Weddinger Freiheiten: Als die Kirche besetzt war

Auf den Stellwänden geht es um die Geschichte im Wedding und um soziales Engagement. Fotos: Andrei Schnell
Auf den Stellwänden geht es um die Geschichte im Wedding. Fotos: Andrei Schnell

Ja, das waren noch Zeiten! Als ein paar lautstarke Außenseiter verkündeten, die Stephanuskirche sei jetzt besetzt. Wobei sie mit Besetzung meinten, das Kirchenhaus gehöre jetzt ihnen und nicht mehr der amtlichen Kirche. Aus heutiger Sicht ist das unvorstellbar. Und noch viel erstaunlicher wirkt heute, dass damals nicht als erstes nach dem Sicherheitsdienst gerufen wurde. Nachzulesen ist diese Episode der Kirchenbesetzung auf einer von zwölf Stellwänden der Wanderausstellung „Weddinger Freiheiten“, die derzeit in der St.- Paul-Kirche in der Badstraße 50 zu sehen ist.

Zeppelinplatz: Aus „abweisend“ mach „einladend“…

Zeppelinplatz KunstwerkDem Zeppelinplatz fehlt es an Aufenthaltsqualität. Die Grünanlage erscheint wenig einladend und die angrenzende Limburger Straße wirkt wegen der Vielzahl an Stellplätzen ungeordnet und bildet eine Barriere zwischen der Grünfläche und dem Campus der Beuth-Hochschule. Jetzt stellen drei Planungsbüros ihre Konzepte für den Zeppelinplatz vor.

 

Brüsseler Kiez: raue Schale, gemütlicher Kern

Antwerpener Str Ecke Brüsseler Str
Antwerpener Str. Ecke Brüsseler Str.
Die namensgebende Brüsseler Straße
Fassadenfarben der Brüsseler Straße

Wer aus Köln kommt, kennt das dortige „Belgische Viertel“ eher als Ausgehmeile. Nicht ganz so ausgeprägt ist das in Berlin: das nach belgischen Städten und Regionen benannte Weddinger Viertel besitzt eine schöne Altbausubstanz aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und aus der Zwischenkriegszeit, ein paar schöne Kneipen und die Vagabund-Brauerei gibt es auch. Leider wirkt es an manchen Stellen aber etwas vernachlässigt. Eine Bürgerinitiative und ein Förderverein kümmern sich seit Jahren darum, den Kiez wieder nach vorne zu bringen und aus dem Schatten der benachbarten Viertel zu holen. Denn das Potenzial ist enorm: mit der Beuth-Hochschule, dem Wochenmarkt in der Genter Straße (mittwochs und samstags) und seiner schönen Bausubstanz hat der Brüsseler Kiez gute Chancen, ein äußerst attraktives Wohngebiet in zentraler Lage zu werden. Die Grünanlage auf dem Zeppelinplatz in der Mitte des Viertels wurde 2016/17 mit Fördergeldern radikal umgestaltet und aufgehübscht. Ein großer Spielplatz zieht viele große und kleine Weddinger an.

Genter Straße Ecke Ostender StraßeWichtige wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen gehören aber auch zum Brüsseler Kiez: dort oder in unmittelbarer Nähe befinden sich nämlich das Deutsche Institut für Zuckerforschung mit dem Zucker-Museum (2012 geschlossen), das 1923 gegründete Anti-Kriegs-Museum, die Krankenhausstadt Campus Charité Virchow-Klinikum, das bundesweit bekannte Robert-Koch-Institut und das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie.

Klar abgegrenztes Viertel mit Beuth-Hochschule

Vergleichsweise spät ist dieses Viertel bebaut worden. Eine erste Bauphase war die Zeit um das Jahr 1900, als die typischen Mietskasernen rund um die Brüsseler Straße hochgezogen worden. Die Kapernaumkirche, die ursprünglich an einem kleinen Platz stehen sollte, ist heute in die Ecke Antwerpener Straße des Boulevards Seestraße integriert. Mit ihrer Formensprache knüpft die 1902 fertiggestellte Kirche an romanische Sakralbauten im Rheinland an. Die Seestraße selbst ist Teil der Berliner Ringstraßen, die von Peter Joseph Lenné 1841 geplant wurden. Mit ihrem breiten Mittelstreifen, in dem auch die einzige im Westteil Berlins verkehrende Straßenbahnstrecke verläuft, ist sie eine der verkehrsreichsten und breitesten Straßen im Norden der Stadt. Der Abschnitt der Seestraße, der an den Brüsseler Kiez grenzt, erhält durch die geschlossene Bebauung aus der Kaiserzeit einen besonders großstädtischen Charakter.

Beuth HochschuleIn einer zweiten Bauphase wurde das Gebiet rund um den Zeppelinplatz bebaut. Mit dem heutigen Haus Beuth, 1909 von Ludwig Hoffmann erbaut, steht ein beeindruckendes Schulgebäude für den ältesten Teil der Technischen Fachhochschule, heute die Beuth-Hochschule mit immerhin 12.000 Studierenden.

In der Limburger StraßeRund um diesen einen ganzen Block einnehmenden Gebäudekomplex sind in den 1920er Jahren zahlreiche Anlagen des sozialen Wohnungsbaus entstanden. Eine Wohnanlage der gleichen Wohnungsbaugesellschaft besteht aus vier sehr unterschiedlich gestalteten Blöcken. Dort lebt es sich, trotz der unmittelbaren Nähe einer Fachhochschule und umrahmt von wichtigen Hauptverkehrsstraßen, überraschend ruhig und grün. Das Brüsseler Viertel ist ein lebendiger und überschaubarer Kiez mitten in der Großstadt, in dem es sich ganz gut leben lässt. Insgesamt ist das Viertel „normal“ geblieben – und das ist ja auch schon etwas.

Initiative für den Brüsseler Kiez: Kiezmacher

Beiträge aus dem Brüsseler Kiez