„Krieg macht krank“ – Das Anti-Kriegs-Museum

Fassade eines Museums
Anti-Kriegs-Museum Fassade / Foto: Ariane Hussy

Im wichtigsten Ausstellungsstück des Anti-Kriegs-Museums kann man stehen. Ein Glockenspiel läutet, wenn man es betritt. Vitrinen reihen sich an den Wänden, große Augen schauen von Fotos, Wikipedia-Ausdrucke und Karten rascheln beim Reinkommen. Das wichtigste Ausstellungsstück hat eine lange Wanderung hinter sich, es ist oft umgezogen, wurde vertrieben und nicht gewollt und fand sich schließlich in der Brüsseler Straße 21 wieder. Das wichtigste Ausstelungsstück ist (da kann man keine galantere Pointe ziehen als die Wahrheit) das Anti-Kriegs-Museum selbst. Ein Museum für den Frieden, das dafür aber den Krieg zeigt.

Gastro-Hotspots im Sprengel- und im Brüsseler Kiez

Auf den ersten Blick haben die beiden Nachbarkieze höchstens die Beuth Hochschule gemeinsam. Abgegrenzt durch die laute Seestraße, die Müllerstraße und den Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal hat sich im Sprengel- und im Brüsseler Kiez an drei Hotspots aber ein gastronomisches Eigenleben entwickelt, wie es sonst kaum ein Gebiet im Wedding besitzt.

Tradition im Kiez: das Valle dei Templi in der Brüsseler Straße

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Oliven und Brot gibt es immer zur Einstimmung

Obwohl es zu den unauffälligeren Lokalen der Straße gehört, gibt es nur wenige, die das Valle dei Templi nicht kennen. Seit mehr als 14 Jahren versorgt das Restaurant den Kiez nun schon mit italienischen Klassikern wie Pizza, Pasta oder Saltimbocca. Grund genug für uns, mal wieder vorbeizuschauen.

Spinner & Weber: Kreativraum hinter der roten Markise

Spinner und Weber

Die Brüsseler Straße ist reich an Kneipen, Restaurants und kleinen Geschäften. Eine richtige Kiezstraße eben. Mit dem Spinner & Weber ist ein Projektraum im mittleren Teil der Brüsseler Straße und eine Art Vereinshaus hinzugekommen. Für Mitglieder des Trägervereins Rote Markise e.V. gibt es einen Preisnachlass im Café- und Barbetrieb – der dennoch offen für alle Besucher ist.

Das Brüsseler Eck, eine typische Eckkneipe…

Brüsseler Eck (C) Michael Wick
Brüsseler Ecke Genter

Viele haben bestimmt schon mal hinein gespäht, in die typische Weddinger Eckkneipe. Hinter Spitzengardinen und Leuchtreklame verbirgt sich eine kleine Parallelwelt, in der die Zeit still zu stehen scheint. Auf mich, einen zugezogenen Wahlweddinger, übten diese Orte schon immer eine besondere Anziehungskraft aus. Eine dieser Eckkneipen, das Brüsseler Eck, befindet sich in meiner direkten Nachbarschaft. Oft schon bin ich auf dem Weg zur Straßenbahn daran vorbei gelaufen, habe sehnsüchtige Blicke in das halbdunkle Innere geworfen, den Duft von altem Zigarettenrauch geschnuppert und dem riesigen Hund, der zu jeder Tag und Nachtzeit mit treuem Blick am Eingang Wache hält, den zotteligen Kopf getätschelt. Hinein traute ich mich jedoch nicht, ich fühlte mich wie ein Eindringling, der mit seiner Neugierde die Ruhe stört; zu oft hatte ich die alteingesessenen Berliner über die Touristen und die Zugezogenen schimpfen hören.

„L’Escargot“: Feines Essen, das sein Geld wert ist

L'escargot RestaurantEin italienischer Koch, der spürbar Lust an seinem Beruf hat, freundliches Personal, viele Stammgäste nicht nur aus dem Brüsseler Kiez – das macht das L’Escargot in der Brüsseler Straße schon seit vielen Jahren aus. Das mediterran geprägte Essen mit seinen großen Portionen kommt bei den meisten Gästen gut an. Die Preise sind für Weddinger Verhältnisse recht stolz, aber für die gebotene Qualität und Frische kann sich das L’escargot durchaus mit vergleichbaren Restaurants in besseren Lagen messen.

Beim Dart Nachbarn treffen – „Vier-Kneipen-Dartturnier“ im Brüsseler Kiez

Der erst in diesem Jahr gegründete Förderverein Brüsseler Kiez veranstaltet am 11. August das erste Vier-Kneipen-Dartturnier. 32 Spieler darten an diesem Tag ab 14 Uhr in sieben Runden um den Sieg. Das Besondere an dem Turnier ist, dass es gleichzeitig in vier Lokalen entlang der Brüsseler Straße stattfindet und die Darter im Verlaufe des Turniers den Spielort mehrmals wechseln.

Gregor Cleophas, Vorsitzender des Vereins „Brüsseler Kiez“, erklärt zu dieser Idee:„Als Verein wollen wir die nachbarschaftlichen Beziehungen fördern.“ Möglichst viele Nachbarn ansprechen und miteinander ins Gespräch bringen – dazu ist Dartspielen eine geeignete Form.

Daniel Frank, der im Wedding bereits seit 1984 Dartzubehör in Berlin verkauft und seitdem auch das Dartspiel sowohl auf Vereins- als auch auf Verbandsebene unterstützt, ergänzt: „ Da bei diesem Turnier zusätzlich mehrmals der Spielort gewechselt wird, ist der sportliche Gedanke optimal mit dem nachbarschaftlichen Gedanken verbunden. Dies hat mir sofort gefallen.“

Krissi, Betreiberin einer der Kneipen, die sich als Spielort zur Verfügung gestellt haben, sagt: „Unsere Lokale werden zumeist von Stammgästen besucht, die uns treu und selbstverständlich wichtig sind. Durch unsere Mitwirkung als Spielort können wir jedoch neue Gäste begrüßen, worüber wir uns natürlich freuen. Mindestens genauso wichtig ist es uns aber, durch unsere Teilnahme den Förderverein bei seinen Bemühungen zu unterstützen – schließlich profitieren wir alle im Brüsseler Kiez von einem guten, nachbarschaftlichen Miteinander.“

Weitere Informationen unter www.kiezmacher.de und www.facebook.com/kiezmacher

11. August, ab 14.00 Uhr, im Brüsseler Kiez

Brüsseler Kiez: raue Schale, gemütlicher Kern

Antwerpener Str Ecke Brüsseler Str
Antwerpener Str. Ecke Brüsseler Str.
Die namensgebende Brüsseler Straße
Fassadenfarben der Brüsseler Straße

Wer aus Köln kommt, kennt das dortige „Belgische Viertel“ eher als Ausgehmeile. Nicht ganz so ausgeprägt ist das in Berlin: das nach belgischen Städten und Regionen benannte Weddinger Viertel besitzt eine schöne Altbausubstanz aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und aus der Zwischenkriegszeit, ein paar schöne Kneipen und die Vagabund-Brauerei gibt es auch. Leider wirkt es an manchen Stellen aber etwas vernachlässigt. Eine Bürgerinitiative und ein Förderverein kümmern sich seit Jahren darum, den Kiez wieder nach vorne zu bringen und aus dem Schatten der benachbarten Viertel zu holen. Denn das Potenzial ist enorm: mit der Beuth-Hochschule, dem Wochenmarkt in der Genter Straße (mittwochs und samstags) und seiner schönen Bausubstanz hat der Brüsseler Kiez gute Chancen, ein äußerst attraktives Wohngebiet in zentraler Lage zu werden. Die Grünanlage auf dem Zeppelinplatz in der Mitte des Viertels wurde 2016/17 mit Fördergeldern radikal umgestaltet und aufgehübscht. Ein großer Spielplatz zieht viele große und kleine Weddinger an.

Genter Straße Ecke Ostender StraßeWichtige wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen gehören aber auch zum Brüsseler Kiez: dort oder in unmittelbarer Nähe befinden sich nämlich das Deutsche Institut für Zuckerforschung mit dem Zucker-Museum (2012 geschlossen), das 1923 gegründete Anti-Kriegs-Museum, die Krankenhausstadt Campus Charité Virchow-Klinikum, das bundesweit bekannte Robert-Koch-Institut und das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie.

Klar abgegrenztes Viertel mit Beuth-Hochschule

Vergleichsweise spät ist dieses Viertel bebaut worden. Eine erste Bauphase war die Zeit um das Jahr 1900, als die typischen Mietskasernen rund um die Brüsseler Straße hochgezogen worden. Die Kapernaumkirche, die ursprünglich an einem kleinen Platz stehen sollte, ist heute in die Ecke Antwerpener Straße des Boulevards Seestraße integriert. Mit ihrer Formensprache knüpft die 1902 fertiggestellte Kirche an romanische Sakralbauten im Rheinland an. Die Seestraße selbst ist Teil der Berliner Ringstraßen, die von Peter Joseph Lenné 1841 geplant wurden. Mit ihrem breiten Mittelstreifen, in dem auch die einzige im Westteil Berlins verkehrende Straßenbahnstrecke verläuft, ist sie eine der verkehrsreichsten und breitesten Straßen im Norden der Stadt. Der Abschnitt der Seestraße, der an den Brüsseler Kiez grenzt, erhält durch die geschlossene Bebauung aus der Kaiserzeit einen besonders großstädtischen Charakter.

Beuth HochschuleIn einer zweiten Bauphase wurde das Gebiet rund um den Zeppelinplatz bebaut. Mit dem heutigen Haus Beuth, 1909 von Ludwig Hoffmann erbaut, steht ein beeindruckendes Schulgebäude für den ältesten Teil der Technischen Fachhochschule, heute die Beuth-Hochschule mit immerhin 12.000 Studierenden.

In der Limburger StraßeRund um diesen einen ganzen Block einnehmenden Gebäudekomplex sind in den 1920er Jahren zahlreiche Anlagen des sozialen Wohnungsbaus entstanden. Eine Wohnanlage der gleichen Wohnungsbaugesellschaft besteht aus vier sehr unterschiedlich gestalteten Blöcken. Dort lebt es sich, trotz der unmittelbaren Nähe einer Fachhochschule und umrahmt von wichtigen Hauptverkehrsstraßen, überraschend ruhig und grün. Das Brüsseler Viertel ist ein lebendiger und überschaubarer Kiez mitten in der Großstadt, in dem es sich ganz gut leben lässt. Insgesamt ist das Viertel „normal“ geblieben – und das ist ja auch schon etwas.

Initiative für den Brüsseler Kiez: Kiezmacher

Beiträge aus dem Brüsseler Kiez