Makkabi im Stadtbad Wedding: Der internationale jüdische Schwimmwettkampf von 1935

Im Februar 1935 war das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße ein viel beachteter Austragungsort des jüdischen Schwimmsports. Es fand das internationale Makkabi-Schwimmfest statt und es sei die erste „internationale jüdische Schwimmsportveranstaltung in Deutschland“, so eine Vorankündigung in der Jüdischen Rundschau am 22. Februar 1935.

Unnützes Wedding-Wissen Teil 5

In dieser Serie erfahrt ihr Dinge, mit denen ihr beim Small-Talk über den Wedding  glänzen könnt; Funfacts, die beweisen, dass ihr vom Wedding mehr wisst als das Gerücht, er sei wieder mal „im Kommen“. Eine kleine Auswahl schräger Infos, die man nicht zum Überleben braucht. Diesmal mit Lesetipps für das lesenswerte Wedding-Portal in der Wikipedia.

Im Wedding wächst ein Baumhaus!

In der Gerichtstraße 23 – direkt gegenüber dem Stadtbad Wedding – soll in einem ehemaligen Atelierraum ein Baumhaus entstehen. Geplant ist ein Treffpunkt für die Nachbarschaft, ein Ort des kreativen Austauschs und der Kunst, an dem neue Ideen heranreifen können. An einem wolkenverhangenen Dienstagnachmittag mache ich mich auf, die beiden Köpfe hinter dieser Idee zu treffen.

Auf dem Weg zu dem Treffen gehe ich die Pankstraße hinunter. Nachdem ich an der Cocktailbar »Daydreams« vorbei bin, biege ich in an einem Automatencasino in die Gerichtstraße ein, die an solchen Tagen nicht unbedingt zum Träumen einlädt. Umso erstaunlicher klingen die Ideen von Karen Wohlert und Scott Bolden. In einem 140 m² großen Raum im ehemaligen Lebenshaus Mitte wollen sie ein Baumhaus errichten. Ich treffe die beiden in ihrer WG, die oberhalb des Raumes liegt, in dem schon Ende diesen Jahres die Arbeiten beginnen sollen. Es war die große Säule, die inmitten des Atelierraums in die Höhe ragt, die den amerikanischen Designer und Ingenieur Scott Bolden auf die Idee brachte, um diese Betonsäule herum ein Baumhaus entstehen zu lassen.

Geplant ist ein Kiez-Treffpunkt, der Platz für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen bietet und gleichzeitig Ausgangspunkt für neue Kunstprojekte und lokale Initiativen sein soll. Für die Anwohner aus dem Viertel wird mit dem Baumhaus ein Raum für Nachbarschafts- und Elterntreffen entstehen. Darüber hinaus ist ein Cafébetrieb vorgesehen, um die laufenden Kosten stemmen zu können. Schon jetzt, während der Planung, sagt die Politikstudentin Wohlert, rege das Projekt immer mehr Menschen dazu an, sich Gedanken zu machen, wie sie sich einbringen und für ihr Viertel engagieren könnten. Es ginge vor allem darum, neue Ansätze zu entwickeln, wie man das Leben in der Stadt seinen Bedüfnissen entsprechend positiv gestalten und mitgestalten kann.

Organische Formen und die Liebe zum Detail

Isaac Abrams
Der New Yorker Künstler Isaac Abrams gestaltet die Fenster für das Baumhaus (Foto: Ingo Scharmann)

Bolden ist Mitte 40, wirkt aber sehr viel jünger, als er auf der WG-Couch mit lebhaften Gesten davon spricht, es ginge bei dem Projekt vor allem darum, Menschen zusammen zu bringen. Dieses Zusammenbringen fängt nicht erst mit der Eröffnung des Raumes an, sondern bereits bei der Planung und beim Bau des Projekts. Die Entstehung des Baumhauses verstehen Wohlert und Bolden als einen gemeinschaftlichen, kreativen Prozess, von dem sich die beiden wünschen, dass möglichst viele Menschen an ihm teilnehmen. Bereits jetzt sind zahlreiche Künstler in das Projekt involviert, insgesamt, sagt Karen Wohlert, sind es über 40 Personen, die sich aktiv beteiligen. Einen von ihnen treffe ich in einem hinteren Zimmer der WG. Gerade aus New York angekommen, sitzt dort der Künstler Issac Abrams, den Wohlert und Bolden für die Gestaltung der Fenster gewinnen konnten. Geduldig schneidet er die filigranen, organischen Muster aus den Fensterschablonen und sagt, Erfolg mit kreativen Ideen zu haben sei nicht leicht, aber auch nicht wirklich schwer, wenn man nur genug Wert auf die Details lege. Noch sind längst nicht alle Details für den Bau geplant. Was bisher nur durch Grafiken veranschaulicht wird, so Bolden, könne in seinen Einzelheiten am Ende auch ganz anders aussehen, abhängig davon, wie sich andere mit ihren Vorstellungen in den Enstehungsprozess einbringen. Die Arbeiten von Issac Abrams seien dabei gleichsam die DNA des Baumhauses. Laut Bolden geben sie lediglich eine grobe Richtung vor. Andere Künstler können sich davon inspirieren lassen und daran anknüpfen. So lassen sich die organischen Formen Abrams‘ sehr gut als ein Symbol für das prozesshafte Wachstum des Baumhauses begreifen.

 

Gaudí und Avatar zum Anfassen

Wenn der Raum fertig ist, erklärt Bolden, wird er an die Arbeiten von Antoni Gaudí erinnern und an Filme wie »Herr der Ringe« oder »Avatar«. Während ich einen Schluck meines Kaffees trinke, denke ich an die Behausungen der Ewoks in »Rückkehr der Jedi-Ritter« und versuche mir vorzustellen, wie es wohl sein wird, an einem grauen Tag wie diesem von der Straße kommend solch einen fantasievollen Raum zu betreten. »Das Baumhaus wird wird nicht wie ein Kunstwerk in einem Museum sein«, fährt Bolden fort, »wo die Leute vereinzelt davorstehen und nichts anfassen dürfen.« Stattdessen möchte er den sozialen Aspekt der Kunst betonen: Er möchte gemeinsam mit anderen einen Ort der Begegnung schaffen, an dem man sich wohlfühlt, wo man Kunst anfassen kann und von ihr zu neuen Ideen anregt wird.

Doch bis jetzt ist das Baumhaus selbst nur eine Idee, die tatkräftige Unterstützung benötigt. Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen, und dafür ist nicht einmal eine Ausbildung als Baumkletterer erforderlich: So kann auf der Crowdfunding-Website startnext.de noch bis zum 11. November für das Projekt gespendet werden. Auch Sachspenden in Form von nachhaltigen Baumaterialien sind willkommen, so möchte zum Beispiel eine Berliner Firma ökologische Farben für die Gestaltung des Raumes bereitstellen. Aktuell gesucht werden noch Elektriker, Web-Programmierer und helfende Hände, die beim Bau mit anpacken möchten. Infos darüber, wie man helfen kann, findet man auch auf der Website des Baumhauses. Kurz bevor ich aufbreche, zeigt Bolden auf eine Kiste voller Flyer, und sagt, sie bräuchten natürlich auch Leute »to spread the word«. Am besten also ihr nehmt den beiden einige Flyer ab, oder tragt die gute Nachricht einfach so weiter: Im Wedding wird ein Baumhaus gebaut!

Autor: Ingo Scharmann

Weblinks:
Projekt-Website
Das Baumhaus auf Facebook
Building das Baumhaus auf startnext.de

ABGERISSEN: Stattbad Wedding: in Kunst schwimmen

Die Umkleide wird zum SitzungssaalLudwig Hoffmann entwarf das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße nahe am Nettelbeckplatz. Vom einstigen Glanz blieb nach Kriegszerstörungen wenig; 2001 wurde das sanierungsbedürftige Bad stillgelegt. Doch der Dornröschenschlaf ist vorbei: statt Chlor und Wasser gibt es nun an diesem exponierten Standort Kunst.

Ein leeres Schwimmbecken ist schon ein sonderbarer Anblick. Was man sonst nur tastend mit den Zehen oder tauchend erahnen kann, ist hier freigelegt: eine große abschüssige Fläche, die an einer hohen Wand endet. Die Einstiege am Beckenrand sind nun die Leitern, über die man den Boden des Beckens erreicht, auf dem sich nun alles abspielt. Wer denkt bei Sofas und Liegestühlen auf dem Grund eines Schwimmbads nicht sofort an Octopussy’s Garden … ?

Kein Wunder, ist das im Jahr 2001 stillgelegte Stadtbad Wedding seit 2009 beliebte Location für – im Wortsinn – schräge Partys. Doch auch Künstler entdecken den ungewöhnlichen Ort zunehmend als Rahmen für ihre Projekte. Bei Tag sorgen die großen Fensterflächen des Raumes für eine großartige Lichtsituation in der Halle, was zusammen mit der Großzügigkeit des Raums eine ideale Präsentation bildender Kunst ermöglicht. „Wir hatten schon einige internationale Kunstkritiker hier. Die waren alle sehr angetan“, sagt Jochen Küpper von der Firma KD, der in seiner Funktion als kultureller Organisator durch das Gebäude führte.
Die Eintrittskarten bitte!

Unter dem Namen Stattbad Wedding versuchen er und seine Mitstreiter schon seit 2009 erfolgreich, das ausgediente Hallenbad als Kulturstandort zu etablieren. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Kino – Ideen und Visionen sind zuhauf vorhanden und zum Teil auch schon erfolgreich umgesetzt worden. Auf der großen Terrasse könnte sich ein Café ansiedeln, dahinter könnte möglicherweise ein Grundstück angekauft werden, das als Spielplatz oder Skulpturenpark bespielt werden könnte. „Kunst an der Wand haben wir hier ja schon. Auch eine Form von Street Art, allerdings nicht ganz die, die wir hier gerne hätten“, mein Küpper und deutet von der Terrasse aus auf die Graffiti an der Außenwand.

Der Chlorgeruch ist verschwunden, doch ansonsten verströmt das Gebäude noch überall den abgerissenen Charme eines ausgedienten öffentlichen Hallenbades. Hinweisschilder, Schließfächer, das Kassenhäuschen und nichts als Fliesen überall … Auf die Bemerkung einer Besucherin, ob dieser Zustand nicht gerade das Spannende an der Sache sei, meint Küpper: „Wir möchten schon vieles lassen, wie es ist. Das Ziel ist aber ein höherwertiger Standard.“ Von der geplanten Sanierung und dem Umbau werden wohl auch die schiefen Böden der Becken betroffen sein, die bisher leider nicht so viele Nutzungsmöglichkeiten erlauben, wie sie den Gestaltern dieser Räume vorschweben. Man darf gespannt sein, welche Wandlungen dem alten Bad noch bevorstehen.

Autorin: Jutta Schierholz

Nach Plänen von Ludwig

An der Straße befand sich ein drei- bis viergeschossiges Vorderhaus, das in roten Ziegeln ausgeführt und mit Sandsteinschmuck versehen war. In diesem Gebäude befanden sich die Kassenhalle und die Bäderabteilung mit 77 Wannen- und Brausebädern. Das Vorderhaus wurde im II. Weltkrieg zerstört und 1966 durch einen Neubau ersetzt, in dem sich heute Café, Verwaltung und ein Solarent-Bräunungsstudio befinden. Die rückwärtig gelegenen Trakte enthalten zwei räumlich getrennte Schwimmbecken. Becken I, ursprünglich nur für Männer gedacht, mißt 25 m x 10 m, Becken II, ursprünglich für Frauen, hat die Maße 19,80 m x 8,50 m (Quelle: www.luise-berlin.de)

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Nach Schließung und Abriss des Stadtbades im Jahr 2016