Atemlos durch die #Nachtstreife – Eine Nacht mit der Weddinger Polizei

pol1Tag der Deutschen Einheit. Feiertag. Start ins lange Wochenende für die Berlinerinnen und Berliner. Aber nicht für viele Polizeibeamte, die genau wie Feuerwehrleute oder Krankenhauspersonal trotzdem im Einsatz sind. So auch im Abschnitt 36, Berlin Gesundbrunnen. Wir wollen uns ein Bild vom Polizeialltag in Gesundbrunnen machen und begleiten eine Nachtstreife. 18 bis sechs Uhr morgens, zwölf Stunden lang. Wir, dass sind Özcan Mutlu, Wahlkreisabgeordneter von Berlin-Mitte und stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss des Deutschen Bundestages und ich, Daniel Gollasch aus dem Kreisvorstand der Grünen in Mitte und Weddingweiser-Blogger.

Der Musensohn des Wedding: Jonny Liesegang

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Eingang Afrikanische Str. 146

Möchte man des Weddings Kern und Wesen ergründen, so begegnet man auf seiner Reise zu den historischen Quellen unweigerlich zwei Dingen. Zum einen dem Mythos des roten Weddings sowie zum anderen dem Weddinger  Mundartdichter Jonny Liesegang. Von letzterem, fast vergessenen Musensohn des Weddings handelt dieser Artikel.

»Sehn’se, det is Berlin«

Der sogenannte Rote Wedding. Es ist die Geschichte eines Bezirks sowie dessen aufmüpfigem Arbeitermilieus, auf das man sich auch heute noch allzu gerne beruft. Es ist eine Geschichte von den Schattenseiten einer Industrialisierung und dem politischem Widerstand der 1920er bis 1940er Jahre. Um es kurz zu halten sei an dieser Stelle dem Zugezogenen wie dem »inna- und außahalbschen Berlina« die Schrift zum Thema »Widerstand im Arbeiterbezirk« von Hans-Rainer Sandvoß sowie der Abschnitt Industriegeschichte »Vom Wedding in alle Welt« in: »Der Wedding. Auf dem Weg von Rot nach Bunt« von Gerhild H. M. Komander empfohlen.

Bürgerwahlen bei den Quartiersmanagements

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Die Quartiersmanagements fördern Kiezprojekte mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“.

Zum Beispiel sage ich, dass es mein Job ist, Texte auf eine Webseite zu stellen. Auf den meisten Partys kann sich unter dieser Tätigkeit jeder etwas vorstellen. Ich arbeite für das Quartiersmanagement. Von diesem Wort hat auf den meisten Partys nur genau einer etwas gehört. Dann erkläre ich und sage: „Naja, es gibt ja in Berlin so sozial schwache Viertel, zum Beispiel im Wedding.“ Ungläubiges Kopfschütteln. „Der Wedding? Ich dachte immer Marzahn …“

Weddingwoche #48: Dicker Max im Wedding

Jetzt also singen sie auch noch – und landen prompt einen Hit auf Youtube. Dort wurde der Rap „Wild Wedding“ vom Polizei-Abschnitt 36 inzwischen schon 80.000 Mal angeklickt. Ein Wunder, denn schlechter reimen und singen geht eigentlich kaum. Was mich ärgert: Mit den martialischen  Bildern von scharfen Schießeisen, mit Macho-Sätzen wie „Wir sind die Macher in unserem Revier“ begeben sich die Gesetzeshüter auf das Niveau der gepimpten Trainingshosen- und Kappenträger, die allenthalben auf unseren Straßen den dicken Maxen markieren. Wenn das die Absicht war, dann gibt’s an dieser Stelle von mir zehn Punkte.

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne „Weddingweiser’s Woche“ erscheint ebenfalls jeden Samstag neu im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.