Essen zum Mitnehmen im Brüsseler Kiez

Take-away und Lie­fer­diens­te: Was kön­nen wir tun, wenn wir unse­re Cafés und Restau­rants auch nach der Kri­se behal­ten wol­len? Ganz ein­fach: Wir kön­nen sie jetzt unter­stüt­zen und unser Essen dort abho­len. In einer neu­en Serie stel­len wir euch in jedem Kiez eini­ge Orte vor, wo ihr Essen zum Mit­neh­men abho­len oder für die Lie­fe­rung bestel­len könnt. Heu­te: Tipps für den Brüs­se­ler Kiez, die See­stra­ße und die mitt­le­re Müllerstraße. 

“Krieg macht krank” – Das Anti-Kriegs-Museum

Fassade eines Museums
Anti-Kriegs-Muse­um Fas­sa­de / Foto: Aria­ne Hussy

Im wich­tigs­ten Aus­stel­lungs­stück des Anti-Kriegs-Muse­ums kann man ste­hen. Ein Glo­cken­spiel läu­tet, wenn man es betritt. Vitri­nen rei­hen sich an den Wän­den, gro­ße Augen schau­en von Fotos, Wiki­pe­dia-Aus­dru­cke und Kar­ten rascheln beim Rein­kom­men. Das wich­tigs­te Aus­stel­lungs­stück hat eine lan­ge Wan­de­rung hin­ter sich, es ist oft umge­zo­gen, wur­de ver­trie­ben und nicht gewollt und fand sich schließ­lich in der Brüs­se­ler Stra­ße 21 wie­der. Das wich­tigs­te Aus­ste­lungs­stück ist (da kann man kei­ne galan­te­re Poin­te zie­hen als die Wahr­heit) das Anti-Kriegs-Muse­um selbst. Ein Muse­um für den Frie­den, das dafür aber den Krieg zeigt.

Brüsseler Kiez: raue Schale, gemütlicher Kern

Antwerpener Str Ecke Brüsseler Str
Ant­wer­pe­ner Str. Ecke Brüs­se­ler Str.

Wer aus Köln kommt, kennt das dor­ti­ge “Bel­gi­sche Vier­tel” eher als Aus­geh­mei­le. Nicht ganz so aus­ge­prägt ist das in Ber­lin: das nach bel­gi­schen Städ­ten und Regio­nen benann­te Wed­din­ger Vier­tel besitzt eine schö­ne Alt­bau­sub­stanz aus der Zeit vor dem ers­ten Welt­krieg und aus der Zwi­schen­kriegs­zeit, ein paar schö­ne Knei­pen und die Vaga­bund-Braue­rei gibt es auch. Lei­der wirkt es an man­chen Stel­len aber etwas ver­nach­läs­sigt. Eine Bür­ger­initia­ti­ve küm­mert sich seit Jah­ren dar­um, den Kiez wie­der nach vor­ne zu brin­gen und aus dem Schat­ten der benach­bar­ten Vier­tel zu holen. Denn das Poten­zi­al ist enorm: mit der Beuth-Hoch­schu­le, dem Wochen­markt in der Gen­ter Stra­ße (mitt­wochs und sams­tags) und sei­ner schö­nen Bau­sub­stanz hat der Brüs­se­ler Kiez gute Chan­cen, ein äußerst attrak­ti­ves Wohn­ge­biet in zen­tra­ler Lage zu wer­den. Die Grün­an­la­ge auf dem Zep­pe­lin­platz in der Mit­te des Vier­tels wur­de 2016/17 mit För­der­gel­dern radi­kal umge­stal­tet und auf­ge­hübscht. Ein gro­ßer Spiel­platz zieht vie­le gro­ße und klei­ne Wed­din­ger an.

Blick auf bunte Häuserfassaden

Wich­ti­ge wis­sen­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen gehö­ren aber auch zum Brüs­se­ler Kiez: dort oder in unmit­tel­ba­rer Nähe befin­den sich näm­lich das Deut­sche Insti­tut für Zuckerfor­schung mit dem Zucker-Muse­um (2012 geschlos­sen), das 1923 gegrün­de­te Anti-Kriegs-Muse­um, die Kran­ken­haus­stadt Cam­pus Cha­ri­té Virchow-Kli­ni­kum, das bun­des­weit bekann­te Robert-Koch-Insti­tut und das Insti­tut für Gärungs­ge­wer­be und Biotechnologie.

Robert Koch Insti­tut an der Seestraße

Klar abgegrenztes Viertel mit Beuth-Hochschule

Ver­gleichs­wei­se spät ist die­ses Vier­tel bebaut wor­den. Eine ers­te Bau­pha­se war die Zeit um das Jahr 1900, als die typi­schen Miets­ka­ser­nen rund um die Brüs­se­ler Stra­ße hoch­ge­zo­gen wor­den. Die Kaper­naum­kir­che, die ursprüng­lich an einem klei­nen Platz ste­hen soll­te, ist heu­te in die Ecke Ant­wer­pe­ner Stra­ße des Bou­le­vards See­stra­ße inte­griert. Mit ihrer For­men­spra­che knüpft die 1902 fer­tig­ge­stell­te Kir­che an roma­ni­sche Sakral­bau­ten im Rhein­land an. Die See­stra­ße selbst ist Teil der Ber­li­ner Ring­stra­ßen, die von Peter Joseph Len­né 1841 geplant wur­den. Mit ihrem brei­ten Mit­tel­strei­fen, in dem auch die ein­zi­ge im West­teil Ber­lins ver­keh­ren­de Stra­ßen­bahn­stre­cke ver­läuft, ist sie eine der ver­kehrs­reichs­ten und brei­tes­ten Stra­ßen im Nor­den der Stadt. Der Abschnitt der See­stra­ße, der an den Brüs­se­ler Kiez grenzt, erhält durch die geschlos­se­ne Bebau­ung aus der Kai­ser­zeit einen beson­ders groß­städ­ti­schen Charakter.

In einer zwei­ten Bau­pha­se wur­de das Gebiet rund um den Zep­pe­lin­platz bebaut. Mit dem heu­ti­gen Haus Beuth, 1909 von Lud­wig Hoff­mann erbaut, steht ein beein­dru­cken­des Schul­ge­bäu­de für den ältes­ten Teil der Tech­ni­schen Fach­hoch­schu­le, heu­te die Beuth-Hoch­schu­le mit immer­hin 12.000 Studierenden.

Rund um die­sen einen gan­zen Block ein­neh­men­den Gebäu­de­kom­plex sind in den 1920er Jah­ren zahl­rei­che Anla­gen des sozia­len Woh­nungs­baus ent­stan­den. Eine Wohn­an­la­ge der glei­chen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft besteht aus vier sehr unter­schied­lich gestal­te­ten Blö­cken. Dort lebt es sich, trotz der unmit­tel­ba­ren Nähe einer Fach­hoch­schu­le und umrahmt von wich­ti­gen Haupt­ver­kehrs­stra­ßen, über­ra­schend ruhig und grün. Das Brüs­se­ler Vier­tel ist ein leben­di­ger und über­schau­ba­rer Kiez mit­ten in der Groß­stadt, in dem es sich ganz gut leben lässt. Ins­ge­samt ist das Vier­tel “nor­mal” geblie­ben – und das ist ja auch schon etwas.

 

Gastro-Hotspots im Sprengel- und im Brüsseler Kiez

AKTUALISIERT 2020 Auf den ers­ten Blick haben die bei­den Nach­bar­kieze höchs­tens die Beuth Hoch­schu­le gemein­sam. Abge­grenzt durch die lau­te See­stra­ße, die Mül­ler­stra­ße und den Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal hat sich im Spren­gel- und im Brüs­se­ler Kiez an drei Hot­spots aber ein gas­tro­no­mi­sches Eigen­le­ben ent­wi­ckelt, wie es sonst kaum ein Gebiet im Wed­ding besitzt.

Tradition im Kiez: das Valle dei Templi in der Brüsseler Straße

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Oli­ven und Brot gibt es immer zur Einstimmung

Obwohl es zu den unauf­fäl­li­ge­ren Loka­len der Stra­ße gehört, gibt es nur weni­ge, die das Val­le dei Tem­pli nicht ken­nen. Seit mehr als 14 Jah­ren ver­sorgt das Restau­rant den Kiez nun schon mit ita­lie­ni­schen Klas­si­kern wie Piz­za, Pas­ta oder Sal­tim­boc­ca. Grund genug für uns, mal wie­der vorbeizuschauen.

Spinner & Weber: Kreativraum hinter der roten Markise

Spinner und Weber

Die Brüs­se­ler Stra­ße ist reich an Knei­pen, Restau­rants und klei­nen Geschäf­ten. Eine rich­ti­ge Kiez­stra­ße eben. Mit dem Spin­ner & Weber ist ein Pro­jekt­raum im mitt­le­ren Teil der Brüs­se­ler Stra­ße und eine Art Ver­eins­haus hin­zu­ge­kom­men. Für Mit­glie­der des Trä­ger­ver­eins Rote Mar­ki­se e.V. gibt es einen Preis­nach­lass im Café- und Bar­be­trieb – der den­noch offen für alle Besu­cher ist.

Das Brüsseler Eck, eine typische Eckkneipe…

Brüsseler Eck (C) Michael Wick
Brüs­se­ler Ecke Genter

Vie­le haben bestimmt schon mal hin­ein gespäht, in die typi­sche Wed­din­ger Eck­knei­pe. Hin­ter Spit­zen­gar­di­nen und Leucht­re­kla­me ver­birgt sich eine klei­ne Par­al­lel­welt, in der die Zeit still zu ste­hen scheint. Auf mich, einen zuge­zo­ge­nen Wahl­wed­din­ger, übten die­se Orte schon immer eine beson­de­re Anzie­hungs­kraft aus. Eine die­ser Eck­knei­pen, das Brüs­se­ler Eck, befin­det sich in mei­ner direk­ten Nach­bar­schaft. Oft schon bin ich auf dem Weg zur Stra­ßen­bahn dar­an vor­bei gelau­fen, habe sehn­süch­ti­ge Bli­cke in das halb­dunk­le Inne­re gewor­fen, den Duft von altem Ziga­ret­ten­rauch geschnup­pert und dem rie­si­gen Hund, der zu jeder Tag und Nacht­zeit mit treu­em Blick am Ein­gang Wache hält, den zot­te­li­gen Kopf getät­schelt. Hin­ein trau­te ich mich jedoch nicht, ich fühl­te mich wie ein Ein­dring­ling, der mit sei­ner Neu­gier­de die Ruhe stört; zu oft hat­te ich die alt­ein­ge­ses­se­nen Ber­li­ner über die Tou­ris­ten und die Zuge­zo­ge­nen schimp­fen hören.

“L’Escargot”: Feines Essen, das sein Geld wert ist

L'escargot RestaurantEin ita­lie­ni­scher Koch, der spür­bar Lust an sei­nem Beruf hat, freund­li­ches Per­so­nal, vie­le Stamm­gäs­te nicht nur aus dem Brüs­se­ler Kiez – das macht das L’Escargot in der Brüs­se­ler Stra­ße schon seit vie­len Jah­ren aus. Das medi­ter­ran gepräg­te Essen mit sei­nen gro­ßen Por­tio­nen kommt bei den meis­ten Gäs­ten gut an. Die Prei­se sind für Wed­din­ger Ver­hält­nis­se recht stolz, aber für die gebo­te­ne Qua­li­tät und Fri­sche kann sich das L’escargot durch­aus mit ver­gleich­ba­ren Restau­rants in bes­se­ren Lagen messen.

Beim Dart Nachbarn treffen – “Vier-Kneipen-Dartturnier” im Brüsseler Kiez

Der erst in die­sem Jahr gegrün­de­te För­der­ver­ein Brüs­se­ler Kiez ver­an­stal­tet am 11. August das ers­te Vier-Knei­pen-Dart­tur­nier. 32 Spie­ler dar­ten an die­sem Tag ab 14 Uhr in sie­ben Run­den um den Sieg. Das Beson­de­re an dem Tur­nier ist, dass es gleich­zei­tig in vier Loka­len ent­lang der Brüs­se­ler Stra­ße statt­fin­det und die Dar­ter im Ver­lau­fe des Tur­niers den Spiel­ort mehr­mals wechseln.

Gre­gor Cleo­phas, Vor­sit­zen­der des Ver­eins “Brüs­se­ler Kiez”, erklärt zu die­ser Idee:„Als Ver­ein wol­len wir die nach­bar­schaft­li­chen Bezie­hun­gen för­dern.” Mög­lichst vie­le Nach­barn anspre­chen und mit­ein­an­der ins Gespräch brin­gen – dazu ist Dart­spie­len eine geeig­ne­te Form.

Dani­el Frank, der im Wed­ding bereits seit 1984 Dart­zu­be­hör in Ber­lin ver­kauft und seit­dem auch das Dart­spiel sowohl auf Ver­eins- als auch auf Ver­bands­ebe­ne unter­stützt, ergänzt: „ Da bei die­sem Tur­nier zusätz­lich mehr­mals der Spiel­ort gewech­selt wird, ist der sport­li­che Gedan­ke opti­mal mit dem nach­bar­schaft­li­chen Gedan­ken ver­bun­den. Dies hat mir sofort gefallen.“

Kris­si, Betrei­be­rin einer der Knei­pen, die sich als Spiel­ort zur Ver­fü­gung gestellt haben, sagt: „Unse­re Loka­le wer­den zumeist von Stamm­gäs­ten besucht, die uns treu und selbst­ver­ständ­lich wich­tig sind. Durch unse­re Mit­wir­kung als Spiel­ort kön­nen wir jedoch neue Gäs­te begrü­ßen, wor­über wir uns natür­lich freu­en. Min­des­tens genau­so wich­tig ist es uns aber, durch unse­re Teil­nah­me den För­der­ver­ein bei sei­nen Bemü­hun­gen zu unter­stüt­zen – schließ­lich pro­fi­tie­ren wir alle im Brüs­se­ler Kiez von einem guten, nach­bar­schaft­li­chen Miteinander.“

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.kiezmacher.de und www.facebook.com/kiezmacher

11. August, ab 14.00 Uhr, im Brüsseler Kiez