Lesermeinung: Zu weite Wege für Senioren?

Unse­re Lese­rin lebt seit Som­mer 2017 im Brüs­se­ler Kiez. Als noch berufs­tä­ti­ge Senio­rin fiel ihr auf, dass es mit­ten im Vier­tel für die älte­ren Kiez­be­woh­ner kei­nen geeig­ne­ten Ort gibt, an dem man sich tref­fen und aus­tau­schen könn­te. Die nächs­ten Senio­ren­treffs sind alle zu weit, um sie bequem zu Fuß zu errei­chen. Gibt es über­all im Wed­ding genü­gend Treff­punk­te für Senioren? 

Gastbeitrag unserer Leserin

Unterwegs im Kiez, zu einem der Treffpunkte für Senioren“Da wir hier auch kein Senio­ren­heim wie im nörd­li­chen Park­vier­tel (in die­sem Gebiet leben drei Mal so vie­le Bewoh­ner über 65 Jah­ren wie im Brüs­se­ler Kiez) haben, gibt es nicht ein­mal einen Raum, den man gele­gent­lich mit­nut­zen kann, um ein Event für Älte­re oder unver­bind­li­che Treff­punk­te zum Ken­nen­ler­nen zu bele­gen. Ein­zig die Kaper­naum­kir­che an der See­stra­ße. also der nord­west­li­chen Peri­phe­rie des Kiezes mit ca. 8.500 Anwoh­nern, bie­tet eini­ge Ver­an­stal­tun­gen und Gesprächs­krei­se. Abge­se­hen davon sind wir auf allen vier Sei­ten des fast schach­brett­ar­ti­gen Kiezes umge­ben von gefähr­li­chen gro­ßen Stra­ßen (See­stra­ße und Schwer­last­ver­kehr) und Tramt­ras­sen bzw. einer Mau­er des Virchow-Kli­ni­kums an der Amru­mer Straße.

Weitere Fotos vom Geburtstag im Facebook Fotoalbum - Foto: Andrei Schnell
Foto: And­rei Schnell

Das Paul-Ger­hardt-Stift ist über 500 m ent­fernt und anschüs­sig über die gro­ßen Ampel­an­la­gen Mül­ler-/Ecke See­stra­ße erreich­bar. Das Spren­gel­haus ist 1,4 km ent­fernt, sofern man den lan­gen Weg über Leo­pold­platz oder die abge­le­ge­ne und deso­la­te Luxem­bur­ger Stra­ße auf sich neh­men möchte.
Der Ota­wi­treff ist auch ein guter Ort, direkt am Volks­park Reh­ber­ge, aber für die fast 1.000 um die 60-Jäh­ri­gen und Ü65-Jäh­ri­gen des Brüs­se­ler Kiezes ver­mut­lich vor allem im hei­ßen Som­mer und kal­ten Win­ter, auf unge­streu­ten Wegen, kein Traum­ziel, um Ande­re zu tref­fen. Cafes und Bis­tros, die vie­le Plät­ze bie­ten, gibt es so gut wie nicht; die Bäcke­rei Stern ist sehr nett, hat jedoch nur eine Zei­le Gar­ten­stüh­le, die man aber nur som­mers benut­zen kann.

 

Kul­tur­pro­gram­me jen­seits der Kir­che gibt es nicht. Für kei­nen. Man könn­te  höchs­tens in den weni­gen vor­han­de­nen Räu­men wie dem BATIK oder dem “Spin­ner & Weber” etwas orga­ni­sie­ren. Es gibt wirk­lich sehr net­te Knei­pen, in denen aber so viel E‑Zigaretten geraucht wer­den, dass man tage­lang die Beklei­dung lüf­ten muss. Ist das etwas für Alte und Ältere?

Brüsseler Kiez, Kneipe, KrissiDie sozi­al­po­li­ti­sche Fra­ge ist, ob man Alten und Geh­be­hin­der­ten und Sozi­al­rent­nern zumu­ten kann, zwei Kilo­me­ter weit zu lau­fen. Dies brach­te die neue Alten­hil­fe­ko­or­di­na­to­rin Frau Wie­de­mann ins Gespräch, und ich fra­ge mich, ob es zuläs­sig ist, die­ses Kri­te­ri­um für die nach dem 7. Alten­be­richt der Bun­des­re­gie­rung inten­siv gefor­der­te loka­le kom­mu­na­le  Alten­hil­fe vor Ort anzu­füh­ren. Die wirk­lich rele­van­te und wich­ti­ge Zusatz­fra­ge ist, unter wel­chen Neben­be­din­gun­gen der Weg zumut­bar ist? Die Wege, die ich beschrie­ben habe, sind teils gefähr­lich und  unweg­sam oder im Win­ter unzumutbar.

Alles in allem: Ich habe an den Bezirks­bür­ger­meis­ter geschrie­ben, an etli­che lokal­po­li­tisch Invol­vier­te (Stadt­teil­ko­or­di­na­ti­on im PGS, Senio­rIn­nen­ver­tre­tung Mit­te, Run­der Tisch Senio­rIn­nen­ar­beit im Park­vier­tel u.a.) und noch nicht von allen eine Ant­wort erhalten.”

Autorin: Rena­te Straetling

Dies sind die Treff­punk­te für Senio­rin­nen und Senio­ren in Berlin-Mitte


1 Kommentar
  1. Ich kann mich den Äus­se­run­gen von Frau Strät­ling nur anschlie­ßen. Auch mir, inzwi­schen 70 Jah­re alt, fehlt eine Anlauf­stel­le fuß­läu­fig in der Nähe, wo man sich zum Spie­len, Klö­nen, Gym­nas­tik oder gar Tan­zen mit Gleich­alt­ri­gen tref­fen kann. Es gibt hier im Brüs­se­ler Kiez eini­ge leer­ste­hen­de Gewer­be­räu­me, lies­se sich da nichts ein­rich­ten? Ich wür­de mich auch gern ehrenamltich einbringen.
    Zusätz­lich möch­te ich anmer­ken, dass ich an unse­rer Haupt­ein­kaufs­stras­se, der Mül­ler­stra­ße, Bän­ke ver­mis­se, wo man sich mit sei­nen Ein­käu­fen mal zwi­schen­durch aus­ru­hen kann.

    Es gab vor eini­ger Zeit eine Umfrag des Bezirks an Senio­rIn­nen, an der ich nicht teil­ge­nom­men habe, nach­dem ich mir die mage­ren Ergeb­nis­se der letz­ten dera­ti­gen Umfra­ge ange­se­hen hat­te: für den Wed­ding nichts von der Stadt unterstütztes!
    Freund­li­che Grüße

    Hei­di Richter

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