Verschwundener Wedding

Verschwunden: das Stattbad
Adieu Statt­bad!

Frü­he­re Fabri­ken, in die neu­es Leben ein­zieht, alte Gebäu­de, die eine künst­le­ri­sche Nut­zung erfah­ren oder Brach­flä­chen, auf denen Gemein­schafts­gär­ten ent­ste­hen: Der Wed­ding ist voll von schö­nen Orten, die Geschich­te und Flair haben. Doch erstaun­lich viel ist erst in der Nach­kriegs­zeit oder in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit ver­schwun­den, rück­sichts­los abge­ris­sen und durch wesent­lich unin­ter­es­san­te­re Gebäu­de ersetzt. Da fragt man sich unwill­kür­lich: Hat das so kom­men müs­sen, war das wirk­lich nötig? Wir erzäh­len euch ein paar Geschich­ten – mit Trä­nen in den Augen.

Die besten 11 Betonbauten im Wedding

Wir lie­ben unse­ren Wed­ding, aber auch wir wis­sen: Wed­ding, du kannst so der­ma­ßen häss­lich sein! Und es sind manch­mal dei­ne Nach­kriegs­bau­wer­ke aus Beton, die uns ästhe­tisch her­aus­for­dern. Ob es nun Zweck­bau­ten mit einer Fas­sa­de aus Wasch­be­ton oder bru­ta­lis­ti­sche Wän­de aus Sicht­be­ton sind – den einen gefal­len die­se Bei­spie­le moder­ner Archi­tek­tur, den ande­ren jagen sie eher einen Schau­der über den Rücken. Wir neh­men euch mit auf eine Rei­se durch den Wed­ding, begin­nend mit Beton­bau­ten im Nord­wes­ten am Volks­park Reh­ber­ge, über die Mül­ler­stra­ße und die Pan­ke bis hin zum Brun­nen­vier­tel in Gesundbrunnen.

Herthas Erben

Plumpe
Von 1924 bis 1968 gab es Heim­spie­le im “Sta­di­on am Gesund­brun­nen”, hier 1974 im Hin­ter­grund. Foto: Andre­as Schwarz­kopf, Wikimedia

125 Jah­re Her­tha BSC – mehr als zwei Drit­tel die­ser lan­gen Zeit war Her­tha ein Ver­ein am Gesund­brun­nen. Am Frei­tag, 21. Juli, wur­de der Han­ne-Sobek-Platz vor dem Bahn­hof Gesund­brun­nen zum zwei­ten Mal ein­ge­weiht. Das Schild mit dem Platz­na­men war durch die Bau­ar­bei­ten am Bahn­hof ver­lo­ren gegan­gen. Mit dabei bei der Wie­der­ho­lung war auch der 74-jäh­ri­ge Bernd Sobeck, der Sohn des berühm­ten Her­tha-Spie­lers aus den 1920er und 1930er Jah­ren. Für Her­tha war die sym­bo­li­sche Rück­kehr an den Gesund­brun­nen der Auf­takt zu einer Jubi­lä­ums­wo­che. Doch auch ohne Her­tha ist Fuß­ball im Wed­ding lebendig.

Als die “Plumpe” noch Nabel der Fußballwelt war

Blau-weiße Wunder von Michael Jahn im Verlag Die Werkstatt.
Blau-wei­ße Wun­der von Micha­el Jahn im Ver­lag Die Werkstatt.

Herz­li­chen Glück­wunsch Her­tha BSC. Heu­te wird der Ver­ein 124 Jah­re alt. Zu Opas Zei­ten, als Her­tha noch Deut­scher Meis­ter wur­de, fan­den vie­le Sai­son-Spie­le in der “Plum­pe” statt –  einem Sta­di­on in der Behm­stra­ße. Micha­el Jahn hat in sei­nem Buch “Blau-wei­ße Wun­der. Die Geschich­te von Her­tha BSC” auch eini­ge Kapi­tel über die Anfän­ge der Her­tha im Gesund­brun­nen geschrie­ben. Ein Blick zurück auf Her­thas Kinderjahre.

“Plumpe”: Hostel statt Vereinsheim

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Hoste­lO und Cam­pus Viva im Auf­bau, Jüli­cher Stra­ße, 2015 [Foto: Sula­mith Sallmann]
Vie­le  wis­sen gar nicht mehr, dass es eine Zeit gab, in der Her­tha BSC nicht in Char­lot­ten­burg zu Hau­se war, son­dern im Wed­ding. Im ehe­ma­li­gen Klub­haus der Her­tha­ner kann man jetzt wie­der Bier trin­ken und anschlie­ßend direkt ins Bett fal­len: Seit Kur­zem ist es ein Hostel.

Wedding, du kannst so schön hässlich sein

Berlin-Gesundbrunnen, wohnen, Wohnhäuser, Plattenbau
Foto: Sula­mith Sallmann

Allen, die hof­fen, man kön­ne einen zwei­ten Prenz­lau­er Berg aus dem Wed­ding machen, zei­gen wir die häss­li­chen Sei­ten von Ber­lin-Wed­ding, und war­um sie sich das gleich wie­der aus dem Kopf schla­gen können.

Wed­ding, du bist nicht der best­aus­se­hends­te Teil Ber­lins, und das ist voll in Ord­nung so. Dei­ne schö­ne Imper­fek­ti­on macht dich erst so rich­tig lie­bens­wert. Du besitzt sogar ein paar ech­te High­lights der Häss­lich­keit, bau­li­che Ent­glei­sun­gen, die ihres­glei­chen suchen, Orte, die dem Charme einer Auto­bahn­aus­fahrt in nichts nach­ste­hen, und die wir in unse­rer klei­nen Rei­he mit einer Mischung aus Fas­zi­na­ti­on uns Ent­setz­ten genau­er unter die Lupe neh­men wollen.