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Neues Spiel: Schließung per Durchsuchung

Polizeieinsatz
Großeinsatz nicht nur der Polizei gegen Spielhallen. Foto: Fl

Das ist kein Glückstag für die Spielhallenbetreiber im Wedding gewesen. Eben noch klingelte es lustig in der Kasse, als es plötzlich an der Tür klingelte und Spielverderber in Uniform und in Zivil den Casinoinhabern etwas genauer auf die Finger schauen wollten. Zwischen Donnerstag, dem 2. November, 14 Uhr und Freitag, dem 3. November, 23 Uhr wurden 14 so genannte „Betriebsstätten“ in Mitte durchsucht. Die meisten davon im Wedding. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) zeigte sich zufrieden mit der Aktion. In diesem Beitrag steht, was genau geschah und unten folgt der Kommentar.

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Was kommt nach den Automaten-Casinos?

Eingang zu einem Automatencasino. Foto: Andrei Schnell.
Eingang zu einem Automatencasino. Foto: Andrei Schnell.

Aktualisiert 2017: Viele Automaten-Casinos sollen ab August 2016 schließen, weil dann das Mindestabstandsgesetz gilt. Ein Betreiber eines Casinos findet das Gesetz erwartungsgemäß ungerecht. Aber heißt das, dass sich ab August aus Sicht der Weddinger die Situation rund ums Geldspiel verbessert? Der Casino-Betreiber nutzt die Gelegenheit, seine Sicht darzustellen. Eine Sicht, die provoziert. Weiterlesen

Illegales Casino: Zwei Jahre lang Gewinn gemacht

Nicht diese Spielhalle, aber eine Spielhalle im Wedding lief ohne Genehmigung. Foto: Andrei Schnell
Nicht diese Spielhalle, aber eine Spielhalle im Wedding lief ohne Genehmigung. Foto: Andrei Schnell

Ein unbekannter Betreiber einer Spielhalle im Wedding (kann auch im Ortsteil Gesundbrunnen sein) muss rund 80.000 Euro Strafe zahlen. Grund für den Brief vom Ordnungsamt ist, dass das Automatencasino ohne Genehmigung betrieben wurde. Zwei Jahre lang konnte der Betreiber straflos seinen Geschäften nachgehen.

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Die Brunnenstraße wird zur Spielstraße

Casinos und Wettbüros auf 100 Meter Brunnenstraße.
Casinos und Wettbüros auf 100 Meter Brunnenstraße.

Die Postfiliale ist weg, das Ladengeschäft des Kopierladens steht seit kurzem leer, zwei Supermärkte haben geschlossen, die Coworking-Studios sind Geschichte. Ende Juni verlässt ein weiterer Hoffungsträger den Weddinger Teil der Brunnenstraße: das Kreativzentrum Supermarkt. Jetzt ärgern sich die Anwohner über die Eröffnung eines weiteren Wettbüros im ehemaligen Hostel am U-Bahnhof Voltastraße. Sie finden, dass es mit der Brunnenstraße immer weiter bergab geht.

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Wohnen in Vegas

Ich nenne meine Freundin jetzt Madame von Robben & Wientjes, aber nicht laut. Sie sammelt Material gegen meine Weddinger Wahlverwurzelung, irgendwelche Listen und Statistiken, die mich davon überzeugen sollen, mit ihr in den Prenzlauer Berg zu ziehen. Ein Beispiel: Unabhängige Umfragen haben ergeben, dass 99% Prozent der Weddinger nicht wissen, was ein Green Smoothie ist.
Die Umfragen hat sie natürlich selbst gemacht, vor dem Karstadt, dem H&M, was weiß ich. Käme ja auch sonst keiner auf die Idee, so eine Umfrage zu machen. Bubble Tea, danach hätte sie fragen sollen, das ist eben eine andere Art von Green Smoothie, die “Weddinger Variante”. Und grüner Tee kommt da, glaube ich, auch rein. Die alte Weisheit gilt, man darf keiner Statistik glauben, die man nicht selbst gefälscht hat.
Meine Gegenstrategie ist zur Zeit, gar nicht auf Defizite des Wedding einzugehen, sondern konsequent Vorteile herauszuarbeiten: “Dafür haben wir so viele Casinos, wie sonst nirgends. Du, wir leben im Grunde im Las Vegas Berlins, ist das nicht cool?”

Nur auf den ersten Blick ein Casino, hier wird lieber mit Worten gespielt. (Foto: M. Dicke)

„In Las Vegas will doch auch keiner wohnen. Das besucht man nur, und nicht mal das kann man vom Wedding behaupten.“
„Aber schau dir mal die Dichte an Cocktailbars an, das kann auch der Prenzlauer Berg nicht toppen. Es gibt direkt so viele, dass sie schon durchnummeriert werden müssen. Bar 3, Toleranz 5…“
„Und warum sitzt du dann nur in deiner Stammkneipe rum? Du hast mir versprochen, der Wedding wird mal cool. Aber dazu kommt es wohl eh nie, haben meine Recherchen ergeben.“
„Wie hätte ich das versprechen können, Ela? Außerdem ist uncool das neue cool, verstehst du?“
„Guck mal hier, wie viele Leute an einem durchschnittlichen Feierabend auf der Straße ein Bier in der Hand haben. Ich hab’s notiert.“
„Okay, in der Woche. Am Wochenende hat aber die Schönhauser Allee mehr Becks in der Hand als am Leo die ganze Woche geleert werden.“
„Sagst du nicht immer, Becks ist kein Bier?“
Zwischendurch rufen wir eine Waffenruhe aus und üben uns in Diplomatie. Von ihrem Plan ist sie so aber nicht abzubringen.

 

Mein Wedding: „…ist gar nicht so übel“

„Und wo wohnst du so?“ wird man ja des öfteren mal gefragt. Ich sage dann: „Ick wohne im Wedding.“ Die Palette der Reaktionen reicht von mitleidigem Blick à la Mensch-wirf-doch-dein-Leben-nicht-so-weg über „Haste da keine Angst?“ bis hin zu einem simplen, aber doch nicht ganz wertfreien „Aha.“

Lichter der Müllerstraße (Foto: K. Hagendorf)
Lichter der Müllerstraße (Foto: K. Hagendorf)

Für mich sind diese Reaktionen nicht ganz nachzuvollziehen. Der Wedding ist nämlich gar nicht so übel wie alle immer denken. Sicher, wir sprechen hier von einem der sogenannten Problembezirke, und ich würde mich vermutlich nachts auch nicht länger als nötig an der Osloer Straße aufhalten. Aber es ist gibt hier auch schöne Ecken. Hier bei mir im Brüsseler Kiez fühle ich mich zum Beispiel nicht unsicherer als überall sonst in Berlin. Klar, beim Einzug wurden die mit Kindheitserinnerungen getränkten Legosteine meiner Mitbewohnerin geklaut, als sie 10 Minuten unbeobachtet waren. Auf der anderen Seite haben sich vor der alten Wohnung in Prenzlauer Berg Leute mit Messern attackiert. Spinner gibt es eben überall.

Nachts freue ich mich sogar regelrecht auf den Nachhauseweg von der U-Bahn. Ich lege einen kurzen Zwischenstopp am Späti in der Müllerstraße für eine Cola oder ein Bier ein. Damit spüle ich die Aussagen meiner Oma nach dem Motto „Ich hab‘ in den Nachrichten gehört, im Wedding ist dies und das passiert“ weg und schlendere dann gemütlich auf der nie leeren Straße nach Hause. Ich weiß nicht, an wie vielen Casinos und Wettbüros ich dabei vorbeiziehe. Ich glaube, allein von meinem Balkon aus könnte ich fünf davon sehen. Aber das hat alles so einen Hauch von bizarrem Las Vegas-Flair. Nur eben in kleinem Stil und mit mehr Hundehaufen auf dem Gehweg. Kurz vor meinem Hauseingang grüße ich dann höflich den Dönerverkäufer von nebenan. Man kennt sich schließlich schon. Ich denke dann immer bei mir, dass der Wedding so ist, wie ich mir Berlin immer vorgestellt habe, als ich noch in Brandenburg gelebt habe. Multikulti, lebendig, bunt und irgendwie ehrlich. Den Eindruck hatte auch meine Mutter, als sie mich hier das erste Mal besucht hat. Scheint also was dran zu sein. Muttis haben ja meistens recht.

Haus Ecke Seestraße / Afrikanische Str.
Haus Ecke Seestraße / Afrikanische Str.

Es ist außerdem nicht zu bestreiten, dass sich der Wedding entwickelt. „Der Wedding kommt“, pflege ich immer zu sagen. Und das ist schön zu beobachten. Kunstmärkte, Cafés, mehrere neue Studenten-WGs in meinem Haus und nicht zuletzt ein Bio-Markt im Sprengelkiez sind untrügerische Zeichen dafür, dass die sogenannte Gentrifizierung in vollem Gange ist. Ob das nur Vorteile hat, ist natürlich fragwürdig. Wer will schon ein zweites „hipsterbepacktes“ Prenzl’Berg?

Ich für meinen Teil kann nur hoffen, dass der Wedding sich noch lange seinen Charme erhält. Und immer wenn ich auf dem Weg in die wunderschönen Rehberge die Aufschrift „Ick steh uff Wedding, dit is meen Ding“ auf dem bunten Haus an der Seestraße/Ecke Afrikanische Straße sehe, kann ich nur zustimmen und denken: „Ick bin zu Hause“.

Türkisch einkaufen vom Feinsten

Aktualisiert am 14.03.2013

Shopping de luxe für türkischstämmige Berliner

Müllerstraße Türkenstraße
Müllerstraße Türkenstraße

An der oberen Müllerstraße ist derzeit ein Verlust an alteingessenen Fachgeschäften zu beklagen. Bis zur Gesetzesnovelle im Jahr 2011 sind auch noch viele neue Automatencasinos hinzugekommen. Dass sich die Schließung der Weddinger C&A-Filiale auf das Gesamtgefüge „Geschäftsstraße Müllerstraße“ nicht unbedingt positiv auswirken dürfte, ist ebenfalls offensichtlich. Doch nicht nur Niedergang, sondern ein Wandel ist zu beobachten: Fast unbemerkt hat sich inzwischen der Bereich rund um die Kreuzung Seestraße zu einem Eldorado für Käufer entwickelt, die Qualitätswaren aus der Türkei zu schätzen wissen. Und das dürften wohl in erster Linie die Weddinger mit türkischem Migrationshintergrund sein….

Friedhof und Schillerparkcenter
Friedhof und Schillerparkcenter

Wer meint, dass es sich bei türkischen Waren nur um Döner und typische Gemüsesorten handeln kann, liegt falsch: mitten im Wedding werden inzwischen auch hohe Ansprüche an türkische Qualitätsprodukte bedient. Wer türkisch heiraten will und eine Aussteuer braucht, wird garantiert rund um das Schillerparkcenter fündig. Südlich der Ecke Müllerstraße/Seestraße kann man auch noch sehr authentisch türkisch frühstücken („Simit Evi„, Müllerstr. 147) oder zu Mittag essen (Çarik Kuruyemiş, Müllerstr. 39, gebrannte Kerne und Nüsse, Restaurant-Café). Ein Verkaufsstand des Nüsse- und Kerneladens Çarik Kuruyemiş befindet sich auch im Obergeschoss des Schillerpark-Centers.

Porzellanladen im Schillerpark-Center

Porzellanladen & Brautmoden…

Bei Imzadi Couture  in der Türkenstraße 16, der im Frühjahr 2012 neu eröffnet hat, ist es den Betreibern ein Anliegen, muslimischen Frauen und Mädchen abwechslungsreiche Kopfbedeckungen und passende Accessoires zu bieten. Nach eigener Aussage darf es, bei aller Tradition, dabei auch extravagant zugehen. Für Nicht-Muslime wirkt es auf den ersten Blick widersprüchlich, dass den Frauen dadurch ein hohes Maß an Individualität ermöglicht werden soll….

HANLI Collection - Türkische Brautmoden
HANLI Collection – Türkische Brautmoden

In der türkischen Kultur spielt die Hochzeit immer noch eine herausragende Rolle. Neben der Ausrichtung der Feierleichkeiten selbst sammeln Mädchen und junge Frauen immer noch für ihre Aussteuer – ein Brauch, der in Deutschland weitgehend ausgestorben ist. Passenderweise kann man sich im Wedding (englisch für „Hochzeit“) mit entsprechenden Gegenständen ausstatten. Fündig wird die angehende Braut mit Sicherheit beim Brautmodenladen HANLI Collection, Müllerstr. 132. An der Müllerstr. 121/Ecke Transvaalstraße gibt es mit DILEK Collection ein weiteres Brautmodengeschäft. In der Türkei sind die Keramik und das Porzellan aus Kühtahya sehr bekannt. Der Laden (ehemals Turquaz Home Collection) in der Müllerstr. 47 (Schillerpark-Center) bietet ebenfalls eine große Auswahl an original türkischen Qualitätsprodukten direkt vom Hersteller. Wem das Porzellan nicht gefällt, kann es ja bei einem deutschen Polterabend gleich wieder zerschmettern. Türkische Bettwaren und Betten sind gleich gegenüber bei Yatas Bedding, Müllerstr. 131, erhältlich. Doch man muss ja nicht nur das Haupt betten. Dass sich der türkische Möbelgeschmack unterscheidet, kann man im Möbelgeschäft EVKUR in der Ungarnstraße (ebenfalls im Schillerpark-Center)  erleben. Und das neue Einrichtungshaus MÖBELTOWN in der Turiner Straße 25 ist der Beweis, dass sich das Ganze auch an deutsche Kunden richten kann.