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Domizil auf Zeit für Künstler:
Das Callie’s am S‑Bahnhof Wedding

Residency-Programm

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Der Hof von Callie’s am Abend von „Rosa Barba & Boudry / Lorenz: Premieren“, 2021. Foto von Callie’s.
Der Hof von Callie’s am Abend von „Rosa Bar­ba & Bou­dry / Lorenz: Pre­mie­ren“, 2021. Foto von Callie’s.

Man kann sagen, dass das Callie‘s schon fast im Ver­bor­ge­nen agiert. Seit „2018 hat sich Callie‘s außer­halb der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit still ent­fal­tet“, kann auf der Hom­pa­ge der gemein­nüt­zi­gen, expe­ri­men­tel­le Insti­tu­ti­on gele­sen wer­den. Das Callie‘s wur­de mit dem Ziel gegrün­det, Krea­ti­vi­tät, kul­tu­rel­len Aus­tausch und inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit zu fördern.

Die Buch­hand­lung a.p. in der Lin­dower Stra­ße 20 zwi­schen dem S‑Bahnhof Wed­ding und dem Net­tel­beck­platz gehört zum Callie‘s. Der wed­ding­wei­ser berichtete.

(Wenn ihr in das ers­te Foto anklickt, wird es groß ange­zeigt. Oben rechts könnt ihr eine Dia­show zu allen Fotos starten.)


Ich habe mit Agne­sa Schmud­ke gespro­chen, die als Kura­to­rin bei Callie’s unter ande­rem für die Orga­ni­sa­ti­on und Betreu­ung der von der gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on ver­ge­be­nen Resi­den­ci­es und öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen ist. Eine Resi­denz ermög­licht den Künst­le­rin­nen und Künst­lern, die das Glück haben, bei der Bewer­bung berück­sich­tigt zu wer­den, einen Pro­jekt­auf­ent­halt in einem der fünf­zehn 160 bis 220 Qua­drat­me­ter gro­ßen Ate­liers – für unge­stör­tes Arbei­ten an ihrer Kunst. Alle Ate­liers kön­nen mit einem Las­ten­auf­zug erreicht wer­den und ver­fü­gen über Hei­zung und WiFi.

Dabei wählt Callie’s sei­ne Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber unab­gän­gig von künst­le­ri­scher Dis­zi­plin oder Kar­rie­re­stu­fe aus. „Ich bin neu­gie­rig auf die Pro­jek­te der zukünf­ti­gen Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten. Es gibt kei­ne Bewer­bungs­ter­mi­ne, bewer­ben kann man sich mit einem Pro­jekt, egal wann“, sagt die jun­ge Frau mit einem Lächeln im Gesicht.

Neben den Ate­liers für klas­si­sche Spiel­ar­ten wie Male­rei und Bild­haue­rei gibt es auf dem im 19. Jahr­hun­dert als Maschi­nen­fa­brik ange­leg­ten Kom­plex ein Bewe­gungs­stu­dio, ein Sound­stu­dio und einen „Writer‘s Room“. 2011 wur­de nach mehr als 20 Jah­ren der Nicht­nut­zung der Gebäu­de mit dem Reno­vie­rungs­pro­zess begonnen.


Produktionsräume von Callies (c) Foto von Susanne Haun
Produktionsräume des Callie’s © Foto von Susan­ne Haun


Agne­sa hat dem wed­ding­wei­ser freund­li­cher­wei­se Fotos aus den Ate­liers zur Ver­fü­gung gestellt. Ein Bild sagt ja bekannt­lich mehr als 1.000 Worte.

(Wenn ihr in das ers­te Foto anklickt, wird es groß ange­zeigt. Oben rechts könnt ihr eine Dia­show zu allen Fotos starten.)


Die bis­he­ri­gen Ate­lier-Sti­pen­dia­tin­nen und ‑Sti­pen­dia­ten stam­men aus der gan­zen Welt, nicht nur aus Ber­lin und Deutsch­land. Sie kom­men aus Dakar, New York, Frank­reich, Aus­tra­li­en, der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik und vie­len ande­ren Län­dern. Meis­tens woh­nen sie in Ber­lin und kön­nen so bequem von ihrer Woh­nung zum Ate­lier pen­deln. Es gäbe auch die Mög­lich­keit der Nut­zung einer Woh­nung auf dem gro­ßen Kom­plex, das sei jedoch schwie­ri­ger als die Ate­li­er­nut­zung mit eige­ner Ber­li­ner Woh­nung, ver­rät mir Agne­sa im Inter­view. Bei der Aus­wahl der Künst­le­rin­nen und Künst­ler, Lite­ra­tin­nen und Lite­ra­ten, Musi­ke­rin­nen und Musi­ker ach­tet Agne­sa auf ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen klas­si­scher und zeit­ge­nös­si­scher Aus­drucks­wei­se. Den Kunst­be­griff fasst sie sehr offen auf. Die Dau­er des Auf­ent­halts hängt von den Bedürf­nis­sen und dem Pro­jekt der Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten ab. Die Resi­den­ci­es kön­nen von eini­gen Wochen bis zu meh­re­ren Mona­ten dau­ern – in sel­te­nen Fäl­len sogar bis zu einem Jahr.  Auf der Inter­net­prä­sent des Callie’s kann jede und jeder Inter­es­sier­te die Bewer­bungs­mo­da­li­tä­ten erfahren.

Das Pro­gramm wird von der Kura­to­rin Jar­rett Gre­go­ry, Direk­to­rin und Grün­de­rin von Callie’s, auf Spen­den­ba­sis sowie mit staat­li­chen För­de­run­gen finan­ziert. Auf ihrem Insta­gram Account @jarrett__gregory kann man einen Ein­druck ihrer Arbeit im Callie’s sehen. Natür­lich ist auch das Callie’s auf Insta­gram ver­tre­ten: @ cal­lies­ber­lin.

Callie’s liegt drei Geh­mi­nu­ten von der S- und U‑Bahn-Sta­ti­on Wed­ding ent­fernt und ist mit den Ring­bah­nen S41 und S42 sowie der U‑Bahn U6 und den Bus­li­ni­en M27, 120, 247, N20 zu erreichen.

Lin­dower Str. 20, 13347 Ber­lin , 0151 412 19222

https://www.callies.berlin/de


Susanne Haun

Susanne Haun studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Seit 2002 ist sie als Bildende Künstlerin und Autorin in Berlin aktiv.
Von 1993-2005 arbeitete sie als Systemanalytikerin und Entwicklerin für verschiedene ARD Sendeanstalten.

Als Autorin veröffentlicht sie seit März 2009 täglich Beiträge zur eigenen Kunst und Kunstgeschichte in ihrem Blog www.susannehaun.com und interagiert dort sowie auf weiteren Social Media Plattformen mit über 12.000 Follower. Zudem unterhält Susanne Haun einen Kunstsalon in ihrem Atelier. Hier werden regelmäßig aktuelle Themen zur Kunst von geladenen Gästen referiert und diskutiert.

1 Comment

  1. Mit einem seit Mona­ten über­hol­ten Pro­gramm auf der Home­page ist das ‚Ver­bor­ge­ne‘ ein beson­ders schö­ner Euphemismus…

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