Licht, aber kein Hoffnungsschimmer, über dem Wedding

Licht über dem Wedding
Cover des Buches „Licht über dem Wedding“ von Nicola Karlsson. Piper Veralg

„Sie hasste den Wedding, denkt Hannah.“ Das ist doch mal eine emotional eindeutige Gefühlslage zu einen Stadtteil, dem nicht nur der Weddingweiser die schönsten Seiten abgewinnen möchte. Um das Schöne des Weddings geht es im Roman von Nicola Karlsson nicht. Hier geht ums hässliche Scheitern. Eines, das nicht trendig in ein prahlerisches „Schöner Scheitern“ gedreht wird.  Hier die Buchrezension, zu einer Geschichte, in der nichts schön getüncht wird.

Geschichtsstunde mit „Gott wohnt im Wedding“

Cover Regina Scheer Gott wohnt im Wedding
Cover von Regina Scheers Roman „Gott wohnt im Wedding“. Grafik: Penguin Verlag

11.08.2019 „Gott wohnt im Wedding“ heißt der in diesem Frühjahr erschienene Roman der im Wedding lebenden Autorin Regina Scheer. Ihr Debütroman „Machandel“ wurde 2014 viel beachtet. Der nun vorliegende zweite Roman der Schriftstellerin spielt im Wedding in der Utrechter Sraße. Wie schon „Machandel“ ist „Gott wohnt im Wedding“ so etwas wie ein historischer Gegenwartsroman. Ein genau recherchiertes Buch, in dem Geschichte eine zentrale Rolle spielt und nicht bloß den Hintergrund schmückt.

Ede und Unku am Schillerpark

Ede und Unku
Buchcover von „Ede und Unku – die wahre Geschichte“ – Cover: Gütersloher Verlagshaus

Der Wedding und seine Sinti. Janko Lauenberger hat ein Buch geschrieben, mit dem er zeigen will, dass er einfach ein „Rom“ ist – auf deutsch: ein Mensch. Seine Lebensgeschichte hat er in „Ede und Unku – Die wahre Geschichte“ aufgeschrieben. Sowohl die Recherche zum Kinderbuch „Ede und Unku“ von 1931 als auch die wahre Geschichte des Musikers Janko Lauenberger kreuzen immer wieder den Wedding. Es lohnt sich, das Doppelbuch zu lesen.

Otto Nagel über das Weddinger Milljöh

Buchcover
Cover des Eröffnungsbandes „Das nasse Dreicke“ von Otto Nagel. Grafik: promo

Bei den so genannten ewigen Fragen, die die Menschheit immer beschäftigt hat und immer beschäftigen wird, denkt man heutzutage an Liebe, an Trennung oder ans Erwachsenwerden. Davon handeln die Pop-Songs, die Hollywoodfilme und die Bücher der Center-Buchhandlungen. Dabei gibt es auch andere „ewige Fragen“. Zum Beispiel: Wie verhält sich eine Gesellschaft zu den Ärmsten unter ihnen? Walter Frey hat in diesem Jahr Otto Nagels Roman „Die weiße Taube oder Das nasse Dreieck“ neu aufgelegt. Dieses Buch spielt während der Weltwirtschaftskrise 1928 in einer Spelunke an der Panke.

„Poesie Am Nordufer“ feiert Geburtstag

2 Tage Wedding Kulturfestival
Die Lesungen im Studio Berten finden im Rahmen des „2 Tage Wedding Kulturfestival“ statt.

Die Initiative „PAN. Poesie Am Nordufer. Im Wedding. Kunst, Literatur und Migration“ wurde vor einem Jahr gegründet. Am Wochenende feiert sie das im Rahmen des „2 Tage Wedding Kulturfestival“ mit zwei öffentlichen Lesungen im Studio Berten in der Torfstraße 11.

Weddingwoche #29: Der Wedding liest

Die Brauseboys
Die Brauseboys vor dem Café Cralle in der Hochstädter Straße (Foto: Brauseboys)

Als ich Freunden in Süddeutschland vom Erfolg der Berliner Lesebühnen erzählte, waren sie ziemlich erstaunt. Wie jetzt? In der Party-Metropole Berlin erfreut sich ein junges Publikum an Veranstaltungen, bei denen vor allem Texte vorgelesen werden? So ist es, und auch der Wedding hat diesbezüglich einiges zu bieten. Weit über die Grenzen des Weddings hinaus, machen zum Beispiel die Brauseboys von sich reden. Die Autoren-Truppe besteht bereits seit 10 Jahren und liest jeden Donnerstag in den Osram-Höfen vor. Dabei braucht man gar keine eigene Lesebühne, um im Wedding sein Publikum zu finden. Im Café Cralle findet jeden Montag der Lesetresen statt, wo sich jeder als Vorleser ausprobieren kann, der Lust dazu hat und sich rechtzeitig anmeldet. Nach der Sommerpause geht es auch mit der „Lesershow“ weiter. Die Lesebühne wird dann wieder jeden Monat im Mastul zu Gast sein. Und auch in der Moritz-Bar wird ab September eine neue Lesebühne stattfinden. Der Wedding hat viele Geschichten zu erzählen, und das tut er auch.

Unsere Kolumne gibt es auch an jedem Wochenende im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Weddingwoche #18: Die Mitmach-Bücherei

Bücherbox vor dem Centre Francais in einer französischen TelefonzelleDer öffentliche Aufschrei war groß, als letzte Woche die Meldung von der geplanten Schließung des Maison de France am Ku’damm durch die Presse ging. Gleich war die Rede von einer Kürzung der kulturellen Präsenz Frankreichs an der Spree. “Mitnichten!”, denkt man da im Wedding. Schließlich wurde erst ein paar Tage zuvor eine neue deutsch-französische Bücherei eröffnet. Direkt neben dem Berliner Eiffelturm in der Müllerstraße. Eine kleine zwar – aber immerhin. Die so genannte BiblioboXX ist untergebracht in einer umgebauten französischen Telefonzelle und gut gefüllt mit deutschsprachiger und frankophoner Literatur. Das Konzept gibt sich nachhaltig und innovativ – weil interaktiv: “Bring ein Buch – nimm ein Buch – lies ein Buch!” lautet das Motto für die Mitmachbücherei. Dem Ehrengast bei der Einweihung, Frankreichs Generalkonsul, Jean-Claude Tribolet, würde nur ein Schelm unterstellen, mit der Eröffnung dieses platzsparenden Kulturguts die Schließung eines repräsentativeren Musentempels kaschieren zu wollen. Viel lieber sehe ich darin eine gelebte Geste französischer Werte: Freiheit – die Bücherei ist rund um die Uhr geöffnet. Gleichheit – im Angebot sind französische und deutsche Literatur gleichermaßen. Brüderlichkeit – die BiblioboXX ist Teil einer Azubi-Kooperation beider Länder. Im Frühjahr soll die Mini-Bücherei auf Reise durch Berlin gehen, bevor Sie dann vor dem Centre Français in der Müllerstr. 74 ihren endgültigen Standort beziehen wird. Also vorsorglich schon mal die Regale durchforsten nach ansprechender Literatur, weil die BiblioboXX schließlich vom Mitmachen lebt.

Mehr Informationen über die Mitmachbücherei findet man unter http://buecherboxx.wordpress.com

Autor: Marcus Bauer