Magendoktor

Meine 11 Stunden im Magendoktor

Der Magen­dok­tor am Net­tel­beck­platz ist so etwas wie die Schnee­ku­gel unse­rer Gesell­schaft. Es wirkt, als hät­te man sich wahl­los Men­schen aus allen Berei­chen des Lebens geschnappt, dort hin plat­ziert und geschüt­telt. Am Ende, wenn sich die Nacht in den Mor­gen ver­ab­schie­det und alle Bewe­gun­gen lang­sa­mer wer­den, löst sich die­ser Quer­schnitt der Gesell­schaft lang­sam, aber nie voll­stän­dig, in alle Him­mels­rich­tun­gen wie­der auf.
Jeden Tag – 24 Stun­den nonstop.

Nicht nur Bars: Was ab heute wieder alles geöffnet werden darf

Cocktail in Kneipen und BarsWir hat­ten uns ja mit eini­gen Schlie­ßun­gen arran­giert, aber ab heu­te dür­fen sich wie­der wei­te­re Türen öff­nen. An man­che Din­ge wie geschlos­se­ne Spiel­ca­si­nos kann man sich gewöh­nen, aber dass Knei­pen und Bars mit Ein­schrän­kun­gen geöff­net wer­den dür­fen, bringt ein Stück Nor­ma­li­tät in den Wed­ding zurück. Wir haben das ein­mal für euch zusammengefasst.

Waagerecht bis senkrecht: “Bingo” im Mastul

Im Früh­lings­licht kann man die ers­ten grau­en Haa­re noch bes­ser erken­nen. Also pro­bie­ren wir aus, wie es sein wird: Alt sein. Zag­haft tra­gen wir beige Par­kas, fah­ren Elek­tro­fahr­rad und bepflan­zen den Bal­kon. Jeden vier­ten Mitt­woch im Monat kön­nen Spiel­wü­ti­ge und Zah­len­af­fi­ne im Mas­tul zudem das schöns­te Kli­schee aller Senio­ren­heim­ak­ti­vi­tä­ten aus­pro­bie­ren: Bin­go spielen.

Kostenloses Pubkonzert im Gedeih & Verderb

„Wed­ding in Sicht!“ ist das zwei­te Kon­zert der Einfach.Hiersein-Rei­he, die loka­le Bands auf die Nach­bar­schafts­büh­nen bringt. Erst­mals kommt die Rei­he mit einem Pira­te Speed-Folk-Abend mit den Ship­w­reck Rats in den Wed­ding. Getanzt, gesun­gen und getrun­ken wird am Don­ners­tag, 28. März ab 20 Uhr im Gedeih & Ver­derb, der  Kiez­knei­pe mit Alt­ber­li­ner Charme. Im Vor­feld gibt es 20 Frei­ge­trän­ke zu gewinnen. 

Gedeih & Verderb: Stammkneipe an der Prinzenallee

Der Wed­ding hat eine ver­lo­ren geglaub­te Loka­li­tät wie­der zurück. Das ehe­ma­li­ge Prin­zin­ger ist mitt­ler­wei­le das “Gedeih & Ver­derb” und immer noch genau­so urig und ori­gi­nal Ber­lin wie schon vor hun­dert Jah­ren. Wir haben mit einer von zwei Betrei­bern – Nata­lie über unse­re neue Stamm­knei­pe unten an der Prin­zen­al­lee gesprochen. 

Fredericks: Happy End am neuen Ort

Die bei­den Betrei­ber, Eddi (l.) und Serdal

Ein Café ist 2018 ein paar Meter wei­ter gezo­gen. Das wäre kei­ne gro­ße Geschich­te, wenn es sich nicht um das Fre­de­ricks in der Lüde­ritz­stra­ße han­deln wür­de. Des­sen Betrei­ber Eddi hat­te an sei­nem alten Stand­ort rie­si­ges Pech. Aber die Geschich­te ist gut aus­ge­gan­gen, und am Ende ist die Lösung ein gro­ßer Glücks­fall für den Kiez.

Klein Zaches: Ein Herrengedeck beim Gentleman

Im Klein Zaches
Im Klein Zaches

Ich betre­te das Klein Zaches, eine uri­ge Ber­li­ner Knei­pe zwi­schen Zep­pe­lin­platz und Kaper­na­um-Kir­che gele­gen. Romy (30), die hier auch am Tre­sen arbei­tet, ist heu­te als Gast da. Neben Ihr sitzt ihr Freund Falk (30), der ger­ne mal mit fern­ge­steu­er­ten Sumo-Rin­gern gan­ze U‑Bahnhöfe unter­hält. Von den Sitz­ge­le­gen­hei­ten vor dem Laden tönt die laut­star­ke Unter­hal­tung einer klei­nen Rei­se­grup­pe jun­ger Leu­te um die 20.

“Bei Ernst” ist Schluss: Ich darf nicht traurig sein!

Nachtschwärmer bei Ernst
Nacht­schwär­mer Bei Ernst. Foto: A. Hahn

März 2018 Ja, die­se Wor­te ste­hen hier wirk­lich: „nicht trau­rig”. Der bes­te aller Knei­pen­wir­te hört in eini­gen Mona­ten auf und schließt sein Wohn­zim­mer. Nach 24 Jah­ren Nacht­schwär­mer Bei Ernst ist dann Schluss. Aber könn­te man Ernst und sein öffent­li­ches Wohn­zim­mer über­haupt erset­zen? Eine Mei­nung – statt eines Interviews.

Der KneipenKult bewahrt die Kneipenkultur

Eck­knei­pen ster­ben einen lang­sa­men Tod, auch im Wed­ding. Sei es eine Miet­erhö­hung, feh­len­de Nach­fol­ger, die schwin­den­de Kund­schaft oder eine aus der Zeit gera­te­ne Optik: Ob eine tra­di­tio­nel­le Knei­pe heut­zu­ta­ge eine Über­le­bens­chan­ce hat, hängt von vie­len Fak­to­ren ab. Der Wirt Oli­ver Gott­wald bringt viel Ener­gie auf, um aus einem alt­ein­ge­ses­se­nen Lokal das zu machen, was es frü­her buch­stäb­lich an fast jeder Ecke gab: eine rich­tig gemüt­li­che Kiez­knei­pe mit Charakter.