Unser Zuhause: vom Speckgürtel in die Mitte

Wenn man lan­ge an einem Ort lebt, emp­fin­det man die­sen irgend­wann ganz selbst­ver­ständ­lich als Hei­mat. Den Wed­ding kön­nen nur die weni­ge sei­ner Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner als Geburts­ort ange­ben, die­ser Stadt­teil ist schon immer ein Ort der Ein­wan­de­rung und des Tran­sits gewe­sen. Wie­der ande­re Ber­li­ner sind hier auch nur gebo­ren, weil sich vie­le Kran­ken­häu­ser im Wed­ding befin­den, und haben nie im Stadt­teil gewohnt. Der Zuge­zo­ge­nen­at­las 2016 weist für den Wed­ding aus, dass über die Hälf­te sei­ner Bewoh­ner nicht in Ber­lin gebo­ren ist – nur rund um den Schil­ler­park lag die Quo­te der Ur-Ber­li­ner etwas höher. So ver­wun­dert es nicht, dass auch die meis­ten der Redak­ti­ons­mit­glie­der beim Wed­ding­wei­ser nicht aus der Regi­on Ber­lin-Bran­den­burg stam­men. In unse­rer Serie berich­ten wir von unse­ren Her­kunfts­or­ten  – und war­um wir in unse­rem Stadt­teil Wur­zeln geschla­gen haben. Heu­te: Der lan­ge Weg vom Speck­gür­tel in den Wedding

 

So habt ihr den Wedding noch nicht gesehen

Eines kann man direkt zu Beginn sagen: Mark Rau­ten­berg ist das, was man eine “Tun­nel­rat­te” nennt. Der 35-Jäh­ri­ge sagt selbst, dass er der­zeit bis auf weni­ge Tage aus­schließ­lich im Ber­li­ner Unter­grund unter­wegs ist, um sei­ne Fotos zu machen. Mark foto­gra­fiert seit 2012, ange­fan­gen hat er mit Ber­lin-von-oben-Fotos und erreg­te schnell Auf­merk­sam­keit, weil er die Stadt in zu der Zeit noch kaum gese­he­nen Win­keln zeigte.

Magendoktor

Meine 11 Stunden im Magendoktor

Der Magen­dok­tor am Net­tel­beck­platz ist so etwas wie die Schnee­ku­gel unse­rer Gesell­schaft. Es wirkt, als hät­te man sich wahl­los Men­schen aus allen Berei­chen des Lebens geschnappt, dort hin plat­ziert und geschüt­telt. Am Ende, wenn sich die Nacht in den Mor­gen ver­ab­schie­det und alle Bewe­gun­gen lang­sa­mer wer­den, löst sich die­ser Quer­schnitt der Gesell­schaft lang­sam, aber nie voll­stän­dig, in alle Him­mels­rich­tun­gen wie­der auf.
Jeden Tag – 24 Stun­den nonstop.

Großes Dorf Wedding

Schwedenhaus in der Gartenarbeitsschule Wedding
Im SUZ Mit­te an der Scharnweberstraße

Der Wed­ding ist ein Umschlag­platz für vie­les – auch für vie­le Neu-Ber­li­ner. Für vie­le ist unser Stadt­teil tra­di­tio­nell erst eimal nur ein Ort des Ankom­mens, oft nur für eine Über­gangs­zeit, bis man sich beruf­lich und fami­li­är eta­bliert und ein end­gül­ti­ges Zuhau­se in einem ande­ren Teil Ber­lins gefun­den hat. Man muss nur ein­mal das Buch „Wed­ding“ von Horst Evers lesen. Neben den vie­len Neu-Wed­din­gern, die aus allen mög­li­chen Tei­len der Welt zu uns migriert sind, ist unser Stadt­teil oft auch ein Ein­gangs­tor für Zuge­zo­ge­ne aus ande­ren Tei­len Deutsch­lands. Wenn sie sich hier dau­er­haft nie­der­las­sen (und immer mehr tun das aus frei­en Stü­cken), wis­sen sie um die Vor­tei­le des Lebens im Wed­ding. Und mer­ken spä­ter: Die Kieze sind auch nur vie­le gro­ße Dörfer.

Ma Towu: Die Geschichte jüdischen Lebens im Wedding, 1900–1938

Jüdi­sches Kran­ken­haus – Verwaltungsgebäude

Vie­le Wege füh­ren in den Wed­ding. Einer geht über die Put­litz­brü­cke am West­ha­fen, wo das expres­si­ve Mahn­mal des Künst­lers Volk­mar Haa­se an die mehr als 32.000 jüdi­schen Bür­ger erin­nert, die von hier ab 1942 depor­tiert wur­den. Zehn Jah­re zuvor wohn­ten rund 3.500 Juden im Wed­ding. Wo fand jüdi­sches Leben im Wed­ding von 1900 bis 1938 statt? Fol­gen Sie mit mir den Spu­ren jüdi­schen Lebens durch den Wed­ding und Gesundbrunnen.

10 Corona-Lehren im Wedding

Iso­la­ti­on in der Rehberge

Auch bei uns im Wed­ding bestimmt Coro­na der­zeit das öffent­li­che und pri­va­te Leben. Da gesell­schaft­li­che Kri­sen aber immer auch mit Chan­cen ein­her­ge­hen, habe ich das Mehr an “Zeit für sich selbst” genutzt, um nach­zu­den­ken. Über mich, mein Leben und den Wed­ding. Das Ergeb­nis mei­ner Reflek­ti­on: 10 Din­ge, die ich ins­ge­heim viel­leicht wuss­te, die aber die­ser gesell­schaft­li­chen Kri­se bedurf­ten, um auch end­lich mal aus­ge­spro­chen zu werden.

Schlüsseldienst vs. Nachbarschaft: Was wirklich hilft, wenn man sich ausschließt

Symbolbild Türschloss Rot: Wenn man sich ausschließt
© Til­man Vogler

Stell dir vor, du schließt dich aus. Im Grun­de erge­ben sich drei Mög­lich­kei­ten. Eine kann schnell sehr teu­er wer­den, die zwei­te nützt über­haupt nichts und die drit­te kos­tet etwas Über­win­dung. Was wür­dest du tun?

Wie ich es am Ende geschafft habe, den Schlüs­sel­dienst und das Heu­lend-auf-den-Boden-schmei­ßen zu umge­hen und nach eini­gen Stun­den wie­der in mei­ne eige­nen vier Wän­de ein­keh­ren konnte.

Weddinger Balkon-Szenen: eine Miniserie (Sicherlich.)

Aus­blick ver­pflich­tet: ein Bal­kon, der einen Park über­blickt, zwei rote Klapp­stüh­le und ganz viel Zeit. Grund genug, das Gesche­hen zu doku­men­tie­ren. Denn es gibt immer noch viel zu sehen.

Lang­sam gehen die Anste­ckun­gen zurück, ein Ende der Kon­takt­sper­re ist in Aus­sicht und Hefe ist auch schon wie­der im Super­markt­re­gal. Gar­niert mit Son­ne, viel Selbst­ge­mach­tem und der rich­ti­gen Play­list kommt so durch­aus gute Lau­ne auf den Balkontisch.