1999 schnitt ein fünfjähriger Junge eine rote Schleife in der Malplaquetstraße durch. Der Beginn einer langen Ära. Denn als der neue Kiosk eröffnete, traf er den Nerv der Nachbarschaft: Genau zwischen Grundschule und Kinderladen gelegen, versorgten sich die kleinen Weddinger aus dem Kiez hier fortan mit Wassereis und Süßkram. Und irgendwie fasste der Name des Kioskes, „Bonbonwasser“, das alles auf geniale Weise zusammen.


Der Fünfjährige von damals ist längst ein junger Mann, sein Name ist Habib. Den Kinderladen in der Amsterdamer Straße und später die Rübezahl-Grundschule besuchte er gemeinsam mit den Kindern des Betreiberpaars des Kiosks. „Das war für mich wie Familie“, sagt Habib. So kam es auch, dass er bei der Eröffnung in der ersten Reihe stand.
Wie viel Zeit hat er später in dem kleinen Laden verbracht, sogar ab und zu mal etwas mitgehen lassen – die Betreiberin Nermin und ihr damaliger Mann drückten beide Augen zu.
Wie auch immer, der Laden war ein wichtiger Kindheitsort für Habib – und jetzt seine Zukunft: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich den einmal übernehme.“

Und doch ist es so gekommen: Der 31-Jährige hat im Dezember das „Bonbonwasser“ wieder eröffnet. Diesmal allerdings als angesagter Späti, und das heißt: viel LED-Licht, eine Auswahl an Vapes, viele Sorten Bier und auch ein Sortiment an lebensnotwendigen Dingen. Seiner Nachbarschaft ist der gelernte Fleischermeister Habib immer treu geblieben und kennt daher den Kiez wie seine Westentasche. „Ich weiß also auch, was hier gut läuft – aber auch, was in der Gegend fehlt“, sagt Habib. Ein richtig moderner Späti zum Beispiel.

Es gibt nichts Schöneres für mich, als im Sommer auf der Bierbank zu sitzen und mit meinen Mädels zu quatschen.
Neila
Für Kundin Neila gehört der Besuch eines Spätis ganz normal zu ihrem Alltag, und zwar zu jeder Tageszeit. „Morgens versorge ich mich hier erst mal mit ein paar Lebensmitteln“, sagt die Weddingerin.
Und abends? Kneipen und Bars sind für sie viel zu teuer und bei weitem nicht so ungezwungen wie ein Späti. Es gibt nichts Schöneres für sie, als im Sommer auf der Bierbank zu sitzen und mit „ihren Mädels“ zu quatschen. „Dafür brauche ich vor allem Capri Sonne!“, erzählt sie und lacht. Dass es im Bonbonwasser ihr Lieblingsgetränk und Durstlöscher in der Zero-Variante gibt, findet sie als Sportbegeisterte besonders gut.


Ich warte auf den Sommer.
Habib
Ganz in der Nähe des Bonbonwasser stehen Tischtennisplatten, die im Sommer ständig umlagert sind. Habib verspricht sich davon, den Hunger und den Durst der Freizeitspieler:innen zu stillen. Wenn es warm ist, werden Bierbänke vor dem Laden stehen. Auch der kleine dreieckige Platz gegenüber ist als Sitzgelegenheit gut geeignet. Da Habib sich als Fleischermeister gut auskennt, kann er sich auch vorstellen, im Sommer einmal frisch Gegrilltes anzubieten – alles aus Kalbfleisch mag er ganz besonders.


Wer das Bonbonwasser bisher schon kannte, wird dort alles Gewohnte wieder finden. Dazu kommen aber auch ungewöhnliche Lebensmittel. „Ich liebe es, Einkaufs-Apps zu checken und originelle Produkte aus dem Handel zu beschaffen“, sagt Habib. Er versucht auch, Schnäppchen zu machen und den Preisvorteil an die Kunden weiterzureichen. So gibt es ungewöhnlich kleine Colaflaschen aus den USA, besondere Softdrinks aus Asien und Varianten bekannter Getränke, die man im normalen Supermarkt nicht kaufen kann. Auch die Auswahl an Chips ist beachtlich – darunter natürlich die unvermeidlichen scharfen Takis, aber auch Snacks mit den Namen bekannter Rapper: Als ein Weddinger, der auf dieser Straße groß geworden ist, weiß Habib natürlich ganz genau, was seine jungen Kund:innen toll finden.

Neila mag besonders die grellen Lichter, mit denen das neue Bonbonwasser schon von weitem wirbt: „Davor machen die Leute Selfies und posten das dann als Insta-Story“, weiß sie zu berichten. Die stylisch beleuchtete Decke, die vielen Leuchttafeln und das originelle Sortiment taugen eben genauso als Fotomotiv wie die gesprayten Motive über den Regalen. Quietscheentchen und der Name HABIB sind dort zu sehen.


Ich habe erlebt, wie der Kiez sich verändert hat.
Habib


Doch das eigentliche Highlight verrät uns Habib erst nach einiger Zeit. „Ich möchte nicht nur den besten Späti im Wedding haben“, sagt er. Er ist auch der einzige, der 24 Stunden und sieben Tage in der Woche geöffnet hat. Mit zwei Angestellten will er das schaffen. Videoüberwachung und Einbruchschutz sollen ebenfalls dabei helfen, weniger gut besuchte Zeiten abzusichern.


Habib zeigt das alles mit Stolz – die Graffitis über den Regalen, die Getränke, die es woanders nicht gibt – und die bunten Lichter, die die Malplaquetstraße die ganze Nacht über zum Leuchten bringen.
Und dann leuchten seine Augen, ein bisschen so, wie es vielleicht war, als er als Kind im Bonbonwasser stand und die bunte Warenwelt bestaunte.
Fotos: Andaras Hahn
Bonbonwasser, Malplaquetstr. 27, 24 Stunden geöffnet



Wünsche alles Gute und viel Erfolg. Werde bald vorbeischauen und was kühles zu trinken.
24/7?
Ich werde es testen 😉
Sind zwar ein paar Meter bis dorthin, aber ein Fußmarsch bis zum Bier ist ja auch nicht verkehrt.
Nun, ich bin gespannt wie lange er die 24/7 stemmen wird. Dass die Öffnungszeiten der anderen Spätis nach Corona teils deutlich zurück gegangen sind, hat ja seinen Grund. Aber vielleicht ist das ja genau die Marktlücke. Ich drücke Habib, den ich am Eröfffnungstag kennen gelernt habe jedenfalls viel Erfolg.