GESCHLOSSEN Viel Flair beim Flohmarkt am Pankeufer

Foto: Flohmarkt am Pankeufer

Da, wo früher einmal ein Heilbad an der Gesundbrunnenquelle war, ist heute sonntags wieder Entspannung angesagt. Für viele ist Bummeln nämlich sehr erholsam, vor allem, wenn es rechts und links des Wegs an Ständen Kleidung, Trödel und Schnickschnack zu entdecken gibt. Der sonntägliche Flohmarkt am Pankeufer hat sich auf dem Hof vor der Bibliothek am Luisenbad und auf der Travemünder Straße bis zur Badstraßenbrücke angesiedelt – eine entspannte Atmosphäre ist dort garantiert. Saisonstart ist im April, der letzte Markt findet Ende September statt.

Kiez-Shirts: Trag den Wedding herum

(C) Johnnyspapablog.de
(C) Johnnyspapablog.de

„Eddi“ steht auf meinem T-Shirt. Was ist denn das für eine Marke, fragt mich die 21-jährige Praktikantin auf Arbeit. Gar keine, sage ich, denn ich trage ein offenes Hemd über dem T-Shirt. Ach, Edding, ja das kenne ich, sagt sie, als sie genauer hinsieht. Das ist doch der wasserfeste Stift. Es sei ihr verziehen, dass sie nicht sofort auf Wedding gekommen ist, schließlich ist sie nicht aus Berlin. Wie auch immer: Die Kiez-T-Shirt-Serie der Firma Ampelmann widmet den wichtigsten Berliner Stadtteilen eine spezifische Variante, vorne einen passenden Schriftzug und hinten ein kiezbezogenes Ampelmannmotiv.

Die Kolumne: Herbstliche Atmosphäre

Ein Markt für Menschen, die wenig Geld haben

NettelbeckplatzAm 11. Oktober steigt wieder einmal auf dem Nettelbeckplatz ein „Goldnetz Sozialmarkt“. Hier können Menschen mit geringem Einkommen (gegen Vorlage eines entsprechenden Bescheids) gespendete und von Langzeitarbeitslosen aufgearbeitete Kleidung, Technik oder Accessoires für wenig Geld erstehen. Das Ganze steht unter dem launigen Motto „Goldener Oktober“ und verspricht ein kostenfreies Rahmenprogramm „in herbstlicher Atmosphäre“.  Ist schon großartig, wie hier prekäre Lebensumstände, also Armut und soziale Not, zum Anlass für ein herbstbuntes Event genommen werden, das gar erst nicht das unangenehme Gefühl aufkommen lassen will, dass hier Menschen einkaufen, die sonst vielleicht im Müll wühlen würden.

Nichts gegen die Veranstalter, die mit ihren Sozialmärkten in Wedding oder Reinickendorf bestimmt nur Gutes tun wollen. Viel besser würde mir allerdings gefallen, diese Märkte würden zugleich auch Plattform sein, gegen eine Politik zu demonstrieren, die Armut und Not zulässt.

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls jeden Samstag im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding

 

GESCHLOSSEN: „Frack du lac“: Second Hand-Trends entdecken

Frack du lac 2„Leben“ prangt noch in großen Lettern über dem Second-Hand Geschäft „Frack du Lac“ in der Kameruner Straße 43. So lässt sich das alte Lebensmittelgeschäft nur noch erahnen. Heute gibt es hier ein großes Sammelsurium an funktionalen Textilien für Sie und Ihn. Das Sortiment reicht von Hosen, Jacken, Pullover, Shirts, Schmuck bis hin zu zahlreichen Accessoires. In dem kleinen Laden vergisst man schnell die Zeit, denn es gibt Vieles zu entdecken. Gleich vor dem Geschäft fällt die „Free Box“ ins Auge. Hier kann sich der Kunde gern ein Kleidungsstück seiner Wahl kostenlos mitnehmen.

ZweigStelle Berlin: Second Hand mit Ausstrahlung

zweigstelle gitte zweigEine sechzig Jahre alte Rose in der Tegeler Straße zeigt im Winter ihre Dörnchen – und das Schaufenster dahinter, das was die ZweigStelle das ganze Jahr über beherbergt: den vielfältigen Geschmack ihrer Besitzerin Gitte, die schon beim Übertreten der Türschwelle mit ihrer Ausstrahlung und Offenheit jeder neugierigen Kundin entgegen kommt.

„Sekai Colori“: Japan trifft Italien im Osramkiez

 

Sekai_Colori_002In der „Bel Etage“ der Liebenwalder Straße 31 ist seit 2013 die Atelierwerkstatt des Berliner Modelabels „Sekai Colori“ beheimatet. „Sekai Colori“, das ist Mode von Ann-Katrin Sehl und Sarah Infantino. Der Name „Sekai Colori“ setzt sich aus dem japanischen Wort für Welt (Sekai) und dem italienischen Begriff für Farbe (Colori) zusammen. Ann-Katrins Leidenschaft gilt dem japanischen Design, ihre Inspirationen bringt sie aus der Zeit in Japan mit, sie lebte viele Jahre in Tokyo. Sarah ist durch ihre süditalienischen Wurzeln geprägt und lässt „la dolce vita“ in die Kreationen von „Sekai Colori“ einfließen.

Zwei Kulturen und zwei Frauen, die vom Schneiderhandwerk etwas verstehen. „Im vergangenen März haben wir unser Modedesignstudium an der HTW-Berlin erfolgreich abgeschlossen. Während der gemeinsamen Studienzeit reifte auch der Gedanke ein eigenes Modelable zu gründen und gleichzeitig sozial faires und umweltgerechtes Arbeiten zu unterstützen. Wir wollen uns abgrenzen von Billigproduktionen und dem normalen Einheitsbrei“, erzählen sie mir.

„Unsere Mode ist ein spannender, neuartiger Mix von Farben, Formen und Material. Sie bringt zwei Kulturen zusammen, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen und dennoch sehr gut harmonieren. Zunächst liegt unser Fokus jedoch auf Schals und Tücher aus hochwertiger Biobaumwolle, die wir in uni und mit eigens entworfenen Prints gestalten und verkaufen“, erklären mir Sarah und Ann-Katrin.

„Handmade in Berlin-Wedding“

Auch preislich durchaus „Wedding-like“, ein handgenähter Schal aus hochwertiger Biobaumwolle ist durchaus bezahlbar. Auf meine Frage, warum sie sich für den Wedding entschieden haben, antwortet mir Ann-Katrin: „Ich lebe schon drei Jahre im schönen Osramkiez, es gefällt uns hier sehr gut, der Wedding ist bunt, bezahlbar und außerdem befinden wir uns auch in bester Gesellschaft, unsere direkten Nachbarn sind das „Mastul“ und das „Schraders“.

Zwei hoch motivierte junge Frauen, die genau wissen was sie wollen und sehr organisiert ans Werk gehen. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch. „Wie bei vielen Jungunternehmer sind auch bei uns die Euros sehr knapp, daher haben wir uns entschieden eine Crowdfunding-Kapagne zu starten. Wir wollen so schnell wie möglich unsere eigene Kollektion auf die Beine stellen“, erklären mir die beiden.Inzwischen ist „Sekai Colori“ auch mit einem Online Shop im Netz präsent.

Mein Fazit: „Sekai Colori“, bunte Mode die noch mehr Farbe in den Wedding bringt. Die Schals und Tücher sind zeitlos, von äußerst hoher Qualität, preislich erschwinglich und von Frau und Mann jeden Alters tragbar. Wir können uns auf eine außergewöhnliche Kollektion aus einem Farbfeuerwerk freuen!

Sekai_Colori_001

Autor/Fotos: Claudia Adrian

Sekai Colori – Infantino & Sehl GbR

Ann-Katrin Sehl und Sarah Infantino

Liebenwalder Straße 31

13347 Berlin

Tel.: 030 85619887

 

https://www.facebook.com/sekaicoloridesign

http://blog.sekai-colori.de/

Soleil du Sud – Second Hand und ein Café

Vielleicht braucht es den Mut und die Verwegenheit einer Französin, um ausgerechnet auf der Schwedenstraße ein Geschäft für Frauenmode zu eröffnen. Roseline Russell machte „Soleil du Sud“ bereits 2006 auf und verbindet dort Pariser Mode und Berliner Second Hand-Style. Dazu kommt seit kurzem auch ein Café.

Soleil du Sud

AKTUALISIERT 2018 Auf der Schwedenstraße rauscht der Verkehr lautstark zwischen Osloer und Badstraße auf und ab. Von den Spielcasinos, die sich mit ihren zugeklebten Fenstern wie ein farbenfrohes Geschwür ausgebreitet haben, liegen hier gleich drei Stück nahe beieinander. Es gibt einen Kiosk, einen An- und Verkauf-Laden, türkische Bäckereien und so viel Leerstand wie sonst nur noch selten im Wedding. Daran, dass hier ein Modeladen existiert, glaubt man erst, wenn man vor ihm steht oder im Weddingweiser davon liest.

Soleil du Sud von außenRoseline Russell sitzt auf einer kleinen pinkfarbenen Bank vor ihrem Laden und erzählt mit französischem Akzent von der Bar, die sich früher in der Hausnummer 15b befand. Tatsächlich ist von außen noch gut erkennbar, dass hier früher eine Kneipe war. Nachdem sie geschlossen wurde, stand das Geschäft längere Zeit leer. Da sie damals ohne Job war und im selben Haus wohnt, kam Roseline auf die Idee, dort eine eigene Boutique zu eröffnen. Das war im November 2006. Anfangs verkaufte sie nur Ware aus zweiter Hand, die eine Freundin in Paris einkaufte, verpackte und dann in die Schwedenstraße schickte. Inzwischen kauft Roseline Kleidung und Schmuck als Neuware aus Frankreich, doch ein Großteil ihres heutigen Angebots besteht aus Second Hand Artikeln, die sie von Berlinern erhält. Man kann seine Kleidung als Kommisionsware im Laden abgeben und erhält nach dem Verkauf die Hälfte des Ladenpreises.

Soleil du Sud Das Innere des Ladens wirkt, als hätten sich ein Wohnzimmer, eine private Schmuckausstellung und ein begehbarer Kleiderschrank im gleichen Raum verabredet. Die Wandfarben schaffen ein sommerlich-mediterranes Flair. Auf alten Möbelstücken liegen Halsketten, Ohrringe und anderer Schmuck ausgebreitet. Dazwischen stehen Kleiderständer und Schaufensterpuppen mit leichten Kleidern, Blusen und Jacken. Couch und Sessel laden zum Sitzen ein. Sans aucun doute, es ist gemütlich hier. Wer für den Frühling noch ein originelles Kleidungsstück abseits der ausgelatschten Modepfade sucht und in entspannter Atmosphäre stöbern möchte, sollte unbedingt mal im „Soleil du Sud“ vorbeischauen. „Und woher kommt jetzt die Katze?“, frage ich Roseline, als wir wieder auf der Bank sitzen. „Sie kommt mich ab und zu besuchen, ich wohne doch hier im selben Haus.“ Ach so, stimmt ja.

Foto: Soleil du Sud

Und ab 10. März 2018 verwandelt sich der kleine Laden auch noch in das „Café de Paris“ mit einem kleinen Barbetrieb.

Soleil du Sud
Schwedenstraße 15b, 13357 Berlin (nähe U-Bhf Osloer Straße)

Di – Sa 16-22 Uhr
Website

„Second Hemd“: Kleidung und ein guter Zweck

Rein oder nicht? Foto: D_Kori
Rein oder nicht? Foto: D_Kori

Klamottenläden gibt es viele, an Second-Hand-Läden besteht kein Mangel. Auch in den beiden Weddinger Filialen von „Second Hemd“ kann man (und Frau) qualitativ hochwertige Kleidung aus zweiter Hand zu günstigen Preisen erstehen.

Das Besondere an den beiden von der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Berlin – Mitte e.V. (AWO) betriebenen Läden: Sie ermöglichen straffällig gewordenen Frauen, ihre Geldstrafen abzuarbeiten und somit eine Inhaftierung zu vermeiden.

Geldstrafen werden in der Regel bei relativ „kleinen“ Delikten verhängt, z.B. Schwarzfahren, Beleidigungen, Diebstähle. Doch was tun, wenn man die Strafe nicht bezahlen kann? Dann droht eine Inhaftierung, um die Geldstrafe „abzusitzen“. Eine Alternative bietet die von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Einrichtung „IsA-K (Integration statt Ausgrenzung – Kleiderwerkstatt)“. Die Einrichtung bietet Frauen in schwierigen Lebenssituationen sowohl die Möglichkeit, ihre Geldstrafen abzuarbeiten als auch eine Beratung durch eine erfahrene Sozialarbeiterin. IsA-K und Second Hemd arbeiten hier Hand in Hand: Die an die Läden gespendeten Textilien werden in der Kleiderwerkstatt aufbereitet und kommen dann tip-top in den Ladenverkauf. Die Gewinne aus dem Verkauf kommen direkt IsA-K zugute. Gegenwärtig bietet IsA-K bis zu 30 Frauen die Chance, dem Gefängnis zu entgehen.

Second Hemd hat übrigens keineswegs – wie der Name vermuten lassen würde – nur Hemden im Angebot, sondern das komplette Programm an Damen- und Herrenbekleidung, darüber hinaus auch Schuhe, Heimtextilien sowie (in der Filiale Plantagenstraße) Kinderartikel. Das Projekt lebt von gespendeten Textilien, die gern direkt in den Läden abgegeben werden können. Bei größeren Stückzahlen, oder, falls der Spender nicht selbst vorbeikommen kann, werden die Kleidungsstücke nach Rücksprache auch von Second Hemd abgeholt.

Second-Hemd-Läden

Prinzenallee 74 Ecke Osloer Str. (Soldiner Kiez)

Mo-Fr 11 – 18 Uhr, Sa 10  16 Uhr

Plantagenstr. 43 Ecke Reinickendorfer Str. (Nettelbeckplatz)

Mo – Fr 12-18 Uhr, Sa 10 – 16 Uhr

www.second-hemd-berlin.de und www.isa-k.de.

Quelle: Wahlkreis-Rundschau des Abgeordneten Ralf Wieland
Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Autors

Weitere Second-Hand-Läden im Wedding:

Die ZweigStelle, Tegeler Str. 25