Kommentar: Die Ersten könnten die Letzten sein

Graffiti an Hauswand
Graffiti an Hauswand

Wir sind der viertcoolste Bezirk der Welt! Der Wedding ist plötzlich „offiziell“ cool, sehenswert und die Mieten sind auch noch richtig günstig. Zumindest sagt das die englische Zeitschrift Time Out. Viele Jahrzehnte lang galt der Spruch „Der Wedding kommt“ als Witz, aber nun haben wir es endlich schwarz auf weiß.

Kommentar: Baugesetz kein Ersatz für Mietenpolitik

Umgezogen
Wenn der Umzug zur Drohung wird. Foto: AndreiSchnell

Woran liegt es, dass die Politik sich eifrig bemüht, dem Wunsch der Wähler nach gedämpften Mieten nachzukommen und diese einfach keine Bremswirkung wahrnehmen? Nicht wenige Menschen glauben, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie nicht nur ihren Kiez, sondern die überhaupt die Berliner Innenstadt verlassen müssen. Die Vorstellung, einmal umziehen zu müssen, wirkt auf sie wie eine Bedrohung. Die Politik tut ihr Bestes, doch die Menschen sind enttäuscht. Das liegt daran, dass die Menschen wieder politische Entscheidungen erwarten. Nur haben die Politiker, groß geworden in den Jahren der Sparsamkeit, noch nicht erkannt, dass politische Enthaltsamkeit nicht mehr das ist, was Schlimmeres verhindert.

AmMa65: Es kommt nicht zum Vorkauf

Amma65
Das Amma65 in der Amsterdamer Straße Ecke Malplaquetstraße. Foto: Toni Karge

Stadtrat Ephraim Gothe (SPD), zuständig für Stadtentwicklung in Mitte, freut sich: „Im Bezirk Mitte ist es nunmehr erstmals gelungen, eine Abwendungsvereinbarung mit einem Käufer abzuschließen.“ So schreibt es der Stadtrat stolz auf der offiziellen Webseite des Bezirksamt am 19. Januar. Kritisch dagegen beurteilt die Hausgemeinschaft AmMa65 die neueste Entwicklung: „Langfristiger Schutz von Wohnraum bedeutet für uns etwas anderes.“ Es geht um das Miethaus in Malplaquetstraße 25 Ecke Amsterdamer Straße 14. Die Mähren AG (Werbespruch: Wir kaufen Miethäuser) hatte das Haus 2017 gekauft. Der Bezirk Mitte hatte daraufhin sein Vorkaufsrecht ins Spiel gebracht.

Neue Vermieter. Neue Methoden. Was ist los im Brunnenviertel?

Mietverhältnis: eine Tür, die sich nicht mehr bewegen lässt. - Foto: Andrei Schnell.
Mietverhältnis: eine Tür, die sich nicht mehr bewegen lässt. – Foto: Andrei Schnell.

Mieter im Brunnenviertel, die einen Verwalterwechsel von der Degewo auf die Universa hinter sich haben, klagen seit längerem hinter vorgehaltener Hand. Nun haben sich einige Mieter an den Weddingweiser gewandt, um ihre Erfahrungen mit der Hausverwaltung Universa öffentlich zu machen. Was passiert, wenn die privaten Eigentümer die Regie übernehmen, darüber berichten Mieter zumindest auf dem Weddingweiser erstmals.

Profi-Fußballer und Politiker haben was gemeinsam

Senator Andreas Geisel (SPD) während einer Wahlkampfveranstaltung. Foto Andrei Schnell.
Senator Andreas Geisel (SPD) während einer Wahlkampfveranstaltung. Foto Andrei Schnell.

Andreas Geisel, der Senator für Stadtentwicklung, kam am 14. Juli ins Brunnenviertel. Maja Lasić, die Direktkandidatin der SPD im Wahlkreis 7 (Brunnenviertel und Sprengelkiez) hatte eingeladen zur Wahlkampfveranstaltung: „Bezahlbares Wohnen im Brunnenviertel. Für alle.“ Ein guter Anlass, um zu beobachten, was es heißt, ein Politiker zu sein. Dabei fällt auf, dass die beiden Berufe, der des Politikers und der eines Profi-Fußballers, ein paar Dinge teilen.

Bauen, bauen, bauen im Brunnenviertel

Richtfest Gleimstraße Ecke Graunstraße - Foto: Andrei Schnell
Richtfest Gleimstraße Ecke Graunstraße. Foto: Andrei Schnell

Die Neubaukarte des Weddingweisers zeigt: Innerhalb der Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen wird vor allem im Kiez Brunnenviertel gebaut. Das erste Richtfest im Viertel fand nun statt. 108 Wohnungen hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo  in der Graun- Ecke Gleimstraße im Rohbau fertig. Es sind vor allem kleinere Wohnungen.

Gegen den Ausverkauf der Stadt: „Mietrebellen“

KiezKuchen_TerasseAm Montag, den 8. Juni zeigt die Bezirksaktivengruppe Wedding der Berliner Mietergemeinschaft e.V. den Dokumentarfilm „Mietrebellen„. In den letzten Jahren hat sich die Hauptstadt rasant verändert. Wohnungen, die lange als unattraktiv galten, werden von Anlegern als sichere Geldanlagen genutzt. Massenhafte Umwandlungen in Eigentumswohnungen und Mietsteigerungen in bisher unbekanntem Ausmaß werden alltäglich. Die sichtbaren Mieterproteste in der schillernden Metropole Berlin sind eine Reaktion auf die zunehmend mangelhafte Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum.

Der Film ist ein Kaleidoskop der Mieterkämpfe in Berlin gegen die Verdrängung aus den nachbarschaftlichen Lebenszusammenhängen. Eine Besetzung des Berliner Rathauses, das Camp am Kottbusser Tor, der organisierte Widerstand gegen Zwangsräumungen und der Kampf von Rentnern um ihre altersgerechten Wohnungen und eine Freizeitstätte symbolisieren den neuen Aufbruch der urbanen Protestbewegung.

Auch der Wedding ist akut von der Verdrängung durch Modernisierung, Umwandlung in Eigentumswohnungen und rasant steigende Mieten bedroht. Die Bezirksaktivengruppe wird daher nach der Vorführung kurz ihre Arbeit im Bezirk vorstellen. Darüber hinaus ist einer der beiden Filmemacher Matthias Coers anwesend, um mit ihnen über den Film sprechen zu können.

8. Juni

19.00 Uhr

Haus der Jugend, Reinickendorfer Str. 55, U Nauener Platz