Neues vom Problemhaus Kameruner Str. 5

Foto Lui­se Graeff

Viel wur­de schon geschrie­ben über die Zustän­de in dem Eck­haus in der Wed­din­ger Kame­ru­ner Stra­ße 5. Bereits im Som­mer des ver­gan­ge­nen Jah­res häuf­ten sich die Medi­en­be­rich­te über Müll­ber­ge im und vor dem Haus, in dem sich Rat­ten tum­meln, und unzu­mut­ba­re Wohn­zu­stän­de. Die Mie­ter klag­ten zudem über feh­len­des war­mes Was­ser und abge­stell­ten Strom.

Regel­mä­ßig kommt es unter den Bewoh­nern zu Streit, Poli­zei­ein­sät­ze sind fast an der Tages­ord­nung. Der Bezirk möch­te dem Cha­os in dem Haus schon lan­ge ein Ende set­zen. Zuletzt war auch der Ein­satz von Sozi­al­ar­bei­tern im Gespräch. Ver­su­che des Bezirks­amts, mit dem Eigen­tü­mer in Kon­takt zu tre­ten, schei­ter­ten zunächst. Nun aber äußer­te sich die­ser über sei­ne Mie­ter: Er sieht den Bezirk in der Pflicht, sein Haus jetzt räu­men zu lassen. 

GESCHLOSSEN: „Fredericks“: unaufgeregt wie der Kiez

(C) Fredericks
© Fre­de­ricks

Jah­re­lang war an der Ecke Kame­ru­ner Straße/ Lüde­ritz­stra­ße ein Möbel­la­den. Eddi muss es wis­sen, denn er kennt den Kiez seit 35 Jah­ren. Der Mit­be­trei­ber der Café-Bar „Fre­de­ricks“ führt das Lokal nach sei­nem Umbau im Sep­tem­ber 2015 wei­ter. „Im Wed­ding muss man ein­fach nur in die Sei­ten­stra­ßen gehen“, weiß Eddi. Auf der nahen Mül­ler­stra­ße gebe es kei­ne rich­tig schö­nen Orte mehr, wo man noch ger­ne ein­keh­ren möch­te. Update 2018: Doch nun ist Schluss, durch die Abstel­lung des Was­sers im Haus Kame­ru­ner Stra­ße 5 lässt sich nun kei­ne Gas­tro­no­mie dort betrei­ben. Die Betrei­ber ver­su­chen nun ein paar Haus­num­mern wei­ter ein neu­es Café zu eröff­nen. 

Kameruner Straße Kiez

Kameruner Str.
Ban­tou Vil­la­ge, Kame­ru­ner Str.

Für man­che Zeit­ge­nos­sen, so habe ich jüngst ver­nom­men, endet der Wed­ding bereits jen­seits der See­stra­ße. Dabei ist doch gera­de die geschäf­ti­ge Mül­ler­stra­ße, ihres Zei­chens Haupt­stra­ße im Wed­ding samt Grün­strei­fen, ein schö­ner Stroh­halm, um sich im Wed­ding gen Nor­den in Rich­tung Rei­ni­cken­dorf zu han­geln. Und wer ein­mal in Rei­ni­cken­dorf war, der kommt gern hier­her, zu uns in den Wed­ding zurück. Nicht wegen der Bow­ling­bahn, nicht wegen dem Kino, son­dern der unbe­dingt schö­nen Din­ge wegen.

Der Wedding schläft

Wer das Leben sucht, der wird’s auch fin­den, so haben es schlaue Autoren es mal for­mu­liert. Tags­über, abends, nachts. Im Wed­din­ger Nor­den viel­leicht. Viel­leicht auch in der Kame­ru­ner Stra­ße, dem Zen­trum des Afri­ka­ni­schen Vier­tels, dem Zen­trum in Rand­la­ge. Eine klei­ne Mei­le mit­temang. Zwi­schen Mül­ler- und Togo­stra­ße, zwi­schen Restau­rant und Döner­pa­vil­li­on, zwi­schen Spä­ti und Coif­feur. Min­des­tens drei, wenn nicht gar vier von die­ser Haar­schnei­de­rei­en. Der Lieb­lings-Coif­feur von “Skan­dal­rap­per” Mas­siv sei angeb­lich auch hier.

Marsch­rich­tung Nord. Irgend­wo zwi­schen Mül­ler- und Afri­ka­ni­sche Stra­ße. Wer hier ver­sucht, um 3:00h mor­gens Milch und/oder Bier zu erkau­fen, der wird mer­ken, der Wed­ding ist nicht immer so hell­wach, wie er tags­über vor­gibt zu sein. Nein, nur aus­ge­such­te Spä­tis sind zu spä­ter Stun­de noch geöff­net. Nicht sel­ten hab’ ich einem schla­fen­den Besit­zer das Geld für Kek­se und Brot ein­fach auf die Kas­se gelegt. Nicht immer pas­send, muss ich geste­hen, aber wer schläft, den weckt man lie­ber nicht. Das hat schon mei­ne Groß­mutter mich gelehrt.

GESCHLOSSEN: “Frack du lac”: Second Hand-Trends entdecken

Frack du lac 2„Leben“ prangt noch in gro­ßen Let­tern über dem Second-Hand Geschäft „Frack du Lac“ in der Kame­ru­ner Stra­ße 43. So lässt sich das alte Lebens­mit­tel­ge­schäft nur noch erah­nen. Heu­te gibt es hier ein gro­ßes Sam­mel­su­ri­um an funk­tio­na­len Tex­ti­li­en für Sie und Ihn. Das Sor­ti­ment reicht von Hosen, Jacken, Pull­over, Shirts, Schmuck bis hin zu zahl­rei­chen Acces­soires. In dem klei­nen Laden ver­gisst man schnell die Zeit, denn es gibt Vie­les zu ent­de­cken. Gleich vor dem Geschäft fällt die „Free Box“ ins Auge. Hier kann sich der Kun­de gern ein Klei­dungs­stück sei­ner Wahl kos­ten­los mitnehmen.

Afrikanisches Viertel: Lehrreicher Stadtspaziergang

Im Wed­ding spa­zie­ren gehen und etwas über die deut­sche Geschich­te ler­nen. Das klappt jetzt mit einem neu­en Audiow­alk, der per App direkt auf das Han­dy kommt. In ins­ge­samt 20 Audio­da­tei­en wer­den Stra­ßen­na­men erklärt, Gedich­te vor­ge­tra­gen und die deut­sche Kolo­ni­al­herr­schaft in Afri­ka dar­ge­stellt. Was bie­tet die App?

“Müller Ecke Afrika”: die beste Story gibt’s gleich nebenan…

Manch­mal muss man zwei Mal hin­schau­en, um das Beson­de­re in einem Wed­din­ger Vier­tel zu ent­de­cken. Ein Doku­men­tar­fil­mer lässt Men­schen im Afri­ka­ni­schen Vier­tel ein­fach ihre Geschich­te erzäh­len – und legt damit auch die Geschich­te des gan­zen Kiezes frei. 

“Wedding Works”: von Hand gemacht im nördlichen Wedding

In die­sem Blog haben wir schon über eini­ge der Manu­fak­tu­ren im Wed­ding berich­tet, die hier güns­ti­ge Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen für ihre Nischen­pro­duk­te gefun­den haben. Nun arbei­ten vier räum­lich nah bei­ein­an­der lie­gen­de Manu­fak­tu­ren zusam­men. Den Pro­duk­ten ist eines gemein­sam: sie sind alle hand­ge­macht und haben mit Mas­sen­wa­re nichts zu tun. 

Uta Koloczek und ihr ErfolgsproduktWer sich für Krea­ti­ves im Wed­ding inter­es­siert, soll­te sich den 23., 24. und 25. Novem­ber für die „Wed­ding Works“ vor­mer­ken. Etwas abseits der Mül­ler- und der See­stra­ße haben sich um die Kame­ru­ner Stra­ße her­um eini­ge Manu­fak­tu­ren ange­sie­delt. Dabei die­nen den Krea­ti­ven die Laden­lo­ka­le in ers­ter Linie als Pro­duk­ti­ons­or­te. Dadurch sind lei­der kei­ne regel­mä­ßi­gen Öff­nungs­zei­ten mög­lich. Des­halb laden sie erst­ma­lig gemein­sam am letz­ten Novem­ber-Wochen­en­de unter dem Titel „Wed­ding Works“ zu sich ein. Der Titel ist zugleich auch Pro­gramm, denn im Mit­tel­punkt steht das Hand­werk. Jeder pro­du­ziert selbst und zwar vor Ort. Es ist, wenn man so mag, der Gegen­ent­wurf zur Welt der Massenproduktion.

Den Kreativen über die Schulter schauen

Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)
Haus der fei­nen Kost (Foto: Elke Stamm)

Die Stadt­teil­ver­tre­tung Mül­ler­stra­ße, die als Jury über die Gel­der des Gebiets­fonds wacht, fand die Idee span­nend und unter­stützt somit das Pro­jekt auch finan­zi­ell. Das Gan­ze war zunächst für den Som­mer geplant, die Haus­halts­sper­re führ­te zu einer mehr monat­li­chen Verzögerung.„Wedding Works“ beinhal­tet eine Eröff­nung, ein Kul­tur­pro­gramm und Füh­run­gen. Im Vor­der­grund ste­hen die hand­werk­li­chen Tech­ni­ken, vor allem am Sams­tag und Sonn­tag. Da kann jeder, der mag, den Krea­ti­ven über die Schul­ter schau­en. Es soll aber auch mit­ge­macht, mit­ge­dacht und pro­biert wer­den z.B. bei der Her­stel­lung von Gür­teln, dem Gie­ßen von Por­zel­lan, dem Ent­wer­fen von Klei­dern oder bei der Ver­kos­tung von Salat­so­ßen und Gewürzmischungen.

In Zukunft gemeinsam

Für die Zukunft wird als ein ver­bin­den­des Ele­ment ein Label ent­wi­ckelt und ein Fly­er mit den Stand­or­ten der Betei­lig­ten her­aus­ge­ge­ben. Es soll eine ein­heit­li­che Fah­ne für die Läden erstellt wer­den. Die­se soll dann den Besu­chern hel­fen, die Werk­stät­ten zu fin­den und dar­auf hin­wei­sen, dass sie geöff­net sind. Mit dabei sind das „Haus der fei­nen Kost“, die „manu­FAC­TO­RY“, die „Mon­ta­ge­hal­le-Ber­lin“ sowie „Lee­ven­stein“.
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Wedding Works

23. – 25. November

ver­schie­de­ne Läden im Afri­ka­ni­schen Viertel