Continental: Ein neues Weddinger Gastro-Lächeln

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Das Continental in der Brunnenstraße. Foto: Hensel
Das Con­ti­nen­tal in der Brun­nen­stra­ße. Foto: Hensel

In der von Döner­lä­den gepflas­ter­ten Brun­nen­stra­ße kann zur Mit­tags­zeit schon mal die schie­re Ver­zweif­lung aus­bre­chen, soll­te es schnell gehen, güns­tig blei­ben, lan­ge satt machen und mög­lichst kein Fleisch­brot sein. Wenn dann etwas Neu­es dazu­kommt, ist das meis­tens schwer zu ver­heim­li­chen. Also hat­te sich auch bis zu mir rum­ge­spro­chen, dass auf der Brun­nen­stra­ße, gleich links neben dem Obi ein neu­es Wed­din­ger Gas­tro-Lächeln auf gestress­te Städ­ter wie mich war­tet. Dort in den ehe­ma­li­gen Super­markt-Stu­di­os eröff­ne­te rela­tiv unschein­bar, ja fast schon ent­täu­schend ungla­mou­rös, das Con­ti­nen­tal.

Nun gesellt sich also unweit des Vol­tas und diver­ser Cafès ein paki­sta­nisch-indi­sches Restau­rant und Bis­tro mit Haupt­stadt­charme in mei­ne Bloß-Nicht-Raus­ge­hen-Ich-Könn­te-Frie­ren-Nähe. Den Charme fin­det man aber nicht an die Schau­fens­ter und Wän­de gekleis­tert, so wie in vie­len sze­ni­ge­ren Loka­li­tä­ten, son­dern in die Freund­lich­keit der Besit­zer und der kuli­na­ri­schen Viel­falt der Kar­te gelegt.

Der Inhaber des Continental vor der schicken Wendeltreppe. Foto: Schnell
Der Inha­ber des Con­ti­nen­tal vor der schi­cken Wen­del­trep­pe. Foto: Schnell

Wer Freund der paki­sta­nisch-indi­schen Küche ist, mag in dem einen oder ande­ren Moment die poli­ti­schen Feh­den der bei­den Län­der glatt ver­ges­sen. Wie­so? Weil die Küche und die Natur bei­der Regio­nen, so der fröh­lichst lächeln­de jun­ge Mann hin­ter der The­ke, die schöns­ten der gan­zen Welt sind. A. lebt seit zwei Jah­ren in Ber­lin, kommt aus Paki­stan und schwärm­te mir zwi­schen dem übli­chen Small-Talk von den Vor­zü­gen eines Rechts­staa­tes, wie es ihn nur in Deutsch­land geben kann, vor. Nach so einer sym­pa­thi­schen Begrü­ßung konn­te ich es mir nicht neh­men las­sen, noch einen paar Anek­do­ten aus sei­nem Leben zu lau­schen und mir direkt mal den Laden anzuschauen.

Stoffe geben dem Restraurant einen authentischen Charme. Foto: Schnell
Hand­ge­web­te paki­sta­ni­sche Stof­fe geben dem Restrau­rant einen authen­ti­schen Charme. Foto: Schnell

Am augen­fäl­ligs­ten ist wohl die zwei­te zum Raum hin offe­ne Eta­ge, von der man den bes­ten Blick auf betrieb­li­ches Rum­ge­hän­ge in der Brun­nen­stra­ße bekommt. Obwohl das tür­ki­se Blau der Wän­de und der spar­ta­nisch aus­ge­stat­te­te Ess­be­reich eher küh­les Ambi­en­te aus­strah­len, fühlt man sich doch sogleich wohl. Die wun­der­schö­nen hand­ge­web­ten paki­sta­ni­schen Stof­fe, die schon ver­ein­zelt im Raum hän­gen, sol­len, so A., aber nach dem nächs­ten Hei­mat­be­such noch zahl­rei­cher werden.

Mit Blick auf die Kar­te offen­bar­te sich mir Ver­trau­tes. Mit lecke­ren Biryani-(Basmatireis)-Gerichten ange­fan­gen gibt es alles, was die paki­sta­ni­sche Küche mit der indi­schen ver­bin­det. Von Hähnchen‑, Lamm- und Fisch­ge­rich­ten domi­niert, kom­men auch Vege­ta­ri­er, Kin­der und Ent­schei­dungs­un­freu­di­ge auf ihre kuli­na­ri­schen Kos­ten. Soll es mal etwas grö­ßer aus­fal­len, kann man zwi­schen sechs ver­schie­de­nen Menüs (2 – 4 Per­so­nen), die ein bun­tes Aller­lei der Kar­te beinhal­ten, aus­wäh­len. Für die Früh­auf­ste­her und Arbeits­ge­plag­ten steht zwi­schen 8 und 12 Uhr Früh­stück à la Car­te (Shami Tel­ler) und To-Go bereit. Es muss also weder auf beleg­te Bröt­chen und süße Crois­sants noch auf die lebens­not­wen­di­ge Dosis Kaf­fee ver­zich­tet werden.

Freundlicher Empfang im Continental in der Brunnenstraße. Foto: Sandy Stöckel
Freund­li­cher Emp­fang. Foto: San­dy Stöckel

Neben Mit­tags­tisch (11 bis 16 Uhr) mit Tages­ge­richt (4,50 Euro) ver­sorgt uns das Con­ti­nen­tal dar­über hin­aus mit einem Extra für die sonn­täg­li­che Drau­ßen-Ist-Zu-Weit-Weg-Lau­ne. Wenn man es bis zum Nach­mit­tag mal wie­der gera­de so zum Zäh­ne­put­zen ins Bad schafft und der Kühl­schrank sich lang­sam selbst auf­frisst, kann man auf den Lie­fer­ser­vice (Bestell­wert ab 10 Euro) zurück­grei­fen. Man muss es also maxi­mal zur Tür schaf­fen, um sich mit leckers­tem Ana­nas-Kokos­saft zurück ins Leben zu trinken.

So schlemm­te ich die Emp­feh­lung des Hau­ses mit Blick auf die Brun­nen­stra­ße in freu­di­ger Gewiss­heit, Tan­doo­ri-Chi­cken wie­der auf die wöchent­li­che Spei­se­kar­te set­zen zu kön­nen und mei­ner aus­ge­präg­ten Man­go-Las­si Sucht zu fröh­nen. Sum­ma Sum­ma­rum befand ich das Con­ti­nen­ta­le Essen, die Loka­li­tät, den über­aus net­ten Plausch und den Ser­vice als ange­neh­me Erfri­schung zwi­schen den kon­zept­freie­ren Fleisch­spieß­bu­den und über­bor­den­den Mit­nehm-Cafés drum­her­um. Das Con­ti­nen­tal ver­wan­delt zu einem wahr­haft mode­ra­ten Preis jede Ent­fer­nung in einen Gang zum Briefkasten.

Con­ti­nen­tal, paki­sta­nisch-indi­sches Restau­rant und Bäcke­rei, Brun­nen­stra­ße 69, 13355 Ber­lin, täg­lich von 7 bis 23 Uhr geöffnet

Text: San­dy Stö­ckel, Fotos: San­dy Stö­ckel, And­rei Schnell, Domi­ni­que Hensel

4 Comments

  1. Wir waren ent­täuscht. Dem Essen fehlt es an geschmack­li­cher Inten­si­tät und Tie­fe, es schmeckt wie zu kurz gekocht und fett­frei zube­rei­tet. Außer­dem ist die Kar­te inhalt­lich feh­ler­haft, so daß wir das Fal­sche bestell­ten. Dafür ist Con­ti­nen­tal gar nicht so günstig.

  2. und:

    Gibt es noch Briefkästen??

    “Das Con­ti­nen­tal ver­wan­delt zu einem wahr­haft mode­ra­ten Preis jede Ent­fer­nung in einen Gang zum Briefkasten.”

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