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Wie der Wedding der Anna-Lindh-Schule hilft

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Was pas­siert, wenn eine Schu­le plötz­lich geschlos­sen wer­den muss und für 700 Kin­der Unter­richts­räu­me gefun­den wer­den müs­sen? Es ent­steht viel Stress und natür­lich Frust bei allen Betei­lig­ten. Im Fall der plötz­li­chen Sper­rung der Anna-Lindh-Schu­le ist neben den Bemü­hun­gen des Bezirks aber noch etwas ande­res zu beob­ach­ten: Es gab im Wed­ding Retter:innen in der Not, die mit­hal­fen, schnel­le Lösun­gen auf Zeit zu fin­den, auch wenn sie gar nicht dem zustän­di­gen Schul­amt unter­ste­hen. Die­se Hil­fe war so wich­tig, weil der offi­zel­le Aus­weich­stand­ort für die größ­te Grund­schu­le Ber­lins in Char­lot­ten­burg erst her­ge­rich­tet wer­den musste.

In der Transvaalstraße fährt der Shuttlebus für die Schüler:innen der Anna-Lindh-Schule ab. Foto: Andrei Schnell
In der Trans­vaal­stra­ße fährt der Shut­tle­bus für die Schüler:innen der Anna-Lindh-Schu­le ab. Foto: And­rei Schnell

Schule im Gewächshaus

Eng­lisch auf der Wie­se? Mathe im Gewächs­haus? Deutsch in der Werk­statt? Das Schul-Umwelt-Zen­trum Mit­te (SUZ) ist mit dem Schul­jah­res­be­ginn kurz­fris­tig zu einem Aus­weich­quar­tier für 100 Schüler:innen der Anna-Lindh-Schu­le gewor­den. „Die Kin­der, Lehr­kräf­te und Erzie­he­rIn­nen der fünf 4. Klas­sen fühl­ten sich heu­te schnell wohl in ihren Klas­sen­zim­mern im Grü­nen. Wir freu­en uns auf die Zeit mit Euch!“, schrieb das SUZ bereits am 23. August. Aktu­ell wer­den die Gäs­te aus der Grund­schu­le über­gangs­wei­se an den SUZ-Stand­or­ten in der Scharn­we­ber­stra­ße und in der See­stra­ße unter­rich­tet. Doch die­se Zeit im Grü­nen endet bald. Am Frei­tag in den nächs­ten Woche wird im SUZ ein Abschieds­fest gefei­ert. Die Grundschüler:innen wol­len für ihre Gastgeber:innen kochen und sich so für die Gast­freund­schaft bedanken. 

Willkommensgruß für die Anna-Lindh-Schule des Schul-Umwelt-Zentrums auf Instagram. Repro: Weddingweiser
Will­kom­mens­gruß für die Anna-Lindh-Schu­le des Schul-Umwelt-Zen­trums auf Insta­gram. Repro: Weddingweiser

Schule im Vorlesungssaal

Ins­ge­samt 150 Kin­der der Anna-Lindh-Schu­le haben gera­de außer der Rei­he die Mög­lich­keit, Uni­ver­si­täts­luft zu schnup­pern. Die Ber­li­ner Hoch­schu­le für Tech­nik (BHT) in der Luxem­bur­ger Stra­ße hat in den Sems­ter­fe­ri­en eben­falls mit Räu­men aus­ge­hol­fen. Als der Hil­fe­ruf aus der Schu­le kam, war es für BHT-Prä­si­dent Pro­fes­sor Dr. Wer­ner Ull­mann klar: „Wir wis­sen aus eige­ner Erfah­rung um die Nöte, wenn Gebäu­de oder Gebäu­de­tei­le geschlos­sen wer­den müs­sen. Daher war es für mich selbst­ver­ständ­lich, dass wir alle Mög­lich­kei­ten geprüft haben. Auf­grund der vor­le­sungs­frei­en Zeit kön­nen wir bis Mit­te Sep­tem­ber ‘Nach­bar­schafts­hil­fe’ leis­ten. Viel­leicht wer­den ja eini­ge Schü­le­rin­nen und Schü­ler ange­regt, sich spä­ter mal hier bei uns um einen Stu­di­en­platz zu bewerben.“

In den Con­tai­nern sind Dritt­kläss­ler, im Haus Gras­hof Fünft­kläss­ler unter­ge­bracht wor­den. Die Schüler:innen hat­ten wäh­rend ihrer Zeit an der BHT auch die Mög­lich­keit, die Hoch­schu­le ken­nen­zu­ler­nen: Sie besich­tig­ten bei­spiels­wei­se den Wel­len­ka­nal im Labor für kon­ven­tio­nel­le und erneu­er­ba­re Ener­gien. „Wir haben uns bis­lang sehr will­kom­men gefühlt! Beson­ders die Kin­der sind begeis­tert von der Aus­sicht und den Auf­zü­gen im Haus Gras­hof, aber auch von den Labo­ren. Wir sind sehr zufrie­den und ver­brin­gen unse­re Pau­sen aktu­ell auf dem Zep­pe­lin­spiel­platz“, sag­te Ingrid Hücht­ker, Leh­re­rin der 5b der Anna-Lindh-Schule.

Weil die Sems­ter­fe­ri­en nun enden und die Stu­die­ren­den im kom­men­den Monat zurück­keh­ren, endet auch für die Grundschüler:innen ihre Zeit in der Wed­din­ger Hochschule.

Schule im Gemeindesaal

Sogar die nächst­ge­le­ge­ne Kir­che ist ein­ge­sprun­gen. “Wir haben unse­ren Gemein­de­saal eine Woche lang für eine fünf­te Klas­se zur Ver­fü­gung gestellt”, sagt Pfar­rer Alex­an­der Tscher­nig von der evan­ge­li­schen Kaper­naum­ge­mein­de. Weil aber die Gemein­de­ar­beit in der Zwi­schen­zeit wie­der auf­ge­nom­men wur­de, war die­se Lösung nur von kur­zer Dauer. 

Was ist mit dem Schulsport?

Auch Kiez­Sport­Lot­sin Susan­ne Bür­ger gehört zu den Men­schen, die im Hin­ter­grund an der Lösung der aktu­el­len Pro­ble­me um die Anna-Lindh-Schu­le mit­ar­bei­ten. „Stadt­rä­tin Frau Rem­lin­ger hat mich bei der Sport­aus­schuss-Sit­zung am 23. August gefragt, ob ich mit ‘Rat und Tat’ bei der Suche nach Sport­mög­lich­kei­ten für die Anna-Lindh-Schu­le zur Sei­te ste­hen könn­te“, sagt die Kiez­Sport­Lot­sin. Am Aus­weich­stand­ort am Saat­wink­ler Damm gibt es schließ­lich kei­ne Sport­hal­le. „Klar habe ich sofort zuge­sagt!“, sagt Susan­ne Bür­ger. Sie nutz­te ihre Kon­tak­te, beriet sich mit dem Lan­des­sport­bund der Sport­ju­gend Ber­lin. „Von dort kam auch sofort das Signal, dass man Unter­stüt­zung geben könn­te.“ Auch wenn die Situa­ti­on schwie­rig ist, habe sie den Ein­druck, dass gemein­sam pra­xis­taug­li­che Lösungs­an­sät­ze gefun­den wer­den könn­ten. Bei den Ideen für den Sport­un­ter­richt am Aus­weich­stand­ort geht es vor allem um nöti­ge Räu­me und Anbie­ter (Sport­ver­ei­ne) für Bewegungsangebote.

Eine Schule muss umziehen

Die Nach­richt kam für alle ziem­lich kurz­fris­tig: Weni­ge Tage vor Schul­jah­res­be­ginn erfuh­ren Eltern, Schüler:innen und Per­so­nal der Anna-Lindh-Schu­le im afri­ka­ni­schen Vier­tel, dass ihre Schu­le wegen Schim­mel­be­falls umzie­hen muss. Jah­re­lang hat­te es immer wie­der Schim­mel­pro­ble­me gege­ben, klei­ne­re Sanie­rungs­maß­nah­men hal­fen nicht. Schul­stadt­rä­tin Ste­fa­nie Rem­lin­ger sah des­halb nur eine radi­ka­le Mög­lich­keit, um die Beschu­lung der rund 700 Grundschüler:innen der Schu­le zu gewähr­leis­ten: Umzug in den Saat­wink­ler Damm, der aber erst suk­zes­si­ve erfol­gen konn­te. Vie­le Jah­re, bis eine Sanie­rung der Schu­le erfolgt ist, wer­den die Kin­dern nun pen­deln müs­sen. Sie kön­nen dabei einen Shut­tle­bus nut­zen. Nicht alle Eltern haben die dras­ti­sche Maß­nah­me mit­ge­tra­gen: Wie jetzt vom Schul­lei­ter der Anna-Lindh-Schu­le Mathi­as Hörold zu hören war, sind 100 Kin­der abge­mel­det wor­den. Dem Ver­neh­men nach woll­ten die meis­ten auf die Möwen­see-Grund­schu­le wech­seln. Mehr zu dem Fall steht im Bei­trag Anna-Lindh-Schu­le kommt ins alte Air Ber­lin-Haus.

Text: Domi­ni­que Hen­sel And­rei Schnell, Joa­chim Faust

weddingweiserredaktion

Die ehrenamtliche Redaktion besteht aus mehreren Mitgliedern. Wir als Weddingerinnen oder Weddinger schreiben für unseren Kiez.

2 Comments

  1. So viel unbü­ro­kra­ti­sche Hil­fe hät­te ich nicht erwar­tet. Aber es klingt mehr nach Aben­teu­er­ur­laub als nach gere­gel­tem Unterricht.

    • Erst­mal bes­ser als nichts. Da alle Pro­vi­so­ri­en jetzt enden, fängt hof­fent­lich jetzt auch ein regu­lä­rer Unter­richt statt.

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