Mein Wedding 5: Zwölf Bilder für die Müllerstraße

Enthüllung eines Bildes der Ausstellung "Mein Wedding 5" auf der Müllerstraße. Foto: D. Hensel
Enthüllung eines Bildes der Ausstellung „Mein Wedding 5“ auf der Müllerstraße. Links im Rollstuhl: Ilse Loeschner, auf dem Plakat als Mädchen zu sehen. Foto: D. Hensel

Sie stehen zwar schon seit einigen Tagen dort, die großen Plakatwände auf der Müllerstraße. Doch am Samstag (1.9.) hat die Freiluftausstellung „Mein Wedding 5“ offiziell eröffnet. Mit Bürgermeisterrede, Sekt, Ehrengast und Gruppenfoto.

Zeppelinplatz wird gut angenommen

Kurz vor dem Beginn des neuen Hochschul-Semesters wurde der Zeppelinplatz offiziell eröffnet. Der zuletzt fertiggestellte Bereich vor dem „Haus Beuth“ der Beuth-Hochschule für Technik war da allerdings schon den ganzen Sommer über in Betrieb – und ist dringend erforderlich, wie sich zunehmend zeigt. Denn die aktuelle Wohnungsnot in der Stadt zwingt nicht nur die Studierenden der Berliner Hochschulen dazu, sich auf immer engere Wohnverhältnisse einzustellen. Und deshalb benötigen sie ganz besonders gut funktionierende öffentliche Räume.

Kleine Bibliothek für Kinder und Jugendliche eröffnet

Die kleine Kinder- und Jugendbibliothek in der Literaturwerkstatt. Foto: Tuncay Gary
Die kleine Kinder- und Jugendbibliothek in der Literaturwerkstatt. Foto: Tuncay Gary

Wenn Kinder lesen, dann lesen sie meist ein Buch nach dem anderen. Da wird immer wieder Nachschub benötigt. Für diese Leseratten gibt es ab November unabhängig von der großen Bibliothek am Luisenbad in Gesundbrunnen einen neuen Anlaufpunkt. Am 9. November eröffnet um 13 Uhr in der Heidebrinker Straße 19 eine kleine Kinder- und Jugendbibliothek in der Literaturwerkstatt der Lichtburg Stiftung.

Continental: Ein neues Weddinger Gastro-Lächeln

Das Continental in der Brunnenstraße. Foto: Hensel
Das Continental in der Brunnenstraße. Foto: Hensel

In der von Dönerläden gepflasterten Brunnenstraße kann zur Mittagszeit schon mal die schiere Verzweiflung ausbrechen, sollte es schnell gehen, günstig bleiben, lange satt machen und möglichst kein Fleischbrot sein. Wenn dann etwas Neues dazukommt, ist das meistens schwer zu verheimlichen. Also hatte sich auch bis zu mir rumgesprochen, dass auf der Brunnenstraße, gleich links neben dem Obi ein neues Weddinger Gastro-Lächeln auf gestresste Städter wie mich wartet. Dort in den ehemaligen Supermarkt-Studios eröffnete relativ unscheinbar, ja fast schon enttäuschend unglamourös, das Continental.

GESCHLOSSEN: Prinzinger – eine Bar für Mad Men

Bei der Eröffnung im Prinzinger. Foto: Felix Kijcha
Bei der Eröffnung im Prinzinger. Foto: Felix Kijcha

Vor einer Woche hat an der Ecke Prinzenallee und Osloer Straße eine neue Bar eröffnet, das Prinzinger. Der Weddingweiser fragte vor dem Termin: Was wird das Prinzinger sein – Kneipe, Bar, Hippsterschuppen, Studentenkneipe, Kieztreff? Weddingweiser-Leser Felix Kijcha war für uns am Eröffnungsabend (11.12.) dabei. Sein Eindruck? Lest selbst …

Am Freitag eröffnet das Prinzinger

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Im alten Präpel-Eck eröffnet das Prinzinger. Foto: Hensel

Der Chef will nicht, dass drinnen fotografiert wird. Noch fehlt das berühmte Tüpfelchen auf dem i und ohne das ist es halt nicht fertig, sagt er mit einem sehr sympathischen Lächeln. Bis zur Eröffnung des Prinzinger hat Jens Plechinger noch etwas Zeit für den Feinschliff. Die neue Bar/Kneipe an der Ecke Prinzenallee Osloer Straße eröffnet am Freitag (11.12.). Am vergangenen Freitag, eine Woche vor dem Termin, hatte er aber bereits Freunde und Bekannte eingeladen und den Betrieb des Prinzinger getestet. Der Weddingweiser war dabei.

Einweihung des „Afrika-Spielplatz“ auf der Togostraße

Afrikanischer Spielplatz
Afrikanischer Spielplatz

Am Donnerstag, den 24. September weihen Bürgermeister Christian Hanke sowie Baustadtrat Carsten Spallek mit einem bunten Fest den so genannten „Afrika-Spielplatz“ auf der Mittelstreifenpromenade der Togostraße (Höhe Kameruner Straße) ein. Hoffentlich wurden die defekten Spielgeräte bis dahin ausgetauscht oder wenigstens repariert.

Sanierung gelungen: U-Bahnhöfe im Wedding

Bahnhof Rehberge (C) Stefan Kuhl
Bahnhof Rehberge (C) Stefan Kuhl

Wenn die BVG ihre historischen U-Bahnhöfe saniert, wird das Gesicht mancher Station schon mal bis zur Unkenntlichkeit verändert. Manche architektonische Entgleisung nach früheren Sanierungen oder die Neubauten der 1970er und 1980er Jahre beleidigen das Auge das Fahrgastes auch heute noch. Doch in den letzten Jahren hat sich auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben die Sensibilität für die Bewahrung des kulturellen Erbes, das eine über 110 Jahre alte U-Bahn mit sich bringt, erhöht. Sanierte und teilweise in ihren Ursprungszustand zurückversetzte Bahnhöfe wie Mehringdamm, Südstern, Voltastraße oder Gesundbrunnen zeigen: An der Gestaltung der unterirdischen Haltestellen lässt sich ein Stück Zeitgeschichte ablesen, während das an der Oberfläche oft schon nicht mehr möglich ist.

Neue Müllerhalle: Für Nostalgie ist bei diesem Kompromiss kein Platz

Eröffnung noch im Jahr 2013... (Foto: P.Arndt)
Eröffnung noch im Jahr 2013… (Foto: P.Arndt)

Darf man die neue Müllerhalle noch so nennen? Viele Anwohner fremdeln mit dem architektonisch hochwertigen Entwurf, der die obere Müllerstraße wie kaum ein anderes Gebäude prägen wird. Bei einer von der SPD-Fraktion Berlin-Mitte organisierten Veranstaltung am 23. Februar standen Kommunalpolitiker und Abgeordnete sowie eine Vertreterin des Bauherrn Rede und Antwort. Anders als beim städtebaulich missglückten Lidl gegenüber der Einmündung der Kameruner Straße sollen hier die Bürger „mitgenommen“ werden.

Ein Kameramann des RBB filmtDas ist auch dringend nötig, angesichts der Emotionen, die dieser Neubau eines Einkaufszentrums hochkochen lässt. Sogar der RBB hat ein Kamerateam geschickt, um in der Abendschau über die Diskussionsrunde zu berichten. Alle Redner verbinden schöne (Kindheits-)Erinnerungen mit der Markthalle, die seit 1950 einen Kieztreffpunkt darstellte, zuletzt aber einen beispiellosen Niedergang erlebte. Nicht nur ältere Weddinger bekommen glänzende Augen, wenn sie von den drei Fleischern, dem Knöpfeladen und dem Schuster in der alten Müllerhalle erzählen. Die Nachbarn traf man natürlich auch beim Einkaufen und hielt ein Schwätzchen zwischen Fischstand und Currywurstimbiss.

Aus und vorbei. Die Halle ist seit 2012 abgerissen, ein neues Einzelhandelszentrum mit Kaufland als Ankermieter ist seit ein paar Tagen im Bau, nachdem nun die Fundamentbohrungen begonnen haben. Die Vielfalt der Marktstände wird es im autogerechten Neubau nicht mehr geben. „Das Kaufverhalten hat sich geändert“, sagt SPD-Mann Lars Neuhaus. Vergleiche mit den wenigen noch erfolgreichen Berliner Markthallen seien nicht statthaft, findet er: „Wir haben gesehen, dass das alte Konzept in diesem Kiez am Ende nicht funktioniert hat.“

Mehr Lebensmitteleinzelhandel ist nicht mehr zu verkraften

IMG_20130223_120309Mit der jetzt gefundenen Lösung sind die anwesenden Politiker Bruni Wildenhain-Lauterbach (MdA), Stefan Draeger, Janina Körper und Martina Matischok zufrieden – das Wort Kompromiss wird noch oft an diesem Tag fallen. Es sei gerade noch zu verkraften, so viel Lebensmittel-Einzelhandel an einem Straßenabschnitt (Real, Reichelt, Aldi, Lidl und eben Kaufland) – mehr werde hier nicht genehmigt. Kleinteiligen Handel im Windschatten von Kaufland (davon als Rückkehrer der alten Müllerhalle Mc Paper, ein Lotto Toto-Laden, das Reformhaus und der Zeitungsladen) wird es an der Straßenfront auch geben und zur Belebung der Müllerstraße beitragen. Überhaupt, die Müllerstraße: „Die neue Müllerhalle soll nicht zum Verkehrschaos führen“, erklärt Janina Körper, Verkehrsexpertin in der BVV. Nur 188 Parkplätze für Autos, kein riesiges leeres Parkhaus mehr wie im nahen Schillerparkcenter, sowie 54 Fahrradstellplätze kämen modernen Mobilitätsbedürfnissen näher. Parkhaus und kleine Läden nehmen das Erdgeschoss ein, während Kaufland die erste Etage belegt, die die Kunden mit Rollsteigen erreichen. Und schließlich könne man in der neuen Müllerhalle kostenlos parken, erklärt die Kaufland-Vertreterin Meltem Cömertbay – natürlich nur, wenn man dort auch etwas kauft. Sie betont, dass Kaufland als Eigentümer und Hauptnutzer zukünftig auch eine Verantwortung für den Standort und somit ein langfristiges Interesse an einer positiven Entwicklung der ganzen Müllerstraße hat. Eine Beteiligung an Aktivitäten der StandortGemeinschaft sei angedacht. Aber am Niedergang der alten Müllerhalle habe das Unternehmen Kaufland keine Schuld; eine Markthalle mit dem entsprechenden Flair lebe eben von den kleinen Kaufleuten, die es mit ihrem Engagement selbst in der Hand haben, ob dieses Konzept heute noch funktioniert. Die Diskutanten blicken nach vorn: „Schön, dass genau dieser Standort wieder eine Chance erhält!“, bringt es die Kaufland-Vertreterin auf den Punkt. Sie hat an der Beuth-Hochschule studiert und kennt den Wedding und seine Besonderheiten gut.

Kaufland sieht sich nicht als Einzelkämpfer

IMG_20130223_120042Ein solches Zentrum erzeugt zwangsläufig Müll, Lärm und Verkehr. Die Anlieferung erfolgt getrennt für Kaufland in der Lüderitzstraße, für die anderen Händler in der Kongostraße. „Beide Straßen haben Kopfsteinpflaster“, gibt Peter Arndt von der Stadtteilvertretung zu bedenken, „das wird ganz schön laut für die Anwohner!“ In der Lüderitzstraße erfolgt heute schon die Anlieferung für Reichelt, dort kennt man die Lkws, die beim Rückwärtsfahren piepen. Auf der Positivseite für die obere Müllerstraße bleiben aber die ca. 120-150 Arbeitsplätze zu nennen, die durch Kaufland und die kleineren Einzelhändler entstehen oder wieder zurückkehren werden. Die Kaufland-Repräsentantin sieht auch keine Konkurrenz für das sehr hochwertige Angebot wie die Frischfleisch-Bedientheke bei Reichelt, da Kaufland mit abgepackten Produkten ein anderes Geschäftsmodell verfolge. Das Unternehmen habe das Umfeld genau untersucht und will sich dort langfristig engagieren: „Wir können mit der relativ kleinen Verkaufsfläche von knapp 4500 qm gut umgehen“, sagt Meltem Cömertbay und ist sich sicher: „Wir passen gut in diesen Kiez!“ Wenn alles klappt, könnte noch vor Weihnachten 2013 die Eröffnung gefeiert werden.

Nicht alle Anwohner gewöhnen sich daran, dass für dieses moderne, grau verklinkerte Einkaufszentrum der Begriff „Neue Müllerhalle“ verwendet wird. Nostalgische Gefühle und der immer noch präsente Verlust eines Ortes der Kommunikation im Kiez stehen für viele im Vordergrund. Da kommt manches Gerücht gerade recht, das die Bezirkspolitiker aber umgehend ausräumen: eine Moschee in Nachbarschaft des Einkaufszentrums ist definitiv nicht geplant.

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Müllerhalle Kaufland
Quelle: Kaufland

http://weddingweiser.wordpress.com/2012/04/12/die-mullerhalle-ende-eines-trauerspiels-beginn-des-kommerzes/

http://weddingweiser.wordpress.com/2012/07/11/abschied-von-der-mullerhalle/