Lokale Läden rund um die Müllerstraße unterstützen

Alte und neue Geschäftshäuser
Mül­ler­stra­ße: Wer hier ein­kauft, unter­stützt loka­le Unternehmen.

Natür­lich wür­de es am meis­ten hel­fen, wenn ein­fach alles wie­der nor­mal wäre – so wie vor Coro­na. Das wäre am bes­ten für Kul­tur, Sozi­al­le­ben, Wirt­schaft, Sport und für Unter­neh­mer. Doch weil das nicht so ist, ist Soli­da­ri­tät und Unter­stüt­zung gefragt wie nie. Am effek­tivs­ten für Unter­neh­men sind wahr­schein­lich die gro­ßen Instru­men­te wie Kurz­ar­bei­ter­geld und Finanz­hil­fen. Doch es hel­fen natür­lich auch klei­ne Din­ge. Der Bezirk Mit­te bei­spiels­wei­se ver­sucht, mit sei­nem Mit­teln Unter­neh­men in der Mül­ler­stra­ße zu unter­stüt­zen und hat den Mül­ler­stra­ßen-Fly­er „Sup­port Your Local Mül­ler­stra­ße“ reno­viert, ergänzt und neu gedruckt.

Kolonie10: Fledermaus und Gutachten

Koloniestraße Berlin Wedding Innenhof
Hof der Kolo­nie­stra­ße 10. © Til­man Vogler

Drei Gut­ach­ten kann die Gemein­schaft der Mie­ter in der Kolo­nie­stra­ße 10 vor­wei­sen und mit ihnen um den Erhalt ihres Hofes kämp­fen. Eines davon belegt, dass in dem Hin­ter­hof die sehr sel­te­ne Mops­fle­der­maus geor­tet wur­de. Ein Inves­tor will Gara­gen in dem his­to­ri­schen Par­al­lel­hof abrei­ßen, um Platz für ein Apart­ment­haus zu schaf­fen. Das geht nun aus Natur­schutz­grün­den nicht so ein­fach. Die Mie­ter wol­len, dass eine Genos­sen­schaft das Wohn­haus und die Remi­sen kauft. Sie haben sich zum Kul­tur­hof Kolo­nie­stra­ße 10 zusam­men­ge­schlos­sen. Zwei Genos­sen­schaf­ten kämen für den Kauf in Fra­ge. Doch die kön­nen nur kau­fen, wenn der Inves­tor sei­ne eige­nen Plä­ne begräbt.

Spreegarn: Bunte Bobbel aus dem Wedding

Farbverlaufsgarn_SpreegarnIch ste­he neben Maria in der See­stra­ße. In einem Zim­mer, das als Lager, Werk­statt und Ver­kaufs­raum fun­giert, und bestau­ne ihre bun­te Samm­lung an Bob­beln. Bob­bel? Was ver­rä­te­risch süd­deutsch klingt, ist ein deutsch­land­weit, selbst in Ber­lin, akzep­tier­tes Wort für Garn. Genau­er gesagt, für Farbverlaufsgarn.

Essen mitnehmen und Weddinger Gastronomen unterstützen

AKTUALISIERT In Sachen Lock­down haben wir zwar schon Gewohn­heit, aber im Gegen­satz zur ers­ten Zeit im Früh­jahr stellt sich jetzt die Fra­ge, ob die Gas­tro­no­men, Café- und Restau­rant­be­trei­ber im Wed­ding die­sen Win­ter­über­ste­hen. Wir sind daher alle auf­ge­for­dert, die Mög­lich­keit der Lie­fe­rung und der Selbst­ab­ho­lung zu nut­zen und die Wed­din­ger Betrie­be soli­da­risch zu unter­stüt­zen. Wir sam­meln hier alle uns vor­lie­gen­den Infos (die Lis­te wird also län­ger), sind aber auch auf eure Infos ange­wie­sen. Fragt die Betrei­ber eures Lieb­lings­re­stau­rants, ob und wie sie etwas anbie­ten und viel­leicht auch lie­fern. Bit­te schickt uns die­se Infos per Mail oder in den Kommentaren.

Wegen euch: Glühwein to go im Wedding

Hier gibt's Glühwein to go
Foto: Samu­el Orsenne

Man muss die Trends erken­nen, bevor sie da sind. Als eine Freun­din berich­tet, dass sie gera­de beginnt, eine Glüh­wein-to-go Kar­te des Wed­ding zu erstel­len, war das schon ziem­lich stark. Eine Stun­de spä­ter erschien auf genau die­se Fra­ge­stel­lung ein Post auf der Wed­ding­wei­ser-Pinn­wand.

Gastronomie: So könnt ihr im Lockdown helfen

Ema­nu­el vom “Mer­ca­ti­no”

Nun wird der Lock­down ver­län­gert, und nie­mand weiß, wann es wirk­lich wie­der los geht mit Bars, Cafés und Restau­rants. Der­weil fin­den die Gas­tro­no­men neue, krea­ti­ve Lösun­gen – aus der Not her­aus gebo­ren. Wir haben uns im Wed­ding umge­hört und umgesehen.