Ungewöhnliche Geschäfte im Wedding (Teil 1)

Lange vergessener Laden in der Seestraße

Im Wedding gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Vor allem aber verstecken sich im Kiez ungewöhnliche Läden, die wir als Weddinger unbedingt unterstützen sollten. Denn bevor alles nur noch von den immer gleichen Ketten dominiert wird, sollten wir uns an den vielen bunten Shops erfreuen, die es zum Teil schon sehr lange gibt. Hoffen wir, dass das angesichts steigender Mieten noch lange so bleibt. In unsere Serie stellen wir euch einige besondere Läden vor.

Ohne Industrie kein Wedding

In den Osram-Höfen

Als 1861 das weitgehend unbesiedelte und vor allem landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Land nördlich der Stadt Berlin eingemeindet wurde, erfolgte dies gegen den Willen der Berliner Stadtväter. Mit der Bevölkerung auf dem Wedding und am Gesundbrunnen wollten sie gar nichts zu tun haben, diese würden bald städtische Infrastruktur und Wohlfahrt brauchen. Das ließ hohe Kosten erwarten. Das war sehr kurzsichtig, denn die Gebietserweiterung verschaffte der aufblühenden Industrie neue Erweiterungsflächen außerhalb der dicht bebauten Stadt. Und so stieg das vorstädtische Gelände rund um Wedding und Gesundbrunnen zu einer dicht bebauten Stadt voller Arbeitsplätze auf.

Die Liesenbrücken werden zur Location

5.2.2020 Es ist ein Auftrag, von dem viele Architekten träumen: Lassen Sie sich etwas für eine Brücke einfallen! Die Architekten Gil Wilk und Ana Salinas haben die ungewöhnliche Aufgabe erhalten, aus den Stahlkolossen der Liesenbrücken Gebäudeflächen zu machen. Der Besitzer der Brücken, das Unternehmen CapRate, bestätigt, dass eine Beherbergungsstätte mit 340 Zimmern und eine Veranstaltungsfläche für 800 Personen geplant sei.

Zukunft der Uferhallen steht auf dem Spiel

Fabrik- und VerwaltungsgebäudeFrüher BVG-Werkstätten, heute Kulturstandort erster Güte: Die Uferhallen zwischen Uferstraße und Gottschedstraße haben sich seit 2007 zu einem vielfältigen Standort für Ateliers und andere künstlerisch genutzte Räume entwickelt. Seit dem Erwerb des Geländes durch einen Investor im Jahr 2017 steht diese Vielfalt auf dem Spiel. Nun haben sich die im Uferhallen e.V. zusammengeschlossenen Mieterinnen und Mieter mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt. Sie fordern von der Politik ein Bekenntnis zu freien Kreativräumen in zentraler Lage.

„Keller Door Books“ – 2nd Hand-Buchladen in Wedding

Wer liebt nicht den Geruch von Büchern und die beruhigende Wirkung von Papier? Mit einer Wortkombination aus Englisch und Deutsch eröffneten Britt Leppik samt Partner den  2nd Hand -Buchladen „Keller Doors“ neu.  Der Name verweist auf eine geheime Kellertür, die sich unter einem Teppich im Buchladen befindet. Gleichzeitig soll er den multikulturellen Lifestyle Weddings unterstreichen. Das aus Estland kommende Paar schätzt die kosmopolitische Atmosphäre dieses Viertels und das Gemeinschaftsgefühl hier, was sie mit diesem Laden zusätzlich unterstützen möchten. Gegründet wurde der Bücherladen ursprünglich von William Parker unter dem Namen „The Book Nook“. Dieser besitzt übrigens einen zweiten Laden in Neukölln.

Café Bades: Gastfreundschaft im Antonkiez

In der sonst ruhigen Antonstraße am Leo kann man von weitem seit etwas mehr als einem Jahr auf dem Bürgersteig vor dem Café Bades stets ein Grüppchen junger Leute ausmachen. Die Volkshochschule Mitte nebenan und die Wedding-Grundschule gegenüber sorgen für eine bunte Mischung. Und in der weiteren Nachbarschaft hat sich die Qualität des Espressos und Latte rumgesprochen; eine kleine italienische Fangemeinde gehört ebenfalls schon zur Bades-Community.