Woran im Wedding geforscht wurde – und wird

Standort für Biotechnologie
Cra­nach Haus des Virchow-Klinikums

Desi­gner-Babys, geklon­te Scha­fe oder Gen-Food sind wahr­schein­lich die ers­ten Din­ge, die einem Men­schen in den Sinn kom­men, wenn er oder sie das Wort ‚Gen­tech­nik‘ hört. Seit der Coro­na-Pan­de­mie den­ken vie­le viel­leicht aber auch an den bahn­bre­chen­den mRNA-Impf­stoff von Pfi­zer und BioNtech.Kleiner Exkurs: Bio­N­tech steht für Bio and Tech­no­lo­gy, zu deutsch also Bio­tech­no­lo­gie, genau die Tech­no­lo­gie, mit wel­cher ich mich am Virchow-Kli­ni­kum im Wed­ding beschäftige.

Wedding kurz & knapp

Wedding kurz & knappCoro­na, Coro­na!  Eini­ge beson­ders gelieb­te Türen im Wed­ding soll­ten in der kom­men­den Woche eigent­lich wie­der öff­nen… Nun hat der neu­er­li­che Lock­down die­se Plä­ne ver­ei­telt . Was geschah bis zu den neu­en Maß­nah­men, was kommt nun? Wer die Wed­ding-News gele­sen hat, der weiß, wo was los war und dem­nächst (online) sein wird. Hier kommt der Wed­ding-Sta­tus in 22 Meldungen.

Neue Gleise, altes Lied: BVG saniert Tram

Foto: Sula­mith Sallmann

Kei­ne Tram auf der See­stra­ße, das kennt man schon. Bereits 2018 wur­de die Stra­ßen­bahn­stre­cke zwi­schen Virchow-Kli­ni­kum und der Turi­ner Stra­ße erneu­ert. Jetzt kommt ein wei­te­rer Abschnitt dran. Dafür wird drei Wochen lang der Stra­ßen­bahn­ver­kehr zwi­schen Björn­son­stra­ße und dem Virchow-Kli­ni­kum unter­bro­chen. Ab 25. Juni wird gebaut – dann fah­ren die Trams nur bis zum Loui­se-Schroe­der-Platz. Bis zum 16. Novem­ber müs­sen Fahr­gäs­te zwi­schen Virchow-Kli­ni­kum und Loui­se-Schroe­der-Platz auf einen Bus-Ersatz­ver­kehr ausweichen.

Brüsseler Kiez: raue Schale, gemütlicher Kern

Antwerpener Str Ecke Brüsseler Str
Ant­wer­pe­ner Str. Ecke Brüs­se­ler Str.

Wer aus Köln kommt, kennt das dor­ti­ge “Bel­gi­sche Vier­tel” eher als Aus­geh­mei­le. Nicht ganz so aus­ge­prägt ist das in Ber­lin: das nach bel­gi­schen Städ­ten und Regio­nen benann­te Wed­din­ger Vier­tel besitzt eine schö­ne Alt­bau­sub­stanz aus der Zeit vor dem ers­ten Welt­krieg und aus der Zwi­schen­kriegs­zeit, ein paar schö­ne Knei­pen und die Vaga­bund-Braue­rei gibt es auch. Lei­der wirkt es an man­chen Stel­len aber etwas ver­nach­läs­sigt. Eine Bür­ger­initia­ti­ve küm­mert sich seit Jah­ren dar­um, den Kiez wie­der nach vor­ne zu brin­gen und aus dem Schat­ten der benach­bar­ten Vier­tel zu holen. Denn das Poten­zi­al ist enorm: mit der Beuth-Hoch­schu­le, dem Wochen­markt in der Gen­ter Stra­ße (mitt­wochs und sams­tags) und sei­ner schö­nen Bau­sub­stanz hat der Brüs­se­ler Kiez gute Chan­cen, ein äußerst attrak­ti­ves Wohn­ge­biet in zen­tra­ler Lage zu wer­den. Die Grün­an­la­ge auf dem Zep­pe­lin­platz in der Mit­te des Vier­tels wur­de 2016/17 mit För­der­gel­dern radi­kal umge­stal­tet und auf­ge­hübscht. Ein gro­ßer Spiel­platz zieht vie­le gro­ße und klei­ne Wed­din­ger an.

Blick auf bunte Häuserfassaden

Wich­ti­ge wis­sen­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen gehö­ren aber auch zum Brüs­se­ler Kiez: dort oder in unmit­tel­ba­rer Nähe befin­den sich näm­lich das Deut­sche Insti­tut für Zuckerfor­schung mit dem Zucker-Muse­um (2012 geschlos­sen), das 1923 gegrün­de­te Anti-Kriegs-Muse­um, die Kran­ken­haus­stadt Cam­pus Cha­ri­té Virchow-Kli­ni­kum, das bun­des­weit bekann­te Robert-Koch-Insti­tut und das Insti­tut für Gärungs­ge­wer­be und Biotechnologie.

Robert Koch Insti­tut an der Seestraße

Klar abgegrenztes Viertel mit Beuth-Hochschule

Ver­gleichs­wei­se spät ist die­ses Vier­tel bebaut wor­den. Eine ers­te Bau­pha­se war die Zeit um das Jahr 1900, als die typi­schen Miets­ka­ser­nen rund um die Brüs­se­ler Stra­ße hoch­ge­zo­gen wor­den. Die Kaper­naum­kir­che, die ursprüng­lich an einem klei­nen Platz ste­hen soll­te, ist heu­te in die Ecke Ant­wer­pe­ner Stra­ße des Bou­le­vards See­stra­ße inte­griert. Mit ihrer For­men­spra­che knüpft die 1902 fer­tig­ge­stell­te Kir­che an roma­ni­sche Sakral­bau­ten im Rhein­land an. Die See­stra­ße selbst ist Teil der Ber­li­ner Ring­stra­ßen, die von Peter Joseph Len­né 1841 geplant wur­den. Mit ihrem brei­ten Mit­tel­strei­fen, in dem auch die ein­zi­ge im West­teil Ber­lins ver­keh­ren­de Stra­ßen­bahn­stre­cke ver­läuft, ist sie eine der ver­kehrs­reichs­ten und brei­tes­ten Stra­ßen im Nor­den der Stadt. Der Abschnitt der See­stra­ße, der an den Brüs­se­ler Kiez grenzt, erhält durch die geschlos­se­ne Bebau­ung aus der Kai­ser­zeit einen beson­ders groß­städ­ti­schen Charakter.

In einer zwei­ten Bau­pha­se wur­de das Gebiet rund um den Zep­pe­lin­platz bebaut. Mit dem heu­ti­gen Haus Beuth, 1909 von Lud­wig Hoff­mann erbaut, steht ein beein­dru­cken­des Schul­ge­bäu­de für den ältes­ten Teil der Tech­ni­schen Fach­hoch­schu­le, heu­te die Beuth-Hoch­schu­le mit immer­hin 12.000 Studierenden.

Rund um die­sen einen gan­zen Block ein­neh­men­den Gebäu­de­kom­plex sind in den 1920er Jah­ren zahl­rei­che Anla­gen des sozia­len Woh­nungs­baus ent­stan­den. Eine Wohn­an­la­ge der glei­chen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft besteht aus vier sehr unter­schied­lich gestal­te­ten Blö­cken. Dort lebt es sich, trotz der unmit­tel­ba­ren Nähe einer Fach­hoch­schu­le und umrahmt von wich­ti­gen Haupt­ver­kehrs­stra­ßen, über­ra­schend ruhig und grün. Das Brüs­se­ler Vier­tel ist ein leben­di­ger und über­schau­ba­rer Kiez mit­ten in der Groß­stadt, in dem es sich ganz gut leben lässt. Ins­ge­samt ist das Vier­tel “nor­mal” geblie­ben – und das ist ja auch schon etwas.

 

Ersatzverkehr adé, hallo Tram!

C) Julia Groschel
C) Julia Groschel

Über drei Mona­te war die wich­ti­ge Stra­ßen­bahn­stre­cke über die Böse­brü­cke bis zum Virchow-Kli­ni­kum gesperrt. Doch ab Mon­tag, den 27. Juni ist für Stra­ßen­bahn­nut­zer auf der Ost-West-Ach­se alles wie­der wie gewohnt – die BVG ist näm­lich dank prä­zi­ser Pla­nung auf allen acht Abschnit­ten pünkt­lich fer­tig geworden!

Die kleene Weddingerin und das Virchow-Klinikum

Informationsabend für werdende Eltern

Virchow bei Tag

Jeden ers­ten Diens­tag im Monat, vor­zugs­wei­se drei Ster­ne nach Son­nen­un­ter­gang oder wie Pedan­ten es nen­nen wür­den: Ab 19:00h fin­det im Virchow-Kli­ni­kum im Wed­ding der Infor­ma­ti­ons­abend aller Infor­ma­ti­ons­aben­de für Eltern­men­schen in spe statt. Wenn man Glück hat, ist sogar eine Kreiß­saal- bzw. Geburts­saal­be­sich­ti­gung inklusive.

Im Publi­kum vor­ne links eine schwan­ge­re Frau. Ganz ohne Part­ner und völ­lig allein. Nein, die Arme. Wie schlimm. Und sie­he, auch das über­heb­li­che Mit­leid der Kom­par­sen aller Sitz­rei­hen hin­ter ihr hat sich nun also ein­ge­fun­den. Man zeigt nicht mit Fin­gern, aber das Tuscheln ist auf die Flu­re deut­lich zu ver­neh­men. Ich blät­ter’ durch’s Pro­gramm. Es geht los. Ers­ter Auf­zug. Ers­ter Satz.

Chef­arzt, Sta­ti­ons­lei­tung, Heb­am­men ste­hen im Ram­pen­licht. Hör­saal 6 ist aus­ver­kauft, so scheint’s. Ein in die Jah­re gekom­me­ner Lap­top unbe­kann­ter Mar­ke über­nimmt schnell das Pro­gramm und führt die Ver­neh­mer­schaft durch die wun­der­sa­me Welt der Babys und Krankenhäuser.

Prof.Dr.med. Sta­ti­ons­arzt ver­si­chert, 90% der Väter sei­en bei der Geburt des eige­nen Nach­wuch­ses im Kreiß­saal prä­sent. Uns aber erschien das immer unpas­send. Wir sind näm­lich die Ande­ren, die Aus­sät­zi­gen. Die zehn Pro­zent. Ich blät­te­re wei­ter durch’s Pro­gramm und ver­hal­te mich mög­lichst unauf­fäl­lig. Seit­dem wir wuss­ten, dass wir das Frei­los für die Are­na des Eltern­seins gezo­gen hat­ten, wuss­ten wir auch, die­se wun­der­sa­me Welt soll­te nicht unnö­tig mit geburt­li­chen Details belas­tet wer­den. Mythisch und auf­re­gend soll­te sie blei­ben. Welch guter Plan. Welch idio­ti­scher Plan. Die Ent­schei­dung für eine Kli­nik in Lauf­nä­he, zumal mit Neo­na­to­lo­gie, das war wahr­schein­lich die ein­zig klu­ge Ent­schei­dung an die­sem Abend.

Jugendgästehaus Nordufer: Ein Zuhause auf Zeit im Grünen

Jugendgaestehaus-am-Nordufer-Blick-vom-NordhafenZum Plöt­zen­see kommt man aus weni­gen Grün­den: Ent­we­der man hat einen Ein­be­ru­fungs­be­fehl in den benach­bar­ten Knast, man kommt gezielt zum Baden bzw. Tret­boot­fah­ren oder man besucht die Gedenk­stät­te für die Opfer der Nazi-Dik­ta­tur. Den bes­ten Grund hab ich irgend­wann auf der Suche nach einer bezahl­ba­ren Unter­kunft für ein paar Tage zufäl­lig im Inter­net ent­deckt: Das Jugend­gäs­te­haus Nordufer.

Plätze im Wedding

Fal­len wir gleich mal mit der Tür ins Haus und behaup­ten: im Wed­ding gibt es eigent­lich so gut wie kei­ne schö­nen Stadt­plät­ze. Ent­we­der sind es vom Ver­kehr umtos­te Frei­flä­chen oder viel zu gro­ße unwirt­li­che Area­le, als dass man sie als belieb­te Treff­punk­te mit städ­ti­schem Leben wahr­nimmt. Hier eine Top Ten der Frei­flä­chen, die das Wort Platz im Namen füh­ren, von denen aber die wenigs­ten eine ech­te Auf­ent­halts­qua­li­tät besitzen:

Leopoldplatz

Ein langer harter Winter mit Schnee bis in den April...
Ein lan­ger har­ter Win­ter mit Schnee bis in den April…

Der Schnitt­punkt der Ver­kehrs­schnei­sen Mül­ler­stra­ße und Schul­stra­ße, unter dem sich auch gleich zwei U‑Bahn-Lini­en über­ein­an­der kreu­zen, trägt sei­nen Namen seit 1891. Wie vie­le Stra­ßen im Kiez bezieht sich der Name auf den Spa­ni­schen Erb­fol­ge­krieg von 1701–1714. Leo­pold I., Fürst von Anhalt-Des­sau (1676–1747) kämpf­te auf Sei­ten Preu­ßens und war auch als “der alte Des­sau­er” bekannt. Ein­ge­rahmt wird der Platz auf der offe­nen Nord­ost­sei­te von der zunächst kaum als Sakral­bau erkenn­ba­ren Alten Naza­reth­kir­che, die bis 1835 von Karl Fried­rich Schin­kel erbaut wur­de. Die Frei­flä­che zwi­schen den drei den Platz begren­zen­den Stra­ßen und der turm­lo­sen klas­si­zis­ti­schen Kir­che ist ein tra­di­tio­nel­ler Markt­stand­ort und besitzt mit der Skulp­tur “Ado­rant” (Nach­guss des Beten­den Jüng­lings von 325 v.Chr.) ein bedeu­ten­des Kunst­werk, aller­dings gut ver­steckt an sei­nem süd­west­li­chen Rand. Trotz sei­ner über­be­zirk­li­chen Bedeu­tung (vor allem durch das Kar­stadt-Kauf­haus und die U‑Bahn-Kreu­zung) ist der eigent­li­che Platz ein eher zugi­ger Ort, an dem man sich nur ungern län­ger auf­hält als unbe­dingt not­wen­dig. Die vor­letz­te Umge­stal­tung des “Leo” datiert aus dem Jahr 1984, und eine Auf­wer­tung des in die Jah­re gekom­me­nen Plat­zes ist in Angriff genom­men wor­den. Doch der Platz zieht sich, hin­ter der Schin­kel­kir­che, noch über drei Bau­blö­cke hin­aus als lang­ge­zo­ge­nes Recht­eck. Hier hat der “Leo” eher Grün­flä­chen­cha­rak­ter. Dort befin­den sich Spiel­plät­ze und ein neu ange­leg­ter “Trin­ker­be­reich”. Die Neue Naza­reth­kir­che (1891–93) mit ihrem 78 Meter hohen Turm prägt den öst­li­chen Platz­teil. Den namen­lo­sen Vor­platz vor dem Rat­haus Wed­ding, der in Sicht­wei­te, jedoch auf der ande­ren Sei­te der Mül­ler­stra­ße liegt, kann man im wei­tes­ten Sin­ne eben­falls als Bestand­teil des Leo­pold­plat­zes bezeichnen.

Nauener Platz

Ein “Nicht-Platz” ers­ter Güte. Er befin­det sich im Schnitt­punkt von Schul- und Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße, dar­un­ter ein in den 1970ern eröff­ne­ter U‑Bahnhof in Pop-Art-Optik, 1910 benannt nach der bran­den­bur­gi­schen Klein­stadt. Inter­es­san­ter ist da schon die Nut­zung des öffent­li­chen Raums an sei­ner Nord­ost­ecke durch ver­schie­de­ne Genera­tio­nen. Das Umfeld rund um das “Haus der Jugend”, einst u.a. Stand­ort der Kin­der­bi­blio­thek, wur­de 2009 unter dem Mot­to “Naue­ner Neu” umge­stal­tet. Hier befin­den sich Spiel- und Bolz­plät­ze, u.a. auch Spiel­ge­rä­te für Senio­ren. Auf den zwei­ten Blick ein sehr leben­di­ger Platz!

Weddingplatz

His­to­risch inter­es­san­ter Platz an der Stel­le, wo die Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße im schrä­gen Win­kel auf die Mül­ler­stra­ße trifft. Einst hieß er Kirch­platz, was sich auf eine nicht mehr nach­weis­ba­re Kir­che im wüst gefal­le­nen Dorf Wed­ding bezie­hen könn­te, wur­de aber 1835 umbe­nannt. Denn auf sei­ner Flä­che befand sich zuvor das Vor­werk Wed­ding. Die Dan­kes­kir­che in sei­ner Mit­te wur­de bis 1885 von August Orth errich­tet, im 2. Welt­krieg zer­stört und durch einen 1972 eröff­ne­ten sym­me­tri­schen Neu­bau von Fritz Bor­n­e­mann ersetzt, bei der der Glo­cken­turm in die Außen­wand inte­griert wur­de. Bedeut­sam ist der Fir­men­sitz der Fir­ma Sche­ring an sei­nem West­rand seit 1871 – das Phar­ma­un­ter­neh­men wur­de 2006 von der Bay­er AG über­nom­men. Das bis 1974 erbau­te 16-geschos­si­ge Ver­wal­tungs­ge­bäu­de wur­de spä­ter für sei­ne Inte­gra­ti­on in den Stadt­raum prä­miert! Unstrit­tig dürf­te sein, dass die­ser von Kriegs­zer­stö­run­gen gepräg­te und durch Gebäu­de im Zeit­geist der 1970er Jah­re ergänz­te Platz ein vom Ver­kehrs­lärm umtos­ter, unwirt­li­cher Ort ist, der trotz sei­nes Namens wohl kaum als iden­ti­täts­stif­tend für den Wed­ding gel­ten kann und auch als Platz so gut wie nie­man­dem bekannt ist.

Nachtigalplatz

Auf dem Nachtigalplatz
Auf dem Nachtigalplatz

Städ­te­bau­lich inter­es­san­te Lösung an einer Stel­le, wo sich die Togo­stra­ße und die Peter­s­al­lee recht­wink­lig tref­fen und die Afri­ka­ni­sche Stra­ße das Gan­ze dann im 45-Grad-Win­kel schnei­det. Um die­se ver­murks­te Kreu­zungs­si­tua­ti­on her­um wur­de ein recht­ecki­ger Platz mit ein­heit­lich gestal­te­ten Wohn­bau­ten ange­legt; in den vom Ver­kehr frei­ge­las­se­nen Frei­flä­chen befin­den sich tris­te Rasen­flä­chen. Grün­an­la­ge kann man die­se Platz­si­tua­ti­on beim bes­ten Wil­len nicht nen­nen. Ein Defi­zit an Grün­flä­chen bekla­gen die Anwoh­ner aber nicht, befin­det sich doch nur ein paar Schrit­te wei­ter die 120 Hekt­ar gro­ße Flä­che des Volks­parks Reh­ber­ge mit den aus­ge­dehn­ten Klein­gar­ten­ko­lo­nien. Knatsch gibt es eher wegen des Namens­ge­bers, dem Afri­ka­for­scher Gus­tav Nach­ti­gal. Die Umbe­nen­nung des Plat­zes wird ins­be­son­de­re von anti­ras­sis­ti­schen Initia­ti­ven gefor­dert, ist aber der­zeit poli­tisch nicht umsetzbar.

Max-Josef-Metzger-Platz

Auf dem Max-Josef-Metzger-PlatzEinst der Cour­biè­re­platz, benannt nach einem preu­ßi­schen Feld­mar­schall (1733–1811), ist die­se klei­ne Grün­flä­che umge­ben von ein paar Wohn­häu­sern, der St.Josefkirche und der Arbeits­agen­tur Mül­ler­stra­ße. Seit 1954 steht die Trüm­mer­säu­le auf dem Platz, die an den Wie­der­auf­bau erin­nert, den Platz aber eher noch trost­lo­ser erschei­nen lässt als ohne­hin schon. Der 12 Meter hohe Pfei­ler von Ger­hard Schult­ze-See­hof ist mit Mosa­ik­re­li­efs geschmückt. Der “Park” drum­her­um wirkt ins­ge­samt etwas unge­pflegt, kein Wun­der, dass der Platz im Volks­mund Lau­se­park heißt. Da ist der auf der ande­ren Sei­te der Gericht­stra­ße lie­gen­de Urnen­fried­hofs­park mit dem Kre­ma­to­ri­um schon ein schö­ne­rer Blick­fang. Der heu­ti­ge Name des Plat­zes erin­nert an einen streit­ba­ren katho­li­schen Theo­lo­gen, der wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs drei Jah­re lang an der St.Josefkirche gegen­über des Plat­zes gewirkt hatte.

Louise-Schroeder-Platz

Hier, an der Gren­ze zwi­schen Mit­te und Rei­ni­cken­dorf, hat man einen Platz nach Ber­lins ers­ter Ober­bür­ger­meis­te­rin (1947/48) benannt. Der Tages­spie­gel schreibt dazu: “Hat Loui­se Schroe­der … die­sen Platz ver­dient? Er ist ein vom Ver­kehr umtos­tes Mau­er­blüm­chen, ein stil­ler Treff der Trin­ker­sze­ne. Vor allem ist er eine unfrei­wil­li­ge Aus­stel­lung der Schä­den, die der Geld­man­gel Ber­lins an den öffent­li­chen Anla­gen anrich­tet. Es sind zwar noch Spu­ren mini­ma­ler Pfle­ge zu erken­nen, der Rasen ist leid­lich gemäht, die Rosen her­un­ter­ge­schnit­ten. Aber sonst? Die Zier­bee­te der west­li­chen Platz­hälf­te wer­den von Löwen­zahn und Dis­teln über­wu­chert, der Zier­teich auf der Ost-Hälf­te sieht vor lau­ter Algen aus wie ein Sumpf. Und in die Wege hin­ein wuchert Unkraut, alles wächst wild, und in eine Ecke hat irgend­je­mand sei­ne über­zäh­li­gen Ikea-Schrän­ke ent­sorgt.” Muss man noch mehr dazu sagen?

Augustenburger Platz

Augustenburger Platz
Augus­ten­bur­ger Platz

Die­ser Platz, benannt im Jahr 1901 nach einem Schloss in Däne­mark, hat nur eine Haus­num­mer. Immer­hin han­delt es sich beim Adres­sa­ten um das Virchow-Kli­ni­kum der Cha­ri­té. Wie ein Schloss mit einem reprä­sen­ta­ti­ven Vor­hof wirkt der zum Augus­ten­bur­ger Platz wei­sen­de älte­re Teil des bis 1906 von Lud­wig Hoff­mann errich­te­ten Kran­ken­haus­baus. Der Platz selbst ist weni­ger attrak­tiv – eine unge­pfleg­te Grün­an­la­ge mit U‑Bahn-Ein­gang (Amru­mer Stra­ße). Die hier begin­nen­de brei­te Torf­stra­ße mit ihrer grün­der­zeit­li­chen Bebau­ung wird eher als urba­ner Raum wahr­ge­nom­men als die­ser drei­ecki­ge Vor­platz zum Kran­ken­haus. Auf die Idee, sich hier für län­ge­re Zeit hin­zu­set­zen, kommt hier wohl niemand.

Sparrplatz

Groß ist der lang­ge­zo­ge­ne, 1897 nach dem ers­ten Feld­mar­schall Otto Chris­toph Frei­herr von Sparr (1599–1668) benann­te Platz im Spren­gel­kiez ja durch­aus. Kuri­os ist, dass auf bei­den Platz­sei­ten die Sparr­stra­ße ver­läuft – eine Post­adres­se Sparr­platz gibt es nicht. Herr­mann Mäch­tig leg­te 1902 einen Ent­wurf zur Gestal­tung vor, 1919 und 1931 gab es eine erneu­te Umge­stal­tung. 1950 und 1954 erfolg­te eine Neu­an­la­ge, bei der Gehölz­grup­pen gepflanzt und Spiel­plät­ze errich­tet wur­den. Durch das Quar­tiers­ma­nage­ment, das sich nach dem Platz (und nicht nach dem Spren­gel­kiez) benannt hat, ist viel Geld in die Moder­ni­sie­rung der Anla­ge geflos­sen. Heu­te gehört der Platz wie­der zu den ange­neh­me­ren Orten im Wed­ding, zumin­dest tags­über und im Sommer.

Nettelbeckplatz

NettelbeckplatzJoa­chim Chris­ti­an Net­tel­beck ver­tei­dig­te sei­ne Stadt Kol­berg gegen Napo­le­on. Der Platz, wo sich die Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße, die Lin­dower und die Gericht­stra­ße kreu­zen, heißt seit 1884 nach die­sem Kauf­mann. Zuletzt 1985 wur­de der Platz umge­stal­tet, er ist seit­her ver­kehrs­be­ru­higt. Es ist einer der ganz weni­gen Plät­ze im Wed­ding, auf denen man sich auf einer gro­ßen run­den Bank unter Bäu­men nie­der­las­sen kann. Ein Denk­mal namens “Tanz auf dem Vul­kan” (1988) gibt dem run­den Stadt­platz einen Mit­tel­punkt. Die Wie­der­eröff­nung der Ring­bahn mit dem S‑Bahnhof Wed­ding hat sicher auch dazu bei­getra­gen, dass der Net­tel­beck­platz an Auf­merk­sam­keit hin­zu­ge­won­nen hat. Mit dem Kik­i­Sol, dem “Magen­dok­tor” und der Gericht­stra­ße ist der Platz im Mit­tel­punkt eines sich ent­wi­ckeln­den Nacht­le­bens. Als Platz, der für den Wed­ding eine zen­tra­le Bedeu­tung besitzt, wird der Net­tel­beck­platz aller­dings noch nicht wahrgenommen…

Pekinger Platz

1905 wur­de der drei­ecki­ge Platz am Nord­ufer des Schif­fahrts­ka­nals nach der chi­ne­si­schen Haupt­stadt benannt. Damit soll­te an die Beset­zung Pekings durch Trup­pen der Groß­mäch­te unter deut­scher Füh­rung im Jahr 1900 erin­nert wer­den. Das “Café Acht­eck”, ein denk­mal­ge­schütz­tes Pis­soir, stammt aus dem Jahr 1890. Nach­dem der Platz nach dem Krieg als Trüm­mer­ab­la­de­platz gedient hat­te, wur­de er 1949 wie­der als Park errich­tet. 2010 wur­de der Park neu gestal­tet und die Stra­ße Nord­ufer ver­kehrs­be­ru­higt. Seit­her gibt es zahl­rei­che neue Fit­ness-Spiel­ge­rä­te auf der Pro­me­na­de mit Was­ser­la­ge. Auch gibt es mit dem “Aus­zeit” direkt am Platz ein belieb­tes Café. Fazit: Der Pekin­ger Platz ist unbe­strit­ten Wed­dings schönst­ge­le­ge­ner Platz!

Es gibt natür­lich noch mehr Plät­ze im Wed­ding, z.B. den Zep­pe­lin­platz. Wel­cher Platz gefällt euch am wenigs­ten? Und gibt es Plät­ze, die ihr als “schön” bezeich­nen würdet?