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Wohin im Wedding? 10 Tipps für Erstsemester

Foto: Beuth Hochschule
Foto: Beuth Hochschule

Kneipen und Lokale sind in Deutschland seit jeher mit der studentischen Kultur verbunden. Man denke nur an die Hospitien der Studentenverbindungen am Vorabend der deutschen Demokratie – teils mit nachträglichen Karzer-Abstecher – und die abendlichen Diskussionen der 1968er. Manch tolldreister Entschluss wurde hier gefasst, manche fixe Idee warf später Althergebrachtes über den Haufen und manches Miteinander half einem einfach, die Wartezeit auf die Klausurergebnisse zu überstehen. Und da auch der Wedding stolz auf seine Hochschule sein kann, wollen wir euch hier und in weiteren Beiträgen einige Lieblingsecken der Beuth-Studierenden zeigen. Heute: Studentische Kneipen, Lokale und Rückzugsorte im Wedding.

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Prinzinger – eine ganz normale Bar

PrinzingerDie Kreuzung Osloer Straße/Prinzenallee ist heute hauptsächlich als verstopfter Verkehrsknoten bekannt. Früher gab es hier noch das Präpeleck, eine Eckkneipe, wie sie im Buche steht: große Schultheiss-Werbung, vergilbtes Intérieur und eine Kundschaft, die schon viele Jahre dort ihre Gewohnheiten pflegte. Ins Präpeleck habe ich mich nur am Tag des Abschieds getraut, zu fremd war mir diese Kneipe bis dahin. Weiterlesen

Fête de la Musique: Mittsommer auf französisch

Die Skandinavier begehen am 21. Juni seit Menschengedenken Mittsommer – während die Franzosen seit 1982 auf Initiative des damaligen Kulturministers Jack Lang ein landesweites, kostenloses Open-Air-Musik-Festival feiern. In keiner französischen Altstadt kann man an diesem längsten Tag des Jahres den musikalischen Klängen entgehen. Ab dem Jahr 1995 hat auch Berlin mit zahllosen Bühnen nachgezogen, und seit ein paar Jahren gibt es auch im Wedding ein paar Ableger dieses stimmungsvollen Festivals.

Das Centre Français in der Müllerstraße 74 (zwischen U Rehberge und U Afrikanische Straße) ist der logische Ausgangspunkt, um diese sehr französische Idee von der Musik als universelle Sprache auch in Berlin zu verbreiten. Auf dem Rasen vor dem 60er-Jahre-Gebäude, direkt an der kleinen Eiffelturm-Nachbildung, ist eine Bühne aufgebaut. Das Programm findet von 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr statt und stellt französische Musik, Rock und Worldmusic in den Fokus.

16:00 Crash Test (keller band, rock), 16:45 Pussies in Boots (rock), 17:30 Mr. Bondy (französischer pop, indie, rock), 18:30 Di Grine Kuzine (klezmer, balkan, brass, ska), 19:30 Son Kapital (chanson ska, urban folk), 20:30 44 Leningrad (ska, punk, polka, folklore)

Auch auf dem Leopoldplatz wird am 21. Juni von 16:00 – 22:00 Uhr die Fête de la Musique gefeiert, wieder mit einem umfangreichen Programm. Die Bühne steht, anders als in den vergangenen Jahren, auf dem hinteren Teil des Leopoldplatzes vor der Neuen Nazarethkirche in der Turiner Ecke Nazarethkirchstraße. Es werden Musiker vorgestellt, die Brücken zwischen Musikstilen und Musikkulturen bauen. So reicht das Programm vom swingenden Jazz des AGVH-Quintetts über Indiepop und Loop-Klänge der Musikerin „Linse“. Auf der Bühne stehen die im Wedding gegründeten und für ihren mitreißenden Gypsyswing bekannten Django Lassi.

Während „Kumbiandina“ lateinamerikanische Rhythmen beisteuern, entführt der „Polyphonia-Chor“ in die griechische Folkmusik. Den Abschluss bilden „Beatsafari“, die mit treibenden Beats Reggae-, Rock- und Popmusik mit einander verbinden und ihr Publikum wie immer zum Tanzen bringen.

21. Juni 16.00-22.00 Uhr

Müllerstraße 74 bzw. Turiner-/Nazarethkirchstr.

Weitere Bühnen in Wedding und Gesundbrunnen

Brauerei Eschenbräu
Triftstr. 67,13353 Berlin-Mitte-Wedding, www.eschenbraeu.de
Programm: Rock, Blues, Swing, Open Air 16:00 – 22:00 Uhr

Jugend-Brunnen-Bühne
Bahnhofsplatte Bahnhof Gesundbrunnen, Badstraße 4, 13357 Berlin-Mitte-Wedding
Programm: Kinderprogramm, Hip Hop, Pop, Open Air 14:00 – 22:00 Uhr 

Klangbunker – Mit Pauken und Trompeten
Flakbunker im Humboldthain,13355 Berlin-Mitte-Wedding
Programm: Trommelgruppen, Blasmusik, Open Air 16:00 – 22:00 Uhr

STATTBAD Wedding
Gerichtstr. 65, 13347 Berlin-Mitte-Wedding, www.stattbad.net
14:00 Kinderprogramm mit Live Kunst Workshop an der Terrasse im Stattbad Wedding mit Parkanlage an der Panke, 15:00 Sqim (stattbad, gruppenzwang), 16:00 Shir Khan (exploited), 18:00 Oliver $ (made to play), 20:00 Zombie Disco Squad vs. Renaissance Man (made to play)
Fête de la Nuit: weiter indoor ab 22:00 – 06:00 Uhr

Nettelbeckplatz

Weddingwoche #4: Hopfen und Malz noch nicht verloren

Die Weddingwoche ist eine wöchentliche Kolumne über aktuelle Ereignisse in unserem Stadtteil. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Die Bierkultur im Wedding hatte in letzter Zeit schwer zu leiden. Los ging’s mit dem Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Das Pilsator für 60 Cent beim Spätkauf war eine schlechte Alternative. Zwar war es konkurrenzlos im Preis, aber nicht gerade ein Fördermittel für gesellige Runden. Einzig das Eschenbräu im Sprengelkiez stach positiv heraus aus dieser Bier-Tristesse. Nun wollen ein paar Jungs im Wedding dem Gerstensaft zu frischer Ehre verhelfen, wie auch schon an dieser Stelle berichtet. Hinter Beer4Wedding stehen drei Studenten der Brauerei- und Getränketechnologie an der TU Berlin. Technisch sind sie also gut beschlagen. Mit ihren ungewöhnlichen Bier-Kreationen wollen sie neue, individuelle Wege gehen und damit geschmacklich ein neues Zeitalter einläuten, fernab von bierernster Traditionspflege. Die erste Kreation, das Wedding Pale Ale, ist ein stark gehopftes Bier englischer Tradition, verfeinert mit Reis. Für das neueste Projekt, ein Bier mit zarter Austern-Note, haben sie gerade einen Preis beim Hamburger Bierwettbewerb gewonnen. Im frechen Werbespruch „Ich habe immer gesagt: Sozialismus, das heißt Austern für alle“ schwingt viel Bedeutung mit: Der Rote Wedding, die französische Prägung des Viertels samt Vorliebe für exquisites Meeresgetier und nicht zuletzt der Ruf der neuen Kreativszene nach außergewöhnlichen Schöpfungen. Global denken, lokal brauen wollen die Bier-Enthusiasten und so bauen sie den Hopfen für ihren Gerstensaft auch gleich selbst auf dem Balkon an. Es bleibt ihnen zu wünschen, dass sie Starthelfer einer neuen Bierkultur werden. Schon der Geselligkeit zuliebe.

Autor: Marcus Bauer

http://www.abendblatt-berlin.de/no_cache/ausgaben/?tx_pdfarchiv_pi1[disId]=21

Wer mehr über Beer4Wedding erfahren will, wird hier fündig.

„Beer4Wedding“ heißt jetzt Berliner Bierfabrik

Julian Schmidt beer4weddingDeutschland ist weltweit bekannt für seine Biere – häufig beruft man sich hier auf das Reinheitsgebot von 1516, wonach nur Gerste, Hopfen und Wasser für die Bierherstellung erlaubt sind. „Davon wollen wir uns aber nicht einschränken lassen“, sagen drei Studenten der Brauereitechnologie. Sie haben die Firma „Beer4Wedding“ gegründet und loten mit ihren Kreationen die Grenzen des Biergeschmacks aus. Die Zutaten jedenfalls bestehen aus mehr als nur Hopfen und Malz…

Hopfenanbau im Soldiner Kiez
Hopfenanbau im Soldiner Kiez

(Beitrag aktualisiert am 17.7.14) Damit folgen Sebastian Mergel, André Schleypen und Julian Schmidt einem globalen Trend: „Craft Beer“ ist keine industrielle Massenware, sondern von Hand hergestelltes Bier mit einem speziellen Geschmacksprofil. „Die hohe Qualität der Rohstoffe ist für uns besonders wichtig“, erklärt Sebastian Mergel. „Daher haben wir den Hopfen auf einer Dachterrasse im Soldiner Kiez angebaut – so hatten wir genügend Sonnenstunden.“ Die Wärme, die das Haus abstrahlt, tat dem Hopfen ebenfalls gut, wenngleich die Anbaumenge natürlich nicht für die gesamte Produktion ausreichte.

Logo_ManufakturenEs ist sicher kein Zufall, dass angehende oder diplomierte Brauereiingenieure gerade im Wedding ihre ersten Gehversuche unternehmen. Schließlich befindet sich in der Seestraße 15 seit 1891 das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie, das von der 1883 gegründeten Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) betrieben wird. Dort kooperiert man eng mit dem Studiengang Brauerei- und Getränketechnologie an der Technischen Universität. „Wegen dieses Studiengangs, den es ansonsten nur an der TU München gibt, sind wir aus Bayern und dem Rheinland nach Berlin gekommen“, sagt Sebastian. Die Vielfalt des Weddings zog den gebürtigen Münchner und seine beiden Freunde ebenfalls an. Ganz allein mit ihrer Leidenschaft sind sie hier nicht, schließlich verfügt der Ortsteil bereits seit 2001 mit dem Eschenbräu über eine Kleinstbrauerei, die von einem Diplom-Brauingenieur betrieben wird.

Im Wedding sind Hopfen und Malz nicht verloren

André Schleypen von beer4wedding
André Schleypen von beer4wedding

Zurück zu den drei Bier-Enthusiasten. Die von ihnen zu Hause ausgetüftelten Biersorten werden im Lohnbrauverfahren in der BrewBaker-Brauerei in Moabit hergestellt. Die erste Biersorte ist ein India Pale Ale, das unter dem Namen „Wedding Pale Ale“(WPA) vermarktet wird. „Dieser Biertyp wurde im 19. Jahrhundert in England entwickelt, als die Verschiffung in die indischen Kronkolonien eine lange Haltbarkeit erforderlich machte“, erklärt der Brauereistudent Sebastian. Dafür wurde extra viel Hopfen beigegeben. Das Weddinger Pale Ale erhält seinen Geschmack durch eine Schüttung aus sechs verschiedenen Malzen und sieben verschiedenen Bitter- und Aromahopfen. Doch das allein reichte den drei experimentierfreudigen Studenten nicht aus: „Um es geschmacklich abzurunden, verbrauen wir zusätzlich noch Reis“, verrät Sebastian Mergel. Insgesamt schmeckt das WPA bitterer als ein Pils.

Bier aus Austern und Kaffee

Sebastian Mergel
Sebastian Mergel

Vollends abenteuerlich wird es bei der neuesten Bier-Kreation. „Unser Oyster Stout ist ein dunkles Bier, ähnlich einem Guinness“, erklärt Sebastian. Wie der Name schon sagt, enthält es Austern, die man dank ihres hohen Eiweißgehalts aber nicht herausschmeckt. Dennoch besitzt das Bier eine besondere Geschmacksnote – was auch an der beigemischten dunklen Schokolade und Kaffee liegen könnte, den die Weddinger Bierbrauer selbstredend aus der Kaffeerösterei „Coffee Star“ an der Müllerstraße beziehen. Das Ergebnis ist ein Aroma, das Anklänge von Kaffee und Kakao besitzt.

Auch wenn das Austernbier noch nicht im Handel erhältlich ist, ist es schon den Internationalen Studentischen Brauwettbewerb in Hamburg ausgezeichnet worden. Auch die lokale Herstellung in Berlin-Mitte machen die beiden Biersorten zu etwas ganz Besonderem.

Rotbier ist neueste Sorte

Das Rotbier erhält seine Farbe durch die Verwendung von drei verschiedenen Spezialmalzen. Neben klassischem Pilsener Malz wurden zum Brauen dieses Bieres die Malzsorten Carared, Melanoidinmalz und Caraamber eingesetzt. Das untergärige Lager wurde nach einem Rezept der gypsy brewery in der Klosterbrauerei Neuzelle umgesetzt –  gypsy brewer ist die Bezeichnung für einen Brauer, der keine eigene Brauerei besitzt und sich freier Kapazitäten anderer Brauereien bedient, um die von ihm entwickelten Biere zu brauen. Erhältlich ist das Rotbier übrigens auch in der Reichelt-Filiale in der Müllerstraße.

Nun halten die drei Brauer den Zeitpunkt für gekommen, um einen eigenen Produktionsstandort zu betreiben.  Die neue Anlage befindet sich allerdings in Marzahn, so dass die Spezialbiere zukünftig unter dem Namen „Berliner Bierfabrik“ vermarktet werden.

„Bier kann mehr sein als Hopfen und Malz“, sagen die drei Bierexperten. Und weil sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten lässt, ist ihr Motto: schmecken muss es. Aber eben nicht jedem.

(C) beer4wedding
(C) beer4wedding

Website Berliner Bierfabrik

Erhältlich sind die Biere im Oh!Calcutta, Studio8 (Grüntaler Straße 8, Gesundbrunnen), im Bierfachhandel „Hopfen&Malz“ in der Triftstraße 57, im Pub Offside Wedding in der Jülicher Str. 4, in der WG Bar (Malplaquetstr./Nazarethkirchstr.) sowie im Absinthdepot.

Warum ist die Triftstraße so breit?

Einst eine wichtige Verkehrsader im Sprengelkiez – heute wieder für den Fahrradverkehr von Bedeutung

Das Leitbild der »verkehrsgerechten Stadt« in den 1950er und 60er Jahren und die Teilung Berlins degradierten die einstmals stolze Triftstraße zur Nebenstraße.

Ursprünglich hatte alles sehr bescheiden begonnen. Der Begriff »Trift« beschreibt die einstige Funktion der Straße: nämlich die eines Feldweges, über den das Vieh von der Weide in den Stall getrieben wurde. Immerhin war dieser Weg 1820 bereits befestigt und als solcher in den Stadtplänen verzeichnet. Eine großstädtische Bebauung ließ allerdings noch einige Jahrzehnte auf sich warten. Auf dem Gelände des späteren Virchow-Krankenhauses sorgte damals eine Abdeckerei, in der unter staatlicher Kontrolle Tierkadaver beseitigt wurden, mit ihren Talgschmelzen, Knochenmühlen, Seifensiedern und Gerbereien für erheblichen Gestank. Nach deren Umzug in die Müllerstraße 81 (am jetzigen U-Bahnhof Afrikanische Straße) wurde zwischen 1899 und 1906 das damals modernste Krankenhaus Europas aufgebaut, damit begann auch der Aufbau des Sprengelkiezes. Die ca. 35 Meter breite Triftstraße bildete über die Gericht- und Ackerstraße die Verbindung des Virchow-Krankenhauses mit dem Berliner Zentrum. Im Jahr 1925 ratterte hier alle 7 1/2 Minuten die Straßenbahnen der Linie 9 zum Weddingplatz, wo man in sieben weitere Tramlinien und eine U-Bahnlinie umsteigen konnte. Weiter ging es über Volta- und Watt- in die Bernauer Straße und dann (entsprechend des Verlaufs der heutigen M10) zur Warschauer Brücke. 1938 führten gar drei Straßenbahnlinien über den einstigen Feldweg. Da der Wohnungsbau im Ersten Weltkrieg zum Erliegen kam, blieben der größte Teil der nördlichen Seite der Triftstraße und viele Flächen der heutigen Beuth-Hochschule unbebaut. Hier entstanden in den krisengeschüttelten 1920er Jahren Kleingärten zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln.

Eine Veränderung stellte sich erst Jahrzehnte später im Kalten Krieg ein, als sich der Bahnhof Zoologischer Garten als das neue Zentrum für Westberlin herausbildete, das neu errichtete Hansaviertel erschlossen werden sollte und 1953 durch die teilweise Sperrung der U-Bahn im Ostteil der Stadt deutlich wurde, dass Westberlin eine eigene und unabhängige Verkehrsführung benötigt.

Die Stadtväter im Rathaus Schöneberg beschlossen, mit großem Aufwand eine von Steglitz über den Zoo bis zur Osloer Straße führende U-Bahnlinie »G«, die spätere U9, sowie die parallel dazu führenden Straßenzüge anzulegen.

Dabei wurde die Luxemburger Straße durch das Gelände der Laubenpieper geführt, die Schulstraße verbreitert, das Zentrum des Weddings vom Weddingplatz an den Leopoldplatz verlegt und dort später auch das Warenhaus Karstadt errichtet. So gelangten viele bedeutende Straßenzüge des Weddings quasi in den Hinterhof – auch die Triftstraße, die nun lediglich die Laderampe eines Gewerbebetriebes und das Parkhaus der Beuth-Hochschule erschließt. Aber der aufmerksame Betrachter, der heute mit dem Fahrrad entlang des mehrfach verriegelten Straßenzuges von Trift- über Gericht- und Ackerstraße bis zur Museumsinsel fährt, kann hier interessante Details der Berliner Stadtgeschichte entdecken.

Autor: Eberhard Elfert

Wichtiges Ziel in der Triftstraße 67 (Hinterhof) sind der Braukeller und der Biergarten der Hausbrauerei Eschenbräu

„Eschenbräu“: herbe Bier-Unikate

Das Bier vom Eschenbräu passt, naturtrüb und herb wie es ist, gut zum spröden Charme des Wedding. Es hat dort und auch in anderen Bezirken Berlins vor allem bei den Biertrinkern Anklang gefunden, die das Besondere schätzen.

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Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekinger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander, sowohl traditionelle Kneipen (Lindengarten, Deichgraf) als auch neuere Cafés und Restaurants (Fünfundsechzig, Auszeit). Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit vielen Jahren die Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo man im Sommer in einem schattigen Biergarten im Hinterhof sitzen kann. In den letzten Jahren wurde durch ein Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.

Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal (hier wurden Wasserflugzeuge gebaut) zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der kleine, aber feine Sprengelpark

Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung weit über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde liegt ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Moabiter Seite. Sie ist mit dem Torfstraßensteg an den Sprengelkiez angebunden. Auch Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschule drücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez mehr studentisches Einflüsse und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torfstraßensteg

Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum zu einem Wohngebiet entwickeln. Die repräsentative Gebäudegruppe zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn im Wedding eher selten gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen. Das Geschäftszentrum des immer beliebter und damit auch teurer werdenden Sprengelkiezes ist neuerdings die Tegeler Straße mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Fachgeschäften. Aber auch in die Sprengelstraße zieht es Nachtschwärmer (in das gleichnamige Musiklokal) oder in die vielen kleinen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Richtung Müllerstraße ist der Kiez stärker von sozialen Problemen geprägt, was vor etlichen Jahren auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Der namensgebende Platz ist eine langgezogene Grünanlage mit Bolz- und Spielplätzen. Genau in dieser Lage ist mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem „roten Wedding“ verbunden. Bedeutend für den ganzen Ortsteil ist auch das Jobcenter direkt gegenüber – untergebracht in einem typischen Arbeitsamtsgebäude aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefskirche an der Müllerstraße