Großes Dorf Wedding

Schwedenhaus in der Gartenarbeitsschule Wedding
Im SUZ Mit­te an der Scharnweberstraße

Der Wed­ding ist ein Umschlag­platz für vie­les – auch für vie­le Neu-Ber­li­ner. Für vie­le ist unser Stadt­teil tra­di­tio­nell erst eimal nur ein Ort des Ankom­mens, oft nur für eine Über­gangs­zeit, bis man sich beruf­lich und fami­li­är eta­bliert und ein end­gül­ti­ges Zuhau­se in einem ande­ren Teil Ber­lins gefun­den hat. Man muss nur ein­mal das Buch „Wed­ding“ von Horst Evers lesen. Neben den vie­len Neu-Wed­din­gern, die aus allen mög­li­chen Tei­len der Welt zu uns migriert sind, ist unser Stadt­teil oft auch ein Ein­gangs­tor für Zuge­zo­ge­ne aus ande­ren Tei­len Deutsch­lands. Wenn sie sich hier dau­er­haft nie­der­las­sen (und immer mehr tun das aus frei­en Stü­cken), wis­sen sie um die Vor­tei­le des Lebens im Wed­ding. Und mer­ken spä­ter: Die Kieze sind auch nur vie­le gro­ße Dörfer.

WWW – das Wichtigste der Woche im Wedding

Fan­gen wir mit einem Aus­fall an. Im Gesund­brun­nen sind am Mon­tag rund 1000 Haus­hal­te ohne Strom gewe­sen, auch die S‑Bahn-Sta­ti­on Wollank­stra­ße. Nach zwei Stun­den waren aber alle Spiel­au­to­ma­ten wie­der am Netz, kein Ver­gleich zum 30-Stun­den-Strom­aus­fall in Köpe­nick. Trotz­dem dürf­ten die Kiez­be­woh­ner ziem­lich gela­den gewe­sen sein. Und sonst? 

Frühling im Garten an der Panke

Im Garten von Christine Nitzsche in der Kolonie Panke. Foto: Christine NitzscheAn jedem Sams­tag geht es in die­sem Som­mer um Gar­ten­pro­jek­te, grü­ne Oasen, Parks und blü­hen­de Ecken im Wed­ding. Heu­te schau­en wir mal wie­der im Gar­ten von Chris­ti­ne vor­bei. Seit 20 Jah­ren ackert und erholt sie sich in der Kolo­nie Pan­ke. Sie schreibt uns, was bei ihr gera­de zu tun ist und was gera­de wun­der­schön blüht.

Ein kleiner Garten an der Panke

Idylle in der Kolonie Panke. Foto: Christine Nitzsche
Idyl­le in der Kolo­nie Pan­ke. Foto: Chris­ti­ne Nitzsche

Auch ein klei­ner Gar­ten macht Arbeit – aber vor allem viel Freu­de. Im Som­mer gibt es selbst gezo­ge­ne Toma­ten, die Blu­men schnup­pern gut und ein Besuch ist immer wie ein klei­ner Urlaub. Chris­ti­ne hat seit vie­len Jah­ren einen Klein­gar­ten in der Kolo­nie Pan­ke im Sol­di­ner Kiez. Im Kiez­ma­ga­zin Sol­di­ner und auf dem Wed­ding­wei­ser erzählt sie davon.

Togo bald keine “Kolonie” mehr

Ber­lin kann von sich behaup­ten, 925 Klein­gar­ten­an­la­gen mit mehr als 73.000 Par­zel­len¹ zu besit­zen. Wenn eine Klein­gar­ten­ko­lo­nie Geburts­tag fei­ert, ist das nichts Beson­de­res. Doch wenn der “Dau­er­klein­gar­ten­ver­ein Togo” sein 75 . Jubi­lä­um fei­ert, ist das für den Bezirks­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke ein Grund, den Klein­gärt­nern einen Besuch abzu­stat­ten. Wenn auch nicht der Hauptgrund…

Wie lange dauert es noch mit der “Dauerkolonie Togo”?

Die Dauerkolonie Togo wurde "wild" umbenannt

Sie wir­ken befremd­lich, aus der Zeit gera­ten und füh­ren immer wie­der zu Nach­fra­gen: die wei­ßen Tafeln mit der Auf­schrift „Dau­er­ko­lo­nie Togo e.V.“. Für die afri­ka­ni­sche Com­mu­ni­ty Ber­lins sowie eini­ge Initia­ti­ven ist der Text sogar eine unhalt­ba­re Pro­vo­ka­ti­on. Mit einem offe­nen Brief for­dert der Ver­ein Ber­lin Post­ko­lo­ni­al e.V. daher nun Bezirks­bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Hanke auf, die Schil­der ent­fer­nen zu lassen.

GESCHLOSSEN: Eisenwaren Mehler: Nicht nur für Nostalgiker, sondern auch für Praktiker

„Gehen Sie doch zu Eisen-Karl“, so warb frü­her eine Bau­markt­ket­te (die mit den drei Buch­sta­ben). Nur dass es eben wegen sol­cher Bau­märk­te den Eisen­wa­ren­händ­ler an der Ecke gar nicht mehr gibt. Gar nicht mehr? Stimmt nicht, denn an der Ota­wi­stra­ße 13/ Ecke Lüde­ritz­str. hat ein beson­ders schö­nes Exem­plar über­lebt: Otto Mehl­er. „Wir sind bil­li­ger als der Bau­markt, der mit 20 % Rabatt wirbt“, sagt Inha­be­rin Yvonne Hanusch, wäh­rend sie gedul­dig in einem dicken Kata­log nach einem sehr spe­zi­el­len Arti­kel sucht, nach dem sich ein 9jähriger Jun­ge erkun­digt. Gera­de jetzt, wo der Prak­ti­ker-Bau­markt weni­ge hun­dert Meter wei­ter sei­ne Pfor­ten für immer schließt, ist man doch froh über einen sol­chen Laden…

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Aber so hat man beim War­ten genü­gend Zeit, den Blick schwei­fen zu las­sen: wun­der­schö­ne alte brau­ne Holz­schub­fä­cher, aus denen sich Schrau­ben und Nägel noch ein­zeln erwer­ben las­sen, zie­ren die hin­te­re Wand des Eck­la­dens. Die sind noch aus der Zeit um die Jahr­hun­dert­wen­de und dut­zen­de Male über­malt wor­den. Und was es sonst noch alles gibt: Geschirr und Haus­halts­wa­ren, Klein­elek­tro­ge­rä­te, alles für den Gar­ten und natür­lich auch Far­ben und Lacke. Wie ein Relikt aus der gar nicht so lan­ge zurück­lie­gen­den Ver­gan­gen­heit hat die­ser Laden sei­ne Nische bewahrt.  Allein vom Ver­kauf ein­zel­ner Schrau­ben kann der Laden heu­te kei­nen Pro­fit mehr abwer­fen, statt des­sen betrei­ben die Besit­zer noch einen Groß­han­del. Das min­dert nicht die Freu­de an die­sem wun­der­bar kra­mi­gen alt­mo­di­schen Geschäft mit einer Bera­tungs­ga­ran­tie. Dafür lohnt sich selbst eine wei­te Anreise!

Für die Zeit­schrift “Ecke Mül­ler­stra­ße” hat sich Chris­tof Schaf­fel­der im Früh­jahr mit der Inha­be­rin Yvonne Hanisch unterhalten:

“In die­sem Jahr fei­ern wir 120jähriges Jubi­lä­um. Im Jahr 1893 grün­de­te Otto Mehl­er die Eisen­wa­ren­hand­lung, ursprüng­lich in Schö­ne­berg am Win­ter­feldt­platz. Mein Vater hat sie spä­ter über­nom­men. In den 80er Jah­ren wur­de die Gegend, in der zuvor vie­le Haus­be­set­zer und Punks wohn­ten, luxus­sa­niert. Wir woll­ten die hohen Mie­ten aber nicht zah­len und haben dann den Laden hier in der Ota­wi­stra­ße gefun­den. Der hat­te auch den Vor­teil, dass hier Klein­gär­ten in der Nähe sind, wir ver­kau­fen ja auch Gar­ten­ge­rä­te, vor allem jetzt im Früh­ling. Außer­dem füh­ren wir auch Haus­halts­ge­rä­te, im Win­ter gehen Schnee­räum­ge­rä­te, Schlit­ten und Ofen­zu­be­hör gut.

Ich über­nahm dann im Janu­ar 1996 den Laden von mei­nem Vater. Da muss­te ich erst mal ein paar Mona­te hier im Laden blei­ben und ler­nen. Ich woll­te nicht auf den Bau­stel­len aus­lie­fern und wir­ken wie Püp­pi, die von nichts eine Ahnung hat und nicht mal weiß, wie die Werk­zeu­ge rich­tig hei­ßen. Inzwi­schen lie­fe­re ich aber sehr ger­ne aus. Damals lief das Geschäft aber noch bes­ser als jetzt. Wir lie­fern ja auch an Bau­stel­len und an Kun­den aus dem Hand­werk, an Haus­ver­wal­tun­gen und Behör­den, etc. In der Bau­bran­che sind die Zei­ten inzwi­schen deut­lich här­ter gewor­den: lau­ter Sub­un­ter­neh­mer von Sub­un­ter­neh­mern. Eini­ge unse­rer bes­ten Kun­den aus die­sem Bereich sind in die Insol­venz gegan­gen oder wur­den auf­ge­kauft und anschlie­ßend abge­wi­ckelt. Die per­sön­li­chen Kon­tak­te las­sen sich dann nicht wie­der so ein­fach herstellen.

Aber bekannt sind wir nach wie vor: »Fahr zu Mehl­er, da kriegs­te alles!« Den Tipp, so hat es mir gera­de ein Kun­de erzählt, hat er von einem alten Polier bekom­men. »Mehl­er, unse­re letz­te Ret­tung!« – auch sol­che Sprü­che hören wir öfter. Wir haben tat­säch­lich vie­les vor­rä­tig und wenn nicht, dann kön­nen wir es besor­gen. Und auch preis­lich kön­nen wir mit­hal­ten, wir wer­den ja bei unse­ren Lie­fe­ran­ten als lang­jäh­ri­ge gute Kun­den geführt und bekom­men des­halb ordent­li­che Rabat­te. Nicht nur bei Klein­tei­len sind wir oft sogar deut­lich bil­li­ger als die Bau­märk­te. Wir ver­kau­fen Klein­tei­le ja auch ein­zeln und zudem schla­gen die Bau­märk­te oft auch rich­tig unver­schäm­te Gewinn­span­nen auf.

In Ber­lin gibt es nur noch sehr weni­ge Eisen­wa­ren­hand­lun­gen wie unse­re, im Nor­den weit und breit über­haupt kei­ne ande­re. Auf Mes­sen wie bei­spiels­wei­se von unse­rem Ein­kaufs­ver­band haben die Ber­li­ner frü­her immer gleich einen gan­zen Tisch gebil­det – heu­te bin ich da allein. Stei­gen­de Mie­ten, feh­len­de Nach­fol­ger im Geschäft, die Kon­kur­renz durch die Bau­märk­te: Die meis­ten haben inzwi­schen auf­ge­ge­ben. Ich glau­be aber, dass sich die Zei­ten wie­der ändern und der Fach­han­del wie­der eine Chan­ce bekommt. Wir kön­nen ja nicht nur fach­lich gut bera­ten, was das Inter­net eben nicht kann. Son­dern wir haben auch Ange­bo­te, die sonst kaum noch einer macht: So kann man bei uns auch Mes­ser und Werk­zeu­ge schlei­fen las­sen. Das machen nicht wir, son­dern ein Schlei­fer­meis­ter, der sie bei uns abholt und geschlif­fen wie­der zurück­bringt. Die sind dann wie­der wie neu!

auf­ge­zeich­net von Chris­tof Schaffelder,

erschie­nen in der “Ecke Mül­ler­stra­ße” April/Mai 2013

Eisen­wa­ren Mehler

Ota­wi­stra­ße 13 Ecke Lüderitzstraße

Mo-Fr 9–18 Uhr

Sa 9–13 Uhr

Tel. 030/  451 50 56

Rehberge und Plötzensee: Rudern inmitten Weddings grüner Lunge

Auf Sand gebaut

(C) Linn Asmuß
© Linn Asmuß

Das heu­ti­ge Park­ge­län­de ist Teil des frü­her aus­ge­dehn­ten Wald­ge­bie­tes Jung­fern­hei­de. Die sprich­wört­li­che mär­ki­sche Streu­sand­büch­se präg­te das Land­schafts­bild auf dem Gebiet des heu­ti­gen Volks­parks Reh­ber­ge und des Goe­the­parks in beson­de­rer Wei­se. Denn in der spä­ten Eis­zeit abge­la­ger­ter Flug­sand hat­te sich dort zu gan­zen Sand­dü­nen for­miert. Dar­auf wuch­sen zum Teil Kie­fern und Eichen, doch spä­tes­tens nach­dem die­se nach dem ers­ten Welt­krieg von der frie­ren­den Bevöl­ke­rung abge­holzt wur­den, lag die Sand­flä­che kom­plett frei. Der Sand beein­träch­tig­te die benach­bar­ten Wohn­ge­bie­te erheb­lich – er war allen­falls als Scheu­er­sand zu gebrau­chen. “Der Volks­aus­druck Ber­li­ner Schnee, womit das Trei­ben des Flug­san­des gemeint ist, schreibt sich von den Reh­ber­gen her”, schrieb der Stadt­rat Ernst Frie­del im Jahr 1899. Es muss­te also etwas mit die­ser Flä­che geschehen.…