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Weddinger Fußball-Legende:
Hanne Sobek – der Held von der Plumpe

Johannes „Hanne“ Sobek war mehr als nur ein Fußballspieler. Er war eine Figur aus einer Zeit, in der der Wedding noch ein Arbeiterbezirk voller Hinterhöfe war – und Fußball für viele Menschen das wichtigste Wochenendevent. In den 1920er und frühen 1930er Jahren wurde Sobek zum Gesicht eines Berliner Fußballwunders.

Am Bahnhof Gesundbrunnen steigen täglich Tausende Menschen aus der S-Bahn, eilen über Rolltreppen und überqueren den tristen Vorplatz, ohne sich lange umzusehen. Wer kurz innehält, blickt auf den baumlosen Hanne-Sobek-Platz. Nur wenige Kilometer weiter liegt die Hanne-Sobek-Sportanlage. Zwei Namen, die an einen Mann erinnern, der hier einmal zu den größten Sportstars der Stadt gehörte.

Vom Jungen aus Mecklenburg zum Berliner Fußballidol

Geboren wurde Sobek am 18. März 1900 im mecklenburgischen Mirow. Als Kind kam er nach Berlin, lernte das Fußballspielen zunächst in kleineren Vereinen und entwickelte früh den Ruf eines technisch starken und taktisch klugen Spielers. Seine Karriere begann bei Alemannia 90, bevor er 1925 zu Hertha wechselte – eine Entscheidung, die den Verein und den Berliner Fußball prägen sollte.

Sobek spielte im Mittelfeld, führte die Mannschaft später als Kapitän und wurde schnell zum Motor des Teams. In einer Zeit ohne Fernsehkameras und Werbeverträge war er dennoch ein Star: elegant am Ball, selbstbewusst, und immer mitten im Geschehen.

Die Plumpe: Gesundbrunnen als Fußballzentrum

H. Sobek (r.), 1930

Die Bühne seiner größten Auftritte lag mitten im heutigen Gesundbrunnen: das Stadion am Gesundbrunnen, im Volksmund schlicht „die Plumpe“ genannt. Das Stadion wurde 1924 eröffnet und bot mehr als 35.000 Zuschauern Platz.

Hier spielte Hertha BSC fast vier Jahrzehnte lang – zwischen Bahngleisen, Mietskasernen und Fabriken. Wenn am Sonntag Fußball war, strömten die Menschen aus dem ganzen Norden Berlins herbei.

In dieser Atmosphäre wurde Hanne Sobek zur Leitfigur einer Mannschaft, die Deutschland überraschte. Zwischen 1926 und 1931 erreichte Hertha sechs Mal in Folge das Finale um die deutsche Meisterschaft – eine bis heute einzigartige Serie.

Viermal verlor das Team zunächst. Doch dann gelang der Durchbruch: 1930 und 1931 gewann Hertha BSC die deutsche Meisterschaft. Bis heute sind es die einzigen Titel des Vereins. Die Spieler kamen überwiegend aus einfachen Verhältnissen. Doch nach den Erfolgen wurden sie in Berlin gefeiert wie Filmstars – eingeladen zu Festen, Empfängen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.

Fußballer, Reporter, Trainer

Sobeks Karriere beschränkte sich nicht auf das Spielfeld. Während der letzten Jahre seiner aktiven Laufbahn arbeitete er bereits als Sportreporter beim Berliner Rundfunk. Ab 1940 war Sobek dann auch Mitglied der NSDAP – eine Entnazifierungskommission befand aber 1948, dass er kein aktives Mitglied war. Auch nach dem Krieg blieb er dem Fußball treu: als Trainer, Funktionär und zeitweise auch als Präsident von Hertha BSC. Seine Verbindung zum Verein dauerte mehr als sechs Jahrzehnte. Als er 1989 starb, schrieb Hertha in der Traueranzeige, er sei „über sechs Jahrzehnte unentbehrlich“ gewesen.

Die Fußballroute erzählt die sportlichen Geschichten an der Plumpe (Foto: Samuel Orsenne)

Ein Name im Stadtbild

Der Ort, an dem heute der Hanne-Sobek-Platz liegt, hat eine besondere symbolische Bedeutung. Das frühere Hertha-Stadion lag direkt hinter dem Bahnhof Gesundbrunnen – dort, wo heute graue Wohnblöcke stehen. Auch Sobeks Wohnung befand sich ganz in der Nähe, in der Gartenstadt Atlantic an der Bellermannstraße. 2006 erhielt der neue Vorplatz des Bahnhofs Gesundbrunnen seinen Namen.

Der Hanne-Sobek-Platz vor dem Bahnhofsgebäude

Aber auch das Stadion namens „Sportring Wedding“ an der Osloer Straße 62 wurde 1999 nach dem Berliner Sportidol benannt. Sie ist seit den 1950er Jahren Schauplatz zahlreicher Derbys auf Bezirksebene, die selbst in den unteren Spielklassen ein großes Publikum ziehen. Traditionsreiche Vereine des Nordens wie SV Nord-Nordstern sowie Rapide Wedding, die 2001 wiederum gemeinsam zur SV Nord Wedding fusionierten, spielten vor immer weniger werdenden Zuschauern. Die Sportanlage war lange Zeit Heimstätte des BFC Meteor 06, wo der spätere Weltmeister Thomas „Icke“ Häßler das Fußballspielen erlernte. Von 1986 bis 1988 spielte hier auch Hertha BSC, als die Mannschaft in die Amateur-Oberliga abstieg und das Olympiastadion zu groß für die spärlichen Zuschauerzahlen war.

Der Wedding und seine Fußballlegende

Wer heute über den Hanne-Sobek-Platz läuft, steht auf einem Stück Berliner Fußballgeschichte. Hier, zwischen einer lauten Straße und einem schmucklosen Bahnhofsgebäude, lag einst das Zentrum eines Sportfiebers, das Zehntausende anzog. Und vielleicht erklärt sich somit auch, warum ausgerechnet hier, im Herzen eines alten Arbeiterstadtteils, sein Name geblieben ist. Nicht einfach als Erinnerung an einen Spieler – sondern an eine ganze Epoche des Berliner Fußballs.

Auf der Hanne-Sobek-Sportanlage Foto: Samuel Orsenne

Auf der Berliner Fußballroute Nr. 2 kann man die Stationen Plumpe und Hanne-Sobek-Sportanlage abfahren

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

8 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. War in der Sportschule am kleinen Wannsee unter Hanne Sobek im Trainingslager in den1956er Jahren. Es war ein Auswahltraininglager für A Junioren.

  2. Diesen Platz könnte man doch wirklich endlich schöner gestalten. Auch den Bereich rund um das Bachhonfsflachdachgebäude. – Nun wird der olle Lederball ohne Chiop und Sensor ab 23. Mai 26 auch schon aus der Mode sein, da könnte man vllt eine kleine Ballskulptur mit diesen nun historischen Überresten aufstellen. 🙂

  3. Berlinisch – Plumpe etc.: Nicht Bestandteil meines Wortschatzes. Bin zur Hälfte Stammpersonal. Großmutter (geb. 1894) sprach ein sehr mit französischen Idiomen durchsetztes Berlinisch, z.B. Trottoir statt Gehweg. Vater (geb. 1920) sprach Berlinisch mit korrekter Grammatik. Ich selbst wähle zwischen Dialekt und Hochsprache je nach Bedarf. Den Begriff Plumpe kenne ich lediglich als Mythos aus Büchern, nie im Dialog gehört.

  4. Hach schön.
    Mit Thomas „Icke“ Häßler bin ich heute noch zeitweise am Zechen in einer charlottenburger Hertha-Kneipe.
    Und in der Bellermannstr. bin ich regelmäßig.
    Seeeeeeeeehr schöner aufschlußreicher Artikel.

  5. War ein Test…. also Test bestanden :)))

    ohh waren das schöne Zeiten als noch fast in jeder Straße so eine Plumpe stand, vor allem im Sommer. Ich hatte gleich eine vor der Haustür.

    Ein Schulkamerad der bei Hertha Fussball gespielt hat , hatte noch das vergnügen gahabt und konnte Herrn Hanne Sobeck die Hand schütteln

    schön Vatertag noch

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