Die Panke entlang (Teil 2)

Gedenkstein WiesenstrIm ersten Teil sind wir schon von der Mündung der Panke am Nordhafen bis zur Pankstraße entlanggewandert – durch eine Art Niemandsland, zwischen Wohnhauszeilen und alten Fabrikgebäuden. Jetzt geht es weiter durch Gesundbrunnen bis fast zum Bürgerpark Pankow.

Wir starten an der Pankstraße 83. Idyllisch fließt hier die kanalisierte Panke zwischen den Brücken der Pankstraße und der Wiesenstraße, entlang begrünter Hinterhöfe und Wohnhäuser der 1950er Jahre. Der erste nachweisbare Siedlungskern des Wedding, ein landwirtschaftliches Gut im Besitz der Stadt Berlin und später des Kurfürsten, erstreckte sich genau hier ab dem 13. Jahrhundert. Die letzten Gebäude des Weddinghofes verschwanden erst während des Mietskasernenbaus der Gründerzeit. Genauso schwer ist heute vorstellbar, dass am 1. Mai 1929 in der Kösliner Straße, die sich hinter den Neubauten befindet, Straßenschlachten tobten, die mindestens 19 zivile Todesopfer forderten. Dieses Gebiet war eine kommunistische Hochburg, die den Beinamen des Bezirks „Roter Wedding“ prägte. Nur ein Findlings-Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke erinnert heute noch daran – die einst so stadtbildprägenden Mietskasernen sind hier jedenfalls verschwunden.

Grüntaler Straße: Der Wandel kommt von Süden

Eckkneipe Beim Dicken Grüntaler Straße Gesundbrunnen
Foto: Samuel Orsenne

Lange war sie eine unauffällige Wohnstraße, nur wenige hundert Meter von der ehemaligen Zonengrenze an der Bornholmer Brücke entfernt. Doch seit einigen Jahren tut sich etwas in der Grüntaler Straße in Gesundbrunnen– vor allem an ihrem südwestlichen Ende. Neben neuen Bars gibt es auch einen Laden mit Büchern über elektronische Musik und die Möglichkeit, in eine Performance zu geraten.

Ein Spaziergang durch Gesundbrunnen

St Paul BadstraßeUnser Rundgang beginnt an der Badstraßenbrücke über die Panke. Wir biegen in die Badstraße ein, wo es auf dem Abschnitt bis zur Pankstraße noch eine geschlossene gründerzeitliche Bebauung mit reich verzierten Wohnhäusern gibt (z.B. Vorderhaus des Marienbads Badstraße 35-36; aus dem Jahr 1904/05 mit einer Hermes-Skulptur über einem Bogen). Ein stilprägender Kirchenbau ziert die Ecke Badstraße/Pankstraße. Die St.Pauls-Kirche von 1835 wurde als eine von vier Nordberliner Kirchen durch Karl Friedrich Schinkel geplant. Der klassizistisch-nüchterne Hallenbau wurde erst 1889/90 um einen Glockenturm und 1910/11 durch ein Gemeindehaus ergänzt. Da die Kirche im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt war, wurde sie äußerlich originalgetreu, innen aber von 1952-57 im zeitgenössischen Stil wieder aufgebaut (Architekt H.Wolff-Grohmann). Dieser steht als Zeugnis der Architektur der 1950er Jahre selbst unter Denkmalschutz.

Wo der Wedding noch flüssig ist: Wirtschaft an der Panke

Die Panke und die Industrie stehen in enger Beziehung zueinander. So bedeutend wie die Panke für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins war, so sehr hat der Fluss unter den schädlichen Umwelteinflüssen zu leiden. Nur: wie konnte es dazu kommen, dass der Weddinger Fluss im Volksmund als „Stinkepanke“ bekannt ist? Immerhin wurde im Mittelalter in Bernau, nahe des Panke-Quellgebiets, aus Pankewasser noch besonders schmackhaftes Starkbier gebraut…

Badstraßenkiez: Wo einst eine Quelle sprudelte

Weder die modernen Gebäude des Fern- und Regionalbahnhofs Gesundbrunnen noch die äußere Erscheinung der umliegenden Gebäude lassen heute noch erahnen, wo die Herkunft des Namens Gesundbrunnens zu suchen ist.

Tatsächlich war an der Stelle, an der die heutige Badstraße die Panke kreuzt, für einige Jahre ein Kurbetrieb angesiedelt, dem der ganze Ortsteil seinen Namen verdankt. Spätestens seit 1702 ist die Pankebrücke erwähnt, und kurz darauf entstand an dieser Stelle eine Walkmühle. Deren Nachfolgegebäude von 1844 mit aufgemaltem Mühlrad kann man heute noch dort finden.

The Castle Pub: Sláinte

Im Castle PubAktualisiert Juni 2017: Jahrelang lagen die Räumlichkeiten in der Hochstraße 2 brach. Seit September 2013 hatte sich dort nach umfangreichen Renovierungs- und Umbauarbeiten das Castle Pub eingerichtet und den Kiez um gleich mehrere dringend benötigte Facetten bereichert-  tolle Atmosphäre, akustische Live-Konzerte, Craft Beer und natürlich: Guinness. Ende April 2017 schloss der beliebte Pub und zog unter dem Namen The Castle Berlin in die Invalidenstraße 129 in Mitte.

„Café Pförtner“ – So gemütlich kann ein BVG-Bus sein

Die Berliner haben ein besonderes Faible für das „Ehemalige“, da ist der Wedding keine Ausnahme: Getanzt wurde im ehemaligen Hallenbad, gespielt in der ehemaligen Zündholzfabrik  … und gegessen wird im ehemaligen BVG-Pförtnerhäuschen. Das kleine Backsteinhaus, in dem das Restaurant Pförtner seine legendäre Pasta zaubert, hat seinen Gästen viel zu bieten.