Kommentar: Die Ersten könnten die Letzten sein

Graffiti an Hauswand
Graffiti an Hauswand

Wir sind der viertcoolste Bezirk der Welt! Der Wedding ist plötzlich „offiziell“ cool, sehenswert und die Mieten sind auch noch richtig günstig. Zumindest sagt das die englische Zeitschrift Time Out. Viele Jahrzehnte lang galt der Spruch „Der Wedding kommt“ als Witz, aber nun haben wir es endlich schwarz auf weiß.

Ein Mietendeckel für die Mieterstadt

30.08.2019 Ein Abend in einer Weddinger WG. Ein Brief der Hausverwaltung liegt seit 2 Tagen ungeöffnet auf dem Küchentisch, die Angst vor dem, was drin stehen könnte, ist groß. Währenddessen schäumen FDP, AfD und CDU vor Wut – offenbar ist gerade etwas wirklich soziales seitens der Berliner Politik geplant. Am Montag dann titelt die Berliner Morgenpost „Herr Müller, stoppen sie diesen neuen Sozialismus, AutorInnen der taz sind hin und hergerissen, Finanzmagazine reden vom Wahnsinn und die Wörter radikal und verfassungswidrig geistern durch die Kommentarspalten.

Deko-Fahrrad in einem Musterappartement

Die Besichtigung

Dies ist die Ergänzung zum Artikel „Wenn der Investor kommt“, welcher sich in der Lüderitzstraße abspielt. Der folgende Text bezieht sich einzig auf die Gewerberäume im Erdgeschoss. Es ist empfehlenswert, den Ausgangsartikel zuvor zu lesen.

Rückblick.
Mitte März luden die neuen Mieter der Gewerberäume zur Besichtigung ein. Nach allerlei Dreck, Nachtlärm sowie Ungewissheit, eine Methode um mit der Nachbarschaft in Kontakt zu kommen. Auch wenn ich kein Mieter des Hauses bin, war ich persönlich dort und so entstand dieser Text:

Restaurant im Karstadt: Wo sich alles bewegt, doch die Zeit stillsteht

Laut Einsteins Relativitätstheorie sind Zeitreisen in die Zukunft möglich, in die Vergangenheit dagegen ist man sich noch nicht so sicher. Es gibt einen Ort, eine Welt im Wedding, die am Gegenteil arbeitet, die sich wehrt, hip zu sein, hip zu tun. Eine Welt, die so ist wie sie ist und nur genauso bestehen kann. Es ist das Restaurant im Karstadt am Leopoldplatz. Unaufdringlich, durch seine getönten Scheiben, thront es über dem Platz.

Sebastian Franz hält die Oudenarder Straße fotografisch fest

Eine Straße in Langzeitbelichtung

Nichts ist so beständig wie der Wandel, sagt man und doch passieren die kleinen Veränderungen um einen herum zumeist schleichend und kaum wahrnehmbar. 9473 Straßen gibt es in den Berliner Bezirken, eine davon ist die rund 500 Meter lange Oudenarder Straße. Dort wohnt Sebastian Franz und hält die Veränderungen seiner Straße seit 12 Jahren fotografisch fest.

Des Schneiders neue Räume

Viktor Ankobea
(c) Andaras Hahn

Dieser Artikel beginnt bereits mit einer kleinen Lüge, denn Victor Ankobea ist nicht nur Schneider, sondern eigentlich Schnitttechniker, aber dazu später mehr. Wenn man die laute Seestraße verlässt, in die Lüderitzstraße biegt und Richtung Himmel guckt, dann sieht man Wimpel im Wind flattern. Akkurate, bunte Dreiecke, welche über die gesamte Straßenbreite gespannt sind. Der Wind spielt mit ihnen. Es sind die Überbleibsel des Straßenfestes im Sommer 2018. Mitorganisiert von Victor Ankobea. Verankert und wohnhaft im Kiez und Inhaber des Ladens Vianko Mode seit 2004.

Zusammen gegen die „großen Drei“

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Es ist Samstagnachmittag, das Wetter ist nasskalt. In einer Weddinger Seitenstraße stehen die Mieterinnen einer Weddinger Wohnung vor dem Haus mit einer mobilen Kochplatte und trinken Glühwein, essen Spekulatius und hören Weihnachtsmusik. Parallel dazu warten sie auf vorbeikommende Mieter, die genau wie sie und wir wissen: Es sind mittlerweile viele, die von ihren Vermietern über den Tisch gezogen werden. Sei es durch zu hohe Nebenkosten, durch Nichtreagieren auf Schadensmeldungen, oder die vielleicht gerade von einer der „großen Drei“ Akelius, Deutsche Wohnen oder Vonovia aufgekauft wurden.