Brauerei Schneeeule: Verliebt in Berliner Weiße

Brauerei-Gründerin Ulrike Genz von Schneeeule
Brauerei-Gründerin Ulrike Genz

Ein Bier, das vor 150 Jahren von 200 Brauereien in Berlin gebraut und in 700 Lokalen ausgeschenkt wurde, soll es heutzutage nicht mehr geben? Kein Problem! Denn zum Glück gibt eine Weddingerin der Stadt ihre Original Berliner Weiße zurück. Das, was uns heute als Berliner Weiße mit Himbeer- oder Waldmeistersirup verkauft wird, hat von der Braumethode und dem Aroma her nämlich nichts mit dem früher so beliebten Sauerbier zu tun.

Die F-Bar

F-Bar

Die Grüntaler Straße ist wohl eine der angesagteren Straßen im östlichen Wedding. Von hier aus könnte sich dieses Gebiet nahe des Bahnhofs Gesundbrunnen, das geografisch doch so nah am Prenzlauer Berg und doch Welten von ihm entfernt ist, zu einem angesagten Ausgehviertel entwickeln. Ganz unabhängig davon, ob man sich das nun wünschen soll oder nicht, steht eines aber fest: Die Bar mit dem umgedrehten grünen F davor gibt es hier nicht erst seit gestern. Mit ihrer breiten Auswahl an Bieren und Drinks hat sie sich nicht nur bei ihren vielen Stammgästen im Kiez, sondern auch im Nachtschwärmerleben Berlins fest etabliert.

5 Getränke aus Weddinger Herstellung

Wer beim Wort „Lokal“ nur an eine Kneipe denkt, liegt in diesem Fall nicht völlig daneben. Uns geht es aber hier ausnahmsweise mal um lokal produzierte Getränke mit Wedding-Bezug. Die Bierkultur im Wedding hatte bis vor ein paar Jahren schließlich schwer zu leiden. Los ging’s mit dem noch immer nicht beendeten Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Dabei hat bei uns die Kunst der Bierherstellung doch eine echte Tradition; gab es doch von 1891 – 1982 die Hochschul-Brauerei an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in der Seestraße 13. Und nicht nur Bier kommt aus dem Wedding – auch Hochprozentiges wird hier gebrannt und Mate-Tee hergestellt….

The Castle Pub: Sláinte

Im Castle PubAktualisiert Juni 2017: Jahrelang lagen die Räumlichkeiten in der Hochstraße 2 brach. Seit September 2013 hatte sich dort nach umfangreichen Renovierungs- und Umbauarbeiten das Castle Pub eingerichtet und den Kiez um gleich mehrere dringend benötigte Facetten bereichert-  tolle Atmosphäre, akustische Live-Konzerte, Craft Beer und natürlich: Guinness. Ende April 2017 schloss der beliebte Pub und zog unter dem Namen The Castle Berlin in die Invalidenstraße 129 in Mitte.

VAGABUND Brauerei: In Ruhe reifen

Dies ist die Geschichte von drei Amerikanern Mitte dreißig, die nach Deutschland auszogen, das Bierbrauen zu lernen. Erfreut über die Güte des Bieres, aber unzufrieden ob der geringen Vielfalt, hatten sie eine kühne Idee: Den Berlinern die volle Bandbreite des Biergeschmacks zu kredenzen.

Quelle. VAGABUND Brauerei
Quelle. VAGABUND Brauerei

„Das Bier hier hat uns natürlich ganz gut geschmeckt“, sagt Tom Crozier, „aber meistens ist es eben Pils.“ Von Sortenvielfalt und Experimentierfreude keine Spur. Der Englischlehrer und seine beiden Freunde David Spengler und Matt Walthall überlegten nicht lange und fingen an, in der heimischen Küche selbst ihr Bier zu brauen – mit Brauzutaten aus den USA. „Ganz schön verrückt für Amerikaner, ausgerechnet in Deutschland eine Brauerei zu eröffnen“, sagt Tom. Doch damit zeichnen sie den Craft Beer-Trend nach, der in den USA schon vor einigen Jahren begann und langsam auch auf Berlin und den Wedding übergreift.

Warum Vagabund?

„Das will jeder wissen“, schmunzelt Tom, „dabei liegt der Name doch eigentlich auf der Hand. Ein Vagabund ist einer der loszieht, um Neues zu entdecken, ungezwungen Freundschaft zu schließen, jemand der überall daheim ist.“ Weil die Meisterbrauer (Braumeister ist sicher ein geschützter Titel im Lande des Reinheitsgebots) ihre Wanderlust etwas eingebremst haben, trifft das Vagabundentum auf sie weniger zu als auf viele ihrer Gäste. Unter dem Brauereilogo, ein für den Vagabunden stehendes Wagenrad und Hopfen an Stangen, versammelt sich im Brüsseler Kiez ein buntes Publikum. Gemeinschaft und Geselligkeit waren wohl auch die Gründe für den erfolgreichen Start der Hausbrauerei.

Den Anschub finanziert

Vagabund 3„Wir haben das Brauen vor allem in Büchern und im Internet gelernt!“ Eine gehörige Portion Stolz schwingt in Toms Stimme mit. Er weiß wohl, dass er mit diesem „Erfahrungshorizont“ bei einem Bankberater vermutlich abgeblitzt wäre. Die Finanzierung des Traums von der eigenen Gärstube musste also anders gestemmt werden. Enthusiasmus und eine Idee jenseits des Einheitsbreis waren die Erfolgszutaten für ein Crowdfunding. Innerhalb von zwei Monaten haben sie 22.000 Euro für die (technische) Einrichtung gesammelt. Die Mitglieder der „Community Supported Brewery“, die der Vagabund Brauerei die monetäre Starthilfe gaben, erhalten als Dividende für das eingesetzte Kapital Bier oder T-Shirts. Und nicht zuletzt kann jeder auch beim Bierbrauen zuschauen oder mithelfen. Es gibt schließlich eine Menge zu lernen über das Universum Bier. Die familiäre Atmosphäre, das Ausprobieren-Dürfen und das Überschaubare sind den drei Freizeitbrauern und auch ihren Unterstützern wichtig.

Mit dem Kiez verwachsen

Ein gemütlicher, großer Schankraum mit langem Holztresen ist der Treffpunkt der Community, wo man sich gut unterhalten kann, aber nicht betrinken soll. „Wir wollen den Wedding, in dem wir auch selbst wohnen, nicht verändern“, erklärt Tom. Statt das Umfeld aufzuwerten, soll ihre Mikrobrauerei lieber mit dem vorhandenen Kiez verwachsen. Schon jetzt kommen die meisten Besucher ohnehin aus dem Wedding und Gesundbrunnen. Ein Hinweisschild für die Brauerei wird der uneingeweihte Gast übrigens vergeblich suchen. Wenn Licht in der Antwerpener Straße 3 brennt und ein Vagabunden-Bündel über der Tür hängt, stehen die Chancen gut, dort ein frisch gezapftes Bier zu bekommen. Neben eigenen Gärungen haben die Bierkenner auch immer einige herausragende Biere anderer Brauereien auf der Tafel – vom  Wedding Pale Ale, über das wir früher schon einmal berichteten, bis zum dreifach vergorenen Trappistenbier aus Belgien.

Vagabund BündelErst einmal wird sich nur einer der drei Selfmade-Brauer auch hauptberuflich ums Geschäft kümmern. „Das Vagabund kann reifen, genauso wie ein gutes Bier. Natürlich wollen wir irgendwann davon leben. Aber es okay, wenn das ein paar Jahre dauert“, findet Tom. Vielleicht wächst die Handwerks-Brauerei dann einfach in einem Tempo, das der Qualität nicht abträglich ist und das Umfeld im Brüsseler Kiez nicht allzu rasant verändert.

Ein Trend mit Tradition: Es braut sich schon lange was zusammen zwischen der Müllerstraße und der Seestraße. Die Kunst der Bierherstellung hat in dieser Gegend des Wedding eine gewisse Tradition; gab es doch von 1891 – 1982 die Hochschul-Brauerei an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in der Seestraße 13. 45.000 Hektoliter wurden dort in den 1920er-Jahren gebraut! Heute setzen neue Braumeister eher auf Klasse statt auf Masse. Seit 2001 beweist das „Eschenbräu“ in der Triftstraße, wieviel Aroma in ungefiltertem Bier steckt – zu Recht ist die Hausbrauerei mit der Apfelsaftpresse und der Whiskybrennerei schon lange kein Geheimtipp mehr. Wer wissen will, was sich aus den wenigen Grundzutaten von Bier so alles zusammenbrauen lässt, der ist im Spezialgeschäft Hopfen & Malz, gleich um die Ecke vom Eschenbräu, in der Triftstraße 54, gut aufgehoben.

Website

Antwerpener Str. 3, 13353 Berlin

täglich geöffnet ab 17.00 Uhr, Sa/So ab 13.00 Uhr

„ResOtto“: Bier und Suppe

Seit kurzem gibt es eine neue Adresse im Wedding, die man sich merken sollte. Nachdem das Lokal die letzten Jahre leer stand, gibt es jetzt im „Resotto“ Bier und Suppe in gemütlicher Runde.

Rese + OttoRese und Otto haben sich Ihren Traum verwirklicht und die letzten drei Monate auf der Baustelle verbracht. Die alten Räumlichkeiten des „Calypso“ hatten eine Komplett-Überholung nötig. Fast täglich waren sie auf der Baustelle und haben abgerissen, aufgebaut, geschliffen, geschraubt und renoviert. Es gab zum Glück zahlreiche Helfer, die gerne mit angefasst haben, mit Kaffee und Kuchen vorbeigekommen sind oder anderweitig ihre Unterstützung angeboten haben.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen! Der Barraum bietet Platz für 15 bis 20 Gäste, die gemütlich an den Tischen oder in der Sofa- und Sesselecke Platz nehmen können. Im hinteren Bereich befindet sich ein kleines Spielzimmer für Groß und Klein.

Für Suppenkasper

ResottoAn den Wänden hängen Bilder. Die Ausstellung wechselt. Wer was zu zeigen hat, möge sich dort bitte direkt melden!

Täglich gibt es zwei Tagessuppen, von denen eine vegetarisch oder manchmal auch vegan ist. Gekocht wird selbst und zwar mit dem Gemüse der Saison. Wem eine Portion nicht ausreicht, der kann sich Nachschlag holen und zahlt je weitere Kelle einen Euro.

Auch draußen entspannen

Resotto aussen 2Aus der Flasche gibt es verschiedene Erfrischungsgetränke und eine gute Auswahl an Bieren. Im Glas werden unter anderem Säfte, Sekt und Longdrinks serviert. Zum Wachwerden gibt es Espresso und Kaffee. Über die Bar geht aber nicht nur Flüssiges, am Sonntag gab es sogar Kuchen!

Im Sommer lassen sich die Sonnenstrahlen auch auf den Außenplätzen genießen. Hier haben nochmal so viele Gäste Platz wie innen.

Wer seine Suppe lieber zu Hause auslöffelt, kann auch mit einem Teller vorbeikommen.

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Autorin/Fotos: Ramona Gamradt

Resotto Suppe Ramona GamradtResOtto

Sprengelstraße 12

Mo-Do ab 13.30 Uhr, Fr, Sa, So ab 10.00 Uhr mit Frühstücksangebot

 

Weddingwoche #4: Hopfen und Malz noch nicht verloren

Die Weddingwoche ist eine wöchentliche Kolumne über aktuelle Ereignisse in unserem Stadtteil. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Die Bierkultur im Wedding hatte in letzter Zeit schwer zu leiden. Los ging’s mit dem Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Das Pilsator für 60 Cent beim Spätkauf war eine schlechte Alternative. Zwar war es konkurrenzlos im Preis, aber nicht gerade ein Fördermittel für gesellige Runden. Einzig das Eschenbräu im Sprengelkiez stach positiv heraus aus dieser Bier-Tristesse. Nun wollen ein paar Jungs im Wedding dem Gerstensaft zu frischer Ehre verhelfen, wie auch schon an dieser Stelle berichtet. Hinter Beer4Wedding stehen drei Studenten der Brauerei- und Getränketechnologie an der TU Berlin. Technisch sind sie also gut beschlagen. Mit ihren ungewöhnlichen Bier-Kreationen wollen sie neue, individuelle Wege gehen und damit geschmacklich ein neues Zeitalter einläuten, fernab von bierernster Traditionspflege. Die erste Kreation, das Wedding Pale Ale, ist ein stark gehopftes Bier englischer Tradition, verfeinert mit Reis. Für das neueste Projekt, ein Bier mit zarter Austern-Note, haben sie gerade einen Preis beim Hamburger Bierwettbewerb gewonnen. Im frechen Werbespruch „Ich habe immer gesagt: Sozialismus, das heißt Austern für alle“ schwingt viel Bedeutung mit: Der Rote Wedding, die französische Prägung des Viertels samt Vorliebe für exquisites Meeresgetier und nicht zuletzt der Ruf der neuen Kreativszene nach außergewöhnlichen Schöpfungen. Global denken, lokal brauen wollen die Bier-Enthusiasten und so bauen sie den Hopfen für ihren Gerstensaft auch gleich selbst auf dem Balkon an. Es bleibt ihnen zu wünschen, dass sie Starthelfer einer neuen Bierkultur werden. Schon der Geselligkeit zuliebe.

Autor: Marcus Bauer

http://www.abendblatt-berlin.de/no_cache/ausgaben/?tx_pdfarchiv_pi1[disId]=21

Wer mehr über Beer4Wedding erfahren will, wird hier fündig.