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„Fredericks“: unaufgeregt wie der Kiez

(C) Fredericks
(C) Fredericks

Jahrelang war an der Ecke Kameruner / Lüderitzstraße ein Möbelladen. Eddi muss es wissen, denn er kennt den Kiez seit 35 Jahren. Der Mitbetreiber der Café-Bar „Fredericks“ führt das Lokal nach seinem Umbau im September 2015 weiter. „Im Wedding muss man in die Seitenstraßen gehen“, weiß Eddi. Auf der nahen Müllerstraße gebe es keine richtig schönen Orte mehr, wo man noch gerne einkehren möchte. Weiterlesen

Kameruner Straße Kiez

Kameruner Str.
Bantou Village, Kameruner Str.

Für manche Zeitgenossen, so habe ich jüngst vernommen, endet der Wedding bereits jenseits der Seestraße. Dabei ist doch gerade die geschäftige Müllerstraße, ihres Zeichens Hauptstraße im Wedding samt Grünstreifen, ein schöner Strohhalm, um sich im Wedding gen Norden in Richtung Reinickendorf zu hangeln. Und wer einmal in Reinickendorf war, der kommt gern hierher, zu uns in den Wedding zurück. Nicht wegen der Bowlingbahn, nicht wegen dem Kino, sondern der unbedingt schönen Dinge wegen.

Der Wedding schläft

Wer das Leben sucht, der wird’s auch finden, so haben es schlaue Autoren es mal formuliert. Tagsüber, abends, nachts. Im Weddinger Norden vielleicht. Vielleicht auch in der Kameruner Straße, dem Zentrum des Afrikanischen Viertels, dem Zentrum in Randlage. Eine kleine Meile mittemang. Zwischen Müller- und Togostraße, zwischen Restaurant und Dönerpavillion, zwischen Späti und Coiffeur. Mindestens drei, wenn nicht gar vier von dieser Haarschneidereien. Der Lieblings-Coiffeur von “Skandalrapper” Massiv sei angeblich auch hier.

Marschrichtung Nord. Irgendwo zwischen Müller- und Afrikanische Straße. Wer hier versucht, um 3:00h morgens Milch und/oder Bier zu erkaufen, der wird merken, der Wedding ist nicht immer so hellwach, wie er tagsüber vorgibt zu sein. Nein, nur ausgesuchte Spätis sind zu später Stunde noch geöffnet. Nicht selten hab’ ich einem schlafenden Besitzer das Geld für Kekse und Brot einfach auf die Kasse gelegt. Nicht immer passend, muss ich gestehen, aber wer schläft, den weckt man lieber nicht. Das hat schon meine Großmutter mich gelehrt.

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“Frack du lac”: Second Hand-Trends im Afrikanischen Viertel entdecken

Frack du lac 2„Leben“ prangt noch in großen Lettern über dem Second-Hand Geschäft „Frack du Lac“ in der Kameruner Straße 43. So lässt sich das alte Lebensmittelgeschäft nur noch erahnen. Heute gibt es hier ein großes Sammelsurium an funktionalen Textilien für Sie und Ihn. Das Sortiment reicht von Hosen, Jacken, Pullover, Shirts, Schmuck bis hin zu zahlreichen Accessoires. In dem kleinen Laden vergisst man schnell die Zeit, denn es gibt Vieles zu entdecken. Gleich vor dem Geschäft fällt die „Free Box“ ins Auge. Hier kann sich der Kunde gern ein Kleidungsstück seiner Wahl kostenlos mitnehmen. Weiterlesen

Afrikanisches Viertel: Lehrreicher Stadtspaziergang

Im Wedding spazieren gehen und etwas über die deutsche Geschichte lernen. Das klappt jetzt mit einem neuen Audiowalk, der per App direkt auf das Handy kommt. In insgesamt 20 Audiodateien werden Straßennamen erklärt, Gedichte vorgetragen und die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika dargestellt. Was bietet die App?

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Anna Kiryakovas matte Juwelen

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(C) A. Kiryakova

Eine Idee gefangen im Porzellan, ist wie die unseres Lebens: Es ist eine Einbahnstraße, die aus wilden Gedankengängen resultiert und solange existiert, bis ihr Körper irgendwann überraschend, oder auch nicht, zusammenbricht und als eine Erinnerung zurückbleibt.

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“Müller Ecke Afrika”: die beste Story gibt’s gleich nebenan…

Manchmal muss man zwei Mal hinschauen, um das Besondere in einem Weddinger Viertel zu entdecken. Ein Dokumentarfilmer lässt Menschen im Afrikanischen Viertel einfach ihre Geschichte erzählen – und legt damit auch die Geschichte des ganzen Kiezes frei. Weiterlesen

Fredericks: Café und Bar mit zwei Namen…

Im Afrikanischen Viertel tut sich was: in der Lüderitzstraße beginnt sich eine kleine Bar-Szene zu entwickeln. Unsere Leserin Luzi hat sich noch vor der offiziellen Eröffnung schon einmal in der neuen Bar “Fredericks” umgeschaut….

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“Wedding Works”: von Hand gemacht im nördlichen Wedding

In diesem Blog haben wir schon über einige der Manufakturen im Wedding berichtet, die hier günstige Produktionsbedingungen für ihre Nischenprodukte gefunden haben. Nun arbeiten vier räumlich nah beieinander liegende Manufakturen zusammen. Den Produkten ist eines gemeinsam: sie sind alle handgemacht und haben mit Massenware nichts zu tun.

Uta Koloczek und ihr ErfolgsproduktWer sich für Kreatives im Wedding interessiert, sollte sich den 23., 24. und 25. November für die „Wedding Works“ vormerken. Etwas abseits der Müller- und der Seestraße haben sich um die Kameruner Straße herum einige Manufakturen angesiedelt. Dabei dienen den Kreativen die Ladenlokale in erster Linie als Produktionsorte. Dadurch sind leider keine regelmäßigen Öffnungszeiten möglich. Deshalb laden sie erstmalig gemeinsam am letzten November-Wochenende unter dem Titel „Wedding Works“ zu sich ein. Der Titel ist zugleich auch Programm, denn im Mittelpunkt steht das Handwerk. Jeder produziert selbst und zwar vor Ort. Es ist, wenn man so mag, der Gegenentwurf zur Welt der Massenproduktion.

Den Kreativen über die Schulter schauen

Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)
Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)

Die Stadtteilvertretung Müllerstraße, die als Jury über die Gelder des Gebietsfonds wacht, fand die Idee spannend und unterstützt somit das Projekt auch finanziell. Das Ganze war zunächst für den Sommer geplant, die Haushaltssperre führte zu einer mehr monatlichen Verzögerung.„Wedding Works“ beinhaltet eine Eröffnung, ein Kulturprogramm und Führungen. Im Vordergrund stehen die handwerklichen Techniken, vor allem am Samstag und Sonntag. Da kann jeder, der mag, den Kreativen über die Schulter schauen. Es soll aber auch mitgemacht, mitgedacht und probiert werden z.B. bei der Herstellung von Gürteln, dem Gießen von Porzellan, dem Entwerfen von Kleidern oder bei der Verkostung von Salatsoßen und Gewürzmischungen.

In Zukunft gemeinsam

Für die Zukunft wird als ein verbindendes Element ein Label entwickelt und ein Flyer mit den Standorten der Beteiligten herausgegeben. Es soll eine einheitliche Fahne für die Läden erstellt werden. Diese soll dann den Besuchern helfen, die Werkstätten zu finden und darauf hinweisen, dass sie geöffnet sind. Mit dabei sind das „Haus der feinen Kost“, die „manuFACTORY“, die „Montagehalle-Berlin“ sowie „Leevenstein“.
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Wedding Works

23. – 25. November

verschiedene Läden im Afrikanischen Viertel

Berliner Dressings: Naturbelassen wie der Wedding

Im Haus der feinen Kost, Kameruner Str. 14 (Foto: HDFK)“Gekaufte Dressings sind immer Mist”, sagt Adam Mikusch. Diese Zeiten sind jetzt endgültig vorbei. In seiner eigenen Manufaktur mit angeschlossenem Fabrikverkauf stellt der 32-Jährige das her, was er schon vorher gerne als Hobby gemacht hat: pfiffige Salat-Dressings, garantiert nur aus Naturprodukten und ohne Geschmacksverstärker. Die erheben jeden Salat zum Genuss – daher auch der anfängliche Name “Blattgold” für die Saucen, die in kleinen Flaschen verkauft werden. Doch auch auf Brot, zu Pasta oder als Dip zum Grillgut eignen sich die Weddinger Saucen-Kreationen hervorragend.

Eigentlich hat Adam Mikusch als Grafik-Designer gearbeitet, was man dem in dunkler Holzoptik gestalteten Laden und den Etiketten sofort ansieht. Doch Spaß hat ihm dieser Job am Ende nicht mehr gemacht. “Ich habe dann den Schritt gewagt und aus meinem Hobby einen Beruf gemacht”, erzählt er. Die Idee, mit eigenen Salatdressings auf Märkte zu gehen, hat Adam Mikusch dann den Gründerpreis 2012 als bester Newcomer eingebracht.

Manufaktur heißt “von Hand gemacht”. Genau so werden die Dressings auch noch hergestellt. Handgerührt, nicht mit Wasser gestreckt und ohne Konservierungsstoffe. Als Zutaten findet man in den Berliner Dressings natives Olivenöl aus dem Süden, feinen Apfelessig, im Fass gereiften Balsamico-Essig, frisch zerstoßenen Schwarzen Pfeffer, reines Alpensalz oder gehaltvollen Senf. Die Dressings gibt es in vier Varianten. Auf jedem Etikett befindet sich ein anderes Motiv mit einem fantasievoll gezeichneten Tier – “meine imaginären Mitarbeiter”, scherzt Adam Mikusch.  Seit 2013 gibt es auch eine “Berliner Senfsauce”: die Grillsauce wurde mit vielen Gewürzen veredelt und mit Olivenöl verfeinert.

Aus der kleinen Manufaktur soll mehr werden

Im Moment wohnt Adam Mikusch noch in Pankow. Von der Produktionsstätte aus fährt er mit dem “Blattgold”-Piaggio auf Wochenmärkte und zu einzelnen Feinkostgeschäften. Den Wedding hat er aus mehreren Gründen als Basis ausgewählt. “Der Wedding stellt einen guten Kompromiss zwischen preiswertem Standort und wachsendem Bewusstsein für frische Produkte dar”, sagt er. Im Prenzlauer Berg, glaubt Adam Mikusch, wäre er nur einer von vielen gewesen. “Im Wedding sind die Leute noch genauso naturbelassen wie meine Dressings”, sagt der gebürtige Oberschlesier, der in Trier aufgewachsen ist. Doch im  Wedding soll die Erfolgsgeschichte von Blattgold nicht enden, und nur bei einem Dreirad-Auto wird es wohl auch nicht bleiben, hofft Adam Mikusch: “Erst genießt der Wedding unsere Saucen, dann Berlin und am Ende vielleicht die ganze Welt….”

Blattgold Saucen im SupermarktAktualisierung 2016: Die Manufaktur ist inzwischen nach Hohenschönhausen umgezogen.
kontakt@haus-der-feinen-kost.de

Telefon: 030 609 587 21 (unbedingt vorher durchrufen, ob geöffnet ist)

Website mit aktuellen Verkaufsstätten (im Wedding bei EDEKA Reichelt, bei Kaiser’s; außerdem in diversen Supermärkten und auf Karl’s Erdbeerdorf)

Sorten:

Balsamico-Basilikum Dressing perfekt zu frischen Blattsalaten und leichten Nudelgerichten. Auch fruchtige Erdbeeren oder Tomate-Mozzarella werden zum Erlebnis. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Basilikum, Salz, Pfeffer, Knoblauch

Balsamico-Vanille Dressing veredelt mit echter Bourbonvanille frische Blattsalate und leichte Geflügelgerichte. Auch Desserts wie Eis oder Früchte werden so nuancenreich gekrönt. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Bourbonvanille, Salz, Pfeffer

Honig-Senf Dressing passt am schönsten zu pikanten Blattsalaten wie Rucola oder Chicoree. Und auch als Grillsauce oder zu Seefisch ein feiner Gaumenkitzel. Zutaten: Senf, Honig, Olivenöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer

Berliner Senfsauce – Die perfekt abgestimmte Grillsauce wurde mit vielen großartigen Gewürzen veredelt und mit Olivenöl verfeinert. Ein Orginal aus der Region mit ausgewählten Zutaten für einen neuen puren Geschmack wie selbstgemacht.

“a-dding”: Gegen luftleere Räume

„Da, wo ein Laden neu aufmacht, verschwindet oft auch der Leerstand im direkten Umfeld”, erzählen Anke Rommel (,,aroshi“-Shirts mit Berlin-Motiven) und eine Textildesignerin. Die beiden Kreativen vertreiben ihre Produkte über das Internet oder stellen sie in Galerien aus – und besitzen daher keine eigenen Läden. Das dürfte vielen anderen Kollegen auch so gehen. Aus dieser Situation heraus beschlossen die beiden Frauen, die Plattform “a-dding” zu schaffen. Eine Plattform für Ladenbesitzer und für Selbstständige: ,,Ein Vermieter hat kein Interesse an langem Leerstand einer Gewerbeeinheit”, erklärt Anke Rommel. ,,Künstler oder Gewerbetreibende sollen sich in einem leeren Laden positiv darstellen können, müssen aber nur die Betriebskosten zahlen.” Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten und auch das direkte Ladenumfeld. Wenn es genügend Interessenten gibt, können sich die beiden ,,a-dding”-Erfinderinnen die unterschiedlichsten Finanzierungsmodelle vorstellen.

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Temporäre Räume für besondere Exponate

Für die Textildesignerih hat die Arbeit an der Plattform noch einen weiteren Vorteil: sie sucht selbst ein Wohnatelier und steht gemeinsam mit Anke Rommel zur Verfügung, um geeignete Räume zwischenzunutzen. So auch im großzügigen Ecklokal Togo-/Kameruner Straße. „Ich stelle meine Arbeiten gewöhnlich nur in Ateliers und Galerien aus“, sagt die 57-jährige Künstlerin. „Eine Verkaufsausstellung in einem leerstehenden Ladenlokal ist eine gute Alternative.“  Hier kann die Textildesignerin ihre farbenfrohen textilen Unikate und Pop-art-Objekte ins rechte Licht rücken. Nach langen Auslandsaufenthalten in Afrika, Asien, Schottland und Kanada bringt sie vielfältige, oft orientalisch anmutende Einflüsse und Eindrücke zurück in den Wedding. Für die bunten Objekte ist der Begriff “Zwischennutzung” viel zu schade. Im vorderen Bereich des Ladens haben auch die ,,aroshi”-Shirts und Hoodies von Anke Rommel ausreichend Platz gefunden. Dieser auch von außen gut wahrnehmbare, einladend beleuchtete Raum zieht Laufkundschaft, auch vom gegenüber liegenden Bioladen, geradezu an.

Damit neue Ideen nicht an fehlenden Räumen scheitern

Anke Rommel hat a-dding gegründet
Anke Rommel hat a-dding gegründet

“Bei a-dding sollen die Räume so genutzt werden, wie die Nutzer sie vorfinden”, erklärt Anke Rommel. Da trifft es sich gut, dass die a-dding-Betreiberinnen in kreativen Berufen tätig sind, und so ist für die Designerin klar: ,,Rohe Wände könnten wir natürlich auch gerne künstlerisch bearbeiten – aber nur, wenn der Vermieter damit einverstanden ist.” Denn jeder Ladenbesitzer soll sich bei a-dding entscheiden, wie weit er den Zwischennutzern entgegenkommt, damit daraus vielleicht eine dauerhafte Einrichtung werden kann.

Die leeren Räume ermittelt Anke Rommel übrigens bei ausgedehnten Spaziergängen durch den Wedding oder über das Internet. Egal wie gut die Idee im Kiez funktioniert: die beiden Aktiven möchten sich engagieren, leere Räume zu beleben und als Vermittlerinnen die unterschiedlichsten Menschen treffen.

Ladenbesitzer können Ihre freien Läden sowie Läden, die bald frei werden, auf der Internet-Plattform anbieten. Einzelne Menschen oder Gruppen können sich darstellen und ihre Anfrage nach Räumen veröffentlichen lassen. Den Zeitraum bzw. die Art der Nutzung sprechen Vermieter und Gäste immer direkt untereinander ab. Nutzen Sie die Chance!

Website von a-dding

Website aroshi T-Shirts

Update März 2015:
Die Plattform a-dding.de wird mit Ablauf des Monats März 2015 leider eingestellt. Laut Anke Rommel ließen sich zu wenig Vermieter und Eigentümer im Wedding für ihre Idee der Zwischennnutzung überzeugen – sie zogen den unrentableren Leerstand vor. Wirklich schade, wie wir finden.