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Schnell am Stau vorbei:
Seit 30 Jahren wieder Straßenbahn

14. Oktober 2025
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„Mensch, die ist ja leise!“, wunderte sich ein Weddinger, als am 14. Oktober 1995 die damals neue Niederflur-Straßenbahn über die Bösebrücke in Richtung Louise-Schroeder-Platz fuhr, schrieb damals die Zeitschrift Signal. Es handelte sich um die erste Strecke, die nach 1967 im Westteil Berlins wiedereingerichtet wurde. 2,7 Kilometer lang war der erste Abschnitt. Und die Strecke führte ausgerechnet über die Brücke, die durch den Mauerfall am 9. November 1989 weltweit berühmt geworden war. Ausgerechnet war es auch der Wedding, der von der hohen Kapazität des Verkehrsmittels Straßenbahn profitieren durfte, bevor viele Jahre später auch eine Elektrische nach Moabit gebaut wurde.

Die Express-Busse und die Buslinien auf der Osloer Straße wurden mit der Einführung der Straßenbahnlinien 23 und 24 zurückgezogen. Am Louise-Schroeder-Platz endete der erste Bauabschnitt – die Züge wendeten dort an einem provisorischen Gleisdreieck. Nach der Verlängerung der Strecke auf der Seestraße bis zum Virchow-Klinikum, was noch bis 1997 dauern sollte, wurde dieses Gleisdreieck wieder abgebaut. Später änderten sich die Linien noch zwei Mal: die 24 zur Hansastraße wurde eingestellt und durch die 50 nach Französisch-Buchholz ersetzt. Aus der 23 wurde 2004 die Metro-Linie M13 zur Warschauer Straße.

Die Straßenbahn war im Wedding kein Novum, denn sie kehrte 1995 auf ihre historische Strecke zurück, die der früheren Linie 3. Diese war eigentlich eine Ringlinie, die durch den Mauerbau 1961 in zwei Hälften geteilt wurde. Seither endete die Weddinger „3“ an der Osloer Straße/Grüntaler Straße. Doch 1964 war es dann mit der „3“ ganz vorbei, sie wurde durch den vermeintlich moderneren Bus ersetzt. Die damals in ganz West-Berlin verpönte Straßenbahn war bis 1967 ganz aus der Teilstadt verschwunden. Umso erstaunter waren die Weddinger:innen, die noch die rumpelnde alte „Elektrische“ kannten, wie modern die damals neu eingeführte Niederflurstraßenbahn war. Wesentlich geschmeidiger glitt sie auf den neuen Schienen am Autostau vorbei. Allerdings auch ganz schön schnell, sodass es seither vermehrt Unfälle mit querenden Fußgänger:innen gibt. Bei den aus DDR-Zeiten stammenden „Tatras“ mit ihren Treppenstufen hielt sich der Fahrgastkomfort allerdings in Grenzen. Inzwischen sind die jedoch selbst aus dem Alltagsbetrieb der BVG verschwunden.

In den letzten Jahren war die Straßenbahnstrecke, die nun auch schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, des Öfteren gesperrt – auch für längere Zeit. Dann hieß es: Umsteigen auf unbequeme und überfüllte Gelenkbusse! Dabei hat sich gezeigt: Die Zeiten, in denen sie gern auf der See- und Osloer Straße auf Gummireifen unterwegs sein möchten, sind für die meisten Weddinger:innen definitiv vorbei. Übrigens, auch wenn auf den Haltestellenschildern Tram steht – dieses Wort sagte man früher nicht in Berlin, inzwischen hört man es aber immer öfter. Straßenbahnen sind leise, bieten viel mehr Platz und sind auch schneller unterwegs. Darauf möchten wir im Wedding nicht mehr verzichten. Also, liebe Straßenbahn, wir gratulieren zum 30. Jubiläum deines Comebacks im Wedding!

Noch mehr zur Geschichte der Straßenbahn

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

6 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. „Durch den Mauerbau wurde die Linie 3 in zwei Hälften geteilt. Soweit mir bekannt, war das schon weitaus früher der Fall. Endstation der 3 im Westen, Grüntaler Str., Rangiermöglichkeit neben dem Grünstreifen des dortigen Reichsbahngeländes. Wer weiter wollte, mußte zu Fuß über die Bösebrücke laufen und setzte die Fahrt im Ostteil fort. Müßte man mal genauer ermitteln.
    Gegenüber der Endhaltestelle in der Grüntaler Str. befand sich die schönste Kneipe Berlins, „Grüntaler Hof“, Pausendomizil der Straßenbahner, betrieben von einem Geschwisterpaar. Neben Getränken vom Faß lagerte im Keller eine Unmenge Flaschenbier, exotischer Herkunft. Hier trank ich mal eine Flasche Elefantenbier, während der Plattenspieler Hans Albers intonierte. Längst geschlossen wurde auf bestimmte Klopfzeichen noch geöffnet. Letzmalig in den achtziger Jahren dort. „Grüntaler Hof“ wäre ein ausgezeichnetes Thema zur Berliner Kneipenkultur.

    • Das mit der Linienteilung stimmt. Die West-BVG ließ nämlich keine Straßenbahnfahrerinnen zu, die die Ost-BVG ab 1950 einsetzte. Daher wurde die Linie 3 schon vor 1961 unterbrochen.

  2. Es ist ja beileibe nicht nur eine gute Idee, die Straßenbahn zurückzuholen! Wer braucht schon gemütliche Busse, wenn man doch schnelle, breite und sogar 30 Jahre alte Geschichte auf Schienen haben kann? Die Weddinger:innen wissen genau, was sie tun: Eine Elektrische, die glitt, aber auch schon mal zu schnell war, ist besser als ein überfüllter Gelenkbus, der nicht mal richtig ankommt. Die Tatras waren vielleicht nicht komfortabel, aber die neuen sind ja sicher besser – hoffentlich! Wir gratulieren der Straßenbahn zum 30. Jubiläum und hoffen, dass sie noch lange nicht wieder verschwindet, auch wenn manchmal gesperrt ist. Es ist ja auch gut, dass man Tram jetzt sagen darf – man muss ja mit der Zeit gehen, auch wenn man’s nicht immer mag!

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