Kolumne: Atze mal wieder vor dem Aus

Atze MusiktheaterNun ist der geneigte Weddinger noch immer ein wenig stolz darauf, dass die anderswo gepflegte staatlich alimentierte Hochkultur hier bislang nur kleine Kringel, aber sonst einen ziemlich Bogen ums Areal schlägt. Das mag gentrifizierungstechnisch von Vorteil sein, verursacht dabei aber um so mehr Wellenschlag, wenn selbst das Wenige an subventionierter Kunst und Kultur den Bach runter geht. So wie beim Musiktheater Atze.

Wie geht es weiter mit der Weddinger Kinderfarm?

Weddinger KinderfarmBereits am 3. September 2015 hat der Jugendhilfeausschuss entschieden: Es geht weiter für den so genannten Minitierpark auf der Luxemburger Straße und zwar mit einem neuen Träger. Als Sieger nebst drei weiteren Bewerbern ging der Verein „Kunterbunter Bauernhof Wedding“ hervor. Das wird besonders die zwei jüngsten Zugänge der Kinderfarm erfreuen. Erst im Juni bezogen die beiden Ferkel Peggy und Mini ihr neues Quartier im Sprengelkiez. Ist mit der Entscheidung des Jugendhilfeausschusses der Betrieb der Kinderfarm aber wirklich gesichert? Oder müssen sich nicht nur die beiden Ferkel Sorgen um die Zukunft machen?

„Pamfilya“: Selbsternannte Döner-Experten

Pamfilya

Wenn es um Berlins Fast-Food Nummer Eins, den Döner Kebap, geht, werden ansonsten friedfertige Mitmenschen schnell dogmatisch. Dieser Döner, und nur dieser, darf es sein. Das Pamfilya, schon seit 1996 an dieser Stelle, gibt in Sachen Döner den Takt am Leopoldplatz und an der Luxemburger Straße an. Geschäftsführer F. Arslan schreibt auf seiner Website, dass der Drehspieß hier eine ganz besondere Rolle spielt: „Für unseren Döner verwende ich, als einer der Ersten und in Anlehnung an das Original, reines Fleisch, das in dünnen Scheiben zuerst mariniert, dann in konischer Form aufeinander geschichtet wird. Dabei fiel die Wahl bewusst auf das magere Kalbfleisch, das sowohl mit den Beilagen, Saucen und den verschiedenen Brotarten harmonisiert.“

Na, da ist es dann wohl kein Wunder, dass das Pamfilya bei vielen Grillfans eine ganz besondere Stellung einnimmt – vom „besten Döner Berlins“ wird bisweilen gesprochen. Auch muss man sagen, dass sich das Ambiente des Restaurants, das sich eben nicht als Imbiss begreift und sehr viele kalte und warme türkische (Grill)Spezialitäten anbietet, wohltuend von so mancher Döner-Verkaufsstelle im Wedding abhebt. Das macht sich auch beim Preis bemerkbar. Ob er es wert ist, muss am Ende natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Luxemburger Str. 1

Website

 

Kinderfarm Wedding/TELUX-Spielplatz: Runde Jubiläen zu feiern!

Seit 1983 leistet die Weddinger Kinderfarm einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben im Quartier rund um den Sparrplatz. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Einrichtung zu einer beliebten Anlaufstelle für Familien aus dem Kiez entwickelt: Hier können Kinder und Jugendliche unter Anleitung den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren erlernen.

Derzeit leben auf dem kleinen Bauernhof, der sich an der Ecke Tegeler- / Luxemburger Straße und damit in einem kulturell durchmischten „sozialen Brennpunkt“ befindet, Ponys, Ziegen, Schafe, Meerschweinchen, Enten, Hühner und Gänse. Sogenannte „Pflegekinder“ sind täglich zwischen 10 und 18 Uhr für die Versorgung der tierischen Bewohner der Farm verantwortlich. Auch gemeinsames Gärtnern, Ponyreiten, Basteln und viele Spiele stehen täglich auf dem Programm der sozialen Einrichtung. Darüber hinaus sind in den Vormittagsstunden angemeldete Kindergartengruppen und Schulklassen gern gesehene Gäste.

Ein weiteres Highlight für alle kleinen Quartiersbewohner ist ein Besuch des benachbarten TELUX-Abenteuerspielplatzes. Hier können die Kinder Töpfern oder das Werken mit Holz erlernen, eigene Hütten bauen oder an wilden Fußball- und Tischtennis-Partien teilnehmen. Bei Regen steht das angeschlossene Kindercafé allen großen und kleinen Besuchern des Abenteuerspielplatzes offen.

Sie möchten sich genauer über die Arbeit der beiden Einrichtungen informieren oder gemeinsam mit ihren Kindern einfach mal die Tiere der Kinderfarm streicheln? Am 17. August feiern der TELUX-Abenteuerspielplatz und die Weddinger Kinderfarm 40. bzw. 30. Jubiläum. Auf dem Programm stehen unter anderem Tiershows, die Vorführung eines Kinderzirkus, Clowns, Tanz und Musik. Für die Verpflegung ist natürlich ebenfalls gesorgt. Alle Stammgäste und neue Gesichter sind zu dem geselligen Sommerfest herzlich eingeladen.

Text: Eve-Catherine Trieba, QIEZ.de

Detailliertes Programm:

Außergewöhnliche Angebote und Überraschungen u. a.: „Der schwebende Ritter“, Hoppetossebau, Pippis Zöpfe flechten, Riesenjenga, Ritt auf dem „Großen Onkel“, „Fang‘ Herrn Nilsson“, Bungy running, Sommersprossen schminken, „Such‘ Pippis Schatz“, in Pippis Küche Sinne schärfen, Kistenklettern bis zum Fall.

Für große und kleine Glückwünsche ist die Zeit zwischen 15:00 und 15:30 Uhr vorgesehen. Gegen 16.00 Uhr wird der Kinderzirkus Pannini – der größte Zirkus mit den kleinsten Pannen – für einen der Höhepunkte des Festes sorgen. Kinder haben mit viel Einfallsreichtum eine Zirkusvorstellung eingeübt und brennen darauf, allen zu zeigen was sie können. Gute Stimmung garantiert die Band „Dr. Haircut“.

Für das leibliche Wohl wird traditionsgemäß im Café „Zum lachenden Wildschwein“ gesorgt.

TELUX/Kinderfarm

Luxemburger Straße 25 Ecke Tegeler Straße 28a

Samstag 17. August, 14.00 – 19.00 Uhr

Warum ist die Triftstraße so breit?

Einst eine wichtige Verkehrsader im Sprengelkiez – heute wieder für den Fahrradverkehr von Bedeutung

Das Leitbild der »verkehrsgerechten Stadt« in den 1950er und 60er Jahren und die Teilung Berlins degradierten die einstmals stolze Triftstraße zur Nebenstraße.

Ursprünglich hatte alles sehr bescheiden begonnen. Der Begriff »Trift« beschreibt die einstige Funktion der Straße: nämlich die eines Feldweges, über den das Vieh von der Weide in den Stall getrieben wurde. Immerhin war dieser Weg 1820 bereits befestigt und als solcher in den Stadtplänen verzeichnet. Eine großstädtische Bebauung ließ allerdings noch einige Jahrzehnte auf sich warten. Auf dem Gelände des späteren Virchow-Krankenhauses sorgte damals eine Abdeckerei, in der unter staatlicher Kontrolle Tierkadaver beseitigt wurden, mit ihren Talgschmelzen, Knochenmühlen, Seifensiedern und Gerbereien für erheblichen Gestank. Nach deren Umzug in die Müllerstraße 81 (am jetzigen U-Bahnhof Afrikanische Straße) wurde zwischen 1899 und 1906 das damals modernste Krankenhaus Europas aufgebaut, damit begann auch der Aufbau des Sprengelkiezes. Die ca. 35 Meter breite Triftstraße bildete über die Gericht- und Ackerstraße die Verbindung des Virchow-Krankenhauses mit dem Berliner Zentrum. Im Jahr 1925 ratterte hier alle 7 1/2 Minuten die Straßenbahnen der Linie 9 zum Weddingplatz, wo man in sieben weitere Tramlinien und eine U-Bahnlinie umsteigen konnte. Weiter ging es über Volta- und Watt- in die Bernauer Straße und dann (entsprechend des Verlaufs der heutigen M10) zur Warschauer Brücke. 1938 führten gar drei Straßenbahnlinien über den einstigen Feldweg. Da der Wohnungsbau im Ersten Weltkrieg zum Erliegen kam, blieben der größte Teil der nördlichen Seite der Triftstraße und viele Flächen der heutigen Beuth-Hochschule unbebaut. Hier entstanden in den krisengeschüttelten 1920er Jahren Kleingärten zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln.

Eine Veränderung stellte sich erst Jahrzehnte später im Kalten Krieg ein, als sich der Bahnhof Zoologischer Garten als das neue Zentrum für Westberlin herausbildete, das neu errichtete Hansaviertel erschlossen werden sollte und 1953 durch die teilweise Sperrung der U-Bahn im Ostteil der Stadt deutlich wurde, dass Westberlin eine eigene und unabhängige Verkehrsführung benötigt.

Die Stadtväter im Rathaus Schöneberg beschlossen, mit großem Aufwand eine von Steglitz über den Zoo bis zur Osloer Straße führende U-Bahnlinie »G«, die spätere U9, sowie die parallel dazu führenden Straßenzüge anzulegen.

Dabei wurde die Luxemburger Straße durch das Gelände der Laubenpieper geführt, die Schulstraße verbreitert, das Zentrum des Weddings vom Weddingplatz an den Leopoldplatz verlegt und dort später auch das Warenhaus Karstadt errichtet. So gelangten viele bedeutende Straßenzüge des Weddings quasi in den Hinterhof – auch die Triftstraße, die nun lediglich die Laderampe eines Gewerbebetriebes und das Parkhaus der Beuth-Hochschule erschließt. Aber der aufmerksame Betrachter, der heute mit dem Fahrrad entlang des mehrfach verriegelten Straßenzuges von Trift- über Gericht- und Ackerstraße bis zur Museumsinsel fährt, kann hier interessante Details der Berliner Stadtgeschichte entdecken.

Autor: Eberhard Elfert

Wichtiges Ziel in der Triftstraße 67 (Hinterhof) sind der Braukeller und der Biergarten der Hausbrauerei Eschenbräu