Bruno aus dem Brunnenviertel sagt: Halt!

bruno2Im Brunnenviertel gibt es nun einen Superhelden. Bruno, ein grasgrüner Frosch mit rotem Umhang schaut von Aufklebern auf Hauswänden und Laternenmasten die Kiezbewohner an. Selbstbewusst präsentiert er sein Viertel als hipsterfreie Zone oder als entspannten Multikulti-Kiez. Bruno aus dem Brunnenviertel wurde von Studenten der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in der Ackerstraße als Maskottchen für den Stadtteil erdacht. Mit Bruno sind in den vergangenen Wochen weitere grafische Elemente im Viertel aufgetaucht.

Das Kaninchenfeld: Langohren zum Nachdenken

Während nach und nach die Büros im überdimensionalen BND-Gebäude bezogen werden, ahnt kaum jemand, dass nur wenige Meter davon noch ganz andere die Ohren spitzen. Das Kunstwerk „Kaninchenfeld“ der Künstlerin Karla Sachse hat seit seiner Installation 1999 viel mitgemacht. Aber wer genau hinschaut, kann sie noch entdecken, die goldenen Langohren der Chausseestraße.

Street Yogis: Kleine Glücksbringer

Sie sind klein, bestehen aus Bambus und Kork, sind leicht zu übersehen und doch ein Stück Kunst auf den Straßen Berlins: winzige Street-Yogis, die auf zahlreichen Straßenschildern herumturnen. Unsere Kollegen aus dem benachbarten Pankower Florakiez haben sich einmal umgeschaut, wer hinter diesen kleinen Figuren steckt, die man auch im Wedding finden kann…

Installiert hat sie Josef Foos, der die Street-Yogi-Idee in Berlin verbreitet hat. 2011 begann er, angeregt durch einen Tagesspiegel-Artikel über eine ähnliche Aktion des Londonder Künstlers Slinkachu, im Schatten der Nacht an Straßenschildern hochzuklettern, um seine Männchen zu installieren. Seit 1976 lebt Foos in Berlin und vor den Street-Yogis war er noch nicht künstlerisch in Aktion getreten. Mehr als 1000 hat er bis jetzt angebracht, so dass es langsam schwierig für ihn wird, den Überblick zu behalten, welchen er selbst und wie positioniert hat. Sollten die Pankower Street-Yogis doch von jemand anderen angebracht worden sein, es wäre keine Überraschung für ihn. Die meisten seiner Werke, schätzt Foos, sind schon abgefallen, andere geklaut, viele stehen jedoch noch und bereiten ihren Entdeckern einen kurzen Moment der Freude.
Trotz seines Engagements möchte Foos nicht als einziger Herr über die Street-Yogis gelten. „Es ist ein offenes Projekt,“ so der 57-jährige, „an dem jeder mitmachen kann.“ Solang er sich nur dazu verpflichtet, kein Eigentum zu zerstören. So dokumentiert Foos seine Yogis wie die anderer Künstler auf seiner Webseite, die meisten Männchen finden sich in in Kreuzberg und Neukölln. Das für die Schilder zuständige Grünflächenamt hat sich noch nicht bei ihm gemeldet, und Foos hofft, dass es auch so bleibt.

Quelle: florakiez.de

Und warum Yogis und nicht etwa andere Sportarten? „Yoga ist einfach meins“, sagt Foos, der Yoga nicht nur betreibt, sondern auch unterrichtet. Die Männchen in die verschiedenen Positionen zu bringen und dann auf die Schilder anzubringen, für ihn ist das kein Problem. Doch dienen die Männchen nicht als Vorlage für eine spontane Übung, wie mitunter angenommen, sondern sind ganz ausschließlich dem Zweck gewidmet, Freude zu bringen.

Inzwischen produziert Foos seine Yogis in Farbe, kürzlich hat er einen Drachenkämpfer-Yogi als Geschenk für einen Jungen geklebt, der auf diese Wesen abfährt. Außerdem ist Foos schon auf neue Ideen gekommen, er klebt nun Birnen-förmige Figuren und bemalte Collagen an Berliner Hauswände.

Autor: Natalie Tenberg

Nachdruck in leicht gekürzter Fassung mit freundlicher Genehmigung von florakiez.de, dem Nachrichtenportal rund um die Florastraße in Pankow

Street Art: Open-Air-Galerie an der Panke

Open-Air-Galerie bei der Wiesenburg

An der Panke gegenüber der romantischen Wiesenburg trafen sich am 6. Juni 2013 internationale Graffiti-Künstler und erschufen Street Art der Extraklasse. Schon vor ihnen kamen Sprayer hierher und gestalteten diesen Pankeabschnitt im Gesundbrunnen zu etwas Besonderem. Jeder, der schon mal hier vorbeifuhr, machte Bekanntschaft mit dem Riesenkarnickel. Im dahinterliegenden Gebäude entsteht gerade eine neue Galerie, so dass sich heute Sprayer und Maurer die Spühdose bzw. Maurerkelle in die Hand gaben. Warum zur East Side Gallery reisen, wenn das Gute liegt so nah?

Text und Bilder: Juliane Orsenne

ABGERISSEN: Stattbad Wedding: in Kunst schwimmen

Die Umkleide wird zum SitzungssaalLudwig Hoffmann entwarf das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße nahe am Nettelbeckplatz. Vom einstigen Glanz blieb nach Kriegszerstörungen wenig; 2001 wurde das sanierungsbedürftige Bad stillgelegt. Doch der Dornröschenschlaf ist vorbei: statt Chlor und Wasser gibt es nun an diesem exponierten Standort Kunst.

Ein leeres Schwimmbecken ist schon ein sonderbarer Anblick. Was man sonst nur tastend mit den Zehen oder tauchend erahnen kann, ist hier freigelegt: eine große abschüssige Fläche, die an einer hohen Wand endet. Die Einstiege am Beckenrand sind nun die Leitern, über die man den Boden des Beckens erreicht, auf dem sich nun alles abspielt. Wer denkt bei Sofas und Liegestühlen auf dem Grund eines Schwimmbads nicht sofort an Octopussy’s Garden … ?

Kein Wunder, ist das im Jahr 2001 stillgelegte Stadtbad Wedding seit 2009 beliebte Location für – im Wortsinn – schräge Partys. Doch auch Künstler entdecken den ungewöhnlichen Ort zunehmend als Rahmen für ihre Projekte. Bei Tag sorgen die großen Fensterflächen des Raumes für eine großartige Lichtsituation in der Halle, was zusammen mit der Großzügigkeit des Raums eine ideale Präsentation bildender Kunst ermöglicht. „Wir hatten schon einige internationale Kunstkritiker hier. Die waren alle sehr angetan“, sagt Jochen Küpper von der Firma KD, der in seiner Funktion als kultureller Organisator durch das Gebäude führte.
Die Eintrittskarten bitte!

Unter dem Namen Stattbad Wedding versuchen er und seine Mitstreiter schon seit 2009 erfolgreich, das ausgediente Hallenbad als Kulturstandort zu etablieren. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Kino – Ideen und Visionen sind zuhauf vorhanden und zum Teil auch schon erfolgreich umgesetzt worden. Auf der großen Terrasse könnte sich ein Café ansiedeln, dahinter könnte möglicherweise ein Grundstück angekauft werden, das als Spielplatz oder Skulpturenpark bespielt werden könnte. „Kunst an der Wand haben wir hier ja schon. Auch eine Form von Street Art, allerdings nicht ganz die, die wir hier gerne hätten“, mein Küpper und deutet von der Terrasse aus auf die Graffiti an der Außenwand.

Der Chlorgeruch ist verschwunden, doch ansonsten verströmt das Gebäude noch überall den abgerissenen Charme eines ausgedienten öffentlichen Hallenbades. Hinweisschilder, Schließfächer, das Kassenhäuschen und nichts als Fliesen überall … Auf die Bemerkung einer Besucherin, ob dieser Zustand nicht gerade das Spannende an der Sache sei, meint Küpper: „Wir möchten schon vieles lassen, wie es ist. Das Ziel ist aber ein höherwertiger Standard.“ Von der geplanten Sanierung und dem Umbau werden wohl auch die schiefen Böden der Becken betroffen sein, die bisher leider nicht so viele Nutzungsmöglichkeiten erlauben, wie sie den Gestaltern dieser Räume vorschweben. Man darf gespannt sein, welche Wandlungen dem alten Bad noch bevorstehen.

Autorin: Jutta Schierholz

Nach Plänen von Ludwig

An der Straße befand sich ein drei- bis viergeschossiges Vorderhaus, das in roten Ziegeln ausgeführt und mit Sandsteinschmuck versehen war. In diesem Gebäude befanden sich die Kassenhalle und die Bäderabteilung mit 77 Wannen- und Brausebädern. Das Vorderhaus wurde im II. Weltkrieg zerstört und 1966 durch einen Neubau ersetzt, in dem sich heute Café, Verwaltung und ein Solarent-Bräunungsstudio befinden. Die rückwärtig gelegenen Trakte enthalten zwei räumlich getrennte Schwimmbecken. Becken I, ursprünglich nur für Männer gedacht, mißt 25 m x 10 m, Becken II, ursprünglich für Frauen, hat die Maße 19,80 m x 8,50 m (Quelle: www.luise-berlin.de)

Stattbad Wedding - SchwimmbeckenMehr zum Thema:

Nach Schließung und Abriss des Stadtbades im Jahr 2016