GESCHLOSSEN „Gourmanderie“: Der Geschmack der französischen Regionen

Januar 2017 Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – das in Charlottenburg beheimatete französische Restaurant Gourmanderie, welches dort unter dem Namen Le Piaf bekannt wurde, verlässt die Schloßstraße und zieht um in den Wedding. Und wohin sonst als ins Centre Français?

Strudelka: Na servas! Strudeltraum im Sprengelkiez

Wenn sie eine Apfelschorle wollen, bestellen sie „Apfelsaft gspritzt“. Wenn etwas nicht klappt (zeitlich, räumlich oder finanziell), murmeln sie mysteriös: „Das geht sich nicht aus.“ Die Österreicher haben die Berliner schon häufig vor Rätsel gestellt: sprachlich, kulturell, musikalisch… nur kulinarisch nicht. Österreichische Küche schmeckt nach Schiurlaub, nach Gemütlichkeit und nach einem Schnapserl zum Verdauen.

 

Der Pfand-Messie

Küchenregal mit Pfandflaschen
Diese Pfandflaschen haben ein freies Plätzchen im Küchenregal gefunden

Tropische Hitze in der Müllerstraße. Mit dutzenden leeren Flaschen schleppe ich mich ins Cittipoint-Center. Vor dem Pfandautomat wartet dort wie üblich eine lange Schlange, und als ich endlich dran bin, klappert sie hinter mir ungeduldig mit ihrem Leergut. Wieder daheim bemerke ich, dass sich die Situation in meiner Küche kaum entschärft hat. Die Pfandflaschen haben sich dort in den letzten Wochen dramatisch ausgebreitet: im Regal, auf dem Fußboden und auf dem Kühlschrank, den ich bald nur noch über eine schmale begehbare Schneise erreichen werde. Als ich überlege, wie ich die ganzen Pullen noch platzsparender lagern kann, wird mir klar, dass ich allmählich zum Leergut-Messie mutiere. Aber es gibt Menschen, die mir helfen können. Auf der Website Pfandgeben.de finde ich unter „Berlin-Wedding“ die Handy-Nummern von Menschen, die bereit sind, meine Flaschen abzuholen. Am Telefon vergewissert sich Gerd, ob ich auch wirklich mehr als nur drei Flaschen abgeben möchte, und trifft kurz darauf bei mir ein. Als er geht, kann ich endlich wieder den Küchenboden sehen. Es ist so einfach, anderen Menschen zu helfen. Man muss nur ihre leeren Flaschen abholen.

Asia Deli – nichts ist, wie es scheint – sondern viel besser

Der Asia Deli in der Seestraße 41 (Foto: G.Cleophas)
Wo Chinesen chinesisch essen…. (Foto: G.Cleophas)

Vor einigen Jahren lief ich mit meiner Freundin die Seestraße entlang und es machte sich Hunger breit. Da wir weder Lust auf Döner noch auf die Currywurst vom Imbiss auf der Mittelinsel verspürten, lachte uns ein Asia-Imbiss an. Also nichts wie rein in den Laden! Es waren fast nur Chinesen vor Ort, es war laut, und es duftete unbeschreiblich – offensichtlich kein Schmuse-Chinese mit Goldfischen, Plüsch und leiser Musik im Hintergrund. Schnell bekamen wir die Speisekarte an den Tisch und die war so, wie man es von einem typisch deutschen China-Imbiss kennt: Sauer-Scharf-Suppe, Frühlingsrolle, Hähnchen süß-sauer, Chop Suey – …gähn!

„L’Escargot“: Feines Essen, das sein Geld wert ist

L'escargot RestaurantEin italienischer Koch, der spürbar Lust an seinem Beruf hat, freundliches Personal, viele Stammgäste nicht nur aus dem Brüsseler Kiez – das macht das L’Escargot in der Brüsseler Straße schon seit vielen Jahren aus. Das mediterran geprägte Essen mit seinen großen Portionen kommt bei den meisten Gästen gut an. Die Preise sind für Weddinger Verhältnisse recht stolz, aber für die gebotene Qualität und Frische kann sich das L’escargot durchaus mit vergleichbaren Restaurants in besseren Lagen messen.

„Naveena Path“: Es schmeckt, auch vegan oder vegetarisch…

Mal hieß es Prince, dann Shaktys, zwischendurch auch mal Volksmensa, und seit Ende 2009 Naveena Path. Wie die Namen wechselten auch die Besitzer, ebenso die Konzepte – aber eines blieb immer gleich: Der Koch. Und der ist es auch, der das Naveena Path zu einem wunderbaren Geheimtipp im Wedding macht.

Der kleine Laden in der Tegeler Straße ist eher rustikal eingerichtet, Probleme, einen Sitzplatz zu finden hat man in der Regel nicht, und auch sonst gibt es eigentlich nichts, was einen spontan dazu bringen könnte, das Lokal zu seinem zweiten Wohnzimmer zu machen. Bis zu dem Augenblick, an dem man dann sein Essen genießt.

Das Naveena Path bietet indische und tamilische Gerichte, sowohl mit Fleisch als auch fleischlos. Gerade auf die vegetarischen und veganen Gerichte hat sich der Koch spezialisiert, und man glaubt es ihm wenn er – immer wieder gerne – betont, dass solchen Speisen seine große Leidenschaft gilt. Die Zutaten sind frisch, die Schärfe variiert gerne mal, und dass man hungrig wieder aus dem Naveena Path rauskommt, geschieht wohl auch nie.

Die Schnelligkeit des Services variiert ebenfalls, ebenso die Bereitschaft des Kochs zu einem ausführlichen, einem sehr ausführlichen oder eben auch gar keinem Plausch. Das Preisniveau bewegt sich auf „gehobenem Wedding“, ist also völlig akzeptabel und angemessen. Im Sommer kann man die leckeren Gerichte auch draußen auf den Bierbänken zu sich nehmen, allerdings nur, wenn man über ein gut gepolstertes Hinterteil verfügt.

Kleiner Tipp: Als Vorspeise sollte man sich die sauer-scharfe Linsensuppe gönnen – ein Gedicht!

Autor: Stef, stefblog.de

Naveena Path, indische und tamilische Küche

Tegeler Straße 22, 13353
Berlin, U+S Wedding,
Geöffnet täglich 11.30 bis 23 Uhr.

GESCHLOSSEN: „da Baffi“: Retro-Italiener ohne Kompromisse

Das kleine italienische Restaurant hat es geschafft, dass man nur wegen des guten Essens in den Wedding kommt.

Von außen unscheinbar: das „Da Baffi“

Wenn eine Hobelbank ein Symbol für Handarbeit ist, dann kann ich mir kaum eine bessere Einrichtung für das Da Baffi vorstellen. Pizza sucht man bei diesem Italiener in der Nazarethkirchstraße vergeblich. Stattdessen kommen Köstlichkeiten der italienischen Küche auf den Tisch, die man sonst wohl nur an Festtagen von einer echten „Mamma“ serviert bekommt. Oder eher Pappa, denn der Vater von Inhaber Frederico Pesta war Restaurantbesitzer im norditalienischen Bologna. Gemeinsam mit seinen Freunden Francesco Righi (aus Cesena) und Wibke Isenberg (eigentlich aus Düsseldorf) setzt er nun mediterrane Akzente mitten im Wedding.

Über die Speisekarte kommt man ins Gespräch

„Bei der Übersetzung ins Deutsche verliert die Speisekarte an Gehalt“, sagt die Inhaberin Wibke Isenberg. Die Bezeichnungen bleiben folglich im Original. Und genauso überlässt man dann auch die Auswahl des passenden Weins getrost dem qualifizierten Personal. Das schlichte Ambiente erinnert ein wenig an die frühen Tage des gastronomischen Aufstiegs des Prenzlauer Bergs. Aber das ist ohnehin nebensächlich. Hier geht es um’s Essen, Genießen, Wohlfühlen mit Leib und Seele. Auch wenn man es eher beiläufig erfährt: Gedacht hat man sich sowieso, dass die Pasta täglich frisch von Hand gemacht wird. Besonders zu empfehlen sind auch die Trüffel, die Francescos Mama nach Berlin liefert.

Und wer sich im Sommer auf den Bänken vor dem Da Baffi den Wind des Leopoldplatzes um die Nase wehen lässt, kann sich an dem Stromkasten erfreuen, der kurzerhand zur Speisekartentafel umgewidmet wurde.

Der Name ist übrigens ein Ausruf nach einem guten Essen: Da leccarsi i baffi – da leckst du dir den Bart.

Autor: Marcus Bauer

Das Restaurant hat seit dem 21. Dezember 2014 geschlossen..
http://dabaffi.com, Nazarethkirchstraße 41,