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Sperrmüll in der Brüsseler Straße:
Wenn die Wanzen-Matratze zum Denkmal wird

14. Februar 2026
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Eine Kiezbewohnerin kapituliert vor dem Müll – und die Behörden schieben sich die Zuständigkeiten hin und her wie eine heiße Kartoffel. Währenddessen feierte ein ganz besonderes Möbelstück in der Brüsseler Straße sein einwöchiges Jubiläum. Herzlich willkommen im Weddinger Behörden-Dschungel.

Man kennt das im Wedding: Ein alter Sessel hier, ein kaputter Kühlschrank da – urbanes Flair nennt man das wohl. Doch was sich vor der Brüsseler Straße 33/34 abspielte, hat eine neue Qualität. Seit dem 6. Februar residiert dort eine Matratze. Klingt banal? Nicht, falls das gute Stück massiv mit Bettwanzen befallen sein sollte.

Leserfoto von der Matratze in der Brüsseler Straße

Unsere Leserin Liz macht sich Sorgen um die Gesundheit im Kiez. Sie hat alles richtig gemacht: Foto geschossen, Meldung über „Ordnungsamt-Online“ rausgehauen, Bestätigung kassiert. Und dann? Passierte: nichts. Außer vielleicht, dass die Wanzen sich über die milder werdende Berliner Luft freuen.

Die „Wir-sind-nicht-zuständig“-Olympiade

Wir haben beim Bezirksamt Mitte nachgefragt. Die Antwort, die wir sofort bekommen, ist formal richtig, wirkt aber auf den genervten Bürger wie ein Meisterwerk der bürokratischen Prosa. Kurz zusammengefasst: Das Ordnungsamt ist nur der Postbote, die BSR ist der Empfänger, und überhaupt ist gerade Winter.

„Das Ordnungsamt ist nicht für die Entsorgung des Mülls im öffentlichen Straßenland zuständig“, lässt man uns wissen. Man leite ja nur an die BSR weiter.

Der Bezirk vermutet, die BSR-Kräfte seien noch im Winterdienst gebunden. Man hoffe, dass mit „Normalisierung der Witterung“ die Müllbeseitigung wieder „in den Vordergrund rückt“. Der ganze Wedding hofft da gleich mit.

Zurük zu Liz. Sie griff zum Hörer und rief bei der BSR an. Das Ergebnis klingt wie Realsatire: Der Vorgang wurde dort bereits als „erledigt“ abgeschlossen. Man muss sich das bildlich vorstellen: Ein Mitarbeiter hakt im System ab „Matratze weg“, während das Objekt der Begierde vor Ort munter weiter Parasiten im Kiez verteilt. Vielleicht wurde die Matratze ja digital entsorgt? Im Metaversum ist die Brüsseler Straße sicher blitzblank. In der Realität teilte man der verzweifelten Anwohnerin lediglich mit, man werde den Fall „intern erneut weiterleiten“.

Die Brüsseler Straße ist seit zwei Jahren ein „chronischer Hotspot“ für illegalen Müll. Die Anwohner fühlen sich im Stich gelassen. Zuständigkeit hin oder her: Es reicht nicht, Mails von A nach B zu schieben, während die Wanzen in A bleiben.

Nachklapp

Übrigens haben wir gestern noch mal nachgefragt: Liz konnte freudig berichten, dass die Matratze „Beine“ bekommen hat und nach genau einer Woche verschwunden ist. Vielleicht hieß bei der BSR „erledigt“, dass der Auftrag definitiv an den Aufräum-Trupp ergangen ist? Am Wording arbeiten die Verantwortlichen hoffentlich noch!

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

9 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Ist wohl in den letzten Jahren schlimmer geworden. Überfüllte Wohnungen, Airnb-Touristen, neue/ vorübergehende Bewohner aus Ländern mit Wegwerfmentalität, Bauarbeiter mit hohem Alkoholkonsum (so viel kleine Wodkafläschchen hier und da),…spielen wohl eine Rolle. Man kriegt jedenfalls zunehmend Waschzwang beim Spazierengehen !

  2. Es mag sein, dass (fast) alle Weddinger Müll auf die Straße werfen… ich ärgere mich z.B. darüber, dass in der MajMaj-Allee immer noch Berge von Sylvesterraketenmüll liegen, so wie bis vor kurzem in der Londoner Str… die Jungens, die da geböllert haben, waren wohl danach zu schlapp, um ihren Müll einzusammeln…. aber wer schmeißt Säcke voll Müll und Schutt an das Donagestell am Rande der Rehberge? Die Füchse und die Rehe etwa???

  3. Die Ordnungsamt App ist ein echter Witz. Nich nur, dass „erledigt“ eben nur weitergeleitet heißt. Im Gespräch mit BSR-Mitarbeitern habe ich erfahren, dass sie ihre Aufräum-Touren ganz unabhängig von den Meldungen der Bürger in der App planen. Gut, dass sich wenigstens nach Berichten im Weddingweiser manchmal was tut.

  4. Erstaunlich, dass im Unterschied zu den anderen Straßen des Brüsseler Kiez die Brüsseler Straße, die ganz traditionell bebaut ist, so viel mehr (!!) Sperrmüll anfällt.
    Die Antwerpener hat eine doppelte Baumreihe in der Mitte, die Lütticher teilweise auch, die Ostender hat tote Ecken am Zeppi und am Hauptgebäude der BHT, die Seestraße mit den breiten Trottoirs bietet Autofahrern leichtes Spiel zum Abwerfen.

    Dies ist kein Vorwurf an die Bewohnerinnen und Bewohner der Brüsseler Straße: Aber was macht den Unterschied, dass in einer eher engen Wohnstraße, die soziale Kontrolle bieten könnte/müsste, so viel mehr Müll landet?

    • An erster Stelle sind diese Müllhaufen ja den Einwohnern zuzuschreiben. Was sind nur für Menschen in den Wedding gezogen, oder generell gesagt, nach Berlin.? Ist ja nicht nur im Wedding so. Ich hatte jedenfalls gute Erlebnisse mit dem Ordnungsamt, betreffs Müll. Klappte jedenfalls bisher immer alles schnell.
      Jetzt werden viele aufschreien “ Datenschutz!!!!! „, aber ich bin für Kameras. Engländer und Amerikaner leben auch damit.

  5. Verantwortlich sind in erster Linie die Kiezbewohner, die so großzügig ihre Möbel der Allgemeinheit überlassen oder als Lebensraum zur Verfügung stellen. Also sollte die Kritik zuallererst an diese Mitbewohner adressiert sein und nicht an das Ordnungsamt.

  6. Guten Morgen ☕️.

    Hier in der Lynarstraße dasselbe. Vom Bahnhof Wedding bis Nordufer ist so viel Müll in den Baumscheiben zu „bewundern“, es ist (fast) zum Kapitulieren.
    Der Sprengelkiez hat wunderschöne Cafés, Restaurants und Bars, aber setze ich die rosarote Kiezbrille mal ab, so kann ich zu keinem anderen Urteil kommen: auch der Sprengelkiez ist hinsichtlich des Mülls LÄNGST gekippt.

  7. Herr Schriners Qualifikation… er ist Grüner… aber die Matraze wurde wohl von Besitzer rausgestellt, in Erwartung einer Frostperiode, damit die Viecher strerben. JETZT sind die erfroren und die Matraze ist wieder im Warmen.

  8. Sachlich und örtlich zuständiger Stadtrat ist Herr Schriner. Wie ist die Qualifikation seiner Mitarbeiter zu bewerten? Kürzlich erhielt ich auf eine Anfrage zum Kiezblock Flottwellstr., gerichtet an BzBm, ein denkwürdiges Antwortschreiben des persönlichen Referenten des Herrn Schriner, mit amtlichem Briefkopf. Auf etwa 1 und 1/4 Seiten zeigten sich Summa summarum zehn Schreibfehler, was nicht auf eine flüchtige Verfehlung sondern auf ein Muster schließen läßt. Ein derartiges Machwerk dem Bürger anzubieten, unglaublich. Mein Ärgernis habe ich BzBm gegenüber zum Ausdruck gebracht (Thema: mangelhafte Kenntnisse der Amtssprache). Deren Antwort, immerhin lobenswert, enthielt einen eklatanten Rechtschreibfehler (Singular mit Plural verwechselt) sowie auf knapp 1 1/2 Seiten 7 x die Verwendung von dass, in zwei Sätzen gleich doppelt.
    Die verzögerte Entsorgung der Matraze bleibt ärgerlich; könnten ungenügende Deutschkenntnisse im Ordnungsamt ursächlich für Mißverständnisse sein?

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