4 x Korea im Wedding

Wegen der vielen Geschmackserlebnisse wird die koreanische Küche auch bei uns immer beliebter. Die Gerichte sind würzig, scharf und heben sich von dem ab, was man landläufig als asiatisches Essen kennt. Das Nationalgericht Kimchi – marinierter, vergorener Chinakohl – hasst man oder man liebt es. Auch bei uns im Wedding kann man in die koreanische Esskultur eintauchen. Wir haben vier Orte herausgesucht.

5 neue Restaurants mit asiatischem Einschlag im Wedding

Foto: Sebastian Wischmann

Als ob der Wedding nicht schon verrückt genug wäre – hier probieren auch viele neue Restaurants außergewöhnliche Konzepte. Für fast jeden Geschmack dürfte da etwas dabei sein. Wir haben uns einmal die neuen Läden angeschaut, bei denen ein asiatischer Einfluss vorherrscht.

ULT Ramen: In den Ramen gefallen

ULT Ramen lässt einen kurz orientierungslos. Ein langer Flur, dunkelgrüne und lilafarbene Wände. Keine Musik ist zu hören, nur das Gemurmel der Gäste und Löffel, die an Schüsseln schlagen. Ab und zu kläfft ein unsichtbarer Hund (oder bildet man sich das ein?). Man ist an einem Zwischenort gelandet, doch das ULT Ramen nimmt den Gast an die Hand und erklärt sich selbst: Im Menü und an den Wänden sind Zeichnungen zu finden, welche die Zutaten der einzelnen Gerichte entschlüsseln. Gemalt an die Wand: Eine Roboterfigur, die in der Ramenbrühe schwimmt. Es ist Ultraman, der Held einer japanischen Anime-Serie und Namensgeber des Restaurants. Ultra stark, ultra scharf, ULT Ramen.

Chibee: Einfach koreanisch

In Korea selbst sind Chicken-and-Beer-Lokale sehr beliebt, dort heißen sie Chi-maek. Man braucht aber kein Koreanisch zu können, um die Herkunft des Namens Chibee im Wedding zu verstehen. Er setzt sich nämlich aus CHIcken und BEEr zusammen, den wichtigsten Produkten des Restaurants an der Tegeler Straße, das früher einmal das Café Hubert war. Für viele Hähnchenfreunde gilt die koreanische Form der Zubereitung als eine besonders leckere.

2 in 1: Koreanischer oder japanischer Mittagstisch

koreanisch japanisches Restaurant
Fast läuft man daran vorbei

Im Wechsel: Endlich kann man unter der Woche in Gesundbrunnen gut und authentisch asiatisch essen. Dabei wechseln sich die koreanische und japanische Küche ab. Es gibt zwar jeweils nur ein Menü am Tag, doch das unscheinbare Mini-Restaurant mit zwei Namen in der Prinzenallee ist ein echter Geheimtipp.

GESCHLOSSEN: „Arirang“: Kulinarischer Kopfsprung nach Nordkorea

Arirang_koreanisch2

Im Wedding gibt es mehrere koreanische Restaurants. Das „Arirang“ ist von allen das unauffälligste. Ein Hinweis darauf, dass das, was hinter abgeklebten Scheiben zubereitet wird, besonders nah an koreanischen Ernährungsgewohnheiten ist? Unser Autor wagt den Versuch…

Freitag nacht, 23.30 Uhr. Ich schlendere die Seestraße entlang, auf dem Rückweg von einem Freund. Hier, zwischen Alhambra-Kino und Autobahn, ist es ruhig um diese Zeit. Aus einem Laden kommt ein Mann mit einem Putzeimer in der Hand und einer Kippe im Mund. Closing Time. „Asiatisch“, denke ich, als ich im Schummerlicht der Straßenlampe sein Gesicht sehe. Mein Blick geht nach oben, zum Schild über dem Geschäft mit den abgeklebten Scheiben. Unverständliche Schriftzeichen, daneben steht Arirang. „Chinesisch ist es nicht, japanisch, glaube ich auch nicht“, mutmaße ich. Jetzt entdecke ich die Kindl-Lampen, die Speisekarte neben der Tür. Bestimmt ein Lieferservice. Auf dem Bürgersteig stehen ein paar Plastikstühle an wackligen Tischen mit grell-bunten Wachstischdecke und den Aschenbechern sehen sie aus, als seien sie der Aufenthaltsbereich für die Fahrer.  In Wirklichkeit sind sie die Außenbestuhlung eines nordkoreanischen Restaurants. Der leicht bizarre, ungeschönte Auftritt setzt sich auf dem Menü fort. Frittiertes Hühnerfleisch mit Ketchup, Schweinebauch, marinierter Tintenfisch, Strandschnecke mit Rindermagen. Keine leichte Kost für mitteleuropäische Gaumen. Echt. Echt!

Das sind „nur“ die Vorspeisen…

Arirang-Koreanisch-1Am Samstag bin ich zur Mittagszeit wieder da. Zwei Männer sitzen rauchend an den Wackeltischen wie neutrale Beobachter einer Welt, mit der sie nur wenig zu tun haben. Meine Hand-zum-Mund-Geste, gepaart mit dem fragenden Blick, bewirkt ein sich verstärkendes Nicken. Denn geht einer der beiden nach drinnen und erscheint mit einer gelben Speisekarte wieder. Dass die Gerichte in drei Sprachen – koreanisch inklusive Vertonung im lateinischen Alphabet, chinesisch und deutsch – benannt und leidlich erklärt sind, öffnet die Tür zu dieser unbekannten kulinarischen Welt höchstens einen Spalt breit. Auch die paar Fotos auf der Rückseite sind keine große Hilfe. Entlang der Preisskala, die bei den Menüs schnell die 20-Euro-Marke reißt, hangele ich mich entlang wenig riskanter Kombinationen: Nudeln, Suppe, wenig scharf… Ich pendele mich ein bei Teigtaschen gefüllt, das Dutzend für 6 Euro, und Nudeleintopf. Dazu ein Weizentee als dezent mutiger Getränkeausflug auf kulinarisches Neuland. Draufzeig-Bestellung. Eigentlich zwei Vorspeisen.

Die Bandbreite neuer Geschmackserlebnisse

Zehn Minuten später kommt in schneller Folge ein Teller mit koreanischen Ravioli – im Kreis gruppiert um ein Schälchen Sojasoße, eine Schale Reis, ein mächtiger Suppenpott voll mit Einlage und dazu ein großer Salatteller mit Gurken, Sojasprossen, frittierten Kartoffeln und Kohl. „Aber den Salat und den Reis habe ich doch gar nicht bestellt!“, bedeute ich dem Kellner. Er lächelt schief und sagt knapp: „Dazu!“ Ich sitze vor einem Berg voller Essen. Ein Schluck Tee, dann Kopfsprung in neue Geschmackswelten. Meine Freischwimmerlehren: Gurke schmeckt mit Chili nicht mehr nach Nix und mildert gleichzeitig Schärfe. Sojasprossen roh muss man nicht mögen und sauer eingelegten Weißkohl nicht zum Alltagssnack erwählen. Genau dafür bieten sich aber die Teigtaschen an – ob mit oder ohne Sojasoße. Der prall gefüllte Suppentopf mit faserigem Rindfleisch und Glasnudeln passt zum Winter wie Wollsocken und Kaminfeuer. Die ideale Anti-Winterdepressions-Ernährung. Bleibt auszuprobieren, wie die Welt koreanischer Hausmannskost hinter der undurchsichtigen Schaufensterscheibe schmeckt.

Autor: Marcus Bauer

Seestr. 106 (nahe Togostr.),

Tel. 45021248, täglich 12 – 23 Uhr